Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 6-7 (7.4.1892)
- Date
- 1892-04-07
- Page
- Seite 57 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 u. 7. Selbst-Emancipation Nr. 6 u. 7. Selbst-Em ancipation Seite 57. auf diese seine Ueberzeugung seinen Messiasglauben auf. Diese Ueberzeugung aber, die Grundlage der nationalsüdischen Bewegung, beseelte bereits in unserem Jahrhundert — von den vergangenen abgesehen — große jüdische Rabbinen, so R. Zwi Hirsch Ka tisch er, der sie aus der Bibel, dem babylonischen und jerusalemischen Talmud und deni Sohar in seinem Buche „Dirschath Zion", das die Billigung (Imskamnd) von R. Elia Gu cm ach er, R. Akiba Eg er, und Chatham Ssofer erhielt, ableitete. Wer wollte es wagen, dieser Männer zu spotten'? Wer wollte sich aber auch der Einsicht verschließen, dass die von solchen Männern gutgeheißene nationale Bewegung die Rettrmg der modernen jüdischen Jugend von dem Moloch der Assimilation bedeute, dass sie Tausende in den Schoß der israelitischen Nation zurückführe? Wer wollte für die heiligen Gefühle, welche dieser Bewegung zu Grunde liegen, nur Spott und Hohn haben?- Und nun wollen wir uns mit einein in der gestrigen, Nummer des _Zsid<5 Hiradö“, des ungarisch geschriebenen Organes der ungarisch-jüdischen Orthodoxen, abgedruckt gewesenen Artikel, dessen Verfasser sich Adolf Frankl nennt, beschäftigen. Wäre der Aufsatz in einem assimilatorischen Blatte erschienen, so hätten wir ihn nicht weiter beachtet. Der Umstand aber, dass er in einem orthodoxen Blatte erschien, in einem Lande, wo man von der jüdischnationalen Bewegung noch nichts weiß und daher leicht Vorurtheile bezüglich derselben fassen kann, zwingt uns zur Besprechung. Herr Frankl stellt die nationaljüdische Bewegung in Russland und Polen der ungarisch-jüdischen Neologie gegenüber und kommt zu dem Schlüsse, dass beide Erscheinungen vergehen und werwehen werden; nur werde das National-Judentum wie ein Held auf dem Kampfplatze sterben, während das Reform-Judentum rühmlos verschwinden werde. Die national-jüdische Bewegung in Russland sei ein Wahnsinn, der benachbarten Nationalität entstammend, sie trenne Zusammenhängendes, hebräische Sprache und Judenthum, Nationalität und Religion; sie gehe einem Phautasiegebilde nach und erfülle die Nationalen mit Hirngespinnsten. Die hebräische Sprache und ihre Literatur und die Liebe zum Lande Israel seien es, welche diese Unglücklichen in eine Welt der Einbildungen führe. Dann beschäftigt sich Herr Frankl mit den Neologen, um sich schließlich noch einmal über die hebräische Sprache weise zu äußern. Er beklagt sich, dass dieselbe der Pfeil sei, welchen man gegen die jüdische Religion und den Glauben losschieße, die Magd vertreibe die Herrin. Die Sprache, in welcher Gott mit uns gesprochen habe, die heilige Sprache, werde durch ein Schrifttum voll Buhlschaft, Ketzerei u. s. w. entweiht. „Ihr sollt mir ein Priesterreich, ein heiliges Volk sein!" schließt er seinen Artikel. Bemerkt sei, dass Frankl wie gewöhnlich auch in dem besprochenen Artikel seine Gründlichkeit und Belesenheit zeigen will, indem er nebst Maimonides, Nachmanides, und dem Sohar, die Deutschen Goethe und Hartmann, die Franzosen Pascal und Rousseau, den Engländer Shakespeare, und deu Ungarn Madach citirt. Schon im vorigen Sommer hatte uns Herr Frankl in zwei Artikeln seine große Liebe zu Ungarn gezeigt und bei dieser Gelegenheit die hebräische Sprache mit Hohn überschüttet. Dagegen ist Arpad sein Stolz und das tausendjährige Reich der Magyaren der Inhalt seines Geisteslebens. Merkwürdig ist, wie der extreme deutsche Reformjude — der Verfasser des famosen Artikels „Der Nationaljude" in dem bekannten deutschen Assimilationsblatte — und der ultraorthodoxe ungarische Jude zusammentreffen, sich in der Verhöhnung der nationaljüdischen Bewegung die Hände reichen. Merkwürdig ist, wie von beiden Seiten über die arme hebräische Sprache hergefallen und die Liebe zu Zion verlacht wird. Weshalb das? Nur um einem fremden Volke schönzuthun, ' nur um sich Liebkind bei ihm zu machen. Die ungarisch-jüdischen Assimilanten, welche sich ihres Judentums schämen und die Ungarn selbst an magyarischem Nationalgefühle übertreffen, so dass sie sogar von den Sachsen und Rumänen des Landes als die Veranlasser der Magyarisirung gehaßt werden, geben das böse Beispiel. Die Orthodoxen wollen nun nicht Zurückbleiben, fiirchten es mit den Machthabern und dem Volke zu verderben, werden daher zu ganz gewaltigen Magyaren, und geben eine orthodoxe Zeitung in ungarischer Sprache heraus. Darin fallen sie einmal über den jüdisch-deutschen Jargon her, den sie noch vor einigen Jahren als die Schutzmauer des Judentums ausgaben, ein anderesmal, um sich ein patriotisches Mäntelchen umzuhängen, über unsere heilige Sprache, welche sie nicht verstehen. Herrn Frankl ist wohl bte. Sprache Arpads heilig, warum schreibt er denn dann so unheilige Sachen in ihr, welche er in hebräischer Sprache nicht schreiben will? Der von ihm citirte Maimonides erklärt es für verboten, auch in den Sprachen der anderen Völker Nichtiges zu sprechen und zu schreiben, weil dies der hohen Bestimmung der menschlichen Sprache überhaupt widerstreite. Wenn Herr Frankl nur annähernd genau darüber insormirt wäre, was die nationaljüdische Bewegung ist und will, dann würde er nicht die Nalionalen mit den Neologen verglichen haben. Kann er nicht hebräisch oder deutsch lesen, — oder will er dies aus magyarischein Patriotismus nicht thun, — um zu wissen, wie sich die jüdisch-nationalen Blätter über die Reeeptionsbewegung, dieses Steckenpferd der Neologen, ausgesprochen haben? Wenn er nur das Wort „l'umi" (national > verstehen würde, so müßte er wissen, dass das Grllndprincip der Nationalen die Abwehr der Assimilation ist. Die Nationalen haben ihre Liebe zu Zion gewiss nicht aus Büchern voll Buhlschaft genommen, sondern aus den Weissagungen unserer Seher Tröst e und Mut geschöpft. Mögen doch die orthodoxen Gegner des National-Jndentums in Ungarn die Augen öffnen und sich die junge Generation — und zwar nicht bloß die Söhne der Neologen — ansehen. Die liest nicht hebräische Werke, weil sie sie nicht versteht, desto mehr aber ungarische Romane. Es wird die Zeit kommen, wo die Orthodoxie ihren Jrrthum einsehen und erkennen wird, dass wir heutzutage die hebräische Sprache bei weitem nötiger haben, als in früheren Zeiten, wo die Väter ihre Kinder in Gottesfurcht erzogen. P. in Ungarn, I. Adar 5652. Ben I s r a e l. Die prineipien des Zionismus. Vortrag, gehalten von Dr. NathanBiLN^nrin^ bei dem vom Vereine „Admcith Jeschurun" in WMr"äm23. Jänner 1802 veranstalteten Discussionsabende. (Schluss.) Wo liegt aber das Land, von welchem ans die Neubelebung Israels vor sich gehen soll? Die Zionisten hegen, — und ich bin hiemit zum 4ten Punkte der Definition des Zionismus gelangt — „Die Anschauung, dass zu diesem Asyle und Sammelpunkte, zu diesem Rückhalt und Mittelpunkte, nur ein Land der Welt sich eignet, die alte Volksheimat der Juden — Palästina." .—Pietät hat heutzutage einen niedrigen Curs; das spricht gewiss nicht gegen sie. Aber sie hat nicht bloss ideellen, sondern auch reellen Werth, insofern sie den Pietätvollen zu Thaten in gewisser Richtung veranlasst. Deutlicher tritt dies bei ganzen Völkern hervor. Die Gefühle eines ganzen Volkes sind eine Macht und es ist verfehlt, dieselben zu ignoriren; klug ist's vielmehr, sich von ihnen ans Ziel führen zu lassen. Der Ruf „Zion" erweckt eine Welt solcher Gefühle in den Herzen unserer Stammesgenossen, er lockt Schaaren begeisteter