Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 5 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- Seite 55 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5. Selbst-Emancip.ation Fall, so föiiiint |1e i ur MiDiud) schave», daß ihr Anhana. sich aus Kosten der Philosemiten vergrößert und da bin ich. zur dritten Frage gelangt. Verscheuchen b i>e j/ü d i s ch - n a t i o n a l e n B e st r e b u n g e n die Mi l o s e m i t e n s Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns unsere Pilosemilen etwas näher betrachte». Es gibt Geschästs-Philoscmiten und — mir fällt momentan für die. „andere" Gattung von Philosemiten keine passende Bezeichnung ein, doch hat das mit der Sache nichts zu thun. Die Geschäfls-Philosemiten behaupten, — gewöhnlich in Anwesenheit vou Juden, — daß die Juden ohne Auenahme „iolid", überhaupt die „anständigsten Leute von der Welt" sind. Daß sie hiebei thalsächlich vorhandene „menschliche Unarten" iguorieren, ist Geschästssache. Kolons voisua werden sie sich daun wohl hüten müssen, oie jüdischnationalen Juden als „andere Juden", die also nicht die solidesten und anständigsten sind, zu bezeichnen; sie werden bedenken müssen, daß die Auswanderung der Juden nach Palästina immerhin noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird, während welcher die Geschäftsverhältnisse sich nicht bedeutend ändern werden. Die „anderen" Philosemiten sind in einer so verschwindend kleinen Anzahl vorhanden, daß man an ihre Existenz fast zweifeln, ja behaupten kann, daß es überhaupt keinen Nichtjuden gibt, der ohne egoistische Ursache Philoscmit ist. Zwar unterscheiden sich die „anderen" Philosemiten von den Geschäfts-Philosemiten zu ihrem Vortheile, daß der Nutzen, den sie vom Juden ziehen, ein mehr idealer, ihre Gesinnung demnach beständiger ist. Diese Herren .werden, .zugeben, daß wir noch nicht in der idealen Zeit ' der Menschen-Verbrüderung leben, daß zwar die Schlagworte von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" sehr im Umlause sind, daß aber ein großer Theil der Freiheits- Gleichheits» und Brnderlichkeitshclden in der Theorie recht . wacker sein mögen, in der Praxis aber es nicht so „genau" nehmen, daß man es also dem Judenthum nicht wehren kann, wenn es in Vertheidigung seiner Interessen, um einen ällmäligen sichtbaren Verfall des Judenthum hintanzuhalten, seine Nationalität hcrauskehrt, conform anderen Parteien das Mittel benützt, um Interesse bei der gebildeten und uugebildeteu Masse zu erregen. Die Philosemiten. die uns nur als Stimmen benöthigen, denen cs nicht nur ganz gleichgiltig ist, ob wir getaufte oder ungetanste Juden sind, sondern die uns als getaufte Juden noch „lieber" haben und im richtigen „Taktgefühl" unsere Nassenuiireinheit gar nicht beachten, diese Philosemiten können wir ganz gut entbehren, diese Philosemiten sind für uns größere Schädlinge als die Antisemiten. Abgesehen von alldem darf eine Partei, die von der Wahrheit und Durchführbarkeit ihres Programmes überzeugt ist, auf keine anderen Parteien und keine Personen, die ihren Bestrebungen feindlich gegenüberstehen Rücksicht nehmen : sie muß den Kamps aufnehmen und im Kampfe dokumentieren, daß nicht nur ihr Programm, sondern auch ihre Waffen ehrlich sind. Ich komme nun zu dem Punkte vier, die Unbequemlichkeit der jüdisch-natioalnen Sache betreffend. „Was" sagen die Affimilanten und Indifferenten, „wir sollen uns für eine Partei ereifern, die nicht nur ein undurchführbares, sondern auch unnöthiges Ziel verfolgt? Wir sind frei, geachtet, die mittelalterlichen Fesseln, die das Judenthum so furchtbar bedrückten, sind gefallen, wir brauchen keine neue Heimat, kein selbstständiges Vaterland, da wir schon eins besitzen, wir assimilieren uns weiter und bleiben indifferent". Seite 5-5. lieber die Durchführbarkeit des jüdisch-ualioualea Programmes ist in der „S.-E." schon so viel und von berufenerer Seite geschrieben worden, baß ich diesen Vorwurf übergehen und mich zur gerühmten „Freih.it". die das jüdisch-nationale Programm nöthig macht, wenden kann. Die „Freiheit" der Inden in Rußland, Rumänien ist ja bekannt. Bei uns können derartige Excesse gar nicht Vorkommen, da wir in c-vilisierten Staaten leben, sagt man. Die Thalfache. daß es in Wie n, in der Metropole des Reiches, dem Pöbel möglich war, durch mehrere Stunden jüdische Häuser und Geschäfte zu demolieren, Juden thatsächlich zu insultieren, nebst obligater Militärverspätung, daß es in Oesterreich Orte gibt, wo Juden nichtwohnen dürfen, illustriert drastisch unsere Freiheit. Sehen wir uns in der Provinz um, dort, wo Juden vereinzelt wohnen, wo eine eventuelle Requirirung von Militär Tage in Anspruch nimmt, dort sieht es in vielen Fällen unheimlich aus. Ein Funke in die erregten Volksmaffen und sie sind zu Massacres bereit; was in Wien möglich ist, ist in der Provinz wahrscheinlich. Ich will nicht behaupten, daß überall die persönliche Freiheit der Juden bedroht ist, aber leidet der jetzige Jude unter den Verbalinjurien, welchen er täglich ausgesetzt ist. nicht mehr als der an Druck gewöhnte Jude des Mittelalters? Mit welch ungeheuerer Vorsicht müssen die Juden auf dem Lande sich bewegen; wehe, wenn sie sich das Kleinste zu Schulden kommen lassen. Fraget nicht die bemittelten Juden, wie ihnen die Freiheit mundet, fraget die armen, wie sie heute noch von den Kindern des Dorfes gehetzt und verhöhnt werden, wie sie sich's, ohne zu murren, gefallen lassen müssen. Fraget die Judenkinder, welchen Zurücksetzungen sie in dcr Schule seitens ihres Lehrers und'ihrer Mitschül r ausgesetzt sind. Fraget den Arbeiter, an wen er sich bei einem eventuellen Aufstande zuerst wendet, wer seiner Wuch zuerst zum Opfer fallen wird. „Die Juden" Mit unserer Freiheit sieht's daher wind'g ans und deswegen ist es von uns eine Feighe-t, eine unwürdige Kriecherei, wenn wir ruhig den Ereignissen zusehen. Wir müssen die jüdisch-nationalen Bestrebungen, die vorläufig nur unseren unglücklichsten Glanbendsbrüaern zu Gute kommen, unterstützen, wir müssen zeigen, daß wir nicht von der Laune einer Negierung, von der Laune der Völker abhängig bleiben wollen. Wir begehren nichts Unrechtes, wir werden, so lange wir im Lande sind, und soweit wir es bleiben, gute P.itriolen sein, unseren Verpflichtungen gegen Staat und Gesellschaft mit derselben Gewissenhaftigkeit weiter nachkommcil als bisher. Ä/ie jüdisch-nationale Partei darf daher nicht erlahmen, sie muß alle Hebel in Bewegung setzen, um die Bewegung eine allgemeine werden zu lassen, sie muß agitieren in Stadt und Land, bei alt und jung, Männer und Frauen. Dann wird sie siegen kraft der Wahrheit, die sie predigt, kraft ihres größten Rechts, ihrer ebrlicbe» Ueberzengung. Oustur Loiclomann. Brigmal-Eorrelponderyen. Oesterreich-Nnqar». USren, 2. März 180?. Der vom PalästiiiaColonisatioiiSverein „Admath Ieschuriln" a»i 27. v. M. veranstaltete Geielligkeilsabend »ahm einen sehr animirten Verlaus. Die Besucherzahl war die stärkste, welche der Verein bisher auszuweisen halte. Herr A. H o r o w i tz. erzielte mit seinem Vorträge „Was wir wollen." in welchem er »amentlich den In-