Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 4 (23.2.1892)
- Date
- 1892-02-23
- Page
- Seite 46 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Selbst-Emancipation Nr. 4. Seite 46. Herein strömen der russischen Juden zu verzeichnen sei. Die die österreichische Grenze pafsirenden Juden seien größtcntheils mit Reisemitteln und Schiffskarten nach Amerika versehen und werden durch die Hilfskomiiss der „Alliance Jsraclite" dahin befördert. Alle Uebrigen, die diese Richtung nicht einschlagen, werden an der Grenze zürückgcwiesen. Eine bedenkliche Ansammlung dieser Emigranten sei nicht zu besorgen, da die nicht heimatberechtiglen allezeit abgeschafft werden können. Die demokratische Partei, welche unter Führung des bekannten Volksmamies, Dr. Ferdinand Kronaw etter steht, gibt jetzt eia Wochenblatt „Di e V o l k 8 st i m m e" heraus. Ein Hauptpunkt im Programm dieses Blattes, wie der Partei, ist Gleichheit aller Nationalitäten. Confeffionen und Stände. Es ist kein Wunder, daß sich die Juden vermöge ihrer Traditionen zu dieser Partei hingezogen fühlen, aber cs ist zu bedauern daß sie von ihrer demokratischen Gesinnung zur Gleichgiltigkeit gegen das eigene Volk hingerissen werden, und daß sie übersehen, daß sie neben einigen edeldenkenden Nichljudcn fast die Einzigen sind, welche heute die Grundsätze von 1789 vertheidigen. An einer Sammlung zur Errichtung einer Kronawetler-Stistung betheiligen sich z. B. nach dem officiellcn Ausweise in der „Volksstimme" fast lauter Juden. Für die Inden gibt es nur eine Rettung: Nationale Erlösung. Das Streben nach dieser vorausgesetzt, können sie demokratisch gesinnt sein und demokratisch wirken, werden es auch zumeist thun, weil die nationaljüdische Idee auf demokratischer Grundlage beruht. Der einfache Anschluß an die demokratische Partei jedoch hat für die Inden bloß den Weith einer theoretischen Spielerei. Wien. d.„ 14. Februar lt92. Der vorn akademische» Vereine «Hadiirah" ^amstag, den 18. d. M. veranstaltete Herrenabend u ihm unter Zahlreicher Betheiligung der Studentenschaft einen höchst w »^.gen Verlauf. Präses Herr Dr. S. Werner erössnele den Abend mit einem warmen Nachrufe nach dem unvergeßlichen Gründer der „Kadimah" Percz Smolensk y, veranlaßt durch den in der betreffenden Woche fallenden siebenten Jahrestag seines Todes. Hieraus hielten die Vereins- Mitglieder, Herren stuck für. A. H o r o w i tz lind I. K o h n in Bezug auf Inhalt und Form vollendete Tendenzvorträge, welche auf die zahlreich erschienenen Gäste einen tiefen Eindruck machten. Von dein übrigen Prograinnie des Abends sei hier nur noch.das von Herrn Ingenieur A. Sau der b erg gefühlvoll vorgetragene Lied: „Wach auf mein Volk!" von Goldfaden hervorgchobc», dessen begeisternder Text wiederholt mit nicht enden wollendem Beisalle ausgenommen wurde. '1'. Wien, den 16. Februar 1891. Das Project der Gründung eines jüdischen Mediziner - Unlerstübnngsvereines ist znin Schluffe doch vertagt und dafür nochmals auf die Idee eines allgemeinen Mediziner - Unicrstützungsvereines zurückgegrifsen worden. Zwei diesbezüglich einberufene Verfammlungeil verliefen lärmend, nach Schluß der zweiten kam cs sogar zur Beleidigung des Rectors, der die Gründung des Vereines nun selbst in die Hand nehmen wird. Zu bemerken ist aber, daß die bei den genannten Versammlungen erschienenen, „fortschrittlich gesinnten" Studenten — Ausdruck der Tagespreise — fast durchwegs Juden waren und daß dem „allgemeinen" Verein im Großen und Ganzen nur Juden angehören werden, da die antisemitischen Stiidciiteil beschlossen haben, einen eigenen Unterstützungsvercin zu gründen Die „Allgemeinheit" stellt sich auch hier als eine jener Fictioncn heraus, mit welchen sich die Juden über den Ernst ihrer Lage hinwegzutäuschen lieben, — und dies umso eher, als sie ein oder ver andere wohlwollende Nichtjude in solchen Einbildungen bestärkt. Men, den 15. Februar 1692. Der neugegründete jüdische Mädchenverein „Moria" entfaltet bereits eine rege Agitalion und ist zu erwarten, daß sich seine Mitgliederzahl in kurzer Zeit beträchtlich vermehrt. Samstag, den 14. d. M fand hie I. ordentl. Plenarversammlung behufs Wahl der Functionarinnen und im Anschlüsse an dieselbe der erste Vortragsabend des Vereines statt. Für denselben hat die Schriftführerin Frl. Bertha Schalit einen Vortrag über „Das j ü d i s ch e W e i b" angekündigt. Wir machen auf den in künftiger Nummer erscheinenden Aufruf des Vereines aufmerksam lladautz, am 4. Februar 1892. Die jüdischen Schülerinnen der hiesigen L-klassigen Mädchenschule feierten heute das Wiegenfest ihres ReligionSlehrers, Herrn D. F e l d m a n n. Es verdient das hervorgehobcn zu werden, da jeder Nationaljude das Wachsen des jüdischen Gejühles unserer Jugend mit Freuden begrüßen muß, der Jugend, welche ja einst das Contingent der Kämpfer für nie jüdisch - nationale Idee zu stellen berufen ist, insbesondere der weiblichen Jugend. Von'dieser allein kann die Verbreitung der göttlichen Lehre' erwartet werden, von der Mutter weichenden Grundstein legt zur geistigen Entwickelung des Kindes, zu seiner Denkweise als Mann, zu seiner religiöse» und nationalen Gesinnung. Der Mann hat in den meisten Fällen keine Zeit, sich um das geistige Wohl, um die nationale Erziehung seiner Kinder zu kümmern,; der Orthodoxe überläßt dies dein Cheder, der Fortschrittler der Schule; wie das jüdisch-nationale Gefühl in beiden Anstalten gepflegt wird, braucht nicht erst erörtert zu werden. Nur die Frau, die Mutter ist noch im Stande, dem Kinde dieses edle Gefühl, die Achtung vor seiner Religion, das stolze Bewußtsein seiner eigener Nation beizubringen, und darum muß das kleine Fest den wahren Juden freuen; denn die jüdischen Mädchen, die künftigen Mütter, die künftigen Erzieherinnen einer Schaar von Kämpfern, haben heute in kindlicher unbeinäntelter Ossenheit kundgegeben, daß sie sich mit Freude» als jüdische Töchter fühlen. Es muß aber auch zugestanden werden, daß unser Religionslehrer Herr D. F e l dm a n n ein wahrhaft frommer und edler Nationaljude, ein Mann der Thai für unsere Religion ist, und nur seiner unermüdlichen Thätigkeit i» seinem Berufe haben wir das'Wachsen des jüdischen Gesühles in den Herzen unserer Jugend zu verdanken. Die jüdische Geschichte ist jetzt Zwillingsschwester der Weltgeschichte in unserer Schule und das von den Wiener Zionisten hier eingeführte „Palästina" lehrt unsere Jugend, daß unsere nationale Hcimath schön und reich und daß es zumindest eben so schön sei, „Die Rose von Jericho" als „die Blume am Bachesrand" zu besingen. — Herr Feldman» erhielt anläßlich seines GeburtsscsteS eine Reihe von Ehrengeschenken welche ihm von Deputationen unter Führung der Frl. Sofia B r e n d e r, Laura L e s n e r und P o r a s überreicht wurden. „Hazoseh" . Deutsches Reich. Berlin, den 10. Februar 1392. Der Artikel des Herrn Dr. R ü l f in der letzten Nr. der „Selbst Emancipation" hat in hiesigen zionistischen Kreisen lebhafte, Freude, in indifferenten Aufsehen und in antizionistischen großen Aerger erregt. Die letzteren hat die Thatsache geradezu verblüfft, baß der greise Gesetzeslehrer, welcher zu den gebildetsten und angesehensten Rabbinen Deutschlands zählt, der nicht nur als Philantrop beirühmt, sondern auch als Philosoph eine hervorragende Rolle spielt,' so daß ihn ein Eduard von Hart m an» mit großem Love auszcichnet, daß ein solcher Mann sich veranlaßt gefühlt hat, , in einer so scharfen Weise gegen die Verleumdungen des Artikelschreibers der „I. W." hervorzntrete». Antipalästinenser haben sich durch oic Thätigkeit des Memeler Rabbiners während der letzten Jahre irresühren lassen,, indem sie annahinen, daß er sich vom Nationaljndeiithnin losgesagt, da er als erster der nach Amerika Flüchtenden sich angenommen und ein großes Conüle zu diesem Zwecke gegründet habe. Dieser scheinbare Widerspruch exiftirt jedoch nur für diejenigen, welche die nationale Idee absolut'nicht verstehen wollen. Im Allgemeinen hat die „I. W.",den Nationaljuden nur Nutzen gebracht, da sie, ohne eL zu beabsichtigen, unsere Idee in neue Kreise hineingetragen hat. Denkende Männer vermag das Wort Nationaljude allein schon zum richtigen Verständnisse zu bringen, und es ist nur zu bedauern, daß das obige Blatt, < zu wenig gelesen wird — speziell in Berlin. — Das übrigens die antisemitische Presse sich des erörterten Gegenstandes bemächtigt hat, um ihn zu ihren Zwecken auszubeuten, ist selbstverständlich. Die „Staatsbürger-Zeitung" druckte den Leitartikel der „I. W." mit boshaften Bemerkungen ganz ab, die „Deutsch - Sozialen Blätter" beschäftigten sich, in dem sie diese. Gelegenheit benützten, mit der national-jüdischen Strömung und gelangte zu der Ueberzeugung daß