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Selbst-Emancipation · 1891-11-16 · Heft 22 (16.11.1891) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 22 (16.11.1891)
Date
1891-11-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Scile 6. waren, in irgend welcher Weise zur Abänderung des traurigen Loses der Juden beizutragen. Als organisirte Gruppe stellte sich der Verein dem hiesigen Wohlthätigkeitskomitee zur Verfügung und nützte durch seine genauen Sachkenntniffe mehrere Wochen hintereinander den fliehenden Brüdern. Ununterbrochen befanden sich niehrere Studenten auf dem Bahnhofe Charlottenburg, welche nicht bloß in sprachlicher Hinsicht die Vermittlerrolle zwischen dem Chronisten und den Auswanderern bildeten, sondern auch sorttvährend durch ihre persönliche Fürsprache sich nicht unerhebliche Verdienste bei Vertheiluug von Unterstützungen erworben haben, da sie in abgewiesenen Fällen an die Seite der hilflosen Emigranten traten; wohl mancher von den letzteren wird sich dessen mit Dank erinnern, wie die Studenten ihm in der Noth beigesprungcn und eine liebevolle Behandlung ausgewirkt haben. Bei. dieser Gelegenheit sei es gestattet, vorzüglich zweier Studenten zu gedenken, nämlich der Herren Schm. Lewin und Rubinowitsch, welche mit bewunderungswürdiger Opferbereitschaft rastlos für ihre Stammesgenoffen thätig waren. Während also aus diese Weise der Verein eine etwas praktische Richtung angenommen, vergaß er doch nicht seines Hauptzweckes, immer von neuem die zionistische Idee zu verbreiten. Die ständigen Versammlungen, an welchen bei gewöhnlichen Ereignissen mehr als hundert Studenten Theil nahmen, wurden regulär durch eine Übersicht der Begebenheiten der letzten Woche im israelitischen Leben eingeleitct, woran sich nicht selten Lectüre interessanter Broschüren, Artikel, Briefe etc. anschloß; darauf wurde dann ein Vortrag über ein nationales Thema gehalten, welcher Stoff zu längerer Debatte gewährte. Durch diese Einrichtung vermehrten sich die Kenntnisse faktischer Vorgänge und klärten sich die Ansichten über das Nationaljudcnthüm. Es ist uns natürlich schwer wiedcizugeben, welche' .-Begeisterung, in den Versammlungen herrschte, eine Begeisterung, welche allerdings durch den Anblick des Charlottenburger Elendes noch genährt wurde, welcher Enthussiasmus für den Boden der Väter sich geltend machte, ein Enthusiasmus, in welchen die Nachricht von der bevorstehenden Verbannung der Juden uach Argentinien wie ein schriller Mißto» Hineinklang. Das Schicksal hat es gefügt, baß eine große Anzahl von jüdischen Studirenden durch Zudengesetze aus Rußland nach Berlin hinausgedrängt wurde; hier in der Luft Europas lernten sie-vor allem sich alsgleichwerthige Menschen schätzen und durch viele -Umstände begünstigt, sahen sie ein, daß die Selbstachtung die Verehrung für die Abstammung gebietet. Als echte Volksgenoffen sich fühlend, werden nun sicherlich viele von ihnen mit der Zeit die nationale Fahne weithin entfalten und würdige Mitarbeiter der Colonisation Palästinas werden. Was also das Unglück gethan, wendet sich hier zum Glück der Gesammtheit. Zur Charakrcrisirung der verflossenen Thätigkeit des „Russisch jüdischen wissenschaftlichen Vereines" mögen hier die Vorträge der letzten beiden Jahre angegeben werden. Im Winter 1889/90: Selb st - E in ancipa t'i o n. . 1. Herr stuck, phil. N. Syrkin: „Was ist Fortschritt". 2. ü. 3. Herr stuck, ehern. P.. Fränk el: „Die Lage der Juden in Rußland und Palästina — eine Parallele (an zwei Abenden.) 4. Herr comck. math. L. Mozkin: „Mendelsohn und seine Epoche". - 5. Herr stuck, phil. R. Sh v£ in: „Rabbi Akiba", 6. Herr Dr. L. Günzburg: „Die Pharisäer und Sadducäer. 7. Herr stuck, kechn. A. S a f r o: „Don Isaak Abarbanell". 8. Herr stuck, phil. Schm. Levin: „P. Smolensky, Einleitung". ' 9. Herr cand. phil. Rachen: „Bar Kochba". 10. Herr stuck, phil. Schm. Lew in: „Am Oläm" von P. Smolensky". 11. u. 12. Herr Dr. jur. B. Brandt: . „Renan und biblische Kritik" (an zwei Abenden). 13. Herr caad. phil. F. Schach: „Die biblische Weltanschauung". 14. Herr canck. phi!. F. Schach: „Die Unsterblichkeit der Seele nach der Bibel". , Im Sommer 1890 : 1. Herr stuck, phil. N. Syrkin: „Das erste Kapitel der neuesten'jüdischen Geschichte". 2. Herr Stuck, techn. A. Safro: „Die politische und ökonomische Lage der Juden im 18. und 19. Jahrhundert — eine Parallele"' 3. Herr Dr. A. Komiuka: „Unsere nationalen Ideale und die Zukunft der Emanzipation der Juden in Rußland". ’ 4. u. 5. Herr Dr. B. Brandt: „P. Smolensky, Hatoeh , bedarke hachaim" (an zwei Abenden.) 6. Herr stuck, phil. I. Burg: „Die Rückkehr der Juden, in ihre Heimath. zur Zeit 7. Herr stuck, phil. M. Krebs: „Die Kabbala". 8. Herr canck. phil. F. Schach: „Der Meffiasglaube bei den deutschen Juden". 9. u. 10. Herr canck. math. L. Mozkin: „Jehuda Halewi (an zwei Abenden). Im Winter 1890/91: 1. Herr stuck, phil. Schm. Lev in: „Orschansky".. 2. Herr stucke hist. H. L o e w e: „Eine brenncude Frage". 3. Herr stuck, techa. A. Safro: „Einleitung in den Talmud". 4. Herr Dr. 'C h a s a n a r i tz : „Die jüdischen Colonien in Palästina". 5. Herr stuck, techn. A. Safro: „Die geschichtliche Entwicklung des Talmuds". Q. Herr , Dr. H. Hildesheimer: „Eine. Wanderung durch-Palästina". , 7. Herr stuck, phil . I. Lury: „Der Antisemitismus in der alcxandrinischen Epoche." 8: Herr stuck, phil. Ä. Brag in: „Dix Moral und Religion nach der Bibel." 9. Herr stuck, jur. I. Socker: „Die nationale Einigkeit der Juden." ~ 10. Herr stud.—phil. Homnes: „Spill. Herr Dr. A. Kaminka: „DieLage Nr. 22. der Judeil im 12. und 13. Jahrhundert in den romanischen Ländern." Im Sommer 1891: 1. Herr stuck, chem. - urawicz: Heineals Jude." 2. Herr stuckch- R o sc n stein-: „Etwas-über dss Verhall»!' r russischen Gesellschaft zu den Juden, son. < es sich in der Literatur wiederspiegrlt. 3. Herr Stuck, techn BenensohN: „Leroy-Bolieu über den Antisemitismus." 4. Herr stuck, phil. A. Bragin: „Die Pflichten der jüdischen gebildeten Classen." 5. Herr stuck, hist. H. Löwe: „Unter jüdisch-nationaler Fahne." 6. Herr stuck. , phil. N. Syrkin: „Die Palästina-Idee und die anderen Lösungen der Judenfrage." 7. Herr stuck, techn. CH. Lev in: „Die Forscher Palästinas über seinen Boden." ' 8. Herr canck.chem. Cahen: „Für und wider Palästina." 9. Herr stuck, chem. D e s n e r : „Ueber den Fortschritt der nationalen Angelegenheit." L. M. Rußland. ßonstantmopek, den 9. November 1891. Jüngst wurden 800 ruffisch - jüdische Flüchtlinge von hier auf einem separaten Schiffe nach Marseille geschickt, von wo sie die Reise nach Argentinien in die Baron Hirsch'schen Colonien antreten sollen.,. Das Vorgehen des Comite's,- das sich mit dieser Verschickung befaßt, ist in einer Hinsicht kein lobeuswerthes. Es werden nämlich den alten und jungen Flüchtlingen zwangsweise die Peoth abgeschnitten und die Bärte gestutzt. Eine solche Operation wurde an einem bejahrten Manne in der Synagoge vollzogen. Auf diese Weise Cultur treiben zu wollen, ist ebenso lächerlich als inhuman. Iscli emeth. Chronik. (Aon der Berliner Jelegirtenversammtung) haben ivir noch folgende Details nachzutragen: Herr Justizrath Meyer kam auch auf die Palästina-Eoloinsation zu sprechen, wobei er sein Bedauern darüber ausdrückte, daß „in unsere Wohlthätigkeitsbewegung künstlich der Kampf zwischen Liberalismus und Orthodoxie Hineingelragen ist" und die Frage hinwarf: „Was -ist die Agitation für Palästina anderes als der Ausfluß der Orthodoxie?" Es muß dies. eine ganz eigene Schule sein, in welcher deutsch-jüdische Justizräthe Weisheit und Wahrheit lernen. Ueber die alte Leier: Liberalismus und Orthodoxie kommen die Herren nicht heraus, sür eine höhere Einheit haben sie keine Empfindung und darum zerren ste unsere Ideale auf das Niveau ihrer Steckenpferde herab, um sie sich erklären zu können. Wie gut auch der Herr Justizraih die gegenwärtige Nöth der paläslinensischen Juden sür seine Zwecke in's Tressen zu führen wußte! Der gute Manu weiß natürlich nichts davon, daß diese Noth nur deshalb herrscht, weil Gesinnungen wie die seinen seit fast einem Jahrhunderte die Judenheit beherrsche». —. Dagegen hat nach einem Berichte der „Hazefirah11 Herr Dr. Hirsch Hildes Heime r. Redacteur der „Jüdischen Presse", in der Dele- ' girtenversammlung Gelegenheit genommen, gegen die daselbst palästinafeindlichen Bemerkungen unter Hinweis darauf zu protestiren. daß uunmehr auch die „Alliance j Israelitc'Uuiverseile1* i n Paris und Baro.n > Hirsch für die Palästina-Idee gewonnen seien-

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