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Selbst-Emancipation · 1892-02-01 · Heft 3 (1.2.1892) · p. Seite 35

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 3 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 35 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3. Selbst-Emancipalion Seite 35. dem Reichthume und Einflüsse nach die Hälfte unseres ganzen Volkes ist. Der Eintritt der deutschen Juden wird Organisation und System in unsere Sache bringen. Ich wiederhole daher zum Schlüße meine Aufforderung vom vorigen Jahre: „Konimilitonen in Berlin, gründet eine „Berliner Kadimah" und füge hinzu: Berliner Gesinnungsgenossen, gründet einen allgemeinen jüdisch i ationalcn Verein!" Magdeburg, 24. Januar 1892. Die maßlosen Angriffe. welche die hiesige „Israelitische Wvchenschr." auf das Nationaljudcnthum gehäuft hat, sind offenbar durch das Wochsthum unserer Bewegung in Deutschland hervorgerufen worden. Speziell wögen Ereignisse hier in Magdeburg den ersten Anlaß dazu geboten haben. Es hat nichts geholfen, daß man hier den „Verein für die Wissenschaft des Jud nthums" durch len sogenannten „Grätzverein"' vernichtet hat, da auch innerhalb dieses Vereines die nationale Idee weiter gediehen ist. Daß diese Idee unter der hiesigen jüdischen Jugend trotz oller Hinderniffe und Anseindungen ewporblnhcn kann, wag unseren luss.-jüa. Gesinnungsgenossen ein Zeichen sein, daß wir überhaupt in Tentschlaud den Sieg davontraoen werden. Kattoroifc, den 13. Immer 1892. Am 5. Immer a. c. fand hierorts die Jnstallirimg der Bereinigung B'ncii B'riih jmi. statt. Tcm Berich te über diese Feier sei cs gestattet, jolgendcs voraus zu schicken: Aus Anregung des Herrn I. F r c u t h a t vcrcittigtcu sich im M onat Juli vorigen Jahres eine Anzahl jüdischer junger Leute, um einen gesellschaftlichen Sammelpunkt, eine Stätte für die geistige Erholung in der Aufsassniig des idealen Jiidciirhiims zu gründen. Da nun in jüngster Zeit die Convention des Ordens B'na! L'rilh den Beschluß gejaßt hatte, auch junge Leute an den Orden heranzuzichen, beschloß Herr Frent h a l, die »eugebildete Bereinigung im Sinne des Ordens zn organisiren. Nachdem Herr F. den junge» Leuten die erhabene» Tendenzen und Principien der neuzuschafscuden Bereinigung erläutert hatte, wuchs iimner mehr die Zahl derer, die sich der Sache anjchloßen. Nunmehr wurden alle nöthigen Antczcdcntien erledigt, die Ordensbehörde zu New-Bork gab ihre Einwilligung zur Gründung der Junior-Loge und jo konnte am ö. Januar der eigentliche Grundstein gelegt werden, d. h. die Berciniguiig wurde im Sinue des Ordens eingeweiht und demselben cinoerlcibt Tie Jilstalliruilgsfeier fand in den Räumen der Eoncordia-Loge statt. An diese ernste Feier schloß sich ei» Festessen, welches im Wicuer'schen Saale abgehalten wurde und an welchem auch einige Mitglieder der Eoncotdia- Loge theiliiahmeu Hier kam die Fidelitas in schönster Weise zur Geltung. Eine Reihe von Toasten würzte das Mahl. Der Präsident der Junior-Loge, Br. Julius W i l t ii e r, brachte den Kaisertoast aus, Br. F r e u t h a l toastirte aus die Männer, die sich um den Orden B'nai B'riih verdient gemacht. Einige Br. Br. der hiesigen Eoncordia-Loge toasteten aus das 'Gedeihen der jungen Bereinigung Ein hübsches, schwungvolles 2asellied, versaßt von Br. Se linger, allerlei ernste und heitere dcclamaiorische und Gesangs-Bonräge hielten alle Theilnehincr bis tief in die Nacht znsamnien. Dieses so schöne Fest wird nimmer ans dem Gedächtnisse der Thcilnehmcr schwinden und ost noch wird des Tages gedacht werden, an welchem die hiesige B'nai B'riih jun.-Logc, als erste in Deutschland, die Weihe erhalten. Zum Schlüsse sei es noch gestattet, einige Andeiitnngen zu machen, in welcher Weise die Organisation der Bereinigung ersolge» soll. An jedem Orte können jüdische junge Leute einen Zirkel bilden. Diese Zirkel nun vereinigen sich zu einem Logen-Bezirk, der seine Versammlungen in einem Logen-Locale abhält. Tie Bildung solcher Zirkel und Bezirke ist von der Genehmigung der Kattowitzer Loge abhängig. Im klebrigen ist Herr F r c u t h a l hier, zu näherer Jnsorniaiivn gern bereit. II. I'. Rnffland. St. Petersburg, den 12/2-4. Januar 1892. Ter vor Kurzem verstorbene Tr. P i n s k e r hat, nach der Odrssarr Ztg.", ein Vermögen von über 100.000 Rbl. hinterlassen, wovon er 15.500 Rbl. zu Gunsten von verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten verwacht hat. In der ganzen russischen (auch der antisemitischen) Presse werden Tr. P i n s k e r warme Nachrufe gewidmet. Fast in allen Städten, wo es Chowawe-Zion gibt, ob orthodoxe oder freisinnige, wurden Gedächtnisfeiern abgehalten. Der Odessaer Palästina-Verein beabsichtigt, dem Unvergeßlichen ein ewiges Denkmal zu setzen, zu welchem Zwecke bereits eine fünfgliedrige Commission ernannt ist. Es ist nun fraglich, ob dies nicht unserem nationalen Charakter widerspricht.*) Sollte es aber für gut und passend befunden werden, sv märe es das Richtigste eine beträchtliche Summe dem Zwecke der Vergrößerung und Erhaltung der . S e l b st-E m a u z i p a t i o n" zuzuwenden, desjenigen Denkmals, das dem Autor der 21 utoEma n cipation" bei Lebzeiten gesetzt wurde.**) Der hiesige Verein zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland, hielt am 26. Dezember v. I. seine jährliche Generalversammlung ab, wobei diesmal auch über die Ideen Dr. P i n s k e r s diseutirt wurde- Eine lebhafte Debatte erregte einer der Redner dadurch daß er das auserwählte Volk Israel ohne Land als Schnorre rv o l k bezeichnete. Das sei spez-ell für Herrn Dr. Ad. I e l l i n e k erwähnt, der nicht zugeben will, daß Israel etwas mehr als eine Glaubensgeuosseuschaft ist. Doch darüber nächstens mehr. Die Zionsidee verbreitet sich gegenwärtig in großem Maaßstabe in England und Schottland und i icht nur unter den Juden, sondern auch unter der christlichen Bevölkerung. Aber bisher kam es dort nicht zur Organisation, wie in Rußland, sondern der dortige Zionismus drückt sich vorläufig nur in Geldspenden »ach Jerusalem und Jaffa aus. Herr Isaak R a t h e r s d o r f aus Antwerpen hat bekanntlich im vergangenen Sommer ein großes Stück Land in der Nähe von Jerusalem fi"r 920.000 Frcs. angekauft, das er der dortigen ungarisch-jüdischen Gemeinde schenkte. Der Bau von Häusern auf diesem Boden wird im Frühling begonnen werden. Bor Kurzem übersandte benannter Wvhlthotir 12.000 Fres. derselben Gemeinde zur Errichtung von zwei Beihäusern Wie aus mehreren Ortschaf: eu Palästinas gemeldet wird, regnet cs dort jetzt reichlich, wodui ch die Aussicht auf eine gute Ernte cesteiaert wird. Das „ckournui äo 8t. UvtoiÄwurg" berichtet, daß der Bevollmächtigte des Baron Moritz Hirsch, Herr Arnold White nach 2'/. monatlich-m Aufenthalt in Petersburg unsere Stadt verlassen hat Er stand in beständigen Unterhandlungen mit den höchsten Würdenträgern der Negierung in betreff des bekannten Argentinienuni ernehmens. Nach anderen Zeitungen, soll bereits im Ministerium des Innern ein Projeet der Organisation von Auswanderungscomitös für die russischen Juden ausgearbeitet sein,'das kürzlich dem Reichsrath vorgelegt werden wird. Die „Now. Wr." hat nun erfahren, daß die reichen Juden Südrußlands von der russischen Neichswohlthätigkeis- Lotterie für die Nothleidenden einen seltsamen Gebrauch gemacht haben. Sie kauften nämlich viele Lose derselben und spendeten von vorneherein jeglichen Gewinn dem Unternehmen der Judenemigration noch Argentinien. Als Echo der blutigen Judenkrawalle in Südrußland erschien jetzt ein recht strenges Gesetz „über den Angriff eines Theiles der Bevölkert» g auf den anderen aus Reiigious-, National- oder Klassenhaß." In Warschau, wo bekanntlich eine recht große jüdische Bevölkerung lebt, steigerte sich die Concurrenz in der lebten Zeit in enormer Weise, da sich einerseits l ie dortige polnische Bevölkerung selbst dem Handel und Gewerbe zu widmen *) Nur Monumente int engeren Sinne des Wortes sind iinjüdisch. Denkmäler in Form von Stiftungen u. s. m. sind gut jüdisch. Die Redaktion. **) Wiewohl es selbstverständlich ist, so heben wir!dennoch hervor, daß wir;u diesem Anträge unseres Petersburger Eorrespoiideiiten i n keiirerWeise Anstoß gegeben haben. Die Redaktion.

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