Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 23 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3092672-3092739-3092762--0786-3093776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 7. i ( f i - Nr. 23. die Juden selbst lösen zu wollen und erntete stürmischen'Beifall. Dann-sprachen zwei Socialdemokraten gegen den Antisemitismus und'wurden ebenfalls bejubelt. Schließlich betrat ein jüdischer Mediciner, offenbar ein Angehöriger der „Afsimilisten-Partei, welche bierzulande das Gros der Juden alA „Fanatiker" und „Ausbeuter" aus dem Lande weisen helfen will, um selbst desto bequemer Nomanisirungs- und anderen Humbug betreiben zw können, die Tribüne. Er dankte zunächst Herrn A s l a n, für die Einladung der Juden, erklärte, daß die Juden warten wollen, bis ihnen das Land die Emancipation gebe und schloß mit den Worten „auch unser Ideal ist nichts anderes, als ein einiges, starkes und mächtiges Rumänien". Natürlich erhielt auch dieser Redner donnernden Applaus und extra einen Händ-.drnck A s l an s. Noch ein Student sprach im Sinne seines Vorredners, dann verkündete der Vorsitzende, daß am nächsten Sonntag A s l a u eine ähnliche Versammlung, diesmal für Rumänen einberufen würde und schloß die Versammlung, welche nicht umsonst in einem Theater stattgefunden hatte. Türkei. P a l ä st in a. Jerusalem, 11. November 1891. Mit Hilfe des Herrn Ossawetzky, Leiters der Colonieen Rosch-Pinah und Jessod hamaaleh ist es den Delegirten der Genossenschaft „Dorschej Zion" in Paris nach mehrmonatlicher Anwesenheit in Palästina endlich gelungen, geeigneten Boden zu kaufen. „Lriali" — so heißt der neuerworbene Grundcomplex — liegt unweit von Saffed und Rosch-Pinah, ist sehr' wasserreich und hat ein gutes Klima. Der angekaufte Boden umfaßt 10.000 Dunam zu 19 Francs und wird durch das Grundstück Hin soton, welches dem Baron Edmund Rothschild gehört und welches dieser den „Ooisoksj Zion" znm Selbstkostenpreise abtreten will, auf 15.000 Dunam vergrößert werden. Die neue Ansiedelung wird eine Weinbaucolonie werden und noch in diesem Jahre wird mit der Arbeit begonnen werden. Die Colonie Rechowoth hat von der Regierung die Erlaubnis zur Aussolgung von Kaufbriefen (Kuschan) an die Colonisten und zum Häuserbau erhaltend Die Jaffaer Ortsgruppe der „Alliance Jsraelite Universelle" hat einen Abendcours für die hebräische Sprache errichtet. In Jaffa habn die dortigen Zionsfreunde beim „Haskorath neschamoth"=@e6ete am letzten Jom kippur der großen Verstorbenen gedacht, welche sich um die Zions- und nationale Sache verdient gemacht haben und zwar folgender Männer: R. Hirsch Kali sch er. R. Josef Friedländer, Perez Smolensky, David Gordon, L. Lewanda, M. Eliaschberg, Samuel Josef Finn, A. Mapu, Professor H. G r a e tz. Amithi. Chronik. (Jüdische Zlamen.) Herr Dr. Adolf I e l l i n e k Prediger der Israelitischen Cultusgemeinde in Wien hat nachfolgendes Gesuch an die niederösterreichische Statthalterei gerichtet. S e l b st - E m a n c i p a t i o u. „Hohe k. k. n.-ö. Statthalterei! Im Lause der Zeit sind mehrere Aufträge der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei über nachträgliche Eintragungen in die Geburts' matriken herabgekommens bei welchen auch die hebräischen Namen angegeben sind und dementsprechend auch in den Geburtsbüchern der hiesigen Israelitischen Cultusgemeinde vorgegangen wurde. Ich halte es für meine Pflicht darauf aufmerksam zu machen, daß die hebräischen Namen im bürgerlichen Leben keinen Werth und nur in lithurgischen Fällen, z. B. eines hebräischen Segens, bei hebräischen Gebeten, in Krankheits- und Todesfällen oder bei Ehetrennungen eine Bedeutung haben. Es kann daher nicht überraschen, wenn die Eltern beim Anblick eines solchen Geburtsscheines sich wundern, -auch den hebräischen 'Namen auf dem Dokumente verzeichnet zu sehen, obwohl er blos bei gewissen lithurgischen oder rituellen Veranlassungen in hebräischer Sprache gebraucht wird. Im Falle das vorliegende billige Verlangen um Hinweglassung des hebräischen Namens im Geburtszeugniffe bei der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei keine Bewilligung finden sollte, so würde in Hinkunft aus den Geburtsanzeige» die Rubrik „Jüdischer Name" eliminirt werden. Wien, den 30. Oktober 1801. Dr. Jcllinek i». p." Die auf dieses Gesuch herabgelangte Erledigung war eine znstimmende — wonnt aber nicht gesagt sein soll, daß in Hinkunft Arthur K o h n leichter Statthaltereirath werden wird als Abraham Kohn. Ueberhaupt ist uns die Erledigung Nebensache; bemcrkenswerth erscheint uns vielmehr das Gesuch, durch welches sie provoeirt wurde. Mit demselben hat Herr Dr. I e l l i n e k sich selbst übertroffen. Unsere alten guten hebräischen Namen haben für ihn nur „lithurgische Bedeutung", d. h. sie sind — luous a non lucemlo — Namen, welche ihren Träger nicht bezeichnen, außer dem lieben Gotte gegenüber, für den sie gut genug sind. Vor den Menschenkindern schämt man sich ihrer. Ja, „lithurgische Namen" — eine treffliche Entdeckung, freilich für die Aera der „mosaischen Eon'ession" nur das Ei des Columbus. (gier berliner Krach.) Der skandalöse Zusammenbruch zweier betrügerischer jüdischer Bankfirmen in Berlin hat, wie vorauszusehen war, die Antisemiten nervös gemacht. Aber auch die jüdischen Blätter in Deutschland besprachen die Sach« sehr eingehend und w as lobend bert orzuheben ist, nicht durchaus vom antiantisemitischen Standpunkte. Am treffendsten spricht sich die „Jüdische Preffe", nachdem sie zuvor den geifernden Antisemitismus in die Schranken gewiesen hat, u. A. folgendermaßen aus: „In der Darbringung der gesellschaftlichen Hochachtung, in der Bewerthung der Menschen im öffentlichen Leben ist der Reichthum und der Glanz ihres Auftretens so sehr maßgebend geworden, daß eitel und ehrgeizig beanlagte Naturen dadurch von selbst zu übermäßiger und leichtfertiger „Repräsentation" gedrängt werden. Jenes Protzenthum, welches sich in öffentlichen Vereinigungen, in Theater, Concert, Bädern oft breit macht, würde sich nimmer so hervorwagen, wenn nicht die Verehrung des Geldbesitzes die anderen Werthmcffer des Verdienstes in der öffentlichen Achtung ganz unterdrückt hätte und ein Diamantschmuck oder Kommerzienrathstitel der allgemeinen Bewunderung sicherer wäre, als edle Wirksamkeit im Dienste der Gesammtheit". Wir hätten noch Verschiedenes hinzuzusügen, sparen es aber für eine andere Gelegenheit auf. (Zwei Briefe aus Argentinien.) Uns liegen zwei Schreiben nach Argentinienausgelvanderter ruffischer Juden vor, deren Inhalt für unsere Leser nicht ganz unintereffant sein dürste. In einem derselben, das aus der Colonia Santa Elliana (Estacion MonigotiS) an Herrn Ahron M. in Krakau in hebräischer Sprache gerichtet ist, heißt es: „Als wir nach Buenvs-Ayres kamen, empfieng uns Herr Dr. Löwenthal freundlich, brachte uns in das Emigrantenhaus, ließ uns Speise und Trank reichen und wies nns Räumlichkeiten zum Ausruhen von den ReisestrapazenI an. Einige Tage nachher sandte er uns Alle in eine Colonie, welche er gekauft hat und die in der Provinz Buenos-Ayres in der Nähe der Bahnstation Carlos casaros bei der Stadt Nuevo Chuillos liegt. Wir fanden im dortigen Emigranten* Hause ca. 300 Juden, welche erst unlängst angekommen waren Mich hat Dr. L ö w e n t h a l nach der Colonie Monigotis in mein Vaterhaus geschickt, wo ich meine Familie gesund gesunden habe. Aber die Colonie selbst befriedigte mich nicht. Den im Vorjahre gesäeten Mais haben die Heuschrecke» bereits vernichtet; den später gesäeten Weizen) ebenfalls. Aber Dr. L ö w e n t h a l der Bevollmächtigte des großen Wohlthäters Baron Hirsch wird uns nicht verlaffen und wir werden hoffentlich zu Ruhe und Besitz kommen." Das zweite ruffisch abgefaßte Schreiben, welches j von einem Emigranten aus der Colonie Mauritio j an dessen in Wien studirenden Bruder M. L-n gerichtet | und vom 30. Oktober d. I. datirt ist, enthält nebst j familiären Mittheilungen, folgenden Bericht: „Was die Beschreibung Argentiniens betrifft, so j ist dieselbe bald gegeben: Ueberall dürre Steppen, 1 nirgends Wald. Daraus erklärt es sich, daß das Holz j so enorm theuer ist, aber nicht nur Holz, sondern mit > einem Worte alles, was man braucht, ist selbst für Geld nicht zu haben. Billig ist hier nur Vieh, besonders Rosse, von welchen ein Paar, das in Rußland 150 Rubel kosten müßte, um 30 Dollar (— 30 Rubel) zu haben ist. Die einheimischen Bewohner Argentiniens leben nicht in Gemeinden, sondern zerstreut auf ihren oft weit, von einander entfernten Farmen: sie sind roh. ungebildet! und streitsüchtig, greifen leicht zum Messer und scheuen vor einem Mord nicht zurück, gehen in Folge dessen vom Kopf bis zum Fuße bewaffnet einher und tragen ähnlich den russische» Bewohnern des Kaukasus ein kleines Arsenal von Dolchen, Revolvern und Flinten mit sich. Dabei sind sie freigebig und im höchsten Grade gastfreundlich. Wir selbst wohnen noch in Zelten und harren der uns betreffenden Verfügungen; man hat uns zwar nach zwei Monaten Boden zuzutheilen versprochen, aber die Zeit ist bereits verstrichen, ohne daß daS Wort eingelöst j worden wäre: am Ende müssen wir von hier auch noch! Wegreisen." I „In anderen Zeitschriften veröffentlichte Privat-! briese haben ähnlichen Inhalt als die vorstehenden oder sind im Gegentheile deS Lobes für Land und Leute in Argentinien voll. Ebenso sind widersprechende Nachrichten über die Stimmung der einheimischen Bevölkerung gegenüber der russisch-jüdischen Einwanderung verbreitet. (Aus Bußsand). In Folge der den Petersburger Polizeivrgane» crtheilten Weisung, die v'on Juden betriebenen Restaurationen und Schankgeschäste zu beaufsichtigen, haben bereits über 150 jüdische Gast- und Schankwirthe aus eigenem Antriebe ihre Geschäfte gesperrt. Weitere solche Schließungen stehen bevor. — Dem „Czas" zufolge fand auch in Aalta eine Judenverfolgung statt. — Wie „Now. Wremja" mittheilt, werden gegenwärtig im südwestlichen Rußland statistische Daten über die in diesen Strichen von Juden gekauften und gepachteten Bauernhöfe erhoben. Die Regierung soll beschlossen haben, derartige Kaus- und Pachtverträge als ungiltig zu erklären und den Juden den ferneren Aufenthalt in de» betreffenden Dörfern strengstens zu untersagen. — Ter „Jüdischen Preffe" wird berichtet, daß die russische Regierung beabsichtige, jene jüdische Colonisten im Reiche, welche neben dem Ackerbau noch ein anderes Gewerbe betreiben, zu erpropriiren und in den Ansiedlungsrayon zu befördern, wo sie leicht als Gärtner Beschäftigung finden könnten. Es sei daher, da die Colonisten viel zu wenig Grund und Boden besitzen, um von der Agrikultur allein leben zu können, die Auflösung sämmtlicher jüdischer Ackerbaucolonien in Rußland zu befürchten. — Die Weinbauern in Besserabien verlangen die Juden zurück, welche ihnen als Zwischenhändler wichtige Dienste geleistet hätten. Die „Neue Freie Preffe" ist so sanguinisch, deshalb schon einen Systemwechsel in Bezug auf die Juden in Rußland vorauszusehen. — Ter „Neuzeit" wird aus Moskau gemeldet, daß laut Petersburger Berichtes die Emig r a t i o n s c o m t v s des Baron Hirsch mit Genehmigung der Regierung binnen Kurzem gegründet werden sollen. In der Residenz soll eine Oberverwaltung und in den größeren Centren Rußlands und Polens sollen Filialen errichtet werden. — Nach einem Telegramm der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" aus Brody hat der