Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 3 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 36 Nr. 3 Selbst-Emancipation beginnt, andererseits die Ausweisungen aus den Central- Gouvernementh einen großen Zuwachs von Krämern und Handwerkern nach Warschau brachten. Wie Herr F r i e d b e r g im „Hameliz" aus historischen Quellen nachweist, stammen die jetzt hcrvortretenden poliiischen Persönlichkeiten der Republik Brasilien, der frühere Pr äsident Manuel Diodoro de Io n s e c a und der an seiner Stelle erwählte Präsident Geueral Florian P e i x o t t „, von portugiesischen Juden. Bekanntlich war auch derstorbene iiriler der Nationalpartei in Irland, P a r n e l l sephardischjüdischcr Abkunft. Bor Kurzem brachte auch die antisemitische „Nowoje Wremja" authentische Bewe smittel hiesür daß Graf Peter Schaphiroff, einer der bed utendsten Mitarbeiter an den Reformen Peter's des Großen von einer einfachen jüdischen Familie Schaphir stammte und ursprünglich Handelscommis in Moskau gewesen ist. Ja, das alte Sprüchwort „Undank ist der Welt Lohn" wird stets am klarsten am Volke Israel zur Wahrheit. Der Dank für die zahlreichen Genic'sundFortschrit smänner, die unser Volk iei Culturstaaten der Welt fast in jeder Generation schenkt, besteht fast immer aus Ausnahmsgesetzen, Verfolgungen und Haß. Heu-Alexander. deutsch, December 1891.*) Ich hatte im Herbst die angenehme Aufgabe, über die Gründung eines nationaljüdischen Vereines junger Männer zu berichten. Diesem jüdisch-wissenschaftlichen Vereine hat sich jetzt ein Mädchen verein mit gleichen Zielen zugesellt. Wenn man bedenkt, wie wichtig es ist, gerade die zukünftigen M ü t t e r des jüdischen Volkes zu gewinnen, so wird uns nicht nur diese Nachricht erfreuen, sondern uns anspornen, überall, wo nur möglich, an die Gründung ähnlicher Mädchenvereine mit gleichen und ähnlichen Zielen und Tendenzen zu gehen. 8. 8. England. London, 8. Jänner 1892. In meinem letzten Berichte st bereits mitgeiheilt worden, daß am 11. d. M. zu Cbiiit urg ein großes Meeting zu Gunsten der Colonisation Palästinas stattfinden werde. Dasselbe ist auch wirklich abgebalten worden, und hat den glänzendsten Verlauf genommen. Hohe Persönlichkeiten waren erschienen, ander: hatten ihre Sympathie mit dem Zwecke des Meetings erklärend, ihr Ausbleiben entschuldigt. Von der Londoner „Choveve Zion Society" waren die Heircu d'A v i g d o r und Prag ei schienen. Den Vorsitz führte der Schotte Mr. John E l l i o t, welcher unter anderem betonte, daß daß Meeting „die wärmste Theilnahme mit der großen jüdischen N a - i i o u auf dem ganzen Erdball in der gegenwärtigen Zeit der Prüfung und Noth aussprechen" wolle, und daß es die Versuche, das jüdische Volk nach 1800 Jahren wieder in seinem Lande anzusicdeln, freudig begrüße. Nach den einleitenden Worten des Präsidenten gab Herr >-'A v i g d o r eine Ucbersicht über die Entwicklung und die bisherigen Leistungen des Zionismus und thcilte mit, daß die „Londoner CH. Z. S." im Vereine mit tendenzgleicheu Gesellschaften in Rußland innerhalb der letzten 48 Stunden >ineu Kauf abgeschloffen haben, durch welchen ein fruchtbares Terri orluni von 50 Meilen östlich vom Tiberiassee, eri' orben wäre. Die Rede des Herrn d'A v i g d o r sowie die darauffolgende des zweiten jüdischen Delegirteu aus London, Herrn Prag, wurde» beifällig ausgenommen. Sohin kamen die Sckottcn zum Wort. Rev. Dr. Mac G r e n o r!> oct»ft>u- -renndiwaitlichen Wciiilile min Ansdn cke, Itivlfl)- u fitr D..* jii.-if.l).■ Volk und oie Palästina- *) Für vorige Nummer zu spät cingclaugt. frage empfinde. Er meinte, daß der Jude auf das heilige Land warte, und dieses auf den Juden, und stellte folgenden Antrag: „Unter dem Namen „Schottische Gesellschaft zur 31 ii [ i c i [ ii n q der Inden in Palästina" soll eine aus Christen aller Secten bestehende schottische Gesellschaft gegründet werden, mit dem Zwecke, die „Chovevei Zion Association" in ihren Bestrebungen nach Kräften moralisch, siiumzicll und politisch zu unterstützen, ferner nothlcivcndcii Inden zur Crlangniig von Grund und Boden in Palästina durch Darlehen zu günstigen Bedingungen zu vcrhclsen. Die Mitgliedschaft kann v o n j c d e m Christen erworben werden, der sich verpflichtet, einen jährlichen Beitrag von mindestens 5 Schilling zu leisten. Nachdem »och Dr. Mac Gregor betont hatte, das; die Gesellschaft miffionärischen Tendeii;:» gänzlich ferne stihe, wurde sein Antrag, vom Reo. W. P a t e r s o u wärmstcns empfohleu. mit Stimmeiieinhelliqkeit angeuommen. Ein aus den hervorragendsten Persönlichkeiten zusamiilengesetzics Comite wurde gewählt, darunter Sir William M n i r zum Präsidenten, Rev. W. P a t e r s o n zum Sreretär. — Mit einigen Daukesworten des Edinbnrger jüdischen Predigers R'v. F ü r st schloß das Meeting. Türkei. Jerusalem, den 16. Jänner 1892 Die französischkatholische Gesellschaft, welche den Bau der Eisenbahn Jaffa-Jernsalem. wovon bekanntlich bereits eine Theilstrecke de», Verkehre übergeben ist, unternommen hat, bringt jetzt ihre Aktien auf die Märkte von Paris und London. Jede Actie hat einen Nominalwerth von 500 Fcs. und ist um 485 Fcs. zu kaufen. Dcs Papier trägt 5°/, jährliche Zinsen. Es ist eine unverzeihliche Gleichgiltigkeit gegen unser nationales Interesse, wie wir diese Bahn aus der Hand gaben. Vor drei Jahren hatte unser Siammesgenosse Joses N a v o n mit Mühe die Conceffion zum Baue der Eisenbahn erlangt, aber er fand nirgends die Unterstühnilg jüdischer Capitalisten. Nach langem Suchen trieb rr ein kleines Capital auf, aber es war so gering, daß die Arbeit bald eingestellt werden mußte. Und so kam die Bahn in die Hände der Franzosen, für welche sie auch eine politische Bedeutung hat. Nebst den Juden sind in dieser Sache wohl auch die Engländer sorglos zu nennen. Amitlii. Chronik. Httöjan. Wir haben seinerzeit unter diesem Titel einen uns aus Krakau gagegaugeiieii Artikel veröffentlicht, in welchem vor Anschluß an die von Paul Friedm a n u, einem deutschen Protestanten jüdischer Abkunst, geplante Expedition nach Miajan gewarnt wurde. Wir wurden bald darauf aus Berlin von befreundeter Seite aufmerksam gemacht, daß wir F r l e d m a n n, der vollständiges Vertrauen verdiene, Uni echt gethan hätte». Nicht lange darnach stellte sich uns Friedman n selbst in Wien vor und machte auf uns den Eindruck eines zwar etwas abenteuerlichen aber höchst energischeu Menschen, dem sein Werk vielleicht doch getingen könnte. Wir glaubten daher seiner Bitte willfahren zu können, welche dahin gieng, daß wir nichts über seine Expedition schreiben sollten, bis er selbst in der Lage sein werde. Ersoige aufzuwersen und dadurch out das Vertrauen des Publikums Anspruch zu machen. Nun dringen aber Nachrichten zu uns, welche sich ganz und gar nicht wie Erfolge anhören, und die unseren Lesern vorzuenthalten wir uns nicht berechtigt glauben. Einem uns vorliegenden Privatbriefe aus Alexandrien. der sich der Hauptsache nach mit einem Berichte der alcxandrinischeii Zeitung „Le Pliare de l’Alexandrie"