Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 19 (2.10.1891)
- Date
- 1891-10-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3092672-3092739-3092758--0748-3093734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 19. Se l b st - E nt a n cip att o n. transatlantischen Projccte noch vorzuzichen; hiebei; aber nahmen wir die Gelegenheit wahr, unsere! Entrüstung darüber auszudrücken, daß Herr Friedi mann durch seine Agenten den Palästinagedanken angreift und zu Gunsten seiner Marotte herabsetzt. Wir theilen nicht die zwischen den Zeilen unseres geehrten Herrn Correspondenten durchschimmerten Besorgnisse über den persönlichen Charalter und die leitenden Beweggründe des Herrn Friedmann, den wir von anderer Seite als ehrlichen Mann haben schildern hören; wohl aber müssen wir angesichts der Abenteuerlichkeit des Planes und seiner Ausführung, angesichts des vollkommenen Mangels an Garantien für das Schicksal der Eolonistcn auch unsererseits die W a r n tut g unseres Herrn Correspondenten gut heißen und wiederholen. Lin Manifest des Baron Hirsch. Baron H i r s ch hat folgende Enuntiation erlassen, welche in tausenden von Exemplaren in hebräischer, deutscher und russischer Sprache unter die russischen Juden vertheilt wird. Der Wortlaut derselben ist: An meine Gläubcnsbrüdcr in Rußland! . Ihr wisset, daß ich mich damit beschäftige, Euer LoS zu verbessern. Das legt mir die Pflicht auf, Euch offen zu sprechen, um Euch zu sagen, was für Euch nothwendlg ist. Ich kenne die Gründe, welche viele »»ter Euch zur Auswanderung veranlassen, und ich will gerne alles thun/was in meinen Kräften steht, um Euch in euerer Bedrängnis; beizustehcu. Allein Ihr müßet mir. dies ermöglichen. Euere Auswanderung darf nicht einer überstürzten regellosen Flucht gleichen, bei der man um einer Gefahr zu entgehen, sich in's Verderben stürzt. Ihr misset, daß demnächst in Rußland regelmäßige Comite's unter Genehmigung und unter Aufsicht der kaiserlich-russischen Regierung eingesetzt werden. Diese Comite's haben die Ausgabe, die Emigration in geschäftsmäßiger Weise zu organisircn. Alle Auswanderungslustigen haben sich an die LocalcomitL's zu zu wenden, welche ausschließlich berechtigt sein werden, Euch die nöthigen Aufschlüsse zu liefern. Nur diejenigen Personen, welche von den Comite's zur Auswanderung bestimmt werden, können die Vortheile meiner Hilfsaction und Jener, welche sich mir anschließen, genießen. Jeder aber, der das Land ohne Mitwirkung der Comite's verlassen sollte, wird dies aus seine eigene Gefahr thun und hat auf keine Unterstützung von unserer Seite zu rechnen. ' Selbstverständlich kann zum Beginn die Zahl der Auswandernden keine große sein, denn es handelt sich auch darum, für diejenigen, welche Nachkommen, die nothwendigen Vorbereitungen für die Besiedlung zu treffen. Später kann die Emigration eine größere Ausdehnung gewinnen. Bedenket, daß ich nichts für Euch leisten kann, ohne die wohlwollende und gnädige Unterstützung der Kaiserlich-russischen Regierung. Zum Schlüße rufe ich Euch zu: Ihr seid die Erben Euerer Väter, die seit Jahrhunderten so viel geduldet haben. Traget diese Erbschaft noch eine Weile mit der gleichen Ergebung. — Habet also weiter Geduld und lasset denjenigen, die Euch helfen wollen, die Möglichkeit, dies zu thun! Ich richte an Euch diese Worte der Mahnung und Ermunterung im eigenen'Namen und im Namen von Tausenden Euerer Glanbensbrüder. Nehmet Sie auf in Euer Herz und Eueren Verstand! Der gütige Gott möge Euch helfen und mir, so tute den vielen, welche mit so großer Aufopferung Mitwirken, seinen Beistand verleihen,daß Euchgeholfen werde. Paris, Septemper 1891. Baron M. von Hirsch. Griginal- (Lorrespondenzen. Gesterreich-Angurn. (A. L.) Lemberg, 22 Elul 5G51. — Samstag, am 18. Elul veraitstaltete der hiesige Verein „Zion" zur Erinnerung an den, dem ganzen Judenthunt leider ztl früh entrissenen Prof. Dr. Hirsch G r ä tz, welcher diesem Vereine als Ehreitmitglied angehörte, eine Trauerfeier. Schon lange vor der angekündigten Stunde war der Saal dicht gefüllt und waren alle Sitzplätze von den zahlreich versammelten Damen eingenoinnten. Die Feier eröffnete H. C. Stand mit einer schwungvosten Begrüßungsrede, worauf Herr Benjamin Wolf Segel eine sehr gediegene wissenschaftliche Vorlesung über das literarische Wirken Grätz' hielt. Nach dieser Vorlesung hielt Herr sind. phil. Marcus Ehrenpreis eine hebräische Ansprache, in welcher er Grätz als Nationaljudcn feierte. Den Schluß dieser Feier bildete die Vorlesung des sind. phil. Osias Thon über die Bedeutung Grätz' für das Judenthum. Sämintliche Punkte des Programmes wttrden sehr beifällig aufgenommen, besonders aber war es die hebräische Ansprache, welche sehr viel Applaus erntete. Einige der Anwesenden konnten sich gar nicht genug darüber wundern, daß man sich auch der „tödten" hebräischen Sprache ebenso geläufig wie einer modernen bedienen könne. Mehrere der anwesenden Gäste ineldeten am selben Tage ihren Beitritt zum Vereine an. Rußland. Kertsch, den 4. September 1891.*) — Freudig theile ich Ihnen eine Nachricht des „Hamclitz" mit, derzufolge die russische Negiertmg wiederum die Erlaubniß ertheilt hat, in allen Städten Zwcigvcreinc des Odessaer „Vereines zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien tlnd Palästina" zu errichten. Es sei auch gestattet worden, im „Hamelitz" das Verzeichniß der Spenden für die Colonisation Palästinas zu veröffentlichen. S. S. *) Aus voriger Nummer durch Versehen fortgcblieben. England. London, Ende Elul 5651. Am Donnerstag, den 17. September traf hier die Delegation der russischen Chovevei Zion ein. In Paris hatten sich derselben die Herren Dr. H. H i l d e sh ei m e r aus Berl i n und Adam Rosenb e r g aus Nem - I) ork angeschlossen. Letzterer gab feine Mission nach Palästina auf, ivegen der Wichtigkeit der hiesigen Berathungen, die soweit darüber schon jetzt in der Oeffentlichkeit berichtet werden kann, .die Wegräumung der neuestens der Zionssache in den Weg gelegten Schwierigkeiten betraf. Von der amerikanischen Delegation zum Landankauf inPalästina, überdie inder„Selbst- Emancipation" bereits berichtet wurde, ging also nur Herr L o n d o n nach dem heiligen Lande, während Herr Rosenberg nur bis nach Paris kam und nachdem er sich den Herren Rabb. Mohiliver und S. P. Nabbinowitz zwecks Theilnahme an den hiesigen das Allgemeininteresse der Chooerei Zion betreffenden Erörterungen angeschlossen, begab er sich Dienstag, den 22. d: M. nach Erledigung dieser Angelegenheit auf den Heimweg nach Amerika. Nach stattgehabten Conferenzen mit den Führern der hiesigen Chovevei Zion sowohl toie mit den repräsentativen Mitgliedern unserer Gemeinden reisten auch die anderen Mitglieder der Delegation ab. Am Sonntag zuvor fand zu ihren Ehren ein Begrüßungsmeeting statt, das von den verschiedenen Zweigen des Vereines in London veranstaltet worden war und einen ungemein enthusiastischen Verlauf hatte. Herr Joseph Prag präsidirte. Sonstige hervorragende Chovevei Zion waren anwesend. Es sprachen in Begrüßung der Gäste der Vorsitzende, Herr M acobi, Herr Nev. Kohen Zedek und Dr. H i r s ch. Bon den Gästen antwortete zuerst Herr Rabb. M o h i l i w e r und regte eine Geldsammlung an, welcher Anregung aus Rücksicht auf den Ncditer stattgegeben wurde. Sie ergab einen Betrag von 14 Pfund Sterling und noch einige Schillinge. Sodann sprach Herr Dr. Hildesheimer einige Worte des Dankes für den freundlichen Empfang und ermahmte sodann in gewählten Ausdrücken und pathetischer Rede, zur tretten Mitarbeit an der Sache der Chovevei Zion. Nächst ihn sprach Herr R a bb i n o w i tz, worauf Herr Rosenberg das Wort nahm zur längeren humoristischen Ausführuttg über sein jetziges Erscheinen vor den hiesigen Zionsfreunden. Keiner von den Rednern aber folgte der Aufforderung des Herrn Predigers Kohen Zedek, über den Stand ihrer Sache, resp. über die Aussichten oder den Erfolg ihre Reise ztl berichten. Herr Rabbiiter Mohiliwer betonte noch besoude s, daß, ehe die Sache reis zum Besprechen würde, inan sich hüten müsse, dies zu thun. ' In ihrer letzen Ntnnmer läßt sich Ihr Herr Correspondent aus Ma gd e b u r g zu gewissen Ausführungen verleiten, ivozu meines ' Erachtens gar kein Grund vorlag. Die betreffende hiesige Zeittuig („Jewish Chronicle") hat doch nur einer Zuschrift atis dem Publikum Raum in ihren Spalten gegeben, ohne selbst das betreffende Land als Asyl für die rttssischen Jtiden anzucmpfehlen. Wollte man sich über alle die Vorschläge ärgern, so könnte man gar schnell an die Grenze seiner Geduld angelangt sein. Es ist das Beste, gute Miene zu diesem Spiel der „Meinungen" und es wenn möglich zum Gegenstände des Trostes ztl machen, also etwa, wie angenehm es sei, die rege Teilnahme am Schicksal der ruffischen Juden unter den in den fernsten Erdteilen zerstreuten Stammesgenoffen zu betrachten. Anders ist es vielleicht mit einer Zuschrift des Herrn G n e d a t l a ttnd den „Jewish World"" von hetite. Herr G u e d a l l a ist bekanntlich ein Neffe von Moses Montefiore gesegneten Andenkens, und umso verwunderlicher muß dieser Brief erscheinen. Er spricht darin das große Wort ganz gelassen aus, daß die jüd. Colonisation, ob in Argentinien, Uruguay, Brasilien und sogar in Palästina ihm ein sehr ziveifelhaftes Unternehmen im Bezug auf den Erfolg zu sein scheine. In Spanien aber, ja da gäbe es noch viel Spielraum für kleine Capitalisten, Fabrikanten u. s. w. Herr! G u e d a l l a ist ein Chovev Zion; dies ist attch daratls zu ersehen, daß ihm die Colonisation Palästinas relativ mehr Garantie des Erfolges zu bieten scheint. Und doch findet er es für thunlich, jetzt die alten Geschichten Lopez Lapuja'schen Angedenkens wieder aufzunehmen. Wir wollen nur das Factum constatiert haben, ohne weitere Worte hinzuzufügen, aus Rücksicht auf die verehrte Person des Briefschreibers. Ben Arjeh. Bulgarien. *) Philippopel,den 24. September 1881. Ich bin in der angenehmen Lage, Ihnen eine Nachricht zu übersenden, welcheden Freunden der Colonisation Palästinas. gyvißFreude machen wird. Da die spagnolischen Juden zumeist, ohne sich dessen bewttßt zu sein, national sind, erscheint ihnen die Colonisation Palästinas ganz einfach und natürlich. Wenn sich nun trotz solcher Voraussetzungen bei uns kein Palästina-Verein *) Aus dem Französischen übersetzt.