Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1 (5.1.1892)
- Date
- 1892-01-05
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Selbst-Emancipation Seite 9 sprachen worden sein. Die Mehrzahl in Unkenntnis der Tendenzen der „Hasmonaea", hielten sic für eine confcssionclle Verbindung und glaubten mit vollem Rechte den Stab über sie brechen zu dürfen. Es ist wahr, man machte der jungen ..Hasmonaea" das Leben so schwer als möglich, die Presse verhielt sich geradezu feindlich und nur vereinzelt und schüchtern sprachen sich einige Czcrnowitzcr antisemitische Blatter s ü r die Verbindung aus. So lagen die Dinge, als mit einem Male ein Umschwung ein trat. Diesen Fortschritt zum Bessern hat die Verbindung zum großen Thcile zivcicn maßgebenden Persönlichkeiten zu verdanken, die bei dem am 12. Dezember 1891 im Glaspavillon des „Hotel Weiß" stattgchabten G r ü nd u n g s f c st c der „H a s m o n a e a" sich für dieselbe aussprachril. Der Verlauf dieses in seiner Art überaus schönen Festes wird den Mitgliedern der Verbindung und den Festgästcn stets in Erinnerung bleiben. Der Saal ivar hell erleuchtet und prachtvoll dccorirt. An einer langen hufeisenförmigen Taicl saßen die zahlreich erschienenen Fcstgäste. Unter andern bemerkten wir den Dekan der philosophischen Facultät, Herrn Prof. Dr. Hillberg als Vertreter der Universität, Stadtrath, Viccpräscs der Culiusgemcinde, Hauptmann a. D. B a l t i n e st c r, Bahnbetriebslciter Schaffner, Pros. N u ß b a u m, Prof. Made r, Dr. L u t t i u g e r re. Von den akademischen Vereinen waren erschienen die Vertreter der „A k a d c m i s ch e n Lesehalle" und des Phar- »laccutenvcrcines „H y g i e a" sowie viele Commilitoncn verschiedener Nationalitäten. Der Präses der Verbindung, Herr 8tuä. zur. Jsak Schmierer cröffnetc das Fest mit dem Studcntenliede „6auäöamu8", worauf er die erschienenen Gäste in herzlichster Weise begrüßte und willkommen hieß. Sodann wurde das von dem Rcdacteur der „Selbst-Emancipation", Herrn Dr. Naihan B i r n b a u m, gedichtete „Hasmonäcrlied" („Wißt ihr, woher die Einheit stammt?") gesungen, welches den ungctheiltcstcn Beifall erntete. Die Festrede hielt Herr stucl. zur. Julius S t e r n b e r g, worin er in begeisterten und überzeugenden Worten die Tendenzen des Vereines, das 'Nutzlose und Entehrende der Assimilation und den moralischen Werth der nationalen Idee zum Ausdrucke brachte. Redner schloß mit einem „Hoch" auf Seine Majestät den Kaiser, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Die Wirkung der Festrede war eine großartige und erhebende. Schon jetzt war die Stimmung eine recht festliche und feierliche; noch mehr aber sollte sie cs werden, als Prot. Dr. H i l l b c r g in mehr als zweistündiger Rede, die in geistvollem und unterhaltendem Tone gehalten war, seiner Liebe zum jüdischen Volke in den Herzen der Zuhörer ein Denkmal setzte. Wenn er nicht als officicller Vertreter der Universität erschienen wäre, meinte er unter Anderem, so wäre er als Jude gekommen. Er sei Jude nach Abstammung und Confession. Auch auf den Antisemitismus kam Redner zu sprechen und erzählte, daß er auf ivisscnschaftlichcn Reisen deutsche Gelehrte von glänzenden Namen und anerkannt von hoben wissenschaftlichen Verdiensten angetrofscn habe, ivelchc ihm ihre antisemitische Geständnisse machten. Gegen diesen Haß komme man mit dem Uebertritt zu einer anderen Confcssion nicht auf; Redner citirte hiebei das gelungene Epigramm eines deutschen Gelehrten: „Ich bin ein Protestant! So sagst du mit Emphase. Dagegen protestirt emphatisch deine Nase." Die gediegene Rede schloß mit dem freilich eine noch nicht geklärte Auffassung vcrrathcndcn Wunsche, cs möge bald die Zeit anbrcchen, in welcher durch das Aufhören des Antisemitismus Vereine von der Tendenz der „Hasmonaea" ihre Existenzberechtigung einbüßen werden. Der Festredner stud. zur. Julius Stcrnbcrg dankte dem Prof. Dr. H i I l b e r g für die Sympathien, die dieser der Verbindung entgcgcnbringe; nur, meinte er, sehe er nicht ein, warum der Jude bei etwaigem Aufhörcu des Antisemitismus, welcher Fall übrigens schwerlich cintrctcn dürfte, das jüdische Nati'onsbeivnßtscin nicht iveiter pflegen sollte. Prof. Dr. Hillberg entgegncte darauf, daß er schlecht verstanden worden sei, und daß der Widerspruch zwischen seiner und der Ansicht des Vorrediters nur ein scheinbarer sei. Nach Absingung einiger Programmlicdcr sprachen Gemcindcrath und Hauptmann a. D. Baltin e st e r, der schon früher offen für die „Hasmonaea" cingetretcn und ihr die Sympathien vieler Kreise erworben hatte, Gemeinderath G e r b e l, Bahnbctricbslcitcr Schaffner und. Prof, dl ußbau nt. Stiul. zur. Philipp M c n c z e l hielt die Rede auf die Alma tnater. Vcrcinsmilglicd sttul. zur. S ch n tj brachte einen Toast auf den älter» Brudcrvcrcin „Kadimah" in Wien aus. Hierauf wurden die überaus zahlreichen Telegramme und Glückwunschschreiben, danintcr von der „Kadimah", den „Wiener Hasmonäcrn", „Viadrina" in Breslau, von den russisch-jüdisch-wissenschastlichcn Vereinen in Berlin und Dresden, „Zion" in Lemberg, den Herren Dr. M. I. B o d e n h e i m e r in Köln, Chcf-Redacteur der „Sclbst-Emancipatiou" Dr. Nathan Birnb a u m in Wien, Dr. K. Lippe in Jassy, dem hiesigen Rabbiner Dr. Igel und viclcit anderen Gesinnuitgsgenossen verlesen. Ztnn Schluffe des offieicllcn Thciles, um halb 1 Uhr Nachts, ivtirdc das von einem Vcrcinsmitglicde gedichtete Farbenlied gesungen. Das Hospizpräsidinm wurde nun dem Herrn Prof. N u ß bau m übertragen. Erst gegen 'Morgen trennten sich die fröhlichen Gäste. — Zwei Tage darauf brachten fast sämmtlichc hiesige Blätter getrctle Berichte über dieses schöne Fest, ivelchcs mit einem Mal einen Umschwung in bm Ansichten über die „Hasmonaea" hcrvorgcrufcn hatte. Die Verbindung erhielt neue Förderer; die Presse verhält sich geradezu freundlich und alles dies ist den Mieden des Prof. Dr. H i l l b e r g und des Hatiptmanncs a. D. B a l t i n e st e r;n verdanken. Samstag Abends, d. i. am 2. Jänner, veranstaltet die akademische Verbindung „HaSmonaca" im großen Saale des „Hotel Aloldavic" eine Makkabäer feie r, die. wie cs scheint, hinter dem früheren Feste nicht znrückstchcn wird. 8tnd. jur. 'Mayer Ebner. Budapest, 2i>. Dezember 1891. Wie bekannt sind cs die Drthodorcn, die dtirch die Einführung der Sonntagsruhe am meisten in ihren Interessen betroffen sind, da sie nun sowohl S a m s t a g als Sonntag ihre Geschäfte geschloffen halten müssen. — Der von ihnen dieser Tage vom Handclsministcr empfangenen Deputation versprach Sc. Ercellcnz, das; er sich bestreben werde, das Gesetz dahin abzuändcrn, daß das Offcnhaltcn der Geschäfte bis 12 Uhr Mittags statt bis 10 Uhr Vormittags gestattet sei. Mehr könne er ihnen vorderhand nicht versprechen. Ad Eotlimann Deutsches Reich. □ Berlin, den 27. Dccember 1891. Je mehr man von assimilatorisch-jüdischer Seite den Antisemitisinns todtlügen möchte, umsomehr zeigt sich die bedauerliche Erscheinung, daß derselbe überall an Macht und Gebiet gewinnt und cs gehört viel dazu, wenn der „Woschod" die Sachlage so darstellt, als ob der Antisemitismus im westlichen Europa geschwunden sei. JmGegentheil wird die Agitation mit Nachdruck betrieben und finden allein in Berlin täglich eine, oder gar mehrere große antisemitische Volksversammlungen statt. In letzter Woche hatte ein biederer Liberaler Herr K ü ch c n m eiste r eine Protestvcrsammlnng' gegen die antisemitischc Hetze ciubcrufcn. Was geschah? Die Versammlung wählte mit großer Mehrheit den antisemitischen Abgeordneten Dr. W e r n c r zum Vorsitzenden und gestattete dem Herrn K ü ch c n m c i st c r kaum 5 Minuten, um seine Ausführungen zu machen. Ja man beraumte sogar eine Pause an, ivobei man direct auffordertc, in der Zwischenzeit die Herren „Socialdcmokraten" hinauszubesördern. Ta man nun diese