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Selbst-Emancipation · 1892-01-05 · Heft 1 (5.1.1892) · p. Seite 8

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 1 (5.1.1892)
Date
1892-01-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Sclbst-Emancipatiou Organ und nicht zum mindesten auch die stattliche Erscheinung des Redners wirkten zusammen, um die Zuhörer zu cnthusiasmiren. Die Leser stndcn die Rede an anderer Stelle des Blattes abgcdruckt. Mit dem bekannten Bundeslied (Makkabäcrlicd): „Wißt Ihr, woher die Einheit stammt?" schloß der ernste Thcil der Feier. Demselben folgten noch einige virtuose musikalische Leistlingen und schließlich für die Jugend das Tanzvergnügen, welchem bis in die späte Nachtstunde gehuldigt wurde. Um den Erfolg des Abends haben sich der Obmann des Makkabäerfcicr-Comitöcs, Herr stuck. med. Karl P o l l a k, sowie der Cassicr Herr sind. med. Hermann 8t c ich, besonders verdient gculachl. — Begrüßungsschreiben und -Telegramme waren eingclangt von den Vereinen: „Zion" in Lemberg, „Nussisch-jüdisch-ivisscnschaftlichcr Verein" in Berlin, „Jüdisch-wisienschastlichcr Berein" in Dresden, Freie Verbindung „Viadrina" in Breslau, „Akademischer Verein für jüdische Geschichte nnd Literatur" in Dorpat, Studcntenvcrcin „Anatokica" in Riga, „Bolksleschalle" in Drohobycz, Akademischer Verein „Humaniias" in Graz, Akademische Verbindung „Hasmonaca" in Czernovitz, Verein „Dorsche l'schon Zion" in Coilstantinopcl; ferner von den Herren: Oberst 'Albert Go l d s m i d, London, Landcsrabbincr Dr. Igel, Czcrnowitz, Rabbiner Dr. K a y f c r l i n g, Budapest, Rabbiner Dr. R ü l f, Memel, Dr. Rüben B i e. r c r, Sofia, Professor D. M a d e r, Czcrnowitz, Dr. I. F c l d, Lemberg, Dr. Dt. Davidovijc.z, Bucarcst, Dr. M. C o h n, Berlin, Dr. Wilhelm Boehlcndorff in Charlottcnburg Dr. M. I. B o d c n h ei m c r, (mit schönem Gedicht), Cöln, Dr. Basil Rose n, Odesia, Dr. Alexander I a s j i n o w s k y, Odessa, Dr. Leo K o h a n, Kifchincw, Dr. A. Salz, Tarnow, Ingenieur Michael E l l m a n ll, Tulcca, S. B r o m b e r g, Tarnoiv, I. S a ch s, Marburg a. d. L. — Zu bemerken wäre nur noch, daß Herr Prof. Dr. Nothnagel für eine ihm, dem Lehrer vieler Kadimahner, überreichte Ehrenkarte dem Vereine seinen herzlichsten Dank aussprach und 50 fl. übermittelte. Wien, den 1. Jänner 1S92. Graf Dr. K u c n b u r g ist in's Ministerium berufen morden, — ein kleiner Sieg der Liberalen. Desto größer ist die Freude unter den österreichischen Juden, welche darüber alle bitieren Erfahrungen vergessen. Wie werden sie erst kurzsichtig sein fönnen, wenn die liberale Partei, was ja auch möglich ist, wieder an's Ruder kommt! Armes jüdisches Volk, das du von den Zufällen der Partcivcrhältnissc abhängst, und dir gar nicht mehr verlangst! Weihnachten, das Fest, ivo Christkindchcn die lieben Kleinen liebevoll beschcnkr, har auch so viele jüdische Kinder bedacht. Besonders die schönen Christbäume nahmen sich herrlich aus, wenn ihre Kcrzchen die frcudcglühcndcn Antlitze der lieben kleinen Enkel Abrahams bestrahlten. Ja man muß mit dem Volke mitlcbcn! Weihnachten sei eigentlich gar kein christliches Fest, sondern ein Volksfest, das Fest der Wintersonnenwende. Wo sind die Heiden — Herr Dr. Jcl l inck? Die von Ihnen Bcrathcncn kamen wohl durch lauter Hallelsagen zur Feier des „heiligen Abend" oder irren nur, wenn sie die Lichtlein statt an die Mcnorah, an ein Tanncnbäumchen stecken. Lemberg, 26. Kislcw 5653 (27. Dcccmber 1891). Das Heuer vom Verein „Zion" in Lemberg gestern veranstaltete M a k k a b ä e r f c st war ein weiterer Beweis dafür, daß unsere Idee von Tag zu Tag weitere Kreise erfaßt. Bor einem ungemein zahlreich crschienencit Publicum — der Saal tvar aus¬ Nr. 1 verkauft — leitete der hiesige Obcrcantor H a l p e r n nüt einem Psalmgesange daß Fest ein und zündete die Chanuka- Lichtcr an. Sodann begrüßte der Vice-Präsident, Herr Carl Stand, tnit einer von großer oratorischcr Begabung zeugenden Rede die Anwesenden. Besonderen Beifall erntete der Redner, als er an geeigneten Stellen die politischen Fragen berührte, wie z. B. die Podhajccr Asfaire, in der die Polen und ihre Organe deutlich zu erkennen gegeben hatten, daß sie mit den Polen „mosaischer Confession" Nichts gemein haben ivollen. Der Redner schloß seine in deutscher Sprache gehaltene und oft von Beifallsstürmen unterbrochene Rede mit einer kurzen, sehr gediegenen hebräischen Ansprache, in der er die Versammelten auffordcrtc, das Vorbild der Makkabäer nachzuahmcn. Es folgte ein von Frl. Porjcs mit großer Eleganz und vielversprechender Kunstfertigkeit gegebenes Violinconcert,' dann sang der' berühmte Tenor der hiesigen jüdischen Buhne, S. Tabaczniko i»' die beliebten Volkslieder des Herrn A. Goldfaden: „3 i o u, Z i o n" und „S t e h' a u f, mein V o l k". Herr stuck, zur. Weid m a n n dcklamirte ein hübsches nationales Gedicht von P a j g c r t und in Folge unaufhörlichen Applauses ein specicll zur Chanuka-Fcier von Herrn A. K o r k i s ins Polnische übersetzte Gedicht Kulkas: „Der Chanuka- Schamcs". Nachdem hierauf Frl. Kroch, Schülerin des hiesigen berühmten Pianisten M i k u l i ihre Virthuosität auf dem Clavier bewiesen und Herr L e i s s n e r die treffliche Festrede gehalten hatte, folgte der Culminationspunct des Abends. Die Capelle des hiesigen jüdischen Waisenhauses, ein nicht geitug zu schätzendes Werk des Landesadvokatcn Herrn Dr. S.jS ch a r f, spielte unter persönlicher Leitung des begabten Capcllmeisters' Herrn Adolf Boden stein über nicht cndenwollendes Bravorufen 5 Stücke, ivorunter einen dem großen Menschenfreund Baron H i r s ch geividmctcn nnd von dem genannten Capcllmeister componirtcn Walzer „Philantrop", der besonders gefiel. Sehr gelungen ivar auch tu diesem Jahre der hebräische Thcil des Abends. Begeistert und begeisternd trug Herr I. Nenze r, hcbr. Sekretär des „Zion", ein sclbstvcrfaßtes Gedicht vor; Herr Obcrkanior H a l p e r n sang solo ein von Herrn S. Gurt m a n n verfaßtes und vom Sänger in Musik gesetztes Lied: „Schir Zion". Das Publikum zeichnete Dichter und Compositeur durch mehrmalige Hervorrufe ans. Die hebräische Festrede hielt Herr D. H. T i c g e r, ein sehr bewährtes Ausschußimtglicd des „Zion". Alle die ihn verstanden und solche waren, mit größter Freude sei cs gesagt, heuer in starker Menge vertreten, rvarcn entzückt. Das Fest schloß zu vorgerückter Stunde mit einem Sologesang des'Frl. K 5 r n c r, Tochter des hiesigen Cairtors, und einem Zitherductte der Fräulein Zassoivska und Lctza. Beide musikalische Leistungen befriedigten. Während der Pause waren Briefe und Telegramme aus Odessa, Petersburg, Sophia, Jerusalem, Wien, Berlin und Brody verlesen worden. Nach der Feier versammelten sich die Comitömitgliedcr und Gäste zu einem Danquett, bei welchem sich nach gcistsprühcnden Toasten eine sehr lehrreiche Discussio», an der auch die Herren B r a n d e i s, S i l b c r b u j ch und Landau Thcil nahmen, entspann. Auch in materieller Hinsicht ist die Feier aufs glänzendste gelungen. Ein Thcil des Ertrages wird kür wohlthätige Zwecke vcrivcndct werden. Jacob heu. Isaelc. Ezernoroitz, den' 28, Dezember 1891. Die jüdischnarionalc akademische Verbindung „Hasmonaea" ist, kaum daß sie einige Monate besteht, Gegenstand allgemeiner Sympathie geworden. Nicht daß damit gesagt würde, daß gleich bei ihrer Gründung alle Kreise der jüdischen Bevölkerung ihr zugejauchzt oder sic zumindest willkommen geheißen hätten, im Gegeutheil, die bessern Kreise verhielten sich sehr kühl und manches Schmähwort soll über die „Hasmonaea" im Scherz und Ernst ge-

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