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Selbst-Emancipation · 1892-04-07 · Heft 6-7 (7.4.1892) · p. Seite 62

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 6-7 (7.4.1892)
Date
1892-04-07
Page
Seite 62 (sequence 12)
Language
German
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Seite 62. Selbst-Emancipation Nr. 6 u. 7. zu suchen. Ein Mitglied der Kaffe mahnte bei dieser Gelegenheit die russisch-jüdischen Studenten an ihre Pflicht gegenüber ihrem Bolle, und stellte den Antrag, man möge gleichzeitig für die aus Akoskau ausgewicfenen Juden nach Hilfe suchen. Die wenigen Ruffcn und Polen zeigten gegen diesen Antrag eine stumme Oposition, für die laute sorgten die Bürger des „AnsiMungsrayons." Für den Antrag stimmten die paar anwesenden „Palästinenser und ein — Bulgare. Der Antrag fiel. Demos. Palästina. Jerusalem, den 17. März 1892. Herr Bloch, der bisherige Verwalter der Colonie Rischon l'Zion, ist aus seinem Amte geschieden — man hört auch, er sei desselben enthoben worden — und nach Europa abgereist. . Jüngst ist ein Regiernngserlass erschienen, wonach zur Gründung von Schulen die behördliche Erlaubnis cinzuholen ist; bezüglich bereits gegründeter Lehranstalten ist diese Erlaubnis nachträglich zu erwirken. Amitlii. Chronik. Smolensky-Gedenkfeierm. In Lemberg fand am 26. März eine vom Vereine .„Zion" im großen Style veranstaltete Smolcnsky - Gedächtnisfeier statt, über welche wir ausführlicher in nächster Numincr berichten werden. — In Baltimore, Boston und Chicago wurden über Anregung der „Hapisgah" Smolcnsky-Gedächtnisfeicrn abgchaltcn. | Uereinsuachricht. Samstag, den 2. d. Mts. Abends fand eine ordentliche Generalversammlung des akademischen Vereine s„Kadimah" statt. Bei derselben fanden die Neuwahlen statt,'und zwar wurde gewählt: Herr sind mcd. Karl Pollak zum Präses, Herr sind..mcd. Israel Caleb zum Vicepräscs, die Herren Stildicrendcil^Julius Gach, L. Liebster, Oscar Marian, Rüben Nadel und Isidor Schalit zu Ausschussmitgliedern, die Herren Studierenden Leonhard Gcrbcl, I. Goidbcrg, Robert Grünbaum, Jacob Meiscls zu Ersatzmännern. - Zerr Dr. Caro, Rabbiner in Lemberg, hat die in unserer letzten Nunnncr veröffentlichte Eorrespondcnz aus Lemberg vom 14 Februar d. I. mit einem Briese beantwortet, in welchem er dieselbe als „vom Anfang bis zum Ende erlogen" bezeichnet. Wir nehmen keinen Anstand, wiewohl wir von Herrn Dr. Caro hiezu gar nicht ausgesordert wurden, diese Berichtigung zu veröffentlichen. Wir könnten cs nur bedauern, wenn wir von unserem Korrespondenten, der uns übrigens zum ersten Mal ebcrichtete, getäuscht worden wären und fordern unsere Lembergcr Freunde auf, uns in dieser Sache Klarheit zu verschaffen. Herrn Dr. Caro hat es aber auch beliebt, in seinem Briefe der Rcdaction oder dem Redakteur — wem von beiden, war nicht gut zu entnehmen, — die gröbsten Beleidigungen zu schreiben. „Was sind Sie bester als Schneider und Bergani, wenn Lug' und Trug Ihre Spalten Men? Ein jüdischer Staat unter solcher Acgide! Gott bewahre undschütze uns in Gnaden," ist eine besonders saftige Stelle des Brieses. In dem Antwortschreiben, das unser Chestcdactcur, der sich ties beleidigt fühlte, an Herrn Dr. Caro richtete, hieß cs: „Ich werde mich nicht so tief erniedrigen, Ihr Ivüstes Geschimpfe mit derselben Münze heimzuzahlcn. Wenn Sie einen Gran Besonnenheit im Kopfe hätten, würden Sic, bevor Sic einen solchen insnltcnrcichen Brief an eine Rcdaction schreiben, zuvor überlegen, wie weit deren Schuld reicht. Die Rcdaction könnte^ja auch dupirt worden sein, und Ihre Pflicht wäre cs gewesen, eine offene Berichtigung einzuschickcn und nicht in einem geschloffenen Briefe die pöbelhaftesten Schiinpstvortc, die inan nicht einmal gerne aus dem Munde eines Markttvcibcs hört, gegen die Redaction zu gebrauchen". Sohin spricht der Brief unter Hinweis auf den schönen Vergleich mit Schneider und Vergani dem Herrn Dr. Caro „die moralischen Qualitäten" ab, um die Summe von Aufopferung, und Entsagung zu begreifen, welchen der Kampf des nationaljüdischcn Redactcnrs „gegen cineMebcrinacht von hämischen und ordinären Naturen" erfordert. „Wie der neue jüdische Staat" heißt cs weiter „ausschen werde, fragen Sie, wenn er unter solcher Aegide gegründet werde? Gewiss bester, wenn wir es erleben, wie unter der heuchlerischen und niedrigen Patronanz des modernen jüdischen Pfaffenthums". Schließlich fei noch erwähnt, dass sich auch der Lembergcr „Israelit" bewogen fühlt, wegen der mchrerwähnten Correspondenz keck zu werden. Nun, mit diesem Blatte werden wir gewiss^ nicht polcmisiren. 9**,,Missionar im Rabbinrrklcidc". So nennen „Dibre Emeth, ein in Berlin erscheinendes Missionsblatt den merkwürdigen Rabbiner vonTapio-Szelein Ungarn, Herrn Lichtcnstein. Der gute Mann hat neuerdings wieder eine Schrift „Judentum und Christentum" veröffentlicht, in welcher wörtlich zu lesen ist: „Sollten die Juden nicht im Neuen Testament forschen, um Christum kennen zu lernen?' Wahrhaftig! Wer ihn kennt, muss ihn lieben, wer ihn liebt, muss ihn verehren, wer ihn verehrt, muss ihm huldigen, und wer ihm huldigt, begreift, wenn er sagt: „Ich und der Vater sind Eins." Man kann aus der einen Stelle erkennen, wess Geistes und Charakters Kind der Verfasser des Buches ist, den übrigens sein eigener Sohn, ein Arzt als wahnsinnig erklärt hat. Schon seit langem bemüht man sich, den intcreffantcn Rabbiner von fernem Posten zu entfernen, aber —- die Gemeinde will ihn nicht lasten; sie besteht eben aus lauter „Magyaren mosaischer Confcssion". Und so amtirt er ruhig weiter, der wackere „Missionar im Rabbinerkleide". Ans Deutschland. In Berlin gab cs große Judendebatten im preußischen Abgcordnetcnhause und im deutschen Reichstage. Im erstercn brachte der Conservativc v. Wackerbart beim Justizetat die Judenfrage aufs Tapet, indem er das Vorkommen von Ritualmordcn behauptete. — Im Reichs? tage wurden vom Abgeordneten v. Stumm die Berliner Straßenkrawalle, den Socialdemokraten zur Last gelegt. Demgegenüber crinilerte Richter, dass bei der Frage der Urheberschaft auch die Antisemiten zu erwähnen wären, wogegen sich diese verwahrten. — Die antisemitische Presse erzählt von französischen „Modejuden" als ag6nt8 provoeatours bei den Straßcnkrawallen. Auch eine nette Lüge! Dem Jahresberichte des deutschländischen Palästina- Vereines „Esra" pro 1891 entnehmen wir, dass die Mitgliedcrzahl von circa 900 im Jahre 1890 ans circa 1500 gestiegen ist, und die Einnahmen von 1945 Mk. aus 3940 Mk. gewachsen sind. Die preußische Regierung hat den Einttitt russischjüdischer Auswanderer in ihr Gebiet völlig verboten. Offenherzigkeit. Pastor Moriz Schwalb in Bremen — derselbe, der im Herbste 1890, angeregt durch einen Artikel der „Nation", an Rabbiner Dr. Ph. Kroner eine in sämmtlichen jüdischen Zeitschriften veröffentlichte Aufforderung zur Unterstützung der russischen Juden richtete*) — Macht neuerdings durch seine geistvollen und freisinnigen Predigten, worin er sich auch über den Antisemitismus abfällig äußert, von sich sprechen. In einer derselben sagt er nun wörtlich: „Es gibt sehr wenige Christen, vielleicht sehr wenig gebildete Menschen, die im Grunde ihres Herzens von antisemitischen Gedanken, Gefühlen und Regungen völlig frei sind. Ich selbst, der ich mit Recht für einen Feind der Antisemiten gelte, ich selbst finde in mir gar Manches, was entschieden antiscnntisch ist. Ich bin nicht so judenfreundlich, als man meint." Von den „kleinen Unarten" der Juden sagt er: „In den Ghettos ist er so verkommen und verkrüppelt", und etwas weiter: „Kein Wunder, wenn manche vor ihm etwas wie eine körperliche Antipathie empfinden". Schwalb glaubt auch, man „lasse sich gegen die Juden aufhetzen durch ererbte Triebe und Leidenschaften, man werde in unserer Zeit als Antisemit geboren". Wir meinen, dass Letzteres in alten Zeiten der Fall war, ist und sein wird. Am 31. März d. I.. sind cs vierhundert Jahre geworden, dass Ferdinand und Jsabella von Spanien jenes berüchtigte Decret erließen, das allen ungetauften Juden bei Todesstrafe und Güterverlust aufttug, bis 31. Juli 1492, also binnen 4 Monaten, Spanien zu verlassen. Wir verfügen nicht über den Raum, um alle die einzelnen Normen des grausamen Edictes aufzuzählen, um alle seine entsetzlichen Folgen zu beschreiben. Keine Phantasie 'ist rege genug, um ein Elend auszndenken, wie es der Blutmensch Torquemada durch den von ihm hervorgerufeueu königlichen Erlass über hunderttausende von Juden thatsächlich verhängt hat. Wir können es nur dann mitfühlen, wenn wir uns die Ereignisse ansehen, welche im letzten Jahre ebenfalls über hunderttausende unserer Brüder hereingebrochen sind. Die Analogie ist in die Augen springend, es ist die Analogie des'Golus. Hoffentlich *) S. Artikel „Was thun Ihre Leute?" in Nr. 16 des Jahrganges 1680 der „S.-E." U..

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