Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1892-02-01 · Heft 3 (1.2.1892) · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 3 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 37 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3092672-3092717-3092720--0837-3093830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 3 Selbst-Emanelpatlon deckt, entnihmeu wir zunächst sclgttidc Stelle: „Die Expedition Friedmann Hot ein trauriges Ende genommen. Sie ist bis an die Sübspitze der Sinaihalbinsel gelangt, also noch weit von Midjav, dort laben die Juden wegen ungenügender Ernährung und harter Arbeit revoltirt, einer von ihnen ist von den Officieren der Expedition, wie es scheint zu Tode mißhandelt worden, die übrigen wurden;u Lande nach Suez zurückgeschickt, nachdem man ihnen die Kleider weggenommcn, und sie sitzen jetzt dort bei ihren von nührr zuiückgcblicbcncn Frauen und Kindern ohne Subsistenzmittel und bitten ins hier um Hilfe". Diese Bitte erfolgte in einem Jarponschreiben, aus welchem einige Sätze wiedergegeben welden, die geradezu schauderhafte Dinge enthalten. Es wird darin von der Mißhandlung eines gewisien N o s n o w i t s ch erzählt, der zuletzt verschwunden sei (!), von einer Ne Volte der jüdischen Truppe gegen ihre Peiniger, und von einer lächerlichen Scene, bei welcher sich Fried m a n n, der sich „Kaiser Paul Friemann, Pascha von Midjan" nenne, mit einer Krone auf dem Haupte seinen LtUlkii gezeigt habe. Der Briesschreibcr aus Alexandrien weiß auch zu berichten, daß Paul F r i e dm a n n gegenwärtig in Kairo weilt, und wirft schln blich die Frage auf: „Moder hat er aber die Mittel zni Expedition genommen? Sein Schiff gehört dem BaronHirscb, wie man jetzt s i ch e r w e i ß (!?) Soll aber Baron H i r s ch die Colonisationspläne in der Wüste ernst genommen haben?" Wir übernehmen natürlich keine Bürgschaft für die vorstehenden Nachrichten. Nur so viel scheint festzustehen, daß die Friebmani.'sche Expedition gewesen ist. Varon Hirsch hat in einem Jnterwiew entschieden in Abrede gcstclli, daß der Plan, jüdische Kolonie« in der an entmischen Nepublick zu gründen, fallen gelasie» worden sei. Wohl wurden die Unterhandliingen mit derselben abgebrochen, aber nur bis zur Ankunft des Oderstlieutenants Albert G o l d s m i d. welcher an Stelle des Dr. L öw-enthal, welcher sich der Aufgabe nicht gewachfen fühlte, dazu bestimmt wurde, die Oberaussicht über die Co lonicii in Argentinien zu iührcn. Die argentinische Regierung ist von dem besten Willen beseelt, fuhr Baron Hirsch iort, sie hat bereits fünf Millionen von den verlangten sieben Millionen Acres bewilligt, und die jüdische Coloiiisalions-Gesellsetasl ist in voller Thätigkeit. Drei Colonien in Buenos-Ahrcs, welche 130.000 Acres umfasicn, sind bereits vollständig bevölkert, und da die Gesellschal t dieses Jahr noch 2000 Juden untcrzubiingcn gedenkt, wird es nothwendig sein, luues Eolonisationsgedict zu ei werben. Das zionistische sparteiorganisations-Lomite in Wien wird im Laufe der nächsten 2a e jdmit zwei en Aufruf uu in- und ausläidiche E'esirn.:ngs-„cnosst» — und nur an solche — versenden. Gründung von zionistischen Ziikeln und Vereinen in bin vciseiiedei en Lrten und Schaffung cincs Pa rleisonds zur Ermöglichurg e'ner umfnsicndeil Agitation durch Wort und Schrift, sowie geeignete Maßnahmen zur Beseitigung verschiedener dem Zioi isweike entgegcnst ehender Schwierigkeiten — sind die Punk e, auf welche der Aufruf besonderes Gewicht legt. Demnächst mehr über den Gegenstand. - Recensiomn. Zion, Palästinensisches Samiiielwcrk von 28. Bei man». St. Petersburg 1802. Früher hatten cs unsere Boiksgenossen nicht nöthig, ans Folianten ihre Geschichte und Litciatnr kennen zu Icr- Diese Rccension ist aus dem Hebräischen übersetzt. Seite 37 iikn, nm zu wissen, daß sie ein Bolk, und keine Zigeunerhorde seien. Jeder Jude war ein Stück jüdischer Geschichte, seinem Gehirne war die Leidensgeschichte seines Volkes tief eingeprägt. Früher bestand auch nicht das Bedürfnis nach Büchern über Palästina, seine Eigenschaften und Geschichte. Jeder Jude wußte, daß uns Zion geraubt worden sei. und erwartete täglich den Erlöser, der die Kinder Israels zu ihrer Mutter zmückführen sollte. Er liebte Palästina ohne jede Ziffermäßigkeit, ohne an seinen Ertrag zu denken, sowie der Sohn seine Mutter liebt, ohne daraus zu .achten, ob sie noch jung und schön, oder ob sie noch reich ist. Der Staub des heiligen Landes war unserem Volke lhenrer als alle Schätze; er nahm ihn mit sich ins Grab. Die Lust Palästinas macht weise, war für die Judeil ein unumstößliches Axiom und jeder unter ihnen, der seinem Gotte treu war, kaniilc keinen sehnlicheren Wunsch, als einmal in seinem Leben das heilige Land zu und sehen, in seiner Erde begraben zu werden. Wenn aber damals unser Volk, das nur auf dem Boden Palästinas zu st erbe n, oder wie auf Adlersflügeln durch einen auf Wolken cinhel kommenden Erlöser dahiiigebracht zu werden sich sehnt, und Palästina als Schlaraffenland sich dachte — kein Bedürfnis nach trockenen Ziffern, nach genauen statistischen Angaben, nach gewissen Hafter Forsche« arbeit hatte; so ist das jetzt anders geworden. Gegenwärtig, da unsere Binder in Rußland sich sehnen, in Palästina zu leben, seinen Uren im Schweiße ihres Angesichtes zu bebauen, dort als geordnete Gemeinschaft zu wohnen, gegenwärtig, da nicht kraftlose Greise um ihr Leben dort zu beschließen, 'andern kraft strotzende gesunde Jünglinge, um dort einen ewige» Bau aufzurichten, »ach dem heiligen Lande ziehen, haben wir über das gegenwärtige Palästina ausklärcnde Bücher ungemein nöthig. Besouders fühlbar ist dieser Mangel in russischer Sprache, in welcher es fast gar keine Weile über Palästina in Bezug auf die Juden gibt, während doch in Rußland die Majorität der Zion.sten existiri. Darum begrüßen wir mit lebhaftester Freude ins Sammelweik „Zion", welches der Petersburger Advocal W. B e r m a n n in russischer Sprache soeben erscheinen ließ. Das vorliegende Buch 310 Gloßquaitieiten stark präscntut sich auch schon äußerlich durch gutes Papier, reinen Druck und überhaupt durch schöne Ausstattung auf das Vorlheithasleste. „Zion" enthält folgende Artikel: 1. Einen Aufsatz dis Herausgebers, welcher aussührt, daß die »cueii Ereiguissc der jüdisch ruffischen Literatur einen neuen Weg in der Richtung einer gründlichen Erörterung aller ans Palästina bezüglichen Fragen weisen. Sic muffen sich in:t der allgemeinen wissenschaftlichen P.ilästinaforschni'g zu gemeiiisaiucr Arbeit verbinden, außerdem aber besonders die Frage der jüdischen Ansiedlung im heiligen Lande studieren und das nöthige Materiale z.isammeiitragen. Das Werk des Herausgebers sei ein schwacher Vcisuch, und wünsche er. daß Andere seine Arbeit fortsctzen. ergänzen und werlhvolle Bücher liefern. 2. „Uebersicht über die physische Geographie des westlichen Palästina". Der Verfaffec, H. I.. benützt eine große Anzahl ncu stcr liub älterer deutsch geschriebener Bücher und Brvchure», aus weichen er das Weseullichste kurz und genau anführt. 3. „Ackerbau und Viehzucht in Palästina und Syrien", eine Ucbcrsktziing aus dem Deutsche». 4. „Bemerkungen über den Handel und die Industrie Palästinas". Dieser Aufsatz ist aus de» Artikeln des „Ha- L'.elitz" im Jahre 1888 entnommen. 5. „Die Behörden in Palästina" übersetzt aus der Zeitschrift „Das heilige Land".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.