Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1 (5.1.1892)
- Date
- 1892-01-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Sclbst-Emancipation Nr. 1 In Nr. 51 des Jahrganges >891 der „Neuzeit" veröffentlicht Herr Dr. Adolf I e l l i n e k einen Leitartikel unter dem Titel „W c i h f c st oder M a k k a b ä c r f c st."? Es verlohnt sich wahrlich, diesen merkwürdigen Aufsatz, der sonst nur zur Erleuchtung einiger sich langweilender israelitischer Gemcindcfunctionäre und eiitigerfinaitzaristokratischcr Papicrkörbe dienen würde, zur Kenntnis weiterer Kreise zu bringen. Weil wir uns aber auch keine bessere Propaganda für unsere Sache, fein geeigneteres Mittel, um ungealtertc Geister, freie Seelen, frische Naturen, mit einem Worte das tüchtigste Material einer neuen Partei, der Assimilation abtrünnig zu machen, denken können, wollen wir uns über unfern civigcn Raummangel hinwegsetzen und deit erwähnten Artikel vollinhaltlich zum Abdrucke bringen. Es sei uns jedoch erlaubt, den Redefluß des Herrn Dr. I c l l i n c k ait manchen Stcllcit ztt unterbrechen, um einige Bemerkungen zu machen, welche wir nicht gut unterdrücken können. Doch mm hat Herr Dr. Jellinck das Wort: Seit einigen Fahren hat man in den Jircifeit der f oa en a n n t en' j ü d i s ch e n N a t i o n a l p a r t e i den Jahrtausende alten Namen „Weihfest" oder „Lhanuka" ab geschafft uitd an dessen Stelle den Namen „Makkabäerfest" gesetzt. Man macht nicht mehr die Reinigung des Tempels voir heidnischen Götzen, die Wiederherstellung des jüdischen monotheistischen Eultus, die Weihe des Tempels zur Verehrung des einzigen Gottes zum Mittelpunkte des historischen Festes, fonderir die kriegerischen Heldenthaten der Makkabäer, das Heldengenie Judas, die Tapferbeit seines kleinen Heeres. Die Hallel-Lieder während der acht Tage, die Vorlesung der Weihe des Stistzeltes aus der Thora, das Anzünden voit Lichtern während der Festtage, der besondere Propheten-Abschnitt am Sabbat- Thanuba, dies alles soll nicht zur Verherrlichung Gottes uitd als Ausdruck des Dankes für die göttliche Vorsehung dienen, sondern zum Preise der Makkabäer, der Schlachten, die sie geschlagen und des militärischen Ruhmes, den sie erworben haben. Also kein Altar, keine Gpfer, keine Weihe des göttlichen Hciligthums, sondern die außerordentlichen, kriegerischen Erfolge der Makkabäer. Das ist durch und durch unjüdisch, ein Attentat auf den strengen inonotheistischen Geist unserer Religion. Das Jrtdenthum feiert keine Menschen, mögen sie Moses, Aron, David, Salonro, Jefaia, Jcremia, Juda der Makkabäer oder Rabbi Akiba beißen, seilte Feste werdeit nicht nach einem sterblichen Menschen genannt, soitdern beziehen sich auf die Thaten der göttlichen Vorsehung, auf die Erlösung, die Erwähltheit und die Gbhut des israclittfchcn Volkes, sollen an Gott erinnem und nicht ein sterbliches Wesen glonficieren. Unser Gott ist Einer, demRiemand zur Seite gegebeit werdeit kann, sein ist die Größe, die Macht, der Sieg und die Hoheit uitd cs heißt die jüdische Gottes-Idee trüben und sie ihrer Streiige berauben, wenn ein irdisches Wesen zum Schwerpunkte eines welthistorischen Ereignisses gemacht wird. Das p u r i m f e st führt nicht den Namen Esthers oder Mordechais, welche doch gewiß sehr viel zur Rettung der Juden beigetragen haben, es findet sich auch nicht in der ganzen jüdischen Literatur der Name „Makkabäerfest", weil er im reinen Geiste des Iudenthums absolut unstatthaft ist. E r st einem k l e i'ü e n Kreise junger Männer unserer §eit blieb es Vorbehalten, ein heidnisches Eleinent in das Iudenthum einzuführen Mid ein Fest zit feiern, das den Namen voit Menschen trägt. Einige hebräische Zeitungen haben sich auch beeilt voit einem „chag hamaccabijim“ zu reden. Das ist so wenig hebräisch als jüdisch. „E i >i i g e hebräische Z c i t u n g e n" imb „ein kleiner Kreis junger M ä n n c r" — lvie reimt sich das zusammen? Da gibt wohljeder der crwähiitcit jungen Leute eine besondere hebräische Zeitung heraus'? Herrn Dr. I c l l i n e k ist hier unbestreitbar eine kleine Ungeschicklichkeit passiirt. Er plaudert aus, was er eine Zeile vorher zu verhüllen sich so viel Mühe gibt, daß ncmlich hinter dem akademischen Vereine „K a d i m a h" in Wien — augenscheinlich der umnittelbarc>t Veraitlaffuiig seines artikelgcwordenen Grimmes — denn doch eine recht große „s o g enannte jüdische Nationalpartei" stehen müsse. Aber nicht blos gesprächig, auch recht conscrvaliv scheint Herr Dr. Zell in c k geworden zu sein. Er kann cs der „sogenannten jüdischen Nationalpartei" nicht verzeihen, daß sie „den Jahrtausende alten Namen „Weihfcst" oder „Chanuka" abgcschafft und an dessen Stelle den Namen „Makkabnerfcst" gesetzt" hat. Beinahe könnte dieser fromme Eifer des Wiener Predigers mit seiner Vergangenheit, ivclche, ivcnii ivir recht unterrichtet sind, fast ganz der Abschaffung von durch Jahrtausende Geheiligtem gewidmet war, versöhnen. Oder sollte die Wandlung doch nicht eine so gründliche sein? Gerade in der letzten Zeit Hai Herr Dr. Jel l inck, wie wir in unserer vorletzten Nummer erzählten, die „Jahrtausende alten" jüdischen Namen in „lithurgische Namen" umgctauft. Diese Ncminisccnz zeigt, daß er mit ungleichem Maße mißt. Ucbcrhaupt scheint er das Vergleichen verlernt zu haben, denn sonst käme er auch nicht auf den theilwcise zwar galanten, aber ganz unglücklichen Gedanken, zwischen den Helden des Chanukah- und Purimfestes eine Parallele zu ziehen. Doch thun wir ihm nicht Unrecht. Herr Dr. Jellinck kennt ja überhaupt keine Helden im Judcnthumc, denn „das Jüdcnthum feiert keine Menschen" „seine Feste werden nicht nach einem sterblichen Menschen genannt", „sollen an Gott erinnern und nicht ein sterbliches Wesen glonficieren". Nun, wir sind uns nicht bcivußt, bei unseren „Makkabäcrfeicrn" Menschcnvcr- Hcrrlichung zu betreiben, und wir bedauern, daß sich ein Mann, wie Dr. Jellinck von seiner Partcilcidcnschaft Hinreißen läßt, solche Behauptungen aufzustcllcn. Wer nur einmal die Gelegenheit hatte, rcsp. nicht ausschlug, der „Makkabäerfeicr" irgend eines jüdisch-nationalen Vereines oder Gesellschaftscirkcls beizuwohnen, der weiß, daß nicht Personcncultus, sondern der Cultus der Idee bei diesen Festlichkeiten getrieben ivird. Die j Veranstalter derselben feiern in den Makkabäern, ihren Kämpfen ‘' und Siegelt nur ein Priuci p, welchem sie auch in der' - Gegenwart und Zukunft unseres Volkes einen Platz verschaffen •,<; wollen — das P r i n c i p d c r t h ä t i g cur Liebe!! z u r c i g e n e n Nation u n d i h r c n I d c a l en. Nicht p i um den Makkabäern Weihrauch zu streuen, sondern um das * moderne Israel zu gleicher Begeisterung für sein Volksthum, zu gleichem Eiitstehen für die Erlangung seiiter Freiheit, zrl gleicher Abwehr seiircr inneren Feinde zu entflammen, ivird das Andenken an die rnakkabäische Epoche, wachgehaltcn. Wir meinen