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Selbst-Emancipation · 1892-01-18 · Heft 2 (18.1.1892) · p. Seite 21

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 2 (18.1.1892)
Date
1892-01-18
Page
Seite 21 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2. Sclbst-Emancipation Seite 21. Lande unter den Arabern. Sic zerfallen in Scphardim, orientalische Juden, die seinerzeit von Spanien nach der Türkei gewandert sind und heute noch einen spanischen Dialcct, Spagnolisch reden und Aschkcnastm, in dein letzten Jahrhundert cingeivandcrtc deutsche, polnische und russische Juden. Die einzelnen Religionen vertragen sich in Palästina sehr. gut, nur die christlichen Sccten, besonders die Griechen und Katholiken sind in sortivährcndein Streit nur ihre heiligen Stätten und ohne die türkische Aussicht würden sie sich in den Kirchen gegenseitig todtschlagcn. Perez Snwlenski) und David Gardan. Eine literarische Ski;;e mit Benützung der Briese des tzetzicren an den Ersteren. *J 11.**) .... „Deine Ansicht", schreibt G o r d o n an S in olcnsk i), „daß Israel, wenn cs für sich selbst sorgen wird, auch ohne seine Reichen Großes vollbringen könnte, ist richtig. Aber wir müssen auch darüber Nachdenken, rvomit und ivie der Krieg zu führen ist. . . . Jetzt kaim lins nur Schwachhcrzigkcil schaden. Ja, beide, Smolcnsky und G o r d o n, diese Banncriräger des Ziongedankens richteten ihre Hoffnungen nicht auf die Großen und Reichen, sondern glaubten an den Geist des jüdischen Volkes. „Ich war iinincr der Ansicht," fährt G o r d o n fort, „daß die Wicderaufrichtung Zions eine geschichtliche Nothwcndigkeit sei, welche sich als solche zu geeigneter Zeit heranSstcllcn werde; diese Zeit ist jetzt gekoiniiien. Aus Hindernisse und Schwicrigkeiten ivar ich von vorncherein gefaßt. Darum bin ich auch jetzt nicht muthlos geworden,". . . „Dariii biii ich mit Dir völlig cinvcrstandcn, wie ich es stets war, daß die Hilfe Israels nur aus seinem eigenen Innern kommen kann, aus der Mitte des Volkes, und nicht von seinen Großen rind Neichen." Als gegen Ende des verflossenen Jahres, den Juden der Eintritt ins heilige Land verwehrt ivurdc, erschrackcn die Zionsfreunde, ihre Thatkraft erschlaffte. S m o l e u s k y und G o r d o n dagegen hatten vorausgesehen, wie sich dem Colonisationswerk gewaltige, alle Vorstellungen übertreffendc Hemmiiissc cutgegeiistclleii wurden. Sie betrachteten aber die Wiederbelebung unseres Volkes ans seinem Boden als eine geschichtliche Nothwcndigkcil, welche durch Schwierigkeiten und Hindernisse höchstens ein bischen aufgchaltcn, aber nicht vereitelt werden köniie. Ihre Zionslicbc entsprang ihrem Kopfe und ihrem Herzen. Mit dem scharfen Blicke ihrer Einsicht drangen sie in das Dunkel der Geschichte ein und sahen dort einen leuchtenden Punkt, welchen die mit dunkler Brille versehenen Augen nicht wahrirchmen können. Sic fühlten, daß Juda zum Leben erstehe, wenn auch sein Herz noch ganz schwach schlage, wenn auch seine Hände noch unthätig seien. Smolensk y und G o r d o n erkannten, daß unser Volk, welches seinen Kopf auf Kosten seines Körpers ausgebildet hatte, so daß es ein geistiger Riese und ein leiblicher Zwerg ward, dringend die Herstellung des Gleichgeivichtes zwischen seinen geistigen und materiellen Kräften benöthige. Sie kamen daher unserem Volke zu Hilfe, indem sie ihm den Weg zur Ruhe und Besitz im eigenen Lande wiesen, in dem Lande, welches es nicht bei der ge¬ *) Aus dem Hebräischen übersetzt. **) I. Theil in Nr. 24 des vorigen Jahrganges. ringsten Erschütterung verlassen ivürde, in dem Lande, in welchem cs keine fremde Pflanze sein, sondern feste Wurzeln schlagen soll, so daß es keine Macht der Erde von der Stelle bringe, in dem Lande, in welchem es von seinen vielen und schrecklichen Leiden, von seinen, von äußeren und inneren Feinden geschlagenen Wundeil geheilt werden wird, in dem Laude, wo der einige Wanderer für seine ermattete Seele eine Ruhestätte, oder wenn schon Kampf, so doch geziemenden lind würdigen, nicht den traurigen toller Flucht finden wird. Der Besiedelung dieses Landes weihten S m o l e n s k y lind G o r - b oh ihr Leben, und ihre Kraft, ivie Helden auf dem Schlachtfeldc mit der Fahne in der Hand sterben. Seit Israel aus seiner Heimath verjagt wurde, und die Stimme seiner Seher verstummte, hörte cs nicht mehr so mächtigen Ruf, so flammende Sprache, wie in den Artikeln Smolensk y's. Ebenso erweckte G o r d o n unser Volk durch seine aufeinanderfolgendcn kräftigen Aufsätze zu neuem Leben. Innen bcgeifterungsglühcnd, schrieb er mit Geduld und Klarheit. Er war ein eifriger Arbeiter auf dem Boden Zions, wiewohl oft der Hunger in seinem Hanse herrschte. Eine Menge Briefe G o r d o n s an S m o l e n s k p liegen vor mir, und aus allen ersehe ich, daß sic beide mit endlosen Schivicrigkeiten zu kämpfen hatten, mit solchen, die jcdcrman kannte, und geheimen, von welchen kein anderer wußte. Beide ermutigten und trösteten sich gcgenseilig. „Ich wünsche", schreibt G o r d o n an S m v l e ns ky. am 11. Dezember 1883, „daß du Genesung in Italien findenmögest, denn noch ist die Zeit für uns nicht gekommen, uns znrückzuziehcii und zu schweigen, uns in Ruhe zu setze». Vielleicht können wir noch für unser Volk wirken, das wir lieben, welches aber uns nicht liebt." Es ist dies das Los aller Derjenigen, welche treu ihrem Volke dienen. Sie opfern ihr Gut und Blut, und das Volk gedenkt ihrer nicht, weder mährend ihres Lebens, noch nach ihrem Tode. Wenn ein reicher Mann mit dem kleinen Finger zu Gunsten seines Volkes winkt, wenn er zwei Wörter spricht, um cs zu rechtfertigen, oder wenn er einige Zeilen für seine Brüder schreibt, dann wird ihm von allen Seiten Weihrauch gestreut, er ist in Aller Mund. Und nach dem Tode schmücken sie seinen Sarg mit Kränzen, um deren Preis man einen wahren Volksmann von dem Hungcrtode retten könmc. Dem Volksmann aber, und dem Schriftsteller, welcher nicht zufällig Vermögen hat, oder der nicht seine Schäfchen zu scheercn weiß, oder der cs nicht über sich bringt, seine Ucbcrzcugung zu verkaufen, seine Gesinnungen in Gold zu wechseln, — ihm ist, auch wenn er das ganze Leben seinem Volke und dessen Literatur widmet, alle seine Fähigkeiten den geliebten Brüdern weiht, beschicden, in seinen besten Jahren zu sterben, seine Kinder als unversorgte Waisen zurückzulasscn, und so wie man ihm bei Lebzeiten keine Lorbccrkränze reichte, auch sang- und klanglos begraben zu werden, ohne daß das Volk seine Arbeit zu schätzen weiß. Stirbt ein Reicher, der sich mit einer einzigen Stunde, mit irgend einer kleinen That für das Volk das Jenseits kaufte, so klagt das ganze Volk in allen seinen Schichten, als ob von Israel die Herrlichkeit genommen märe, indessen mühen sich hunderte begabte und thätige Männer täglich auf dem Felde unserer Literatur hungernd ab, und das Volk verschließt die Augen vor ihnen und gedenkt ihrer nicht. Wenn vergoldeter Lehm zu Grunde geht, klagt das ganze jüdische Volk über den großen Verlust, wenn aber Perlen und Edelsteine, welche man nicht zu hüten und zu wahren verstand, dem Hause Israel verloren gehen, dann wanken keineswegs seine erschütterten Grundvesten. Schriftsteller und treue Diener des Volkes, wie S m ol e n s k y und G o r d o n, wiffen sehr gut, daß sie mit dem Augenblicke, in welchem sie zum ersten Mal ihre hebräische Feder erheben, auch das Schwert gegen sich und ihre Familie zücken, daß mit diesem Augenblicke ihr Schicksal entschieden ist, Ent-

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