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Selbst-Emancipation · 1892-01-05 · Heft 1 (5.1.1892) · p. Seite 12

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 1 (5.1.1892)
Date
1892-01-05
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seile 12 Sclbst-Emancipation Nr. 1 Vorstehende Biographie ist die Skizze einer kurzen von dem Redakteur des hebräischen TagblaticS „Hamclitz" in St. Petersburg Zcdcr.baum, in seinem Journale vcröffentlichtcn Lebensbeschreibung des unvergeßlichen Dr. P i n S k c r. England. London, 7. Dezember 1891. (Fortsetzung aus der vorigen Nummer.) Das Streben darnach sei die wahre Aufgabe Israels und in der Anerkennung dieser Pflicht liege die ivahrc nationale Idee dcS Judcnthums. Nun scheint aber im Sinne Sir Philipp M a g n u s' die Frage wohl berechtigt, ob nicht Baron H i r s ch Unrecht daran thut, Argentinien mit den Missionären der Botschaft des eiilzigcn wahren Gottes zu versehen; er sollte vielleicht erst Afrika bedenken, also Hcidcnmisfioii betreiben, während die paar Millionen Bewohner Argentiniens als Christen in der Erkcnntniß Gottes schon weiter vorgeschritten sind. Sodann iväre vielleicht die Frage am Platze, ob nicht Palästina auch eine Anzahl von den Missionären, die von Rußland ans ausgcscndct werden, gebrauchen könnte, zumal dort von anderen Leuten nichts oder fast nichts unternommen wird. Allein solche Fragen sind dem Gcdankcngangc unseres Verfassers fern. Ihm genügt cs in der Einleitung zu sagen, daß die Inden zu keiner Zeit entschieden genug für Palästina begeistert waren, und dann diese vorgebliche Thatsachc, deren Gegenthell wahr ist, darauf zurückzuführcn, daß die Mission, welche die Juden als unter den Völkern zerstreut zu erfüllen haben, sic unbewußt davon zurückhält, entschieden genug für Zion zu fühlen und zu handeln. Mit einem Fcdcrzugc macht er die Hcldcnkäinpfc Bar Kochba's, dessen Thätigkcit er bezeichnender Weise mit derjenigen Sabbatai Zcwi's zusammenwirft, zu einem kläglichen Versuch, die verlorene Selbstständigkeit wieder herzustellen. Und doch, wenn Sir- Philipp Magnus nicht in so souveräner Weise die Geschichte eorrigircn würde, könnte er selbst in dein letzten Jahrzehnt unserer Geschichte genug Beispiele heroischer Aufopferung für Palästina bei uns ivahrnehmcn. Die aufopferungsvolle Hingabe an Palästina, die sich darin bethätigt, daß junge Männer die vor Beendigung ihrer Studien, ivclchc ihnen eine hoffnungsvolle Carricrc eröffnet hätten, ihre Zukunft dem Landban in Palästina widmen, steht nicht hinter derjenigen Begeisterung für das Vaterland zurück, die zu den Waffen greifen läßt, um den Feind abzuwchrcn. Ja. die Frage ist noch berechtigt, ob das Opfer der ersteren nicht noch größer ist. Was gehen aber diese und noch andere T h a t s a ch e n unseren Verfasser an; er wollte für die Missionsmarottc eine Lanze brechen und da müssen die bösen Chovcvci Zion die Kosten tragen. Gegen Thatsachcn ist die Politik des Vogels Strauß die bewährte Methode. Allein den Chovcvci Zion und den Thatsachcn erstand ein Rächer und Sir Philipp M a g n u s' Ideen ein formidablcr Gegner in der Person dcS ncuerivähltcn Chef der Chovcvci Zion in England. Mr. Elim H. D'A v i g d o r hat ebenfalls für die Jubiläumsnummcr des „Jcivish Chroniclc" einen Aufsatz über die nationale Idee des Judcnthums geschrieben, der in klarer und sachlicher Weise der Wahrheit die Ehre gibt. Er legt in eindringlicher Weise dar, daß die nationa.lc Idee des Judcnthums ein ebenso wichtiger Faktor des Judcnthums bildet, ivic der Eingottglaubc, daß die nationale Idee immer ihren Platz im Judcnthum behaupten werde, so lange dasselbe besteht. Er geht sodann auf die Folgerungen über, weist nach, wie sich ganz natürlich bei einer allmähligcn, besonnenen Einwanderung in Palästina dort ein jüdisches Gemeinwesen entwickeln müsse — durch den Einfluß, den die Bewohner des Landes naturgemäß auf die Regierung und Verwaltung dieses Landes anszuüben berufen sind. Ein solches jüdische Gemeinwesen würde aber durchaus den übrigen Inden in den verschiedenen Ländern nicht gefährlich werden, sondern vielmehr ihnen zum großen Nutzen gereichen. Der Jude werde jetzt als Fremder, nicht mehr als Ketzer gehaßt. Wenn aber irgendwo ein Rückhalt für ihn wäre, so könnte dies nur wohlthätig auf seine Lage unter den Nationen cinwirkcn. Es wäre alsdann eine Garantie geboten, daß unser Volk nicht mehr den Ausbrüchen der Vcrfolgungssucht ausgesctzt iväre, der Vcrsolgungssucht, gegen welche aller Fortschritt der Civilisation sich als machtlos erwiesen hat und deren gehässige Ausübung er nicht einmal zu hindern vermochte! Gäbe es keine nationale Idee bei uns Juden, die letzten Ereignisse in Rußland und Rumänien müßten sic schaffen. Niemand verlange von den Juden in England, Frankreich oder Deutschland, daß sie nach Palästina oder Argentinien answandcrn sollen. Wo aber sei das Heim und das Vaterland der Vertriebenen aus Rußland oder Rumänien? Unter den Schlußsätzen des Avigdor'schen Artikels finden sich folgende, getreu aus dem englischen Original übersetzt: „Der nationale Gedanke ist aber ebenso förderlich und ebenso nothwcndig für den Erfolg der Colonicn in Argentinien als derjenigen in Syrien. Er ist ein zu alter und zu wesentlicher Bestandthcil des jüdischen Charactcrs, als daß er beseitigt werden sollte, selbst wenn seine Beseitigung nicht die Beseitigung des jüdischen Glaubens involvirtc, ivobci ivir aber nachgeivicsen zu haben glauben, daß dies wohl der Fall sein würde. Unsere Führer sollten alles thun, was ihnen zu Gebote steht, um ihn zu pflegen und zu cntivickeln in practischcn, rationellen und ganz besonders natürlichen Grenzen. Denn Gedanken zu unterdrücken versuchen, heißt das Unmögliche versuchen, und die Folge muß jenes Unglück sein, welches man vermeiden möchte." Der Artikel ist mit großer Umsicht, aber auch entschieden geschrieben. Er kann seinen.Eindruck nicht verfehlen bei allen denen, die aus irgend einer Ursache, aus irgend welcher Befürchtung den Absichten der Chovcvci Zion ferne stehen. D'A v i g d o r s Artikel erhält höheren Werth dadurch, daß derjenige Sir Phil. Magnus wenige Seiten vorher zu lesen ist, und sich so die Gelegenheit dem Leser bietet, die klaren ungewundenen Acußernngcn des einen und die mystischen Missionslehren und äußerst gewundenen Ausdrücke des Andern mit einander zu vergleichen. Woher übrigens der Wind auch unter den hiesigen Juden weht, können die Leser daraus ersehen, daß sich hier ein Verein gebildet hat, der akademisch gebildete und sonstige aus dem Gebiete der Literatur thätige Juden umfaßt, um den Mitgliedern Gelegenheit zu bieten, ihr Interesse am Jndcnthnm zu bcthätigen und ihre Gedanken darüber anszutauschen. Mehr aber als die Thatsache der Gründung dieses Vereines ist vielleicht zum Verständnis des Geistes, der in den betreffenden Kreisen herrscht, hcrvorzuheben, daß dieser Verein den Namen „die Makkabäer" führen soll. Die zwei hervorragenden Führer der hiesigen Chovcvci Zion, Lieutenant-Colonel G o l d s m i t h und Mr. D'A v i g d o r gehören dem Vereine an. Die jede 14 Tage stattsindendcn Meetings der Chovcvci Zion hicrsclbst haben nun begonnen und werden regelmäßig fortgesetzt werden. Bei der letzten Versammlung unter Vorsitz des Herrn D'A v i g d o r wurde auch ein Brief des Chief- Rabbi Dr. A d l e r verlesen, der sein Wcgblciben von der Versammlung entschuldigte und die besten Wünsche für die Chovcvci Zion enthielt. Die Herren Prag und Dr. Hirsch beleuchteten treffend die Ausführungen des Sir Phil. Magnus. Mr. D'A v i g d o r, der Vorsitzende, richtete an daö Publikum Ansprachen in deutscher und englischer Sprache, und wurde ihm der Glückwunsch der Versammlung zu seiner Erwählung als Chef der Chovcvci Zion ausgesprochen. Ueu.-Avjeli,

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