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Selbst-Emancipation · 1892-01-18 · Heft 2 (18.1.1892) · p. Seite 20

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 2 (18.1.1892)
Date
1892-01-18
Page
Seite 20 (sequence 6)
Language
German
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Seite 20 Selbst-Emancipation 9Jr. 2 als verläßliche, opferwillige deutsche Parteigenossen bewährt. Exemplare, wie Dr. Freu n d, welchen es vom materiellen, Standpuuct oortheilhafr erscheint, unter Tschechen sich als Tschechen auszuspielen, werde es immer geben. Um solche Ueberläufer sei kein Bolk zu beneiden. Dem frivolen Ausspruch dieses Renegaten gegenüber sei es an der Zeit, daß die deutsche Judenschast Böhmens sich ebenso entschieden zum Deutschthum bekenne, wie Dr. Freund zum Tschechenthum. Das Blatt verlangt nun eine Zweitheilung der Repräsentanz der Landesjudenschaft, damit die deutschen Juden eine entsprechende Vertretung ihrer CnltuSinteresien erlangen, ehe die derzeitige Repräsentanz tschechisirt, d, h. ehe es zu spät sei. Das wäre das beste Mittel gegen den Antisemitismus, der, so lange man ihn seiner Waffen nicht beraubt, w o h l e r m ü d e n, nicht a b e r g e s ch l a g e n iv e r - den kan n. Die Juden müssen bewei en, daß das Wort „Jude" lediglich einen C a n f e s s i o n s b e g r i f f, keineswegs den einer nationalen Körperschaft ausdrücke. Das Blatt schließt mit folgendem Appell: „Sie (die Juden) müssen vor allem sich emancipieren von Fehlern, deren man sie zeiht, sie müssen ihren ganzen Werth zeigen und doeumentiren. Einer ihrer großen Vorzüge ist für uns Deutsche ihr Nationalbewußtsein; mehr als Geldspenden und Zahlungen wird es eine That beweisen: Die Lossagung von ihren tschechischen Glaubensgenossen." Zu einer Zweitheilung der Iudenschaft Böhmens wird es nicht kommen, da die böhmischen Juden, vorläufig freilich nur unbewußt, nationaljüdisch fühlen und vor Allem ihre eigenen Interessen im Auge haben, dies aber nur dann ganz thun können, wenn sie nur Juden bleiben. Ebensogut als die Raudnitzer Juden vor zehn Jahren Deutsche waren und jetzt Tschechen sind, werden sie vielleicht in zehn Jahren wieder Deutsche sein. Diese Inkonsequenz ist keine Characterlosigkeii, sondern durch die Sachlage hervorgerufen, da weder die Tschechen noch die Deutschen die Juden als gleichberechtigt «»sehen, ja gar keine Gelegenheit versäumen, um den Juden zu zeigen, daß sie weiter nichts als die — Juden sind, die man wie in guter alter Zeit als Prügeljnngen benützt. Die Juden, in großer Minorität befindlich, werden - also eineinmal hieher, das anderem«! dorthin gedrängt und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als nur Juden zu bleiben und der Nothwendigkeit entsprechend die eine oder die andere Partei zu unterstützen. Am allerwenigsten dürfen sie, extreme Parteibestrebungen unterstützend, in den Kampf eintreten, denn „sie könnten Frieden machen und dich dann beim Schopf erwischen", was bei den Anlagen des jüdischen Volkes, geprügelt zu werden, nicht zu den Seltenheiten gehört. Den jüdisch-nationalen Führern bleibt es nun aber Vorbehalten, das gewiß geeignete Feld in Böhmen zn bebauen und Besitz von ihrem Eigenthum zu ergreifen, im Interesse der jüdisch-nationalen Sache und der böhmischen Juden. G. Seidemann. Die Bevölkerung Palästinas. Aus Willy Bambus' Brochüre „Palästina in der Gegenwart" Die Juden fanden bei ihrer Einwanderung eine Anzahl kleiner Völkerschaften von hamitischem Stamme vor, wogegen die umliegenden Länder von semitischem Stamme bewohnt waren und auch eine völlig semitische Cultur hatten, die allerdings von Aegypten aus beeinflußt wurde. Auch die Eroberer, die die Juden, in die Verbannung führten, gehörten zu derselben Raffe, ebenso die von den Affyrern in das Land verpflanzten Stämme. Erst als Alexander der Große durch die Eroberung Asiens eine Verschmelzung der orientalischen und der griechischeen Cultur herbeiführte, drang auch in Palästina mit den zahlreichen griechischen Colonien ein arisches Element ein, das bald die ursprüngliche Bevölkerung bis auf die Juden gräeisirte. Als auch diese den Römern' erlegen waren, wurde Palästina bald ganz arisch durch die griechisch-römischen Colonien. Ein Umschwung trat nach 600 Jahren durch den Einbruch der Araber ein, die das ihrer Heimath so nahe gelegene Land nicht blos eroberten, sondern auch vollständig eolonisirten und eine rein semitische Cultur wieder herrschend machten. Der europäische Einfall in den Kreuzzügen hinterließ keine tiefgreifenden Spuren europäischen Einstusses, tveil die Kreuzfahrer nur Ritter waren, die auf den Burgen lebten und sich um die Landbevölkerung nicht kümmerteit. Sie tvurden auch nach 100 Jahreit vertrieben und die Araber blieben die Masse der Bevölkerung, selbst als die Türken das Land eroberten, da diese ebenfalls nur als Beamte und Officiere in das Land kamen, sich aber nicht dauernd ansässig machten. Die Masse der Bevölkerung ist heute semitisch, sowohl die Muhamedaner, als die syrischen Christen und die Juden, doch ist in Palästina die Scheidung besonders scharf durch die Religionen. Eine genaue Schätzung der Bevölkerung ist wie überhaupt in der Türkei nicht möglich, die Angaben differiren zwischen 500.000 und 650.000 Seelen*), diese zerfallen in eirea 520.000 Muhamedaner, „ 70.000 Christen, „ 60.000 Juden. Die Muhamedaner zerfallen in drei ^Bestandteile: 1. Städtebewohner, die verhältnißmäßig gebildet, baöci aber oft sehr fanatisch sind, sie setzen sich ebenso wie die Dorfbewohner aus allen möglichen Volkselementen zusammen. 2. Dorfbewohner, Fellachen, auch hadari genannt, die einen großen Grad körperlicher Verkommenheit einerseits und vollständiger Unwissenheit andererseits aufweisen, so daß sie oft nicht einmal die Grundlage ihrer Religion kennen. 3. Nomaden, Beduinen, auch bedawi genannt. Diese sind noch reine Araber, die von der Viehzuht und gelegentlichen Naubzügen gegen die Fellachen leben, große Heerden von Schafen und Kameelen besitzen und in Zelten wohnen, überhaupt in alter patriarchalischer Weise ihr Leben führen. Sie stehen jeder Stamm unter einem Scheich, sind in fortwährende Fehden unter einander verivickelt, aber auch gegen die Regierung oft unbotmäßig. Sie halten sich heute noch im Süden Judas, ferner im Ostjordanland aus. Die Christen sind größteniheils griechischen Glaubens und syrischen Ursprungs, sie wohnen hauptsächlich in den Städten, jedoch auch in einzelnen Dörfern. Weniger zahlreich sind die römisch-katholischen Christen, meist eingewanderte Europäer in den Städten, dann Protestanten, Templer, endlich in Jerusalem Armenier, Kopten, Aelhiopier. Die Zahl der Juden ist in den letzten Jahren ständig angewachsen und während in dem Jahr 1890 ihre Zahl nach der besten Schätzug eirea 55.000 betrug, dürften sie heute bereits 60.000 zählen. Sie leben, in den Städten und circa 20 eigenen Dörfern, in einigen Fällen auch vereinzelt auf dem *) Gegen u:*':crc Millionen im Alteethuin. Die Rcdnctwn.

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