Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 5 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- Seite 56 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 50 Sei bst-Emancipation Nr. 5 differentismns geißelte unb sich ebenso gegen Die assinülalorischen und soctalistischen Inden wandte, einen bedentciiden Erfolg. Seine gcdanlcnreiche und formvollendete Redewrisc riß, wie gewöhnlich, das Publikum mit sich fort Nach dem Vortrage des Herrn Horowitz gab es eine Reihe gesanglicher und dcclaniatorischcr Vorträge, welche vielen Beifall fanden. Als nach dieser Programmpunkt absolvirt war, appcllirte dtt Bercinspräscs, Herr Dr. M. S ch n i r e r, noch einmal an den Ernst der Zuhörer, indem er furz den Zweck des Vereines erörterte »nd zum Beitritte auffordcrte. Seine Ausführungen wurde» lebhaft applandirt Sonach griff wieder eine heitere Stlmmung um sich, man begann zn tanzen »nd dies thal man dann bis 8 Uhr morgens. Wien,!. März 1*92. Den giinsiigen Boraussichtcn entsprechend nimmt die Weiterentwicklung des ncugcgründctcn literarische» Gesclliglcits- BereincS jüdischer Mädchen „Moria" einen höchst befriedigenden und erfreulichen Fortgang. Eänimtlichc Bcranslaltnngcn des Vereines verlaufen animirt und bieten den Mitglieder», deren Zahl sich bereits wesentlich vermehrt hat, reichlich geistige Anregung. Sonntag den 21. v. Al hielt Fräulein Natalie P o l l a k einen beifällig aufgcnomnienen Bortrag über „Die Wurde des jüdischen Weibes," an welchen sich eine lebhafte Discussion knüpfte Für Sonntag den 6. d. M. sind folgende Vorträge angcmcldet: Frln. Laura Göhl: „Gallcrie berühmter jüdischer Frauen"' und Frln. Evcline Horowitz: „Inda Halcvh " Die Beriommlungen der „Moria" finden vorläufig jeden zweite» Sonntag im Bcrciiislocale der „Kadimah" IX, Müllnergaffc Itz stall. Lemberg, den 14. Februar 1992. Hier fand im Tempel eine Andacht für die im Aufstande des Jahres 1863 gefallenen Polen statt, bei welcher Gelegenheit Zettel unter den Anwesenden vertheilt wurden, auf denen das 'Symbol des mit dem Katholicmus sich identificirenden Polenthums, das Kreuz, abgcdruckt war. Die wenigen erschienenen Christen lachten über die Komödie und hielten mit ihrem höhnischen. Urtheile nicht zurück. Als Veranstalter dieser Feierlichkeit ist der neue Nabbiner nuferer Gemeinde, Herr Dr. Caro anznsehen. der andererseits eine Deputation der angesehensten Männer nuferer Gemeide, vielche ihn bale», dem berühmten Zionisten Dr. P i n s k e r einen Nachruf zu halten, abweiSlich btschicd, ja sogar zu bewerkstelligen wußte, daß die Tewpelverwaltung nicht gestattete, den Tempel für. die geplante Gedächtnisfeier zu benützen. Freilich hat derselbe Herr Dr. Caro bei der von der Cultusguucinde im Tempcl vcranstalletcn G r ä tz - F e i e r den großen jüdi' scheu Geschichtsschreiber einen Polen (!) genannt. Es ist rasch über ihn gekommen, das Polenthum unseres Rabbiners; vor Jahresfrist faß er noch in Böhmen und war ein echter Czeche. Säße er noch dort, Grätz wäre als Czeche gcstorbe». 8. Lemberg, 26. Februar 1892. Der Ausschuß des Vereines „Zion" beschloß, den 50. Geburtstag Perez S m o l e i, s k i's, welcher in den Monat März I. I. fällt, in großem Maßstabc zu feiern. Am Tage der Feier wird laut Beschlusses des Ausschusses eine Jargonbrochiire, welche Smole nskis Leben und Wirken behandeln soll, um. einen Spottpreis verbreitet werden.. Es ist wünschenSwerlh, daß alle jüdisch-nationalen Vereine dem Beispiele des „3ion' folgen. Im Laufe der letzt cn drei Wochen wurden solgends Vorlesungen im genannten Vereine abgehalteu: „Unsere- Gesellschaf." von stuä. zur. H. H c s ch e l e s; „Die Grab-, mättr Zions" von Körner: „Palästiiia" von siwä zur. I. K o r k i s; „Unsere Hoffnung" von Rabb. Dr. K o-. bat; „Religion und Moral nach Talmud und Bibel" von R. A. B r a u d e s. „M'lchiachs Zeiten" betitelt sich das sünfactige musikalische Lebensbild, zu dem der Schöpfer der Jargonbühne, Abraham Goldfaden, den Text geschrieben und in dessen Intentionen Herr P.e r. l m u l t e r die Musik besorgt hat. Wie alle Arbeiten Goldfadens, ist auch diese im vollsten Sinne national. Die Aufführung di ses Stückes auf der hiesigen Jargonbühiie hatte Erfolg, der auf Rechnung der mittelmäßig guten Darstellung, der prächtigen Jnsceuirung und der gediegenen Leistungen des Orchesters unter Perlmutters Leitung zu setzen ist. Der Text selbst läßt in den letzten zwei Arten zu wünschen übrig. Im politischen Vereine „Schoincr Israel" hielt am. 14. Januar 1892 Herr N. A. Brandes einen Vortrag Uttlrr dem Titel: „Aus der Vrrgangenheit für die Gegenwart," welcher die zahlreich versammelten Zuhörer uuge-, mein feffcltc. Der Redner berührte alle Epochen der jübischen Geschichte, in welcher die Assimilationssucht austrat,, stellte dieser die gleichzeitigen nationalen Bestrebuilgeu entgegen und zog aus dem Gesagten Schlüsse für die Gegenwart. Zuletzt forderte der Redner die Intelligenz auf, die jüdische Geschichte und die hebräische Sprache zu studieren, welche beide so sehr von ihr vernachlässigt werden. Dieses Auftreten im Vereine „Schomer Israel" — dessen Präsident der assimilatorische ReichrathS-Abgcordnete Herr Dr. Einil Byk ist — ist der beste Beweis, daß die Zionisten, deren Macht nur im lebendigen Worte besteht, überall, wo sich ihnen eine Gelegenheit darbietct, ihre Rednerbühne aufschlagen, iim die jüdischen Gcmüther ans der Lethargie zu wcckeu. J. P. Lemberg, 28. Februar 1892. Dank der eifrigen Agitation ocs Vereines „Zion" greift die jüdifchiialionale' Idee immer mehr um sich. Dies beweist schon die große Zahl von Zuhörern bei den im Vereinslocale abgehaltenen . .Vorlesungen,und diemitjedemTage zuiiehnienoe Anzahl von Mitgliedern. Dieses Umsichgreifen des nationalen Gedankens zeigte sich aber ganz besonders in einem Vorfall der vorigen Woche, daß nämlich, als die an den hiesiger, Gymnasien studirende polnische Jugend zur Erinnerung an die vor hundert Jahren staltgesundene Theilung Polens Nationalmützen, sogenannte Konfederatki. anlegte, die jüdischen Gymnasiasten solche zu tragen sich weigerten, da sie „Inden" Deutsches Reich. Lcrlrn, 29. Februar 1*9-'. Al» 17. Februar fand die zweite t!>er>ammluuq des Vereines zur lndgchc (beschichte und Literatur sialr, die von etwa jünjzig Perjouc» besucht mar; in derjeibc» waren Professor Dr. Lazar u s, LandcSgerichtsraih M a r l » s, Spndilns M ü »de u, Rabbiner Dr. R o s e u z w e i 9, Dr. Q\ K a r p c l e s, Rabbiner Dr. L e v i u n. A anwesend, wahrend mehrere der aiigcsehensien Israciilcn schristlich den Verein beglückwünscht »nd ihre Mirwirlnng zugriagl halten. Herr Dr. 0*. KarpclcS cröfjnete die L-criammtmiq mit einer schönen, crguickendcn Ansprache, in welcher er die Fülle des Stoffes vorsühne, welche einem solchen Verein zn Gebote sieht. Man muß zugesicheii, das; die Worte dieses Redners, der öfters in jüdischen >a l >gcn hervortritt, gerade auf den Natio»a!j»dcii den günsiigsien Eindruck inachen, obzwar er nur selten im nationalen Sinne spricht; wenn jedoch jüdische (beschichte in objectiver Weise, in schöner Form und mit Geist vorgctragcn wird, so wirkt sic stets begeisternd, zündend ans unsere »ilt dem Jndeiithuine so wenig vertraute Generation. Bor Kurzem hatte allerdings Herr Dr. K arpetrs gelegentlich der Channkaseier des Vereines „Esra" in einer längen Rede seinen Slandpuntr klar auseinirndcrgcsctzl, und zwar halte er dabei eine solche Zuneigung für die Idee der Wiedcrverjüngnng Israels knndgegeben, daß damals das Publikum von seiner glänzenden, witzsprühenden Nevewcife hingerissen, mit rauschendem Beifall.für so schöne Hossnungen und herrliche Anssichle» danlic. Wenn er aber bei seicrlichcr Gelegenheit davon sprach, daß eine indische Patriotenliga grgrünbet werden /müsse, wenn er damals aus die Lächerlichkeit.nnv Uninögllchlcit der