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Selbst-Emancipation · 1891-12-17 · Heft 24 (17.12.1891) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 24 (17.12.1891)
Date
1891-12-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5. .Nr.'24. t h u m s, infolge dessen Mangel an Selbstachtung und ein G e m ü t h u n d Geist a b t ö d t e ndender Materialismus, der '— so paradox dies auch klingen mag— auch eiiHJdeal hat, nämlich das der schrankenlose n G e n u ßs u ch t. Mit diesen traurigen Producten einer falschen Erziehung behaftet, treten viele jüdische Jünglinge in das praktische Leben ein, müssen . sie den harten Kampf um's. Dasein bestehen, der sich für )ie, als : Juden, doppelt, ja. dreifach schwierig gestaltet, und wenn sich daun ein reichbegabter, aber von Materialismus angekränkelter jüdischer Jüngling oder Mann in seinen Hoffnungen getäuscht sieht, so zerreißt er auch das letzte lose Band, welches ihn noch mit seinem Volksthnm verknüpft.. War er bisher, kein Freund desselben, weil er in ihm das einzige Hemmniß für sein .Fortkommen erblickte, so wird er in dem neuen Kreise, in welchem er. anfgenomineil wurde, oft ein erbitterter Feind seinen Stamiiiesgeiiossen, da er nicht selten die unliebsame Wahrnehmung macht, daß die neuen Volksgenossen ihm mit mehr als kühler Reserve begegnen und ihn bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit fühlen lassen, daß er der ihnen so verhaßten Nace angehört. Auch den Fall. gesetzt — was zwar heutzutage seltener vorkommt — daß der Co»-, vertit eine christliche Gönnerschaft findet, die ihn in seiner Carriore zu fördern bereit ist, kann dennoch nicht die offenbare Thatsache aus der .Welt geschafft 'werden, daß solche Leute, um sich bei ihren Gönnern Liebkind zu machen, in heftigster Feindschaft gegen ihre ehemaligen Glaubensgenossen entbrennen, wie dies ja durch die tägliche Erfahrung bestätigt wird.. Wenn ' nun auch, wie bereits früher erwähnt wurde, in Bälde kein Masscnabfall zu erwarten ist, weil noch die meisten Juden aus Schamgefühl vor diesem letzten.Schritte zurückscheuen, so-sind dieselben doch dem Judenihume schon so weit entfremdet, daß sie nicht das geringste Interesse an dem Weiterbestände der mosaischen Coufession bekunden und umsoweniger von dem Wiedererstehen einer jüdischer Nation etwas wissen wollen. Das Letzere ist schon vom Standpunkte der Assimilation begreiflich. Auch beherrscht der* d'e m o k r a t i j ch e Kos m öp'olitis m u s viel zu sehr den Geist des modernen Judenthums, als daß von ihm ein Interesse für die Wiederbelebung der jüdischen Nation erwartet werden könnte. Aber dieser Kosmopolitismus, so verschwommen er auch, in seinen Endzielen sein mag, so sehr,er auch den Wert nationalen Fühlens unterschätzt und in rein nationalen Fragen eine gleichgiltige Haltung beobachtet, ist bei weitem dem Anschlüße an eine fremde Nationaliläts-Politik vorzuziehen. Denn die demokratischen Principicn, welche naturgemäß einen kosmopolitischen Zug an sich tragen, lassen sich ganz gut mit einem -seiner großen Vergangenheit bewußten Judenthuine .vereine». Die - wahre Demokratie, widerstreitet nicht dem historisch-nationalen Judenthume; im Gegentheile: Beide ergänzen sich in harmonischem Zweiklang. Deribeale-Traum der Propheten:! Das messianische Zeitalter, bedeutet'er denn etwas! anderes, als den endlichen Sieg der wahren! Demokratie, welche die F r.e iheit, Gleichheit, j Brüd er lichkei t im Schoße einer jeden Nation j einerseits und zwischen -den einzelnen Nationen anderseits zur Wahrheit macht? Ist-nicht in der prophetischen Verheißung dem I u d en t h um e als Nation auf de-m geh.e i l i gt.cm B o d e n s e i n e r Väter die hehre Aufgabe zugewicsen, als Mittelpunkt der großen Völkerfamilie für die geheiligtesten Güter der. Menschheit j einzutreten, das Panier der socialen G e r e chtigkeit zu entrollen, welche-bereits indem Jahrtausenden voraneilendeu m osaische n Gesetze ihren herzerhebenden Ausdruck gefunden hat. Aus dem Gesagten geht aber hervor, daß die Morgenröthe eines -goldenen Zeitalters für die Juden und die ganze Menschheit erst dann Selbst-Emancipation. anbrechen kann, wenn der demokratisch-kosmopolitische Zug im modernen Judenthum eine jüdischnationale Färbung enthält; dies kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn das Judenthuin sich ' selbst wieder gegeben wird, indem es aus seiner viertansendjähriger Geschichte seine wahre Mission erkennt. Wenn das Stammesgefühl der Juden aller Länder wieder zu neuem Leben erwachen, wenn die innere Solidarität infolge der regsten Pflege der Sprache, Geschichte und Literatur wieder hergestellt sein wird; dann wird die Zeit gekommen sein, welche die Erfüllung der nationalen Hoffnungen bringt. Wer ai: diese glänzende Zukunft des Judenthuines glaubt, muß auch in seinem Innersten davon überzeugt sein, daß nur die historische Methode, d. h. die- Wiedererweckung des jüdisch-nationalen Gedankens unserem Volke zum endlichen Siege verhelfen kann. 8. M. Ein Neactioiisflictor im Iudenlhnm. Nicht selten bekommt man den Vorwnrf zu hören, die jüdisch-nationale Idee bedeute einen Rückschritt, und dieser werde von den Pflegern des nationalen Gedankens gefördert. Diese Phrase ist ein auf falscher Grundlage basierender Schluß. Unseren Widersachern leuchtet es nämlich ein, daß das Nationaljudenthum an seine Anhänger und Bekenner gewisse Forderungen stellt, welche mit dem Thun und Lassen der Flssimilanteii im größten Widerspruche stehen. Da ihnen nun ihre Lebens- und Denkweise als Ergebnis eines erreichten hohen Culturzustandes erscheint, so ist die logische Folgerung davon, daß ihnen Alles, was nur ihren Anschauungen nicht, entspricht, oder sogar entgegenwirkt, mit Rückschritt identisch ist. Das zu widerlegen ist nicht Zweck dieser Zeilen. Die Wahrheit, daß äußerer Flitter oder, was noch ärger ist, übertünchte Fäulnis mit Fortschritt nichts gemein hat, wurde in diesen Spalten öfters beredt und überzeugend verkündet. Hier sei nur auf einen geistigen Niesenschaden hingewiesen, welcher gerade die Assimilation einem sehr großen Theile unseres Volkes zugefügt und wodurch sie ihn iw Mißkredit gebracht hat. , Woraus zieht der jüdische Obscurantismus - Kraft und Saft, so daß er den allüberwältigenden , Zeitgeist, wie ein Gespenst aus dem Mittelalter j verlacht und verhöhnt? Warum fürchtet noch! immer die überwiegende Mehrheit unseres Volkes das Licht und will vom Systeme der Augenzuschließnng nicht lassen? Wie kommt es, baß in letzterer Zeit in diesem jüdischen Lager eine solche Abneigung gegen alles Lichte und Schöne, ein so großer Geistesiiiedergang wahrzunchmen ist, daß gar mancher, dem die wundersamen Gänge der Entwickelung des jüdischen Geistes unbekannt sind, in die höchste Berzweiflung über die Zukunft gerathen könnte? Die Antwort auf diese Frage gipfelt in den wenigen Worten: Von wegen der Assimilation. Je mehr auf der einen Seite das Streben nach Assimilation oder nur nach Accomodation ' mit Preisgabe aller jüdischen religiösen und nationalen Interessen zum einzigen Signum der Partei wird, desto größer wird auf! der anderen Seile die Scheu vor Bildung und > Wissen, welche nach einer — aus falsch beurtheilten j Beispielen entstandenen — unrichtigen Meinung i zum Treubruchc an Gott und Volk führen! müßten. Denn wahrlich, die Muster von Bildung j sind allzu abschreckend, als daß sie dem Volke, j welches für feine Heiligthümer sein Herzblut mit j Freuden tausendmal hingab, nicht zur Scheuche! werden' sollte». Diese Reactionswirkung wird! noch verstärkt, wenn die Assimilation sich zur > Volksbildnerin answirft und dem Volke eine von seinem eigenen Geiste fast ganz purifizirte Erziehung geben will. 'Rur Treue gegen seinen eigenen Geist, nicht Bildungsfeiudlichkeit bezeugt das Volk damit, wenn es Solches mit dem größten Unwillen zurückweist. Z lo^zL^S?rMoveinber 1891. M. Gr. | Original- Correspondeiyen.! Oesterreich-Itirgarir. j Stankst«», 4. Deeember 1391. Die hiesige I israelitisch-polnische Volksschule ist die erste jüdische j Anstalt in Galizien, welche zu Ehren das im Anfänge j September l. I. Hingeschiedene» .Historikers Dr. Hirsch, j G rätz eine Gedenkfeier veranstaltete. Bei derselben | wurde von dem riihmlichst bekannten hebräischen Literaten . Brandes in Gegenwart vieler distinguirten Gästen i unter welchen sich auch der Herr Bezirksschulinspektor j befand, eine Rede gehalten. Um das Zustandekommen; der Feier haben sich die Herren Lipa H a l p e r N und! H. W e i ß h a u s besonders verdient gemacht. Mit dem Anfänge des Monates Oetober l. I. ist die hiesige israelitisch-polnische Volksschule definitiv, auf das Etat der Baron Hirsch-Stiftung übergangen. Das Resultat der diesjährigen Einschreibungen ist ein überraschendes. Es meldeten sich 429 Schüler, von welchen aus 'Raummangel nur 869 in sechs Abtheilungeu j untergebrachte Schüler ausgenommen wurden- Am letzten i Freitag, den 27. v. M. fand im Schullocale die Beklei-! düng von 159 armen Schulkindern statt. Ebensoviele! werden während der Wintcrmonate täglich Mittagskost! bekommen.; Mit Beginn des neuen Jahres tritt in unserer j Stadt ein jüdischer G e s e l 1 i g k e i t s c l u b ins Leben, der im Folge seiner Organisation der Mittelpunkt j des geselligen LebenS in unserer jüdischen Gemeinde i werden soll. Die Initiative znr Gründung gaben die i Herren Dr. E. F i s ch l e r. Dr. S. Zins und L. i H a l p e r n. deren Namen die volle Garantie biete», I daß die Tendenzen des neuen Vereines nützlich und j sympatisch sein werden. — j Der hiesige „EvmmiS- und Buchhalter-Verein", an! dessen Spitz« die Herren Hersch B r o ch, Abraham i N e i s ch e r, Kalman :1t u b i n st e i n und Mayer; L essing stehen, macht sich um die Weckung eines! geistigen Lebens unter seinen Mitgliedern, so wie auch unter de» mittleren Schichte» der hiesigen Judeuheit : verdient. Er veranstaltet hie und da populäre Vori leimige» sowie auch Dilettanten-Vorstellunge», deren j Themata der jüdischen Geschichte oder auch der jüdischen j Gegenwart entnommen sind. Im letzten Monate fanden i!i solche Vorstellungen statt, deren Erfolg ein überrascheni der war. Man gab am 14. l. I. „König AhaSwer". j Operette in 5 'Acten v. Goldfaden, Musik von! I ar a ch w o S k i und am 28. und 29. November l. I.! „Rabbi Ioff lmann" Operette in 5 Acten v. G o l d f a d en,! Musik v. E S kr e i s. Die Leistungen der einzelnen Theili nehmer wurde» von deni »lehrere Hunderte zählenden! Publicum mit nicht enden wollendem Beifalle ausgenommen. Ganz besonders zeichneten sich die Herren Fabian B e r n f e l d, Julius R u b i n st e i n und Jonas T a n n e n b a u m aus. DaS Hauptverdienst aber gebührt dem Herrn Isidor Na fa l o w i cz als Regisseur und seiner Gemahlin Anna Nasalowicz, welche die erste Liebhaberin gab und sich besonders durch ihren bezaubernden Gesang auszeichnete. Mar Messing, Elassenlehrer .der israelitisch-polnischen Volksschule. Arody, de» 2 t. Marcheschwan 5952 (22. November >891.) In der „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 45 l. I. Ividmete Dr. M. K a v se r l in g. der bekannte Verehrer und Verklärer - unserer ausgezeichneten jüdischen Frauen, der vor wenigen Wochen im Hohen Alter Hingeschiedenen Frau Jetty Wohllern er auS Lemberg einige warme Zeilen. In der That verdient diese ausgezeichnete Frau das ganze ihr reichlich gespendete Lob, sie, die die Sprache ihrer Nation, die hebräische Sprache mit solcher Eleganz beherrschte, daß einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten S. I. Rapp o p ort ihr seine Bewunderung nicht versage» konnte. Wenn aber Frau Wo hl lern er, welche ihre Liebe zur heiligen-Sprache nicht aus dem Born der Begeisterung für ihre Nation schöpfte, was doch, ohne den Verdiensten dieser Frau nahezütreten, zur Constatirung der Wahrheit gesagt werden darf, diese Aus-, zeichnung verdient, uni wie viel niehr verdiene» sie Mädchen, welche sich unter schweren Kämpfen und Entbehrungen beut Studium der hebräischen Sprache mit nationaleni Enthusiasmus hingeben,, trotzdem auch'sie gleich allen andern Mädchen von der Brandung der Assimilation umwogt werden. Ich will hier die beiden Schwestern Men s ch aus Lemberg nennen, von denen die ältere durch zwei ösfentliche Vorträge in hebräischer Sprache vor einem überaus zahlreichen Publicum das reichste und wohlverdienteste Lob der von Bewunderung hingerissenen Menge erntete. Der Verein „Ziou“ in Lemberg, der genanntes Fräulein für die erwähnten Borträge gewann, verehrte ihr ein Gedenkbuch, in dem die leitenden Mitglieder des Vereines ihrer wärmsten und aufrichtigsten . Anerkennung Ausdruck gaben. — Neber noch mehr, man konnte sagen, schriftstellerische Gewandtheit und klassische Eleganz als Fräulein M e n s ch. verfügt Fräulein Betty Gold ans Brody. Ich hatte die Aussätze dieser Dame, die bis heute in Folge Bescheidenheit der Verfasserin noch . nicht in die Oegentlichkeit gelangten, im Manujcripte zu - lesen die Freude. Fräulein G p l d macht in denselben auch von ihren großen talmudischen Kenntnissen den ergiebigsten Gebrauch. Es wäre zu wünschen, daß diese Zeilen Fräulein

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