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Selbst-Emancipation · 1892-03-04 · Heft 5 (4.3.1892) · p. Seite 60

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 5 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
Seite 60 (sequence 10)
Language
German
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Seile 60. Selbst-Emanciption. Nr. 5 Knotenpunkte für die Verbindung f dreier Welttheile auf den uralten Handelswegeu machen würde. Die Dauer der Conceffion erstreckt sich auf 71 Jahre und beträgt die Länge der Linie Jaffa-Jerusalem 87.5 Kilometer. Die Gesellschüft, - welche ihren Sitz in Paris hat, hat sich mit vier Millionen Francs begründet. Die Bauarbeiten. wurden mit 1. April 1890 begonnen, und hat man, trotz der im letzten Jahre durch wolkenbruchartige Regengüsse hervorgerusenen Hindernisse bereits mehr als 45 Kilometer vollendet, so daß die Hoffnung vorhanden ist, die ganze Bahn im Jahre 1892 dem Verkehre übergeben zu können. Rach Versicherungen der Ingenieure sowie aus den officiellen statistischen Daten ist zuentnehmen, daß der Handelsverkehr zwischen den Endpunk ten der im Bau begriffenen Bahn in den letzten Jahren einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Im Jahre 1875 wurde an Zoll für Maaren, die von Jaffa nach Jerusalem eingesührt wurden, 63.166 Piaster eingehoben, während im Jahre 1888 nahezu 250.000 Piaster vereinnahmt wurden. Im Jahre 1886 betrug die Tragfähigkeits- Ziffer der in Jaffa anlaufenden Schiffe ca. 250.000 T. während dieselbe im Jahre 1888 460.000 T. erreichte. Dank den Ameliorirungen, denen der Hafen von Jaffa unterzogen wurde, steigert sich der Schiffsverkehr von Jahr zu Jahr uud landeten im Jahre 1889 daselbst 415 Dampfer und 365 Segler. Auch die Bevölkerungsziffer ist in steter Zunahme begriffen. Wahrend Jaffa im Jahre 1860 12.000 Seelen zählte, hat es gegenwärtig 35.000 Eiuwohuer und auch die Bewohnerzahl von Jerusalem stieg in derselben Zeit von 25.000 auf 50.000. Bezüglich des Fremdenverkehres ist zu bemerken, daß jährlich 40.000 Pilger von Jaffa in ein und einhalbtägigen Märschen noch Jerusalem ziehen. Mit der Eisenbahn wird die gleiche Strecke in kaum 2 Stunden um den Preis von 20 Francs für die Hin- und Rückreise zmückgelcgt werden können. Recenstonen. rnW ’isp (Ssifre agorah) periodisch herausgegeben uott Bea Avigdor (L. S z a l k o w i c z) in Warschau.*) Sowie es kein Gleichgewicht in der ökonomischen Lage unseres Volkes gibt, ebensowenig existirt ein solches in der neuen hebräischen Literatur. Auf der einen Seite ist sie reich, auf der anderen arm. Reich ist sie an Casuistik, an Bibel- und Alterthumsforschnng, an Essays, sehr arm jedoch an ans unseren concreten Verhältnissen gegriffenen Erzählungen. Denn wenn sich auch unser Leben in engen Grenzen bewegt, so ist es als Innenleben umso wechselvoller. Die schöne Literatur übt. weil sie viele Leser hat, die sie durch ihre Anmuth fesselt, auf das Volk' die mächtigste Wirkung aus. Durch sie werden die erhabensten Ideen, welche erlesene Geister in aller Stille denken,' znm Gemeingut der Nation. Und gerade die schöne Literatur ist in unserem Schristthum geringfügig, beinahe gleich Null. Diesem tiefgefühlten Mangel abzuhelfen, hatBeaAvigdorim Vereine mit begabten Mitarbeitern unternommen, indem er eine Volksbiliothek herausgibt, von welcher alle zwei Wochen ein Heftchen erscheint, welches nur 5 Kopeken kostet. Jede Lieferung enthält eine kleine Erzählung oder eine Gedichte- und Liederscrir. Von den bisher. erschienenen 4 Heftchen enthielt das erste eine Erzählung, „Leah mochereth. hadagim“ („Lea, die Fischeverkäuferin.)" In derselben zeichnet der Autor, Herr L. Szalkowiez selbst, in künstlerischer Weise die russische Judengasse mit ihrem furchtbaren Elend, mit ihrem kleinlichen aber heftigen Existenzkämpfe, unter der Herrschaft des Aufsichtsorganes, das grausam ,die kleinen Geschöpfe uiedertritt, welche sich um eine Brodkrnme balgen Er übersieht auch nicht die Lichtpunkte in dem finstern Bilde, die Herzenstugenden Israels. Auch in dem zweiten ebenfalls von ihm verfaßten Hefte zeigt er die trotz aller Erniedrigung unveränderte Größe Israels. Das zweite HeftenthältzweiPhantasien „Loli'ae ana6twtch-(„zwei Klagen") und „Uosollsll" o schloscheth. han’bhüm“ (.Moses" oder „die drei Propheten". Die letztere legt den Zionsgedanken in den Mund unserer Propheten. — Die Sprache Bea A v ig d o r s ist reich an Ausdrücken, Meister- und musterhaft. Es wird noch Gelegenheit sein, auf diesen hervorragenden Schriftsteller und sein Unternehmen ausführlicher zurückzukommen und hiebei dem Principe der Gerechtigkeit gemäß auch vorhandene Mängel hervorzuben.... E.M.B. wjestirik Stotto, sZionsbote.s Ein Sammelbuch. Erster Theil. Herailsgcgebcn von E. Sch. Inhalt: l.] Das Loos der Juden und ihre Ideale. 2.] Das moderne Judäa, eine geografische Beschreibung. 3.] Chronik des Jahres 5652. 4.} Die Liebe zu Zion und die Colonisation. 5.} Die Statuten und Protocolle des Odessaer Comite. 6.] Brief eines Colonisten aus Palästina. Wie aus dem um 25 Kopeken von Dr. M. Schlapos ch n i k o f f, Jusowka, Rußland, Elisabethgrader-Gouvernement, beziehbaren Buche, welches in elegantem Russisch geschrieben, viel Neues und Interessantes bietet, heroorgeht, steht der Verfasser in Beziehungen zum Odessaer Comite und man darf daher auf die weiteren Theile des Sammelwerkes einigermaßen gespannt sein. Mi-^eruschalem von W. Iawitz in Jerusalem. Warschau 5652. Das vorliegenvc Hest ist eigentlich die fünfte Lieferung des von uns bereits gewürdigten, in Jerusalem erschienenen „Haarez". Es läßt sich über dasselbe nur wiederholen, was schon über „Haarez'- und alle Werke von I a wi tz gesagt wurde-, Eine ausführliche Information über die palästinensischen Verhältnisse und Begebenheiten gehen Hand-instand mit einem echten Hebräisch, um die anfpruchvollsten Leser zu befriedigen. Besonders sei auf den Theil der Hefte, welcher der Ausbildung der hebräischen Sprache und der Frage ihrer Wiederbelebung gewidmet ist, und aus die reizvollen Arbeiten märchen-,' sagen- und legcndenartkgen Charakters hingewiescn. Hohe Kreise von H. Berge r, Main; 1892. Mit vieler schriftstellerischer Gewandtheit und noch mehr Liebe zum Judenthum bietet uns der Verfasser der kleinen Erzählung eine dichterische Verdammung des Bestrebens der reichen Juden, in die „hohen Kreise' Aufnahme zu finden. Der Verfasser geht hiebei vom religiös-orthoxen Standpunkte aus, wip kommen von dem weiteren und allgemeineren Gesichtspunkte des Nationaljudenthums zil demselben Resultate. — Die Novelle ist um 25 Pfennige in der Rcdaction des „Israelit" in Mainz zu haben. - Eingesendet. Am 6. d. M. fand im hiesigen neuen Theatersaal t des „Moniußka-Vereines" die 4. Aufführung der Operette „Rabbi Joselmann," vor ausverkauftem Hause statt. Da diese Vorstellung den Schluß eines Cyklus von Dilettanten- Vorstellungen bildete, die der hiesige „Commisu n d Buchhalter-Verein' zu humanitären Zwecken in diesem Winter veranstaltete, so steht sich die Vereinsleitung angenehm veranlaßt, allen denen, welche die Güte hatten, bei diesem Dilettanten-Ensemble mitzumirken. unter namentlicher Aufführung hiermit öffentlich den Dank ausznsprechen. — Es wirkten mit: die Fräuleins Diamant^ D u b e n s k i, Geller, Gr o ß, Mühlstein, und S a l z; die Herren: B e r n f e I b, Brand, D ub e n s k i, Groß, G r 'ö n s p a n, H o r o w i tz. J ona s. K a r p. K e ßl e r, L i ch t m a nn. M e s s i n g, O b l e r, R o s e n b l u m, R u b i n st e i n, T a n n e n- *) Diese Recension ist aus dem Hebräischen übersetzt.

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