Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 18 (18.9.1891)
- Date
- 1891-09-18
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Selbst-Emancipation. von der öffentlichen Meinung gedrängt, seine Zustimmung zu schreiben, —7 fals Antwort auf die Uebersendung einer Nummer der »Oarlrest: R.us8m», deren Erscheinen er durch seinen bekannten Rath an Ir. Montague noch beschleunigte. Dafür muß sich der greise Staatsmann nun gefallen lassen, von Herrn White wie ein Schuljunge abgekanzelt zu werden. Herr Gladstone hat nach Herrn White seine Unfähigkeit zur Leitung der auswärtigen Angelegenheiten durch dieses sein letztes, aber, wie Herr White zufügte, nicht erstes Vorgehen, zur Genüge dargethan, so daß man sich hüten müsse, im Falle Homerule aus den nächsten Wahlen siegreich hervorgeht, den „ehrwürdigen Philan-! tropen" — (gewiß das Schlimmste, was man! einem Staatsmanne nachsagen kann) — mit der \ Leitung des auswärtigen Amtes zu betrauen. — 1 Dies alles gewinnt einen ernsteren Hintergrund, ivenn man sich vergegenwärtigt, daß alle diese freundlichen Kundgebungen, die nun eine solche Behandlung erfahren, ganz selten spontan erfolgen, gewöhnlich bedürfen sie eines Anstoßes von außen; und es braucht kaum gesagt zu werden, von wo dieser Anstoß ausgeht und daß dies nicht ohne Mühe und Arbeit geschieht. , Neuestens aber haben wir von einer Sammlung solcher Kundgebungen Kenntniß genommen, von welchen man , sicher behaupten kann, daß die Mühe , des Sammlers nicht umsonst gewesen ist. Was uns die von dem Rabbiner der Stadt C h a t a m in der Grafschaft Kent veranstaltete Sammlung begrüßen läßt und wodurch-er sich unseres Erachtens den Dank aller Freunde ihres Volkes erworben hat, ist der in das Werk aufgenominene Brief des Generals Clark. Dieser Brief zeichnet sich von allen seinesgleichen vortheilhaft aus, durch das Nichtvorkommen von allgemeinen Redensarten über Humanität, Brüderlichkeit, Toleranz u. s. w. in denselben. Statt solcher Phrasen schreibt der General u. .'31., daß seine feste Ueberzeugung dahin gehe, daß solange die Juden sich nicht unter einein Führer, zu dein sie das sicherste Zutrauen haben, zusammenthun zur Lokalisirung aller ihrer zerstreuten Theile innerhalb der Grenzen eines Territoriums, so daß sie als eine unabhängige Ration behandelt werden müßten, alle anderen Heilmittel für das historische Gebrechen der Juden univirksain bleiben müßten oder nur vorübergehend eine Erleichterung herbeiführen würden. — Er fügt dann hinzu, daß die Inden, die sowohl Genie als das nöthige Geld besitzen, nur eines intensiveren Entstammens patriotischer Gefühle bedürfen, um ihrem Volke das zu sichern, was seine Schriftsteller der Vergangenheit ihm vorherverkündeten. Soweit die Worte des Generals, der, wie er im Eingänge seines so bemerkenswerthen Briefes schreibt, dem Mansionshouse-Comitä zum Besten der verfolgten Juden seit dessen Gründung angehört und stets rege Theilnahme andem Gegenstände des Comitäs nimmt. Ziehen wir den Umstand in Erwägung, daß noch kürzlich Baron Hirsch in seinem Aufsätze in der »ülortü Xinerienn Rewiew* sich dahin äußerte, daß es zum Heile der Juden nöthig sei, die neuen Ansiedler über verschiedene Länder zu zerstreuen u. s/w., so muß der posi- Kve Rath, den uns der judenfreundliche General gibt, umso bemerkenswerther erscheinen. General Clark ist zwar mit seiner Ansicht nicht der Erste fm christlichen Lager, denn bekanntlich ist ja Selbstständigmachung des jüdischen Volkes auch von Christen vergleichsweise häufig erörtert'worden; und besonders die Idee der Colonisation Palästinas hat ja gerade -unter den; Engländern begeisterte Anhänger gefunden; um nur ein bekanntes Beispiel herauszuziehen, kann auf Lawrence Qliphanst hingewiesen werden. Allein noch keiner hat es vonchristlicher-Seite so klar ausgesprochen, wie General Clark, daß alle übrigen Mittel ir Palliative sind und daß die Judenfrage deiin doch von einem anderem Standpunkte zu be-; trachten sei. als es sich. selbst viele unserer jüdi- . schen Philantropen träumen lassen. Und darin, > als erstem Zeichen einer klaren Erkenntniß der! Sachlage im christlichen Lager, liegt das Bemerkenswertheste des Brieses. Was nun den Schluß der Worte Clarks betrifft, wo er sich über die Nothwendigkeit der Entflammung einer patriotischen Begeisterung im jüdischen Volke ausspricht, so können wir in Bezug auf England jetzt glücklicherweise ganz beruhigt sein. Die Engländer gelten ja sonst als besonders nüchterne und erzprosaische Geschöpfe und es wäre ja gar nicht zu verwundern, ivenn auch die Juden hier bei der Zionssache immer kühl berechnend wären; allein nichts von alledein ist zu bemerken. Und merkwürdig, wenn sich manche über die hiesigen Zionsfreunde beklagen wollen, so bekommen wir blos zu hören, daß man in London zu begeistert sei, zu viel verlange, zu weit gehe, als praktisch durchzuführen möglich sei u. dgl. m. In der That können unsere englischen Brüder sich dazu Glück wünschen, daß diese „Anklagen" nicht ganz der Begründung entbehren. Es ist vielleicht eine bei den continentalen Gesinnungsgenossen noch wenig bekannte Thatsache, daß man hier in den Statuten der „Chovevei Zion" einen Paragraph ausgenommen hat, derdie Wiederbelebung des Hebräischen zu einem der Ziele des Vereines macht. Nun, ich glaube, so weit isk kein anderer Verein gegangen, dieses piurn desiderium förmlich zur Programmsache zu machen. Sonstige Beweise der großen, vielleicht allzugroßen Begeisterung für die Zionssache unter den englischen „Chovevei Zion" gibt es zahllose und man braucht nur die Zeitungsberichte über die betreffenden Versammlungen zu lesen, um annähernd ein richtiges Bild von dem Enthusiasmus, den die „Chovevei Zion" im ver einigten Königreich, insbesondere aber die Londoner, beseelt, zu erhalten. Da aber die Bewegung solche/Dimensionen erst seit mehr als einem halben Jahre angenommen hat, so haben wir guten Grund, für die Zukunft die besten Erwartungen zu hegen, daß Großes auch praktisch erreicht wird. . Bcn-Arjeh. Türkei. (Palästina.) .Jerusalem, den 27.August 1881. Der berühmte Orientalist Josef H a l e v y, Professor der semitischen Sprachen an der Pariser Universität, weilt in unserem Lande. Zu seinen Ehren veranstaltete Herr Nissim B e h a r, Director der Rothschildschule, am Abend des 23. in seiner Wohnung eine Zusammenkunft der jüdischen Intelligenz Jerusalems. Herr B e h a r begrüßte den Gast, worauf dieser selbst in r e i n st e m H e br Lisch eine 'Ansprache hielt. Prokessor H a l e v y wies aus die Ausbreitung des Antisemitismus in der arischen Welt und ans die daraus folgende Nothwendigkeit hin, sich jüdischcrseits zu einigem Als das richtige Mittel, eine solche Einigung herbeizuführcn, bezeichnete er in materieller Bqiehung die Co l 0 nksatia n d e s h e i l. L a n d e S. in,geistiger die Pflege der hebräischen Spracke, namentlich, aber deren Wiederb e l e b n n g. Er forderte die Versammlung zur Erneuerung des Vereines „Safaberurah“ auf, welchem man den Character einer Akademie unter dem Namen verleihen solle. DieseAcademie solle sich namentlich mit der Erweiterung der Sprache für die . Bedürfnisse des modernen Culturlebens durch Neubildung von Wörter und Entlehnung aus der arabischen Muttersprache beschäftigen.. Die Anregung des berühmten Gelehrten, fiel auf fruchtbarem Boden, indem die Anwesenden ein die beantragte Neu-Gründung aussprechcndes Protokoll unterfertigten und sich zu regelmäßigen Jahresbeiträgen verpflichtete». — Am2ö. begab sich Professor HalevY nach den Colonien. Seite 7. (Lhronik. (Die Kolonisirungs-Gesellfchaft des Baro» Hirsch.) Das britische Handelsamt hat die vom Baron Hirsch zur Befreiung der russischen Juden in'S Leben gerufene Gesellschaft concessionirt. Sie führt den Namen „Jewish Colonisation Association“ und ist in England domizilirt. Eine Gesellschaft ist es eigentlich nur den Namen nach, da Baron Maurice de Hirsch alle Aktien bis auf 7 besitzt. Der Zweck der Gesellschaft ist, die Auswanderung der Juden aus Europa und Asien, besonders aus solchen Ländern, wo sie bedrückt werden, nach anderen Theilen der Welt zu organisiren und in Nord- und Südamerika und anderen Ländern Colonien für Ackerbau, Handel und andere Zwecke zu gründen. Zweiggesellschaften sollen in allen Theilen der Welt gegründet werden und Agenturen überall in Europa und Asien die Auswanderung überwachen. Schiffe sollen gekauft und gechartert werden zum Transporte der Colonisten, welchen Saaten, Geräthe Lieh und Geldvorschüsse zu gewähren sind, um die Colonien zur Blüthe zu bringen. Die Gelder der Gesellschaft sind in englischen, französischen, belgischen, holländische», deutschen und amerikanischen Staatspapiercn anzuicgcn. Die Haftpflicht der Gesellschaft ist eine beschränkte. Das nominelle Capital beträgt 2,000.000 Pfund Sterling, auf 20,000 Actie» zu je ID Pfund Sterling vertheilt. Das bei etwaiger Aufiösung der Gesellschaft übrig bleibende Capital soll nicht unter die Mitglieder vertheilt werden, sondern einer ähnlichen jüdischen 'Anstalt überwiesen werden.' (Selbstmord eines russischen Juden in Wien.) I» der Stacht vom 13. auf den 14. d. M. hat sich ein i» Wie» weilender, aus Odessa ausgewiesener russischer Jude, 'Ascher O r n st e i n, ein Manu von 60 Jahren aus Verzweiflung über seine traurige ßaje, erhenkt. Wenn schon ein russischer fromuigläubiger Jude zum Selbstmord getrieben wird! Und in Wien giebt es über 110.000 Juden!-'Am 16. d. M. langte übrigens wieder ein Trupp armer russischer Juden in Wien, und zwar 60 an der Zahl. an. Sie lagerten sich auf einem Marktplatze in der Leopoldstadt. Neunundzwanzig fanden in Privatwohnungen Unterkominen. Die Uebrigen — 17 Männer und 14 Frauen — wurden als gänzlich mittellos in den G e m e i n d e a r r e st gebracht (Wieder das Blutmährchen.) In der bulgarischen Kreisstadt W ra tza, in welcher etwa 200 Juden wohnen, kam am 17. Juni d. I. ein sechsjähriges taubstummes bulgarisches Ntädchen abhanden, nachdem es Morgens das Elternhaus, weiches weit entfernt vom Judenviertel liegt, verlassen hatte. Da die polizeilichen Nachforschungen nicht zur Auffindung des Kindes führten, so sprengten einige böswillige Leute mit dem Popen Lasco an der Spitze aus, die Juden hätten das Kind zu rituellen Zwecken ermordet. Es entstand große Aufregung; die polizeiliche Untersuchung ergab natürlich ein negatives Resultat. Zwei Atonale später fand sich die Leiche des Mädchens im Gebirge; die Aerzte stellten fest, daß das Mädchen erst vor einigen Tagen gestorben sein konnte und daß die an dem Halse befindlichen Schnitte erst nach dem Tode dem Körper beigebracht worden seien. Trotzdem eilten 2000 Personen wuthentbrannt in's Judcnviertel, wo sie vor Allein die Fenster einschlugcn. Die Juden wandten sich telegrafisch an den Oberrabbiner Dr. Dan ko Witz in Sofia, und auf dessen Intervention unterdrückte die Regierung die Unruhen mit aller Strenge. Bezeichnend für die Prügelknabenrolle Israels im Golus ist, daß die Hetze von den Zankowisten lediglich zu dem Zwecke angezettelt wurde, um der Regierung Schwierigkeiten zu bereiten. Lingesendet. (Für Form und Inhalt dieser Rubrik ist die Redaction . nicht verantwortlich.) Geehrte Redaction! In Nr. 33 der „Oesterreichischen Wochenschrift" führt eine geistreiche Dame die Gründe