Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 4 (23.2.1892)
- Date
- 1892-02-23
- Page
- Seite 48 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 48 Selbst-Emancipalion Nr. 4 Er habe sich daher an die Bibel gehalten. In den Worten der Aegypter: „Und falls Krieg ausbricht, wird cs (Israel) sich vielleicht zu ilnseren Feinden gesellen", — in den Worten des Abimelech;n Isaak: „Gehe weg von uns, denn dn bist stärker geworden als wir" — in dieser kunstlosen Motivirnng des ehemaligen Antisemitismus stndcn wir die Lösung der Jndeiiftagc. Redner wies auch darauf hin, daß Geld als LindcrimgSmittel nur für die ersten Anstöße unserer Feinde dienen könne, wenn sich aber das Unglück steigere, verliere das Gold seine Macht, deni Volkselend;u steuern. Er brachte Beispiele aus der Geschichte und Ethnologie, aus welchen hcrvorgeht, daß die hauptsächlichste Kraft eines Lölkes jener hohe moralische Zustand ist, in welchem jedes seiner Glieder bereit ist, mit seinem Leben für die Ehre seines Stammes einzutretcn Diese grenzenlose Liebe zmit Bolle, dieses 'nationale Selbstciviißlscin in den Juden zu erziehen, das sei die Ausgabe des Vereins der „B'nc Zion". Sohin hob der Redner, indem er Bibelstcllc» aus der laufenden „Parschah" schcrzhast mit Anekdoten ans de», täglichen Leben zusainincnstelltc, ernst werdend hervor, daß die jüdischen Geldsphärcn, welche in letzter Zeit sich gewöhnt haben, als Schöpfer der jüdischen Geschichte aufzutrctcn, naturgemäß nicht geeignet sind, die Bedeutung der Intelligenz zu würdigen, daß aber die unserem Volke weiter drohenden Erschüttenmgen Alle zu der Ucbcrzcugung bringen werden, daß die Mühe der Intelligenten das Unumgänglichste, dringend Nöthige ist; diese Ucberzeiignng liege dem Vereine „B'ne Zion" zu Grunde. Ans die Ansfiihrnngcn des Herrn M a c o b i zuriickkoinmend, begann Herr Sesf der jüdischen Volksgewohnhcit gemäß seine Anschauung mit einem Beispiele zu erläutern: Nur ein Mädchen, welches fürchte, daß ihre Freundinnen einen besseren Eindruck machen werden, bestrebe sich zur Verlobung deren so wenig als möglich cinznladcn und sei nnziifriedcn, wenn die reizenden unter ihnen kommen Derjenigen aber, welche sich ihrer Schönheit bewußt ist, ist es angenehmer, wenn alle kommen, damit der Bräutigam ihre eigene Vorzüge bemerke. Eine Ccnsur, erklärte der Redner, erheische nur jene Lehre, welche vor dem Lichte anderer Lehren sich fürchte. Unsere Thora aber, die Schönste der Schönen, freue sich himmlisch über die Beschäftigung mit anderen Lehren, denn dann erst erscheine ihre Wahrheit in wunderbarer Helle. Nachdem Herr S e f s noch Einiges vorgcbracht hatte, was das lebhafte Interesse der Bersammcllcu erweckte, endete er seine Rede unter stürmischem Applaus, welcher schon während derselben wahrhaftig nicht gefehlt hatte. Nachdem noch Herr M a c o b i einige sehr schmeichelhafte Aciitzcriingcn über daS Talent und die Gestunungstüchtigkcit seines Lorrcdncrs gemacht hatte, schloß Herr Finkeist ein mit einigen Worten des Dantes an die Anwesenden das Meeting. S. K.mann. Türkei. LonstLntinopel, den 26. Jänner 1892. Im Namen der Leitung des hiesigen Vereines „Dorsche l'schon Zion" kann ich Ihren Lesern die Mittheilung machen, laß es dem Vereine in Gemeinschaft mit unseren sephardischen Brüdern gelungen ist, vor zwei Wochen hier eine hebräische Schule und eine hebräische Bibliothek zu eröffnen. Was die hebräische Schule betrifft, so hat dieselbe einem bisher bestandenen, recht fühlbar geweseiien Mangel abgeholfen. Während in den anderen Schulen die jüdischen Kinder ohne einen genügenden Unterricht in der hebräischen Sprache ihrem Volke entfremdet wurden, will die neue Anstalt Männer heranziehen, welche ihrem Volke und Gott treu bleiben. Deshalb werden nur Kinder im Alter von sechs bis ach.l Jahren ausgenommen, damit dieselben, da die Un t errichtssprachedie h eb r äisch e ist, sich allmählig an den Gebrauch derselben gewöhnen und sie auch mit der Zeit auch außerhalb der Schule im Verkehre mit einander benützen können. Die Schule wird vorläufig eine vierclassige sein, natürlich wird aber im ersten Jahre nur die erste Klasse eröffnet werden. In den folgenden Classen werden die Kinder auch Unterricht in der türkischen Sprache erhalten, damit ihrem Uebertritte an die staatlichen Mittelschulen nichts im Wege stehe. In Hinsicht auf die hebräische Bibliothek begnügen wir uns auf die große Bedeutung hinzuweisen, welche dieselbe für die Vereinigung unserer hiesigen Glaubensgenossen hat. Wir bitten alle Pädagogen und Kenner der hebräischen Erziehung uns ihre Ansichten mitzutheilen und ihre Vorschläge zu machen; die Verfasser von hebräischen und jüdischen Werken in anderen Sprachen ersuche» wir um Einsendung dieser ihrer Werke für die Bibliothek, sie mögen bedenken, daß Const a u t i n o p e l eine Centrale für unsere heilige nationale Arbeit ist. Schließlich sei ihren Lesern noch bemerkt, daß die vorstehende erwähnte Gründung einer Schule und Bibliothek nur allerdings wichtige Mittel zur Erreichung der Tendenz des Vereines sind, diese aber im ausgedehntesten Sinne des Wortes die jüdisch-nationale ist. Unsere europäischen G-'silinul.gsg'nossen können sich daher, wenn sie irgend eine Vol.sangelegenheit in Constantinopet zu besorgen haben, an unseren Verein wenden, dessen Adresse lautet: Michael S ch a p i r o pour „Dorsche l'schon Zion", Constantinople, Boujouk Hendek 59. Abraham Frumkin. Searetär des Vereines „Dorsche l'schon Zion". Lolome Uosch Mnah (bei Saffed), den2l. Tebheth 5652. Die in den Colonien Sichron Jacob und Rechowoth beschäftigten Arbeiter sind trotz ihrer glühendenden Zionsbegeisterung insoferne enttäuscht, als sie gehofft hatten, hier freie Grundbesitzer werd n zu können, während sie thatsächlich nur Ackerknechte geworden sind. Es ist daher kein Wunder, wenn für sie in dieser Snnunung Argentinien, in welchem Baron Hirsch den Ansiedlern Grund und Boden gibt, viel Verlockendes hat, und daher begreiflich, daß eine große Anzahl bereit ist, nach Argentinien zu gehen. Der Engländer Scott M o n t c r e e f hat sich/auch schon für sie bei B a r o n H i r s ch verwendet, und wird thatsächlich in beiläufig zwei Monaten ein Schiff kommen, um sie nach Südamerika zn führen. Wie beschämend für die Zionssreunde! Ebenso beschämend als daß sie nicht im Stande sind, die auf sich selbst angewiesenen Colonien, so namentlich Mischmar ha-Jarden, hinreichend zu unterstützen. Soll sie wirklich das Verbot der Pforte einerseits und das bekannte Referat des Herrn Franzos andererseits gänzlich außer Fassung gebracht haben? Wir Colonisten hier können es nich' glauben und bitten alle Zionsfreunde den Muth nicht sinken zu lassen und Alles anzuwenden, um die Auswa uderuug tüchtiger und patriotischer Arbeitskräfte aus P a l ä st i n a nach Argentinien zu verhüten, vielleicht durch Intervention bei Baron Hirsch, damit er für dieselben eine eigene Colonie im heiligen Lande errichte. Ueberhaupt muß dem ganzen Colonisationswerk wieder gesteigerte Aufmerksamkeit zugewendet werden Fasset Muth, Zionssreunde! Ben-Arjeh. " Nachbemerkung der R e d a c t i o n. Die vorstehende Correspoudenz ist der sprechendste Beweis dafür, wie nothwendig, wie zeitgemäß der von uns inangnrirte „neue Cours" ist. So sehen die Erfolge eines zehnjährigen „Praktischseins" aus l Wie werden die Gegner der Palästina- Colonisation die obenangeführten, an sich ganz irrelevanten Thatsachen ausbeuten, um die leicht abzuschreckende Masse gegen den Zionismus einzunehmen! Das kommt von dem „Colonisiren um jeden Preis", von der .Wohlthnerei" :c. *) Alls dem Hebräischen übersetzt.