Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 17 (2.9.1891)
- Date
- 1891-09-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 17. znm Betrage von 10 Millionen Pesas Ländereien in Argentinien für jüdische Ansiedelungen zu erwerben. (Der Prinz von Wales) soll sich nach der Londoner „Pall Mall Gazette" nach eingehendem Studium der russischen Judenfrage in so ausgedehnter großartiger Weise für die russischen Juden verwendet haben, daß er Anspruch aus die Dankbarkeit jedes Juden in Europa und Amerika besitze. Der englische Kronprinz und seine Frau hätten die ganze Frage mehr als einmal mit Herrn Arnold White durchgesprochen und demselben Empfehlungsbriefe an den russischen Hos mitgegeben. (Bon Kiew nach Budapest.) Eine jüdische Auswandererfamilie, bestehend aus 8 Personen, hat anfangs Mai auf einem einspännigen kleinen Wagen Kiew Verlagen, um sich nach B n d ap e st zu bege° den, wo sie durch Unterstützung der Baron Hirsch'schen Wohlthätigkeitskanzlci nach Amerika auswandern will. Mitte August passirte die Familie die nordungarische Stadt S.-A.-1Ijhcly. („Darkeft Russia".) Unter diesem Titel erscheint als Beilage des „Jewish Chronicle" in London seit Kurzem eine Zeitschrift, welche sich spcciell mit der inssischeii Judenfrage befaßt. (Eine christliche Stimme über die Colouisation Palästinas.) Der bekannte Paläftinareisende Major C. R. C o n d c r veröffentlicht im „S c o t t i ch Review" einen Aufsatz über die Colonisation Palästinas, dem wir folgende Stelle entnehmen: „Der Beginn der Bewegung fällt in der Zeit vor etwa 10 Jahren. Den Anfang machten Colonien um Jerusalem: Artus, Sammarin, Latakia und im Jordanthale, von denen einige trotz der durch Mangel an Capital und Erfahrung bedingten Schwierigkeiten prosperirten. Die Zahl der Juden Palästinas ist während dieferZeitperiode vonungefähr 8000 a u f m e h r als 100,000 a u g e w a ch s e n*) und immer wandern ohne Aussicht auf Hilfe ueue Familien von Moskau und Odessa nach Jerusalem aus. Der nun schon so lange und so oft erhobene Borwurf, die Juden wollten keinen Ackerbau betreiben, ist nicht nur durch den Inhalt der Bittschriftcu widerlegt, sondern gänzlich beseitigt durch den Erfolg der jüdischen Bauern in Amerika. In Palästina kommen noch hinzu die Vorthcile, welche bedingt sind durch die Aehnlichkeit der Sprache und mancher Gebräuche, und die Angehörigkeit der Eingebornen zur selben Rasse, Umstände, welche wesentlich in's Gewicht fallen im Vergleiche zur Fremdartigkeit der Sprache und der Sitten in der fernen neuen Welt, was schon allein die Aussicht auf Vertreibung vor Augen führt. Die Zionsbewegung endlich scheint jedenfals erheblich zur Zunahme der Bevölkerung Syriens beizutragen und wenn sie so erfolgreich wird, wie es ihre Leiter erwarten, dann wird Palästina in Bälde wieder. ein jüdisches Gemeinwesen." (Ciit interessantes Schriftstück.) Der Londoner „Record" veröffentlicht alsBeitrag zur Lösung der Judenfrage zum erstenmale ein Schreiben, welches im Jahre 1840 der große englische Philanthrop Lord Shaftesbury. damals noch nur Lord Ashley, an den englischen Premierminister Lord P a lmerston richtete. Die. syrische Frage war damals den vier Centralmächten zur Entscheidung vorgelegt worden. Mit warmer Beredsamkeit drang Lord A s h l e y in den Kanzler, eine so herrliche Gelegenheit, Palästina der Gesittung zurückzugeben und für die Inden zu erwerben, nicht unbenützt vorübergehen zu lassen. Der bis zum Exceß kühl und geschäftsmäßig denkende Lord Palmerston schenkte dein Vorschläge keine Beachtung, und so blieb die Gelegenheit *)Die erste Zahl ercheint jedenfalls zu tief gegriffen und wird mindestens zu vervierfachen fein. Die Redaction. Selb st - E 0;, n,c i p a t i o n. damals unbenützt. Einer seiner Amtsnachfolger, Lord Beaconsfreld, hatte, wie bekannt, eine ganz äildere Meinung über die Sache, der er selbst die größten Sympathien entgegenbrachte und an deren Durchführung er mehr als einmal dachte. Nun sind er und Lord Shaftesb u r y bereits todt, aber ihre Zions liebe und ihre Freundschaft für Israel ist auf. Herzog von W e st m i n ft e r, L o r d A b e r d e e n u. s. w.*) übergegangen und deren Zeitgenossen haben mehr Verständniß für solche Ideen, als die Zeitgenossen jener. *)Siehe Nr. 8 dieses Jahrganges unseres Blattes (Ueber die Colonisation Palästinas.) Die „Populärwissenschaftlichen Montagsblätter." in Frankfurt a. Main bringen in ihrer jüngsten (September») Nunmer einen sehr interessanten Aussatz von C. C l a s s e n, kgl. Oekonomierath inAnsbach, der sich „Gedanken über die Ansäßigmachung der aus Rußland vertriebenen Israeliten in Palästina" betitelt. Als erste Voraussetzung eines Gelingens der Colonisation bezeichnet Herr C l a s s e u einen geregelten Wasserhaushalt als Vorbedingung einer geregelten Wasserwirthschaft. Er cilirt das Werk „A u s d e m O r i e n t" von Dr. Oskar Fraas, in welchem der Nachweis geführt wird, daß der Boden Palästinas für die Bewässerung ungemein empfänglich und dankbar und der Jordan, welcher dem tobten Meere innerhalb 24. Stunden 6 Millionen Tonnen (ü 1000 Liter) Wasser, d. h. per Secunde 70 Cubikmeter zuführt, sehr wasserreich ist. Zum Zwecke einer gedeihlichen Wasserwirthschaft hält es schließlich Herr Classen für nothwendig, daß Gnnd und Boden Genossenschaftsei g e n th u m bleiben. — Die Rathschläge dieses Fachmannes sollten die weitgehendste Berücksichtigung sinden. (1482 — 1892) Spagnotische Juden der Türkei regen den Gedanken an, daß die Juden des osmanischcn Reiches, namentlich die Sephardrm, im kom» meiiden Jahre eine vierhundertjährige Gedenkfeier an die Aufnahme der aus Spanien vertriebenen Juden durch Sultan B a j a z i d veranstalten. (Aus Rumänien), speciell aus der Moldau kommen Nachrichten von unglaublichen Verfolgungen und Vexationen gegenüber den Juden. Während die Herren Landbürgermeister g eg e n das Gesetz russische Juden, von. welchen sie bestochen werden, einlaffen, schicken sie einheimischen, sogar naturalisirten Juden, Ausweisungsverfügungsverfügungen zu, welche eine 24st ü nd i g e F r i st zur Abwicklung der Geschäfte decretiren. Mit Geld erlangen die armen Juden wiederholt Erstreckungen, bis sie keines mehr haben und gehen müssen. Besonders ecclatante Fälle dieser Praxis erzählt die oppositionelle "Lnpta", von einengewissen F a f o l a, Primär von Varniceni. In anderen Orten werden Gutsbesitzerals „Vagabunden" arretirt und an den Pferden der Milizsoldaten angebunden, eskortirt. In Jassy erlauben sich die Richter bei Verhandlungen antisemitische Bemerkungen. — Rumänien ist ein constitutioneller Staat mit nahezu, republikanischer Freiheit! (I» Marokko) sind wieder gegen die Juden gerichtete Unruhen auf der Tagesordnung. (Meridian von Jerusalem.) Der in Bern tagende Geographencongreß hat die Zählung der Erdmcridiane vom Meridian von Jerusalem in Vorschlag gebracht. Srste, 7.! (Graf Strogauoff,). einstiger Generalgouver- '. neur von Neurußland und Bessarabien, ein warmer hingebender Freund, der Inden, ist am 14. M. im Mer von 07 Jahren in Odessa verschieden. Ehre seinem Andenken: (Jüdische Künstler.) Auf der Berliner internationen Kunstausstellung, haben eine ganze Reihe von Künstlern jüdische» Stammes ihre Werke ausgestellt, und finden sich Leistungen ersten Ranges unter denselben. Bemerkenswert ist, daß die jüdischen Künstler mit Boxliebe» jüdische. Themata darzustrllen liehen, was, das Rationylgefühl beweistvon dem ihre für Ideale empfängliche Seele trotz des äußeren anerzogencn Assimila« tionSfirniffeS erfüllt ist. — Auf der Ausstellung ist der bedeutendste „russische" Bildhauer unserer Zeit, wie man ihn nennt, der Jude. 21, n t o t o i 4 ti nicht, vertreten. Dieser Sohn eines, Wirthes in Wilna, soll übrigens, «in begeisterter Jude sein. (.Personalnachricht.) Am 18. August d. I. hat sich, unser Gesinnungsgenosse- Herr Ingenieur Georg S ch l o ß, aus- Stanislau mit Fräulein Salomea B er nstein in Lemberg vermählt. Literarisches. .n*a’n. nan Ivo Geschich t e für das jüdische Volk von seiner Entstehung biß zu seiner i neuen Ansiedlung im Lande Israel. Wolf! I a w e tz, Jerusalem 5850. - Aus 119 Seiten! führt uns der Verfasser in hebräischer Sprache die Geschichte unserer Ration vor. Jawetz hat sich durch, sein Hebräisch Ruhm erwarben. Niemand vermag dem Zauber zu. schildern, der aus der Spräche dieses Schriftstellers weht; man fühlt den Hauch'des Bibelgeistes in der Erzählung der neuesten Ereiguiffe gerade sq als^ in der der uralten Begebenheiten. Auf Jawetz kann die hebräische Nationalliteratur aus heimischem Boden stolz sein. £Nv fljAn Geschichte des Stifters der christzion, übersetzt aus drei alten Manuscripten mit einer Einleitung und Erläuterungen von Gerson Bader, Krakau. — Herr Bader, der Redakteur des „Hazoseh" verwahrt sich dagegen, etwa die Missionäre imitiren und Christen bekehren zu wollen. Er will nichts anderes als den interessanten und unbekannten Inhalt der erwähnten drei Handschriften zgr Kenntnis der Leser bringen: die Geschichte des. Urchristenthums bleibe freilich immer in ein tiefes Dunkel gehüllt. Der Brrsasser (Krakau, Wawrzynca 20) widmet den Reinertrag den verfolgten russischen Juden, was ein Grund mehr ist, das überaus intereffante hebräische Merkchen, anzuschaffen. Enthüllte Geheimnisse, betreffend siimmtliche jüdische Religionsgesetze von Marc. Brüll, Wien, 1891. Das Werk, dessen 1. Heftchen uns vorliegt, macht es sich zur Aufgabe, den Nichtjuden Einblick in die biblischen Gesetze, deren Fortentwicklung nur der Talmud ist, zu gewähren. In dem Büchlein sind keine complicirten und geschraubten. Abhandlungen zu findend In übersichtlicher Weise ist aller zusammengedrängt. „Admath Iefchurun", Verein zur Förderung der Colonisation Palästinas. Wen, IX., Müllnergasse 13. Von den Beschlüssen des BereiusauSschusses sinh zu erwähnen: 1. ) Alle fortah eintretenden Mttdlieder in Österreich-Ungarn erhalten in Folge einer Vereinbarung mit dem Eigenthümrr-Comite der „Selbst-Emanc." diese durch sechs Monate gratis zugesendet. Nach Ablauf dieser Zeit steht es den betreffenden Mitgliedern frei, die „Selbst-Emancipation" gegen die halbe Abonnementsgebühr zu blichen. 2. ) ES wird ein Volkskalender pro 5852 heraus» gegeben und mit den diesbezüglichen Agenden ein Comitbetraut, in welche» die Herren Salomon Bauer,