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Selbst-Emancipation · 1892-03-04 · Heft 5 (4.3.1892) · p. Seite 61

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 5 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
Seite 61 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5 ^elbst-Emancipatioii Seite 61. bäum, Tischler und Weidler. Zum Schlüsse wird auch der mühe- und umsichtsvollen Leitung d s Dilettanter-Comites in der Person des Herrn B. K. U u b i nst e i n dankbare Erwähnung gethan. Vom Präsidium des „Commisnnd Buchhalter-Vereines." S t a n i s l a u, am 11. Februar 1892. Auftuf d«S literarische» Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen „ItTotta“. Von der Ueberzeuguug ausgehend, daß wahre Liebe zu seinem Volke nur von dem empfunden werden kann, der dessen Eigenthümlichkeiten und dessen Vergangenheit kennt, und bestrebt ist, sich und allen denjenigen, welche hiefür Inte-- reffe haben, zur Erwerbung dieser Kenntnisse zu verhelfen, trat zu Beginn dieses Jahres eine Reihe von Mädchen in Wien zu einem Vereine zusammen, um durch Pflege der ruhmreichen Geschichte und der herrlichen Literatur des jüdischen Volkes an dem nationalen Werke der Wiedercrwcckvng des gesunkenen jüdischen Stammesbewußtseins . mitzuhelfen. Mit dem besten Willen, aber nicht ohne Zagen gebt der neue Verein an die Arbeit. Die Schwierigkeiten erfassend, welche sich einem derartigen Unternehmen in Wien entgegenstellen, wo jedem offen da? Judenthum Hervorkehrenden Mißtrauen, selbst Feindschaft von den eigenen Stammesgenoffen entgegengebracht wird, rechnet derselbe hoffentlich nicht vergebens auf die thatkräftige Mithilfe aller jener, die sich an dem Kampfe für Juda's Ehre betheiligcn. Der gefertigte Ausschuß richtet daher an die Autoren .jüd.ischer<-Werke- und Hie.Redactiouen der jüdischen Blätter die Bitte, dem Vereine durch Gewährung von Freiexemplaren eine wesentliche Förderung angedeihen zu laffen. Die jüdischen Frauen und Mädchen aber, welche durch räumliche Hindernisse außer Stande sind dem Vereine als Mitglieder anzugehören, oder gleiche Vereinigungen nicht in's Leben zu rufen vermögen, werden eingeladen, der „Moria" als Föidererinnen beizutreten und dem Vereine dadurch die Ausbreitung der Agitation auch außerhalb seines jetzigen Wirkungskreises zu ermöglichen. Wien. März 1892 - Für deu Ausschuß: Bertha Schalit Franziska Reich Schriftführerin Präsidentin IX., Rögergasse 3. A u f r u f! Brüder! Mes rüstet sich, das P u r i m f e st, das Fest der Geschenke, jubelnd zu begehen. Vergesset da nicht der hunderttausende unglücklichen Brüder die von ihrer Heimatsscholle vertrieben, hungernd umherirren! Ihr seid ja radunanim bnej raehmanim. Höret das Jammergeschrei aus dem Norven und das Wehklagen unseres verlassenen Stammesgenossen im heiligen Lande und Jerusalem. Im Frühjahr, der Zeit des Erblühens der Freiheit, seufzen Tausende von unserem Blute über ihr bitteres Los. Erbarmet Euch ihrer und helfet ihnen zur Zeit Euerer Freude! Preßburg, 1. März 1892. Jesaias Farkas. Miscellen. Die Mische Race. Der berühmte Gelehrte Karl Vogt sagt in seinen „Vorlesungen über den Menschen" (Band II Seite 238 ff.) Man hat auch der Juden erwähnt und diese als Beweis angeführt für die Veränderlichkeit des Stammes, selbst wenn er in so relativ großer Neniheit erhalten wird, wie bei diesem Volke. In der Thal findet man hauptsächlich im Norden, in Rußland und Polen, Deutschland und Böhmen einen jüdischen Stamm mit oft rolhen Haaren, kurzem Barte, etwas aufgeworfener Stumpfnase, kleinen grauen listigen Augen und von mehr gedrungenem Körperbau, mit rundem Gesichte und breiten Backenknochen, der mit manchen slavischen Srämmen, namentlich deS Nordens viele Aehnlichkeit hat. Im Oriente dagegen und in der Umgebung des Mittelmeeres, sowie von dort hinaus nach Portugal und Holland verbreitet, erblicken wir jenen semitischen Stamm mit langem schwarzem Haare und Bart, großen mandelförmig geschlitzten, schwarzen Augen melancholischen Ausdruckes, mit länglichen Gesichtern, erhabener Rase, kurz jenen Typus, wie wir ihn namentlich in Rembrandts Porträten wieder finden. Endlich in Afrika an dem rothen Meere im Abyssinien finden wir eine jüdische Nation, die den Handel verachtet, Ackerbau und Handwerk treibt und sich, wie es scheint, in Nichts von den übrigen Völkern des Landes unterscheidet. Sie leitet ihre Abstammung von der mythischen Königin von Saba ab, welche bekanntlich Salomon besucht und bei diesem mit ihrem Hofgesinde die jüdische Religion angenommen haben soll. — So sollte man denken, in den Juden den Beweis für die Abhängigkeit des Stammes vom Klima in der Hanv zu haben, indem man im Norden Annäherung an den Typus der nördlichen Slaveu. am Mittelmeere an die Orientalen, im Süden an die Abyffinier beobachtet. Leider dürften au ch hier die Nachweise nicht leicht zu liefern sein. Gerade am rothen Meere hatten die Juden seit langer Zeit Ansiedelungen und herrschten sogar vor Mahomed in verschiedenen kleinen Districten, von welchen aus sie, entgegen ihrer sonstigen Art, lebhaft Proselyten machte». Die genauesten Nachforschungen, welche von jüdischen Gelehrten, namentlich von Dr. A s ch e r in Abyffinien selbst angestellt wurden, haben nur auf diesen Weg der Bekehrung, nicht aber auf irgend eine Stammesverwandschaft geführt. Ebenso find fast alle jüdischen Gelehrten darüber einig, daß die beiden Typen, welche im Judenthume vorhanden sind, von uralter Zeit herbestanden, so daß einige sie sogar auf jenen Haufen Volkes zurückführen wollen, welcher der biblischen Erzählung nacb gemeinschaftlich mit den Juden auszoz und mit ihnen den gefahrvollen Zug durch das rothe Meer unternahm. So scheinen dann die Verschiedenheiten, welche die Juden auszeichnen, viel mehr aus ursprünglichen Stammes- Eigenthümlichkeiten. als aus Veränderungen hervorzugehen, welche durch die Locolitättsverändecung bedingt wurden. Ein Grund mehr für diese Ansicht scheint auch in dem Umstande zu liegen, daß die seit mehreren Jahrhunderten in Holland angesiedelten und ursprünglich aus Portugal vertriebenen Juden des orientalischen Stammes ihre Eigenthümlichkeiten unverändert beibehalten haben, während andererseits im Oriente selbst die beiden jüdischen Typen ebenfalls seit Jahrhunderten nebeneinander in demselben Klima und unter denselben Berhältniffen unverändert forthausen. Sm Wort Disraelrs. Lord Beaeonsfield D ' I s r a e l i, der verstorbene englische Kanzler, jüdischen Stammes, hat im Unterhause den Vorwurf, daß er ein Jude sei, mit de» Worten zurückgewiesen: „Ja, ich bin ein Jude! Aber als die Vorfahre» der Herren Abgeordneten noch als wilde Barbaren auf einem unbekannten Eiland hausten, waren die meinigen Priester des einzigen Gottes im Tempel zu Jerusalem."

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