Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 5 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- Seite 57 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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'Jir. 5 Sclbst-Emciiicipation Seite 5 7 Assimilation hinwics, so benütz! cr sonst jede Gelegenheit, um die colojsalen Erzeugnisse jüdischen Geistes in ein Heltes Licht zu bringen. So hat er auch hcute einen glänzenden Bortrag über das Thema : „Der Antheil de: Juden an der Weltculiur" gehalten. Er verwahrte sich gegen die Behauptung, daß die Juden ihre historischen Thaten übertreiben; das Gezzeiitheil wäre richtig, das! wir von unseren Fähigkeiten nicht einmal eine Ahnung haben. Bornehmlich behauptete er durch eine endlose Reihe von Zahlen, Namen, Daten und wirkliche Angaben die Thatsache, daß die Inden mehrere Jahrhunderte hintercinander die Berinittler der Eultnr gewesen Leider ist cs uns nicht möglich, auf alle Einzelnhcitcn einzugeheii, vielleicht werden wir bei Gelegenheit ans diesen Bortrag noch zurückkommen Uebrigens gibt cs in Berlin während der letzten Zeit keinen Mangel an Reden über jüdische Themata. Wie alljährlich hat der Eyclns der sogenannten Montags-Lorlesnugen statt, bei welchem sich die seinste jüdische Gesellschaft znsammensindet. 'Bon den bisherigen Borträgen ragte» der von Lazarus über „Simon bcn Jochai" nnd der andere von Dr. Lev! n über das Thema: „Eine 'Wanderung durch Hibernien," hervor, während Prof. S t e i n t h a l eine gelehrte, lies cmpsnndene Ucbersetznng der kleineren Prophelen geliefert hat. Professor t! a; a r » a hob den Gegensatz zwischen bcn Jochai nnd Akiba hervor; der letztere als Bertreter des 'Nationalismus gehöre der Bergangcnhcit an, wahrend der erncre wege„ seines HnmaniSmus die Zukiuift darstelle Ans dcnt Bortrage des Herrn Dr- L e v i n erfuhren wir unter Anderem die interessanlc Thatsache, daß cs noch Marrannen in Spanien gebe. Er erzählte, daß dieselben noch jetzt „Die Leute aus der Gasse" genannt werden „ad noch jetzt in schrecklicher Verachtung leben. Dieselben haben stets Speck bei sich, um bei jeder «Gelegenheit ihren Nachbarn zu zeigen, daß sie wirkliche Katholiken seien. Ihm st'lbcr habe einer von ihnen, als er an ihn die Frage richtete, ab cr sich noch seiner Borsahren erinnere, sofort Schweinefleisch znm Beivcise seiner Frömmigkeit gezeigt. Erst, nachdem ihm Dr S ni i n mitgelhrilt, daß er Jude sei, ferner ihm von den Vorfahren des Marrannen selbst (einer seiner Ahnen sei nebst seiner Schwester ans dem Scheiterhaufen als Märtyrer seines Glaubens verbrannt worden) erzählt halte, habe dieser bittere Thränen vergossen nnd ihm geklagt, daß jetzt, nach vierhundert Jahren, die Marrannen noch keine Gleichberechtigung haben, so daß dieselben noch immer keine Offiziere werden können. Diese Milthcilung spricht in so beredter Weise für manche Idee der 'Neuzeit, daß sic keines Eoin' mcntars bedarf. In die Eorrespondcnz aus Berlin Hai sich in voriger Nummer ein grober Fehler eingcschlichen: in Lauten ist nicht ein Mädchen, sondcrn ein Knabe ermordet aufgefunden worden. I, J[. Rumänien. Jassy, 24. Februar 1892. Der hiesige jüdische Nationalverein-„Chowewe Zion," der bei seiner Gründung viel versprochen hatte, war durch viele Jnt-iguen — die B'nej Korach sterben in Israel nicht ans — säst eingcschlafen. Da sandte uns Gott einen Wecker, den bekannten hebräischen Schriftsteller, Herrn Bernhard S o u f f r i n, Chefredakteur des „Volksblattes" in Bukarest. Er hielt diesen Samstag in der großen Balther-Synagoge einen wunderschönen Vortrag über das Thema: „Ist Argentinien oder Palästina unsere liebe Heimat?" Der Redner, welcher ein stupendcs Wissen auf dem Gebiete der hebräischen Lcteratur und Geschichte verrieth und sich als Meister der Rhetorik zeigte, machte solchen Eindruck auf seine vielen Hunderte Zuhörer, daß bereits am nächsten Tage ein energisches Comite eingesetzt wurde, das sich mit der Gründung von Zweigvereinen in der Umgebung Jassys befassen wird. Herr S o u f s r i n in hatte sich in Jassy durch zwei treffliche Vorträge eingeführt, welche er am Schavbath-Schirah hielt; den ersten bei der Gründungsfeier der „Rothen Brücker- Schule" über das Thema: „Die Schule ist das Ideal Israels," den zweiten, welcher den Titel führte: „Der Segen der ehrlichen jüdischen Arbeit", abends im hiesigen Handwerkerverein. — Es wäre wünschenswerth, wenn Herr S o n f f r i n den andern Städten Rumäniens sein jüdischpatriotisches Werk fortsetzen würde. LI. L.bsrnmnn. Türkei. P a l ii st i na Jaffa, den 12. Februar 18 92. I» den Colonien ist die Arven m vollem Gange. — In R i s ch o n l' Z i o n setzt man jetzt mehrere hunderttausend Reben, für die Cultur der besten Sorten der französischen Weine, wie Chateau Lafite, Chateau Margot rc. Vor kurzen sind 10.090 Liter weißen Weines zu dem Preise von 30 Francs per Hecloliter, verkauft worden. — In der nächsten Woche verläßt der Direclor dieser Colonie, Herr A. Bloch seinen Posten, um nach Paris zu reisen. Wann er zurückkehren wird, ist absolut nicht bekannt; als sein Vertreter wird Herr E t t i n g e r fungiren. In R e ch o w o t h hat man aufs Reue 25000 Reben der besten Sorten gesetzt. Nach Aufhebung der Quarantaine ist in C h d e r a eine sehr rege Arbeit bemerkbar; ungeachtet vieler Hinderniffc werden hier neuerlich 100.000 Reben gepstanzt werden. Ir. Chronik. Miöjan. Wir sind in der Lage wieder einen Beitrag zu>' Geschichte der vielbesprochenen Paul Friedmann'schen Expedition zu veröffentlichen. Es liegt uns ein Schreiben vor. welches ein Mitglied dieser Expedition an eineu jüdischen Bürger L.-mbergs gerichtet hat. Dasselbe ist in iüdischdeutschem Jargon geschrieben, wir bringen die hochdeutsche Uebersetzung eines großen Thciles davon. Rack den üblichen einleitenden Bemerkungen wird Folgendes erzählt: „Freitag, Parschah Roah (d. i. 6. November 1891), reisten wir von Krakau ad. Den Samstag feierten wir in Myslowitz, wo uns das dortige Eomits mit speise versorgte und uns überhaupt sehr gut behandelte. Sonntag reisten wir nach Breslau, wo wir von dortigen angesehenen Leuten am Bahnhofe erwartet, in die Stadt geleitet und M't Speise und Trank versehen wurden. Bon dort gingen wir nach Berlin, wo wir auch eine gute Behandlung empfingen. Wir glaubten, daß es immer so bleiben werde; aber es wurde gleich anders, als wir am Mittwoch in Bremen das schiff bestiegen. Man gab uns „trefe" Fleisch und nur ich und ein Schneider, namens Markus Weingero w, wollten uns nicht dazu verstehen, das Fleisch zu genießen. Wir aßen bloS trockenes Brot und forderten nachdrücklich den versprochenen schachet und vas versprochene Koscherflrisch. Wir bewirkten dadurch, daß man uns ans London einen Schachet schickte, aber das half nnS nicht viel; der schochel selbst hat gleich uns Ungeschlachtetes effen muss« ii. Auf dein Schiffe fuhren wir 23 Tage. Am dritten Tage unserer Seereise stellte man uns Schweinefleisch vor; wir konnten es nicht einmal anschanen. Meine Genossen ersuchten mich, dem Offizier zu sagen, daß wir absteigen, wenn man uns nicke koscher zu essen geben würde. Der Offizier frug nun die Einzelnen, ob stwirklich so dächten; sie leugneten. Ich sah, mit wem ich es zu thun halte . . . Wir hatten 4 Offiziere an Bord. Der älteste, Paul Till, ein großer Judenfeind, zeigte bereits in Bremen seine Schlechtigkeit, indem er einen von uns, der seinen Hund führte und nicht gut beaufsichtigte, ohrfeigte, so daß er drei Tage das Bett hüten mußte . . . In jedem Hafen, in welchem wir antiefen, ließ man die Juden