Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 18 (18.9.1891)
- Date
- 1891-09-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18. S e' l b st-Emancipation. diese Bedingungen abgehen und: die/non. sich die Heimat wie/ den Staub: von den Füßen abgeschüttelt? y:>- >' : , , Vielleicht nimmt es manchen Leser Wunder, daß ich nicht auch Prophetische Verheißungen ins Treffen führen Soll ich aber, ei ne geistreiche Dame in die Verlegenheit bringen, mir zu antworten :: „Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube?". Das wäre: eine zu harte 'Aufgabe. , Rabbiner Dr. Simon Wolffsohn. Lomnitz, den 8. September 1891. Die jüdischen Kolonien in Palästina. Äon Josef Zuber. u. Llschon l-Lion. Es war im Jahre 1882, , zur Leit, da sich unter den russischen Luden, zum -ersten Mal der Drang zur, Auswanderung nach Palästina .geltend machte. Jaffa war von jüdischen Einwanderern überfüllt, die nichts als . ihre Arbeitskraft und Arbeitslust besaßen, damit konnten sie aber wenig beginnen.: Deshalb kehrten Viele,nach Rußland zurück, wo sie die ungereimtesten Märchen, über das. heilige Land verbreiteten/ Dennoch blieben so viele zurück, daß die türkische 'Regierung in Befürchtung durch den Ilebersluß an.Armen herbcigeführter Verwickelungen die weitere Einwanderung russischer Juden zuerst erschwerte, dann gänzlich verbot. Mit den Sprachen, den Sitten und Gebräuchen des Landes unbekannt, streiften sie, von betrügerischen Factoren begleitet; 'auf der Suche nach Boden umher. Die pfiffigen Araber gingen mit den Preisen desselben fürchterlich in die. Höhe, und das Ende des Liedes war, daß auch die paar wohlhabenden Einwanderer, ohne Grund gekauft zu haben, nach Rußland zurückkehrten und dort die „Unmöglichkeit" der Colönijation Palästinas ausposaunten. In diesem kritischen Zeitpunkt gründete Herr S. L e v a n t i n, der intelligenteste und eifrigste Zionist unter den Eingewanderten, im Frühjahre 1882 in Jaffa ein kleines Comitö mit doppeltem Zwecke: Erstens sollte die Hilfe reicher europäischer Wohlthäter für die darbenden Emigranten erwirkt werden und zweitens eine genügende Schaar vermögender Einwanderer zur Gründung einer Colonie gefunden werden. Der erste Zweck stellte sich bald als vorläufig unerreichbar heraus und das Comit6 beschloß, sich ganz dem zweiten Zwecke zu widmen. Doch auch hier war ein Erfolg nur durch unsägliche Mühen ' zu erzielen, welchen sich auch das Comitö bereitwilligst unterzog. (Namentlich sind es die Herren S. Levantin und O. F ein b erg, welche als Pionniere der jüdischen Colonisation in Palästina bezeichnet werden können.) Mehrere Male gelang cs, eine Vereinigung zum Bodenankanf und zur Gründung einer Colonie zusammen zu bringen und immer wieder scheiterte das Unternehmen im entscheidenden Augenblicke an geringfügigen Umständen. Endlich fand sich eine solide Gesellschaft, aus 12 Personen bestehend*), welche einig blieb. Das Comitö beeilte sich nun mit dem provisorischen Ankauf von 3340 Dunam (300 Hectaren) Boden und legte damit den Grund zur ersten jüdischen Colonie im heiligen'Lande, der es: auch den Namen R i sch o n l' Z i o n (Erste nach Zion hin) gab. Der schleunige Kauf um *) Diese zwölf Herren sind: H. Levantin, Onkel des S. Levantin (mit der.Hälfte des gekauften Bodens), Hei ßm a nn und Eisen band aus Nicolaieff, drei Brüder Feinberg aus Jimferopol, zwei Brüder F r e i m a n n aus Warschau.- L. G l a n k in und Judelewitsch aus Krementschug. Herbert aus Rostow und Abramowitsch aus Petersburg. den übertriebenen Preis von 42.000 Francs war auf ein Schreiben des Herrn R o s e n f e l d, des Redaeteurs des „Razwiet" (Tagesanbruch), der damals in Rußland erscheinenden ersten zionistischen Zeitschrift zurückzuführen, welcher zur unverzüglichen Gründung einer Colonie rieth. Er meinte, daß bei weiterer Resultatlosigkeit die Colonisationssache in Rußland alle Sympathien verlieren müßte. Das Comitä dachte daran, den Kauf auch formell raschestens abzuschließen, was alles mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Als russische Juden hatten die Colonisten nicht das Recht, auf ihren eigenen Namen Grund und Boden in der Türkei zu erwerben, sie sahen sich daher gezwungen, drn Kaufbrief auf den Namen eines Herrn Amzallac, eines Juden, der damals englischer Consul in Jaffa war, ohne jede Garantie auszüstellen. Am gleichen Tage, als vom Pascha vor Jerusalem der Befehl ergieng, die in Jaffa befindlichen russischen Juden gewaltsam auf das russische Schiff zu bringen, - - ein Befehl, der übrigens nicht zur Ausführung kam, — wurde der Kaufbrief ausgestellt, vermöge dessen die Colonisten thatsächlich zu Eigenthümern des gekauften Bodens wurden. Dieser Tag war der 9. Ab und die Colonisten nahmen dieses bedeutungsvolle Zusammentreffen als gutes Omen. Als eigentlicher Gründungstag der Colonie kann aber erst der 15. Ab gelten, an welchem die Colonisten zum ersten Mal ihren Grund und Boden betraten und die ersten Zelte aufstellten. Mit dem Beginne jeglicher-Arbeit faßten sie zwei wichtige Beschlüsse: Mit Rücksicht auf ihren geringen Besitz an Arbeitskräften trat erstens Herr S. Levantin an sechs arme Familien je t>0 Dunam Bodens gegen Ausbezahlung während fünf Jahren ab, wodurch sich die Anzahl der Colonisten um die Hälfte vergrößerte. Zweitens wurde der Grundsatz ausgesprochen, daß der Boden nicht parcellirt, sondern gemeinschaftlich bebaut werden solle. Jeder Colonist hatte monatlich 1 Franc per Dunam des von ihm gekauften Bodens an die Gcmeinde-Casse abzuliefern. Aus dieser erhielt dann jeder in der Colonie Arbeitende 11,, Francs per Tag, und wurden außerdem die Gemeindespesen bestritten. Der Ertrag sollte dann zwischen den Colonisten im Verhältnis; zur Größe ihres Eigenthumes verthcilt werden. Zur Ausarbeitung von Statuten für die Colonie wurde ein kleines Comitch außerdem ein Leiter der Arbeiten erwählt. Die Colonisten waren mit vollem Bewußtsein ihrer verantwortungsvollen Mission an ihr Werk gegangen und so ertrugen sie denn auch alle Mühseligkeiten und Entbehrungen, welche ihnen namentlich ihre völlige Unerfahrenheit in reichlicher Fülle brachte, mit Heldenmuth und unerschüttlichem Vertrauen^ in ihre Sache. Zuerst galt es, der Colonie Waffcr zu verschaffen. Man begann einen Brunnen zu graben, aber — am Gipfel desselben. Erst nach mehrwöchentlicher vergeblicher Arbeit sahen die Colonisten ein, daß sie am Fuße des Berges hätten graben sollen. Dann dauerte cs selbstverständlich noch geraume Zeit, bis die Colonie ihr eigenes Wasser erhielt Inzwischen mußte man Trinkwaffcr täglich 10 bis 15 Kilometer weit aus Bct-Dedjan oder Mikwe- Jsrael (der Allianz-Ackerbauschule) herbeibringen, und zum Waschen den Saft der bei den Arabern gekauften Wassermelonen verwenden. Begreiflicherweise konnten unter solchen Umständen die Familien der Colonisten noch nicht in die. Colonie kommen; sie blieben in Ja ff a/und erhielten allwöchentlich über Sabbäth den Besuch ihrer Oberhäupter. Eine Folge davon war, daß die Colonisten keine marine Nahrung genoßen, sondern sich von Brod,: Käse, Melonen, -Oliven u. dgl. nährten, — welche Speisen noch überdies reichlich, mit .Sand vermengt waren, da die Zelte keinen Fußboden hatten. Unterdessen nahte der Sommer seinem Ende. Bis zur Regenszeit und folglich bis zu den Feldarbeiten blieben nur noch zwei Monate. Es war daher hohe Zeit, mit dem Bail der Häuser zu beginnen. Einige Colonisten wollten aber in der Angst vor dem Uebergreifen der damals in den» benachbarten Aegypten wüthenden Revolution des A r a b i Pascha nach Syrien die Fortsetzung der Colonisationswerkes aufschieben und in Jaffa eine Wendung der Dinge abwarten. Da war es einer der Colonisten, Herr C Hank in,, der das Verhängnißvolle eines solchen Vorgehens für. den Bestand der Colonie und die Nothwendigkeit einsah, endlich einmal die Colonisten mit ihrem Boden inniger zu verknüpfen. Er rieth deshalb von der Unterbrechung der Arbeiten ab und gab ein gutes Beispiel, indem er Mauerer aufnahm und ganz im Ernste sein Haus bauen zu lassen begann. Das wirkte! Der rechtzeitige Häuserbau war auch in anderer Hinsicht für die künftige Colonie unschätzbar. Bekanntlich muß man nämlich in Palästina für den Bau. auf neuem Grunde eine spezielle Bewilligung haben, deren Erlangung gewöhnlich viel Geld, Zeit und Mühe kostet. Von dieser Gesetzesbestimmung hatten nun die Gründer von Rischon l' Z i o n keine Ahnung; sie bauten daher, ohne um Bewilligung angesuchr oder diese erhalten zu haben. In einer anderen Zeit hätten die Behörden schon von Anbeginn an die Weiterführung des Baues gestört; in der unrlchigen Zeit aber, welche die Obrigkeiten mit anderen Sorgen erfüllte, und vielleicht auch mit Rücksicht darauf, daß ein englischer Consul als offizieller Eigenthümer des Boden figurirte, wollte oder konnte inan sich nicht mit dem Häuserbau von R i s ch o u l' Z i o n befassen. Unterdessen waren die zwei Monate verflossen. Die Gemeindecasse war nahezu geleert. Die halb communistischc Ordnung der neuen Colonie erwies sich als Ursache vieler Mißhelligkeiten. Die Vermögenden fingen zu murren an, als sie den dritten Franc zu geben hatten und noch kein Resultat sahen; die nicht Vermögenden hatten nichts mehr einzuzahlen. So kam nian schließlich zu dem Entschlüsse, eilten Feldmesser zu beziehen und den Boden parzelliren zu lassen. Das geschah auch wirklich. Der Boden wurde vertheilt; auch die beweglichen Communalgüter wurden verkauft — die Commune hörte zu existiren auf. Die Colonisten aber hatten ihre Mittel erschöpft; die beginnende Regens- oder Saatzeit traf sie ohne Pferde, ohne Pflüge, ohne Sämereien, ja sogar ohne das Nothwendige für den täglichen Unterhalt. An die Glaubensgenossen in Rußland gerichtete Bitten um Hilfe hatten keinen Erfolg. Da versuchten die Colonisten in Westeuropa Unterstützung zu finden und sandten einen Delegirten, Herrn O. Feinberg zu diesem Zwecke dahin. Seine Reise war ein Leidensweg. In den reichen Gemeinden von Triest, F r a n kf u r t und Mainz geruhte man nicht einmal, diesem Sendling eines „Häufchens von Grillenfängern" die „sogar bei ihren Landsleuten keine Theilnahme für ihre schädlichen Phantasieen fanden", irgend welche Aufmerksamkeit zu schenken. Erst in Paris fand sich ein Mann, der dem Delegirten entgegenkam. Es war dies der bekannte Wohlthäter, der damit seinen ersten Schritt auf dem Wege der Beschützung der jüdischen Colonisation Palästinas machte. Herr Feinberg kehrte in Begleitung des vom Wohlthäter engagirten Gärtners in die Colonie zurück. Auch wurden Herrn O. Hirsch, Director der Ackerbauschule „Mikweh Israel" bei Jaffa die Geldmittel für die Unterstützung und erste Einrichtung der Colonisten angewiesen. Von dieser Zeit ab ist die Existenz der Colonie und ihrer Bewohner gesichert. (Fortsetzung folgt.)