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Selbst-Emancipation · 1892-02-01 · Heft 3 (1.2.1892) · p. Seite 30

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 3 (1.2.1892)
Date
1892-02-01
Page
Seite 30 (sequence 4)
Language
German
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Seite 30 Nr. 3 Selbst-Emancipation i o n a! i t ä t, das ist unser Hauptbekenntnis und wer dieses Bekenntnis beschimpft und begeifert, der ist in meiuen Augen der wahre „Kofer B'iktor", der Verräther an der Grundwahrheit des Judenthums. Und was das Schliminstc bei der Sache ist, solch' ein Mensch, wie der Schreiber jenes Artikels, weiß und fühlt gar nicht einmal mehr, welch' ein Verbrechen er begeht, indem er seine Nation verräth; nicht der Jude und nicht der Deutsche sollten ihn in ihrer Nähe und Gemeinschaft dulden. „Wir Juden in Deutschland sind d e r R c l i g i o n nach Juden, der Nation nach Deutsch c." Nein, Du bist weder Jude noch Deutscher. Jude bist Du nicht, weil Du dich aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hast und Deutscher bist Du nicht, weil Du cs als Jude nicht sein und auf natürlichem Wege niemals werden kannst, Du müßtest denn Deine Geburt und Herkunft ungeschehen machen können. Ja, wenn Du der Meinung bist, daß Du dich deiner Geburt und Herkunft zu schämen hättest, dann gehe hin, krieche und wimmere, daß man Dich als Nationaldeutschen anerkennen möge; accomodire und affimilire Dich, so gut es gehen will, beschimpfe dein Volk, verläumde deine Nationalität, vielleicht gelingt es Dir, daß an dem Orte, wo man dich nicht kennt. Du als Germane vom reinsten Wasser angesehen würdest — da wo man Dich kennt, wird es Dir, kann es Dir niemals gelingen, selbst dann nicht, wenn Du den Juden durch das Tauswasser abzuspülen trachten solltest. Selbst getauft bist Du noch ein getaufter „Nationaljude." Wir echten „Nationaljuden" glauben dem Allem überhoben zu sein. — Wir schämen uns unserer Geburt und Herkunft nicht. Als die Nachkommen und Angehörigen der Nation, welche der Welt den wahren Gott und die wahre Moral verkündet, welche in die Welt jederzeit Heil und Segen, Wahrheit und Erkenntnis, Bildung und Gesittung. Ordnung und Thätigkeit gebracht, haben wir das nicht nölhig. Und sagt Jemand zu mir: Du bist als Nationaljude ein Fremder und müßtest unter Fremdenrecht gestellt werden, so werde ich ihm ins Gesicht schlagen,' um mein Hausrecht zu wahren. Hier in Mitteldeutscht a n d (K u r h e s s e u) b i n i ch geboren, h i erhaben schon mein Vater, Großvater ii n d Urgroßvater u n d alle ihre Vorfahr e n s e i t H u n d e r t e n von I a h r e n auf ihrer Scholle g e h a u st. Und kehrt Jener den „.Nationalgermanen" hervor, dann bringe ich den „Nationaljnbcn" zur Geltung. Ich kann meinen Stammbaum zurück lühren bis in die Urzeit der Menschen; hinter welcher Hecke in Mittelasien oder sonst wo in einem fernen Erdlhcil die Vorfahren von Jenem das Licht der Welt erblickt haben, wird schwer zu erweisen sein. Nach bestehendem Fremdenrecht bin ich im Vortheil. Wir sind allesammt auf diesem Grund und Boden nicht autochthon. Wir aber können unsere Geburtsscheine darbringen durch Tausende von Geschlechtern, auch unsere Heimathsurkunde ist nicht anzuzweifeln. Welcher Angehörige irgend einer Nationalität kann seinen Personenstand mit solcher Sicherheit bezeugen? Wir haben wohlnachweisbare Väter, drum haben wir auch ein Vaterland und wo unser Vatergeboren ist und gelebt hat, da ist auch unser Vaterland. Und sind wir als Nationaljuden vielleicht schlechtere Patrioten als die Angehörigen anderer Nationalitäten? Jeder Staat hat Bürger der verschiedensten Nationalialitäten und entsendet seine Bürger nach allen Staaten der Welt. Bin ich als „Nationaljude„ etwa schlechter als der Osmane, der Romane, der Slave, der Neger, derMalahe? Hindert mich mein Nativnaljudenthum für mein Vaterland und seinen Regenten Gut und Blut hinzugeben? Kann das meine Liebe. Treue und Anhänglichkeit an mein Vaterland und seinen Regenten beeinträchtigen, daß ich zufällig nicht Osmane, Germane. Romane, Slave Neger und Malay: — sondern Jude bin? Oder habe ich vielleicht als Jude geringeren Anspruch auf Recht und Berechtigung des Staatsbürgers als Jene. N i ch t i ch a l s N a t i o n a l j u d e, s o n d e r » derjenige, welcher seine Nation und d a ini t seinen Vater verleugnet und verräth, i st v a t e r l a n d s l o s, i st in d ergänzen Welt ein Fremder. Wir sind nur der Religion nach Juden, sagt der Assimilant. Das i st eine Unwahrheit. Mil deiner Nation hast du auch deine Religion verleugnet und verrathen. Unsere Nation und unsere Religion sind so eng verknüpft wie Leib und Seele. Ja wir dürfen getrost behaupten: Religion und Nation des Juden sind völlig identische Begriffe. Die Nation als solche ist nur diese ihre Religion und nimmst du der jüdischen Religion ihr Nationale, so ist sie nicht etwa irgend ein abstracles Bekenntnis, sondern sie ist gar nichts mehr. Alle Lehren und Bekenntnisse unserer Religion wurzeln in der Nationalität, alle Leistungen derselben sind nationale Leistungen, alle ihre Verheißungen, Hoffnungen und Erwartungen sind nationale Verheißungen, Hoffnungen und Erwartungen. Alle die Propheten und Helden des jüdischen Alterthums sind nationale Größen und ebenso waren alle die bedeutenden dem Judenthum entstammenden Gestalten der Neuzeit echte N a t i o n a l j u d e n und sind es selbst nach ihrer Taufe noch geblieben, wie Börne, H e fix e, Benjamin D'J s r a e l i und anderseits Adolf C r ä m i e u x und Hirsch G r a e tz. Nur völlig nichtsbedeutende Kleinheit mu Niedertrachr kann zur Verläugnung der eigenen Nationalität führen. „W e r z u m 8 c h’m a ]' t dj b e f e ii ii t i |i u ii § ein Jude nach d e r a l t e n U e b e r l i e f er u n g; das Nationale i st das Zufällige, d i e N c l i g i o n i st d a s Bleibend e''. So will uns der Held des antinationalen Judcnthums glauben machen. Wenn du auch das 8cli'ma noch so laut gerufen haben magst, verstanden hast Du dieses dein Bekenntnis nimmermehr. „Höre Israel, der Herr u n s e r Gott ist der einzig-seiende Gott." Dü israelitische Ration, dein Gott ist im Gegensätze zu den Göttern anderer Nationen, der einig-einzige Gott. Diese bestimmte Nation ist der alleinige Träger des wahren und reinen Gottesbewnßtseins. „Die Israelitische Nation ist mit ihrem Gotte völlig vereinigt und vergesellschaftet". Dieser Gott ist der jüdische Natioualgott — wir schrecken nicht zurück vor dieser Bezeichnung — und dieser jüdische Nationalgoit ist anerkanntermaßen aber auch der U n i v e r s a l g o t t. Das eben ist die Mission des jüdischen Volkes von Ewigkeit zu Ewigkeit, seinen Nationalgott zum lluiversalgotte zu machen, und wenn dieser Gott ewig ist. so ist auch dieses Volk ewig. „Ich der Ewige habe mich nicht verändert und ihr Kinder Jacobs habt nicht aufgehört." Ich und Ihr — diese Gottheit und diese Nationalität gehören uothwendig zusammen üud sind von gleich ewiger Dauer. Beide sind gleich uothwendig, und wer da sagt, das Nationale im Judenlhum ist das Zufällige, der verleugnet nicht nur seine Nation, sondern auch seinen Gott. — „Die Tollköpfe", so schließt unser Artikeljchreiber, „die hier in Deutschland von einem Nationaljudenthum

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