Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 23 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3092672-3092739-3092762--0783-3093773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4. Dort, wo'unsere alleinigen Mittel nicht ausreichten, setzten wir unsere Kraft ein, um wenigstens das Allernothwendigste herbeizuschaffen und es must dankbar-anerkannt werden, daß die Israelitische Allianz in Wien uns wiederhoft thatkräftig entgegeiigekommen ist. Die eben besprochene Seite der Dereinsthätigkeit im abgelaufencn Jahre ist, - obgleich sie scheinbar die Vereinszwecke direct fördert, die traurigste gewesen. Traurig nicht etwa wegen der Geringfügigkeit der verfügbaren Mittel - nein, denn ebenso traurig ist in meinen Augen — sagt Redner — auch die mit reichen Mitteln in Scene gesetzte Tätigkeit sener Vereine und Comites, die sich einbilden für ihre Glaubensgenosien Großes geleistet zu haben, indem sie sie mit Erfrischungen und einer. Schisiskarte nach Amerika versahen. Traurig nicht nur weil sie überhaupt nöthig war, sondern weil sie einerseits beweist, welche ungesunde, falsche Ansichten in ausgedehnten und einflustreichen Kreisen des Judenthums herrschen über das, was diesem Roth thut und weil sie andererseits dar-' thut dast die zionistische Partei sich kaum im Beginne des Anfangs ihrer wirklichen Action befindet. Dast die Zionisten trotz der verwendeten Mühe und Arbeit bis nun — bei aller Anerkennung des. Vollbrachten — nur wenig erreicht haben im Vergleich zu dem, was zu erreichen ist, liegt in dem Umstande, daß keine einheitliche, planmäßige Aciion der' Partei eingeleitet wurde. Redner bespricht nun die vom Vereine ^Adumtsi Jeschurun“ unternommenen Schritte zur Herbeiführung einer vereinten, centralisirten Thätigkeit fümmtlicher Zionsvereine und bezeichnet die Erreichung dieses Zieles als wichtigste Aufgabe der künftigen Vereinsleitung; als eine weitere Aufgabe von der allergrößten Tragweite bezeichnet Redner die Propagirung der Zionsidee. Auch hier wie in vielen anderen Dingen führt Kennen allein zum Können. Nu r wenn de r Lionsgedanke nicht als Wohlthätigkeitsact, sondern in seiner ganzen umfassenden Herrlichkeit als das was er wirklich ist, als ein nationaler Rettungsanker in weite Schichten des jüdischen Volkes gedrungen und von diesen begriffen fein wird, nur dann wird eine erfolgreiche Colonisirung Palästin a's durch geführt werden können." Nach dieser mit großem Beifalle aufgenommenen Ansprache des Vereinspräsidenten wird zu den Neuwahlen geschritten, welche folgendes Resultat ergaben. In den Ausschuß erscheinen gewählt: Herr Dr. M. T. S ch n i r e r zum Präsidenten, die Herren Dr. O. Kokesch und S. Bauer zu Vicepräsidenten, Herr Dr. Siegm. El kan zum Schriftführer in deutscher — und Herr Rüben Drain in zum Schriftführer in hebräischer Sprache, die.Herren Julius Götzl und Dr. Heinrich Goldbaum zu Caffieren; ferner zu weiteren Ausschußmitgliedern die Herren Dr. Sig. Strach, Ingenieur A. Sauberüerg, N. Blumenfel d und Moni A lkolay. Zu Cafiarevisore» wurden gewählt: die Herren Dr. Vidium und M. Rosenthal, zu Schiedsrichtern die Herren Dr. Diamant, Dr. M. Felder, Dr. L. Gelber, Ingenieur Liebmann und Adolf Mayer. Rechenschaftsbericht pro 1890/91. Die Aufgabe unseres Vereines ist statutenmäßig eine zweifache: I. Die Idee der Colonisation Palästiua's durch Juden namentlich durch Juden, welche in ihren derzeitigen Heimatsländern verfolgt werden, zu verbreiten, für die weitmöglichste Verbreitung dieser Idee zu agitiren. II. Die gedachte Colonisation auch durch materielle Mittel zu fördern. Demgemäß hat sich auch die Thätigkeit der Vereinsleitung nach diesen 2 Richtungen entfallet. Selbst-Em ancipati on. Ad. I. Agitations-Thätigkeit. 1. Es wurde von dem Vereine die einzige in Oesterreich-Ungarn in deutscher Sprache erscheinende Zeitschrift, welche die Verbreitung der Palästina-Colonisationsidee auf ihr Banner geschrieben hat, d.. i. die „Selbst-Emancipation" subventionirt und hiedurch deren regelmäßiges Erscheinen' begünstigt. Durch das Wirke» dieses Blattes werden uns an vielen Orten Gesinnungsgenossen erzogen, was zum Gefolge hat, daß uns einerseits hiedurch oft Mitglieder zugeführt werden und dast wir in nicht allzu ferner Zeit - an mehreren Orlen Oesterreichs Filialen unseres Vereines werden gründen können. 2. Es wurden im Winter allmonatlich Agitations-Geselligkeitsabende veranstaltet, bei welchen die geladenen Gäste durch Vorträge und Reden mit der Colonisationsidee vertraut - gemacht und zum Eintritte in unseren Verein ermuntert wurden. Auch dieses Agitationsmittel war von Erfolg gekrönt, indem an jedem dieser Abende durchschnittlich 10 Mitglieder dem Vereine bei- 3. Als im verflossenen Sommer in Folge der massenhaften Ausweisungen der Juden aus Rußland die gesammte Tagespresse die bis dahin von denselben verschwiegene Colonisationsidee besprach, benutzte die Vereinsleitung diese günstige Gelegenheit und versandte an Cultus-Gemeindeu, Zeitungen und . einzelne Persönlichkeiten Ausrufe zur Förderung unserer Vereinszwecke durch Spenden, Beitritt oder Gründung von Filialen. Dieser Ausruf, welchen alle jüdische Zeitungen vollinhaltlich, von den Tagesblättern die „Wiener Allgemeine Zeitung" ebenfalls vollinhaltlich, die „Neue freie' Presse" und das „Neue Wiener Tagblatt" auszugsweise veröffentlicht haben, hatte abgesehen von dem moralischen Erfolge der Ver - breitung der Colonisationsidee auch einen bedeutenden materiellen Erfolg, indem namhafte Beträge an Spenden eingelaufen sind. 4. Als in Folge der hereits oben berührten traurigen Erreiguiffe in Rußland im Juni eine Conferen; der jüdischen Notabelu aller Länder behufs Berathung über eine Hilfsaction in Berlin zusammentrat, überreichte die Vereinsleitung derselben eine von circa 2000 Personen aus verschiedenen Gegenden Oesterreichs unterfertigte Petition, dahin gehend, es möge Palästina als ureigenste Heimat der verfolgten Flüchtlinge, als zur Ansiedelung vorzüglich geeigneter Boden und als sehnsüchtigst erwünschte Zufluchtsstätte der Verjagten als Colonisationsland ins Auge gefaßt.werden. ö. Theils durch Anregungen in der „L-elbst- Emancipation" theils in Folge der sull 3. erwähnten Aufrufe ergaben sich mehrere Anknüpfungen mit Gesinnungsgenossen in verschiedenen Orten Oesterreichs wegen Gründung von Filialen unseres Vereines, so in Pilsen, Kremsier, Butschowitz, Horazdowitz, Lancut u. A. Es wurde zu diesem Zwecke, nachdem eine a. o. Generalversammlung eine Statutenänderung dahin-beschlossen hat, daß der Verein in Oesterreich Filialen zu gründen berechtigt sei und die Genehmigung durch das h. k. k. Ministerium des Inneren erwirkt worden war, eine lebhafte Correspondenz geführt und hofft die Vereinsleitung, im nächsten Jahre bereits über einige Filialen berichten zu können. Auch wurden in Rzeszow und Tarnow über Anregung unseres Vereines, Vereine gleicher Tendenz gegründet. 6. Die Vereinsleitung setzte sich mit anderen Vereinen gleicher Tendenz in Verbindung, um ein gleichmäßiges geregeltes Vorgehen zu erwirken. 7. Anläßlich des jüdischen neuen Jahres wurde ein jüdischer Kalender mit literarischer Beigabe zum Zwecke der Agitation herausgegeben, welch' letztere 'Sie Colonisationsidee und deren praktische Resultate in Poesie und Prosa behandelt. Der Erlös für diesen Kalender wird Nr. 23. zwar Heuer höchstens so viel betragen, um die Kosten zu ersetzen, es ist jedoch einerseits der agitatorische Werth ein um so größerer, andererseits ist bei der großen 'Nachfrage nach demselben anzunehmen, daß im nächsten Jahre die Herausgabe dieses Kalenders einen materiellen Vortheil für den Verein bringen wird. 8. Anläßlich der. hohen Feiertage wurden au fast sämmtliche Cultusgemeinden Oesterreich- Ungarns Aufrufeswegen Spendensammlungen geschickt, welche.auch einen Einlauf vonnamhaften Beträgen zur Folge hatten. 9. Es wurden auch in der Erwägung, daß das lebendige Wort mehr wirkt als bev tobte Buchstabe, Agitationsreisen in Aussicht genommen. Es mußten jedoch, da die nicht bedeutenden Mittel des Vereines, wie weiter näher ausgeführt werden wird, zur Beförderung russisch-jüdischer Flüchtlinge nach Palästina zu sehr in Anspruch genommen worden sind, diese Reisen vorläufig ausgeschoben werden. 10. Bereits vorbereitet ist eine Agitationsbrochüre, welche die Geschichte der Palästina- Colonisationsidee, die Zweckmäßigkeit derselben uud die bereits vorhandenen praktischen Resultate so wie eine Karte Palästina's und der jüdischen Colonien daselbst enthält. Als Resultat der Agitationsthätigkeit muß es bezeichnet werden, daß die Zahl von 44 Mitgliedern zu Beginn des Vereinsjahres, im Laufe desselben zur Höhe von 120 angewachsen ist. Ad. II. Förderung der Colonisation durch materielle Mittel. 1. Es wurden von der Südbahn und vom Lloyd eine Fahrpreisermäßigung für die Vereinsschützlinge erwirkt. 2. Es wurden mit Hilfe des Vereines im Laufe des letzten Vereinsjahres hundert aus Rußland ausgewiesene Personen nach Palästina befördert u. zw. 1. Am 23. Dez. 1890 H. N. Kastilowski. 2. Am 24. Dez. 1890 H. N. Rabinowic. 3—5. Am 1. Jänn. 1891 H./Israel Chaim Sapier sammt Frau Sarah und Tochter Esther. 6. Am '11. Jänn. 1891 H. Rüben Jehuda Tornheim. 7. Am 19. Jänn. 1891 H. Simche Silberstein aus Meseric. 8. Am 30. Jänn. 1891 H. Chaim Jsak. Schulmann. 9. Am 30. Jänn. H. Abraham Heller. 10. Am 26. März 1891 H. Wolf Kasarmsky (aus Kiew ausgewiesen.) 11—12. Am 26. März 1891 H. Pinkas Zimmerman sammt Sohn aus Zarko bei Kischenew. 13. Am 26. März 1891 H. Josef Gelber. 14—15. Am 26. März 1891 Frau Rachel Lea Zelnickcr sammt Tochter. 16-18. Am 11. April 1891. H. Nachman Osias Edelstein sammt Frau und Kind aus Kischenew ausgewiesen. 19. Am 11. Apr. 1891 H. N. Pachowitz aus Moskau. 20. Am 25. Apr. H. Moses Blumenthal sammt Frau Betti und 4 Kindern. 27—28. Am 22. Mai 1891 Frau Golde Adler 38 I. alt sammt Tochter Mirjam 17 I. alt aus Warschau. 29. Am 22. Mai 1891H. Jsak Moses Deutsch, Drechsler aus Ruffisch-Polen. 30. Am 25. Mai 1891 Fr. Bele Ullmann. 31. Am 26. Mai 1891 H. Josef Pines aus Rzaui, Gubern. Grodno, Rußland. 32. Am 1. Juni 1891 Fr. Jenni Dyegot aus Bialystok. 33. Am 1. Juni 1891 Fr. Emilie Dyegot. 34. Am 1. Juni 1891 Fr. Anna Dyegot. 35. Am 3. Juni 1891 H. David Leib Kohn, 38 I. alt, vcrh. aus Lodz. 36. Am 3. Juni 1891 H. Rüben Kwitz aus Szogarn Gubern. Kowno. 37. Am 3. Juni 1891 H. Wolf Riplein, 23 I. alt, ledig aus Malat,'Gub. Wilna. 38. Am 8. Juni 1891 H. Hermann Rosenberg, 33 I. alt, ledig, aus Minsk. 39. Am 9. Juni 1891 H. Uscher Groß, 45 I. alt, verh., aus Tiraspoli bei Odessa. 40. Am 10. Juni 1881 H. Leb Rabinowitz, 20 I. alt, aus Wasky in Rußland. 41. Am 14. Juni 1891 H. Schlome Wolf Pazanowsky aus Lodz. 42—47. Am 26. Juni 1891 H. Jsak Elie, 34 I.,