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Selbst-Emancipation · 1892-01-05 · Heft 1 (5.1.1892) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 1 (5.1.1892)
Date
1892-01-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Selbst-Ema ncipatton Nr. 1 zu regieren.. Was würde, fragen wir, in Jerusalem und in anderen Th eilen des heiligen Landes mit den christlichen und nrohamedanifchen Denkmälern, Klterthrnnern und Heiligthümern geschehen? Würden sie die Juden entfernen, oder würden sie es im Stande sein, wenn sie es auch wollten? Ein solches Geschenk der Mächte an die Juden wäre mehr eine Verlegenheit als eine Wohlthat. Wir verlangen, daß es den Juden unverwehrt bleibe, sich in Palästina niederzulassen, dort Grund und Loden zu erwerben, Ackerbau und Handel zu treiben und die endgiltige Entscheidung über Zion, Jerusalem und Palästina wollen wir dem Zeitpunkte überlassen, den die Propheten „acharis hajomim“ nennen. Treu und unerschütterlich müssen die Juden in ihrem Glauben ausharren, wie das Geschlecht der Makkabäer, nicht verzagen, nicht verzweifeln, wenn auch das Meer der Geschichte tost und tobt, hervorragcn müssen sie durch Recht und Gercchttgkeit, Menschenliebe und Brüderlichkeit, Friedfertigkeit und Versöhnlichkeit, religiöse Duldung und Vorurthcilslosigkeit; in den letzten Tagen des Monats Aislev aber wollen wir nicht ein Makkabäer-Fest, unter Sporngeklirre und kriegerischen Nationalliedern feiern, sondem ein Weihsest, wie unsere Väter seit Jahrtausenden, begleitet von Psalmen, in denen wir bekennen „Gott mit mir, ich fürchte Niemand" oder, um mit Bismark zu reden: „Der Jude fürchtet Nieinand außer Gott" und unter dem prophetischen Rufe: „Vicht durch Heeresmacht und nicht durch irdische Gewalt, sondem durch den reinen Tottesaeist" oder mit anderen Worten : Vicht durch das Schwert des Makkabäer, sondem durch den Gott der Geschichte. Herr Dr. I e l l i n c k wird uns aber die Bemerkung gestatten müssen, daß mit einer schönen Predigt Israel nicht geholfen sein kann. Die Variante des bekannten Bismark'schcn Satzes gefällt uns sehr gut; schade nur, daß nicht gar viel von dem stolzen Geiste, der diesem Aussprüche iimcivohnt, unter den Jüngern und Gesinnungsgenossen des Wiener Predigers zu stndcn ist. Da wird die Furcht vor Gott in den meisten Fällen von ganz anderen Arten der Furcht, minder edel und minder sittlich, übertönt oder gar ersetzt. Was sagt Herr Dr. Jellinek z. B. zu der Furcht, wie ein Jude auszuschcn, oder zu der Furcht vor dem Nichtgetauftsein, — Blümchen, die besonders oft auf dem Boden erblühen, welchen er oder ein anderer Priester der „mosaischen Confessio»" mit „Recht und Gerechtigkeit, Menschenliebe und Brüderlichkeit, Friedfertigkeit und Vcrsöhnlichtkcit, religiöser Duldung und Vorurtheilslosigkcit", gedüngt hat? Er soll einmal unter jene jüdischen jungen Leute gehen, welche nicht zu dem sogenannten „kleinen Kreise junger Männer" gehören, und er wird seine blauen Wunder erleben, wie deren Weben und Streben so ganz und gar von dem Geiste des Monotheismus und der Mission der Juden durchtränkt ist. Er soll sie nur aufsuchen seine Gottesfürchtige«! in den Kneiplocalen, auf den Wettrennplätzcn u. s. w. Schwärmer, die jedenfalls Ideale haben, wird er selbstverständlich nicht unter ihnen finden, höchstens Nachtschwärmer. Deshalb aber schon die Ideale besitzenden „Anhänger des Makkabäerfestes" „Schwärmer, ohne jedes politische Verständnis" zu nennen, ist doch zu gewagt. „Anhänger des Makkabäerfcstes" ist überhaupt ein recht unglücklicher Ausdruck. Offenbar meint Herr Dr. Jellinek darunter, wie aus dem Tenor des Artikels hcrvorgcht und namentlich die dem Ausdrucke folgende Stelle beweist, die Zionisten. Diese aber in Pausch und Bogen „Schwärmer, ohne jedes politische Verständnis" zu heißen — und das Alles auf Grund einer neunzeiligen Motivirung, während wir über das Thema schon Bände geschrieben haben, weshalb wir uns auch an dieser Stelle einer Entgegnung enthoben wähnen — übersteigt schon das Maß des Erlaubten. Es wäre zu wünschen, daß die Zionisten aller Länder, namentlich aber dort, wo sie die herrschende Partei im Judenthum sind, wie in Rußland, gegen diese unüberlegte A e u ße ru n g d e s He r r n D r. I e l l i n e k entschiedenen P r o t e st es n l c g c n. D i c Zio n iste n, unter welchen sich hunderte von Männern befinden, d i c an durch lange Lebensdauer erw o r b e n er E r f a h r u n g, an gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Bedeutung Herr n D r. I e l l i n c k g l c i ch st c h e n, j a ihn oft sogar überragen, brauchen sich diese n A f f r o n t n i ch t g c f a l l c n z u l a s s c n. Was spccicll die Zionisten Oesterreichs und Wiens betrifft, so werden sic sich mit Einschluß des „kleinen Kreises junger Männer" bei aller Achtung vor dem grauen Haupte und der wissenschaftlichen Bedeutung Jcllineks von ihm gewiß nicht einschüchtcrir, sich nicht abhalten lassen, für das iveiter zu wirken, was sic als Rettung des jüdischen Volkes erkannt haben. Die Zionisten sind keine Heiden, wie Herr Dr. I c l l inet will, sondern gute Juden und als solche „fürchten . -siit^GM^M^sonst Ricinanden in der Welt" — auch den Herrn Dr. Jellinek nicht. 6. An die Zionisten in Rußland^ (Fortsetzung statt Schluß) Wenn wir Jüdischnationalen in Rußland eine Partei sind und unser Wille, wie der einer jeden neuen Partei darauf hinausgcht, die beengende Schale zu dttrchbrcchcn, und die Gegner iticdcr zu ivcrfcn, so müßcii wir zunächst ivisscn, ivcr diese sind. Denn die Kenimiiß der Stellung des Feindes, seiner Art, seines Geistes und seiner Waffen sind ein halber Sieg. Wir mäßen wissen, wo unsere Stärke liegt und wo unsere wunden Punkte sind. Wir inüsscu wissen, ivorauf wir uns stützen und welche Stützen schivankcnd sind. Wir haben zwischen Sonnenlicht und Irrlicht zu unterscheiden. Wir müssen die Fertigkeit erlangen, die feinsten und am leichtesten zu verwechselitdcit Nuancen in der Welt der Gedanken auseinander zil Hallen. Ernst und tief sollen ivir jede That überlegen, in die Zukunft schauen und die Vergangenheit zu Rathe ziehen. Thucn wir dieses Alles nicht, ivclchcn Werth haben ivir dann, und wäre es dann nicht für einen denkenden Menschen eine Schande, ein Nationaljtidc genannt zu werden. Wer sind unsere Gegner? Drei? 1. Die A s s i m i l a n t e n. Es sind dies beinahe alle Inden, welche sich in Europa und Amerika der Gleichberechtigung erfreuen. Nur geringe Ausnahmeit gibt es unter ihnen, und wir ivisscn nicht, ob auch sic ganz die Unscrigcn sind. Vielleicht geben sie uns nur einen kleinen Finger, während sie mit dem übrigen Körper noch in einer anderen Welt stecken. Die Affimilanten selbst aber, welche in dem letzten Jahrhunderte wurzeln, sind nicht leicht zu besiegen. Ihnen steht die allgemeine *) Ans dein Hebräischen übersetzt

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