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Selbst-Emancipation · 1892-03-04 · Heft 5 (4.3.1892) · p. Seite 59

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 5 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
Seite 59 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5 Sclbst-Emancipation „wichtige Mitheilung an jüdische Auswanderer aus Rußland". Mit dieser Aufschrift ist eine in deutschen und hebräischen Lettern gedruckte Warnung versehen, welche folgenden Wortlaut bat: „In Folge von Maßregeln, welche die amerikanische Negierung getroffen hat, können Sie vorläufig nicht nach Amerika befördert werden. Ich rothe Ihnen daher, nicht nach Bremen zu kommen. Sie würden von hier nach Rußland z u r ü ck geschickt werden. Sollten die Verhältnisse sich ändern, so daß Sie wieder nach A m e r i k a reisen können, so gebe ich Ihnen Nachricht. Bis dahin bleiben Sie zu Hause. Bremen, 18 Februar 1882. F. M i ß l e r General-Schiffsexpedient. Bahnhofstraße 30. *) : Pariser Antisemiten. Die Antisemiten hielten Mitte Februar eine Versammlung un Tanzsaale Tivoli Vauxhall in Paris ab. welcher etwa 2000 Personen beiwohnten. Nach vielen heftigen Reden wurde unter großem Lärm folgende Resolution angenommen: „Die Aufmerksamkeit des Volkes ist auf die Schlechtigkeit der Engländer im Inneren Frankreichs zu lenken, diese Erbfeinde Frankreichs, und ihre politischen und jüdischen Agenten; den Fremden und Juden ist der Besitz fräiizösischen Bodens zu untersage»; bei den öffentlichen Gewalten ist daravs zu dringen, daß die innere und äußere Politik sich >n folg-nden Bahnen bewege: nach außen Allianz mit Rußland, Mißtrauen gegen England, nach innen Freiheit des Gewissens, Freiheit der Arbeit, Schutz der französischen Arbeiter gegen die fremden und jüdischen Unternehmungen." (Bin Brief aus Palästina. Herr M. Ster n. Delegat d.s Vereines „Ädrnath Israel“ in Stryj, hat an diesen seinen ersten-vom 13. Tedeih d. I. datirlen Bericht' aus dem heiiigen Lande eingesandt. Demselben entnehme» wir zunächst folgende Beschreibung der Ackerbauschule „Mikweh Israel“ bei Jaffa: „Endlich gelang cs mir heule „HUk-weh Israel“ zu besuchen. Es liegt an der nach Jerusalem suhlenden Straße, resp. führt von dieser ein auf beiden Seiten mit Bäumen bepflanzter Weg zum Eingänge; die Bäume beginnen jetzt nach dem Negcn wieder frisch belaubt zu werden. Ich trat ein und begab mich über den Hosraum, in welchem sich eine Veranda mit Bänken best idet, in die Kanzlei des Dircctors, dem ich mich vorstellte. Derselbe ist ein junger Mann, spricht nur französisch und hebräisch, und insormirte mich bereitwilligst, Mikweh Israel um saßt 2600 Dulam. **) (Ein Dulam sind 9OO Qnadrat- Meter.) Davon sind 220 Dulam mit Reben bepflanzt, die nach Abzug von „Trumall“ und „Uaasser“ jährlich 300 Hectoliter Wein liefern. Doch wird immer mehr angepflanzt, so daß auch das Erträgniß wächst. Ans 45 Dulam wird Gemüse gebaut, und zwar sollen hier 40 Gcmüsegattungen cultivirt werden. 45 Dulam sind für Citroaen-, Mandel-, Ethrogbäume u. s. w. reservirt, 20 Dulam für Erdäpfel. Der Rest des Grund und Bovens wird zum Geireibeban benützt. In der Anstalt sind 80 Schüler untergebracht, welche von derselben auch Bekleidung und Beköstigung erhalten. Unterrichtsgegenstände sind in erster Linie der Feldbau, dann aber auch wissenschaftliche Fächer, besonders hebräische, arabische und französische Sprache. Außer dem Director wirken noch vier Lehrer an der Schule. Die Stnndeneinthcilung ist folgende: 6 Uhr Früh Beginn der Arbeit. 9 Uhr *) Wie reit nachträglich erfahren, hat die amerikanische Regierung die oben besprochenen Maßregel nur provisorisch und aus' dem Grunde getroffen, weil ain Bord eines in Amerika angekommenen Schisses der Flecktyphus ausgebrochen sei und die Regierung die Verschleppung dieser Krankheit durch russisch-jüdischer Emigranten befürchtet. Die Red. '■'*) Dulam oder Dunam. (Die Redaciion.) Frühstück, dann bis 3 Uhr mit Mittagspause Schule. 3 bis 5 Uhr Arbeit. Nach 5 Uhr wird die Zeit zum Spaziergehen und Aufgabenmahen benützt. Um 9 Uhr Abends wird zu Bette gegangen. Die Schule besteht aus zwei großen Lehrzimmeru; an diese stößt das ebenfalls, geräumige ,östst hamidrasch“. Noch größer sind die Schlafzimmer, von welchen jedes 4 Fenster und 12 Betten har. Die Anstalt hat auch ihren eigenen Schneider. Tischler, Schmied, Binder, sämnttliche Handwerker Jaden. Noch vieles Anderes sah ich, was mir sehr gefiel. Wie schön war diese Jnspection, zum größten Theile im Freien vor sich gehend, in einer paradiesisch dnslenden, prachtvollen Luft!" — lieber den Gang der Colonisatiou und das Einwanderungsverbot schreibt Herr Ster n: „Als die Immigration begann, waren die Aussichten thatsächlich recht gut. Mit jedem Schiffe kamen bei 50 Personen. Viel Boden wurde gekauft und es fanden sich stets Abnehmer von Parcellen desselben. Auch Finaiizinänner begannen einzuwanvern und sich ansäßig zu machen. Handel und Industrie hoben sich. Die Araber sahen mit dem höchsten Rejpecre in den Juden schon die balligen Herren des Landes. Da kam jene unglückselige Verordnung, welche die Einwanderung russischer Juden verbot und änderte mit einem Schlage die Sachlage. Man kennt noch jetzt nicht genau die Veranlaffung dieser Berocanung. Manche behaupten, daß die Einmengung der englischen Regierung den Sultan der jüdischen Einwanderung ungünstig gestimmt habe; andere legen dem Mangel einer Organisation der Immigration die Schuld bei, wodurch es geschehen sei. daß tankende bettelarme Leute mit einem Male das Land überschwemmten und eine große Thenerung erzeugten. Doch, wie dem auch sei, es muß betont werden, daß sämmtliche Patrioten, auch diejenigen, welche Land in größerem Ausmaße augekauft haben und jetzt keine Abnehmer finden, die erwähnte Verordnung als besonderes Glück für Die Coloniiacion betrachten, weil dadurch das Zuströmen von lausenden armen Leuten, die in dem gänzlich nuvorbereiteten Lande keine Existenz finden und dadurch dieses in Verruf bringen können, unterbrochen Der Vorstand der vereinigten israelitischen Gemeinde in Jaffa hat seinen zweiten Bericht h rausgegeben. Ter erste erschien nach elfmonatlichcr, der zweite nach weiterer achtmonatlicher Thätigkeit. Was hier erzählt wird, zeigt von ernstem pslichttrcncn Streben. Um.o.m Piaster wnrdcn russischen Einwanderern als Unterstützung gegeben. Ein grotzes Spital, welches namentlich auch den Colonicn zn Gute kämmt, wurde errichtet, die Elhrogitiifrage wurde mit Erfolg behandelt und »och Anderes niehr. Fürst Caunftcin — Für st Liechtenstein? — in Wien, soll nach dem rnffffche» Blatte „Nowose Wremja" beasichtigen, einen katholischen Palästiiiaverein zu begründen, um den russisch-jüdischen Ansiedlern im heiligen Lande cntgcgciiznivirken. Gttomanische Eiserrbahngesellschast Jaffa-Jerusalem?) DK „Eisenbahn-Z ltang" schreibt unter oirsem Schlagworte: Obige Gesellschaft hak mit 15. Dezember 1891 18.000 Stück 5°/a'g-r Obligationen 500 Francs, welche 25 Francs Interessen adwersen und nach 63 Jahren al pari emgezogen werde,!, ansgegeben. Die genannte Gesellschaft bat sich im Dezember 1389 unter dem Namen Societe du chemin de fer ottomaa de Jaffa ä Jerusalem efc proloagements conftituirt. Der bezügliche Ferman encyall desinitlv die Linie Jaffa-Jerusalem und bedingungsweise die Conceffion' für die Abzweigung nach Nablous (Srchem), Damascu's und nach Gaza (Port Saio). In Port Said gelangt die Bahn zum Suez-Canal und schließk dort an das für den Welthandel so bedeutsame Unternehmen an, während andererseis der Anschluß an Damascus und die projectirte Euphratthalbahn dieses Netz zum wichtigsten *) Siehe Correspondcnz ans Jerusalem in vorletzter Nummer. Die Redaciton. E

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