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Selbst-Emancipation · 1892-03-04 · Heft 5 (4.3.1892) · p. Seite 58

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 5 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
Seite 58 (sequence 8)
Language
German
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Seite 58. Selbst-Emancipalion Nr. 5. welche mit uns reden wollten, nicht zu . . . Endlich kamen wir nach Suez, von wo aus wir zu Fuße Weiterreisen sollten. In Suez blieben wir fünf Tage. Dort begann mau uns exerzieren zu lassen, aber außerhalb der Stadt. Wir gingen von 7 Uhr bis 10 Uhr Früh, bis wir zum Exerzierplatz kamen, exerzierten von 10 bis 11 Uhr unv kamen dann um 2. Uhr nach Hause. Während der ganzen Zeit aßen und tranken wir nicht, bekamen vielmehr Schläge, wenn wir uns nicht richtig drehten. Ich wollte nicht weiter mit, und da ich zum Glücke Geld bei mir hatte, fuhr ich um 10 fl. nach Alexandrien. Die Uebrigen gingen weiter und kamen nach 12tägigem Marsch in die Nähe des Sinai. Hier bürdete man ihnen sehr schwere Arbeit auf; sie mußten sich von 6 Uhr Früh bis 8 Uhr Nachts plagen und bekamen sehr wenig zu eflen . . . Als sich Einer, namens R veno w i t s ch, setzte, um ein bischen auszuruhrn, hat ihn F r i e d m a n n beschimpft. Vertrieben und „geharget". *) Wie er das gethan hat, hat Niemand gesehen, weil cS einen Befehl gab, daß jeder, der das Lager verlassen würde, niedergeschosseu wird . . . Als die Leute sahen, daß Einer «geharget" sei, begannen sie bekümmert zu werden und darüber nachzudenkcn, wie sie Friedmann entrinnen könnten. Friedmann erkannte das, zog ihnen die Kleider aus. führte sie in Hemd uno Unterhosen, barfüßig und barhäuptig bis zu der arabischen Stadt Tur. Dort'hatte man Mitleid mit ihnen, gab ihnen Brot unv Wasser und ein Kameel, welches ihnen das Essen tragen sollte. Von Tur gingen sie 8 Tage und ebensoviel Nächte nach Suez." Wenn nur ein Zehntel von dem wahr ist, was hier und auch andererseits behauptet wird, so ist für uns die criminelle Strafbarkeit Friedmann's außer Zweifel. Dochlauten die Angaben F r i e d m a n n's wesentlich anders. Er gibt zwar seine Nenoinmistereien behufs Erzielung eines größeren Nespccis bei den Eolonisten zu, bestreitet auch nicht die Handhabung eimr eisernen Disciplin, auf welche er nicht verzichten zu können meinte, in seiner Truppe, 'weist aber mit Entschiedenheit den Verdacht der Ermordung des N o 2 n o w i t s ch zurück. Laterer sei vielmehr auf Grund des § 11 des mit den Emigranten geschlossenen Vertrages davongcjagt und später, nachdem er sich eine Woche zwischen Scherm-cl-Mojeh und Tur herumgelrieben, noch einem großen Regen von sinaitischen Mönchen gefunden worden, sterbend — wohl an Lungenentzündung. Auch gibt Fried m a u n als ^Veranlassung zu der Auflösnua der Expedition nickt die Affaire N o s n o w i t s ch, sondern die steigende Angst der Juden vor den Beouinen und den in Dnbbah und Midjan als Protest gegen das Unternehmen gelandeten lürkischen Soldaten an. Auch die Ber» liner „Nalional-Zeitung" ist bereit, Fried m a n n zu entlasten und die Schuld auf die geworbenen Juden über« zuwälzen. F r i e d m a n n behauptet, bei seinem Unternehmen 100.000 Gulden von seinem Vermögen verloren zu haben, will das Colonisationswerk aber fortsetzen, wenn ihn die europäischen Juden unterstützen, und zwar mit einem Betragevon 5000 bis 6000 Pfund Sterling im Jahre. Ob sie sich das nicht doch überlegen werdend — Zu erwähnen wäre noch, daß nach der «Neuen Freien Presse" die Annahme. Paul Fried m a im sei früher Missionär gewesen und habe schon einmal eine jüdische Colonie in Palästina gründen wollen, auf einenn Jrrthum und auf der Ver- *) Wir bleiben hier geflissentlich beim Jargonausdrucke, weil wir für die Beschuldigung, welche derselbe involvirl,'vorläufig nicht einstehcn unv daher auch, nicht dieselbe durch die deittschc Uebersetzung noch deuticher mache» wollen Die Red. Wechslung mit einer andern Person ähnlichen Namens beruhe. Äus Italien. Die officielle «Italic" zu Nom empfiehlt den italienischen Inden aus der ..Alliance Jsraelite Universelle" anszutreten und.zukünftig selbstständig für die Interessen des Judenthums durch Errichtung jüdisch-italienischer Centrcn in Tripolis und der erythräischrn Colonie zu wirken. Besonders in letzterer könnten sie. meint die „Italic". durch Anknüpfung von Beziehungen zu den jüdischen Fallaschas in Abessynien die italienischen Interessen Afrikas kräftig unterstützen. Wir sind keine exaltirten Bewunderer der „Alliance Jsraelite Universelle," welche eben auch nicht auf dem Gipfel ihrer nationalen Aufgabe steht und wahrscheinlich manchen unnützen Französirungsgelüsten nachgibt, aber vorläufig ist ihr Name allein ein einigendes Moment von unschätzbarer Bedeutung. Das Häuflein italienischer Juden soll nun auch aus diesem Verbände treten. Zu den anderen europäischen Stammesgeiiossen soll es sich in Gegensatz stellen und mit den Fallaschas, einer exotischen halbjüdischen Stammes- und Glaubensgemeinschaft soll es Bczi Hungen anknüpfeu. Das ist Logik, die Logik der Assimilationsjuden. welche der Negierung solche Dinge einflüstern. Will man die französeluden Tendenzen der „Alliance Jsraelite Universelle" untergraben, so stärke man das Nationaljudenthum, welches solchen Unfug ausschließt. Außerhalb der «Allianz" könnte es dann den italienischen Juden unbenommen bleiben, in Verbindung mit den Fallaschas zu treten, wenn dadurch dem italienischen Staate ein Gefallen geschieht. Mus -er Schweiz. Bekanntlich führen die Schweizer „Thierschützler" schon seit^Jahren einen Krieg gegen das jüdisch-rituelle Schächten. Im Kantone Aargau hatten sie auch wirklich ein Schächteverbot erwirkt, über das sich die Israeliten des Kantons beschwerten. Dieser Beschwerde, der sich Petitionen der Inden des Kantons Bern, welchen ein gleicher Erlaß drohte, und dann auch der übrigen Schweizer Juden anschlossen, wurde seitens des Bunoesrathes im Frühjahre 1890 stattgegeben. Die „Thierschützler" recurrirteu. aber vergebens. Denn im Frühjahre 1891 verwarf der Ständerath, im December v. I. ber Nationalrath den Necurs. Damit geben sich nun aber die Mitglieder de-' Schweizer Thierschntzvereine nicht zufrieden. In ihrer Delegirtenversammlung am 21. Februar d. I. in Bern wurde beschlossen, verfassungsgemäß durch Sammlung von 50.000 Unterschriften die Volksabstimmung über bas Schächtverbot, speciell über die Nothw.-ndigkeit der obligatorischen Betäubung des Schlachtviehs vor der Tödtung zu verlangen. Es ist kein Zweifel, daß das Plebiscir zu Stande kommen und leider sehr zweifelhaft, ob es zu Gunsten der Gewissensfreiheit ausfallen wird. Man kennt .ja die Verhetzungskunst der Antisemiten - welche hier die originelle Maske des Thierschutzes angenommen haben— und. die Reizbarkeit der Volksmaffen. wenn es sich um Juden handelt. Mus Schottland. Die «Schottische Gesellschaft zur Colonisirung Palästinas durch russische Juden", von deren Gründung in unserem Blatte bereits berichtet war, macht so erfreuliche Fortschritte, daß die Verwaltung, wie sie mittheilt, im Stande ist, wöchentlich 1500 Pf. Sterl. , (18.000 fl.) nach Palästina zu senden. Wie der Agent der Gesellschaft meldet, könne er täglich 1000 russische Juden I in Jerusalem und Jaffa mit Lebensmitteln versehen.

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