Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1891-09-02 · Heft 17 (2.9.1891) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 17 (2.9.1891)
Date
1891-09-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3092672-3092739-3092756--0731-3093715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

! e lb st - Em an t i p at 1 i 5h. 17. worten, in welchen er die Freude der „Chovevei Zion" über die Macht unserer Idee auch bei den auf der anderen Seite der Erdkugel wohnenden Brüdern ausdrückte. Er schlug eine Resolution vor, die Delegirten herzlich willkommen zu heißen und ihnen diejbesten Glückwünsche der Versammlung mit auf den Weg zu geben. Es sprachen zur Unterstützung dieser Resolution dann die Herren Fecht, Jsch Kischor, Dr. Hirsch und Tumim. Herr Fe ch t, der Viceprästdent der „Chovevei Zion" in Ostlondon wandte glücklich den Bibelvers: „Viele Wasser vermögen die Gluth der Liebe nicht zu löschen" in seiner kurzen Begrüßungsrede auf unsere amerikanischen Glaubens- und Stammesbrüder an, indem er von der Liebe zu Zion sprach, die in ihren Herzen alle Wasser des Ozeans, welche sie von ihren Brüdern in der alten Welt, dem Schauplatze des Leidens,des Kämpsens und Ringens unserer Nation im Laufe der Zeiten, trennen, doch nicht auszulöschen im Stande sind. Herr Rosenberg erhielt nach diesen Rednern das Wort. In seiner einstündigen Rede, die er in deutscher Sprache hielt, gab er uns ein klares Bild von seinen Ansichten über die Colonisationssache. Er erklärte Vorsitzender der „Chovevei Zion" in New-2)ork und gewissermaßen auch im übrigen Amerika zu sein. Sein Landankaussplan ist denjenigen der vielen ruffischen Vereine zu diesem Zweck, als da sind „Agudoth haeles" „Alphej Jehudah" u. s. w., nachgebildet. Jetzt schon, nachdem erst sechs oder sieben Monate seit der Gründung der Gesellschaft „Schowe Zion"dahingegangen, habe dieselbe schon 20.000 Dollars zu ihrer Verfügung. Sie hätte daher beschlossen, mit dem Landankaus nicht weiter zu warten. Aus allen Ausführungen des Herrn Rasende r g, welche mit Citaten aus Bibel und Talmud gewürzt, immer klar durchdacht waren und von der Sachkenntniß und nüchternen Ueberlegung des Redners zeugten, ging hervor, daß wir es mit Herrn Rosenberg, als mit einer Kraft ersten Ranges für unsere heilige Sache zu thun haben. Herr Rosen berg vereinigt in seiner Person die Fähigkeit für , gediegene praktische Leitung unserer Sache in Amerika mit einem besonders hervorragenden Talent die Ideen der , „Chovevei Zion" zu propagieren, welches letztere er in Beziehung aus die ruffisch-polnischen Juden Amerikas seiner Vertrautheit mit der hebräischen Literatur verdankt. Seine Eloquenz muß dadurch natürlicherweise bei diesen Hörern noch mehr gewinnen. Unsere amerikanischen Mtkämpfer sind daher auch zu diesem ihren Führer, der auch jeder andern „Chovevei Zion"-Vereinigung zur Zierde gereichen würde, zu beglückwünschen. Rach Herrn Rosenberg sprach Noch sein Mitdelegierter Herr London, der Schatzmeister der „Schowe Zion", einige Worte des Dankes für den freundlichen Empfang, der ihnen hier zutheil geworden. Ueber den Zweck des längeren Aufenthaltes des Herrn R o s e n b e r g Hierselbst kann ich mittheilen, das derselbe mit dem Plane einer Vereinigung aller Zionsfreu n.d e zusammenhängt. Bcn-Arjeh. London, den 16. August 1891. Unter dem Titel „Ein Wi n k für di e F r eund e Zions" bringt „Jew. World" einen Ausspruch des amerikanische» Consuls in Jerusalem, nach welchem kompetente Beurtheiler unter den fremden Colonisten der Ansicht sind, daß Palästina seine Erfolge auf landwirtschaftlichem Gebiete hauptsächlich seiner Weinproductivität verdanke. Gegenwärtig liefert, der Weinbau daselbst einen um 40 — 50% besseren Ertrag als jedes andere Bodenproduct. In Folge dessen werden von Jahr zu Jahr mehr Weingärten angelegt und mannigsäche Verbesserungen und Versuche vorgenommen. Die deutschen und jüdischen Colonien um Jaffa sind bis jetzt die Ccntrcn dieser Bestrebungen. Ausgedehnte, alte, sich selbst überlassene Weingärten kann man noch zu E s h k o l und R a mall a h und anderen Orten bei Jerusalem und Betlehem vorfinden. „Es kann-demnach," sagt C o n s u l G i l l m a n n, „keinem Zweifel unterliegen, daß in absehbarer Zeit die Bergabhänge Judaea's von Weinbergen " in einer früher nie gekannten Ausdehnung bedeckt sein werden.^ Eine merkwürdige und für den Weinbau bedeutungsvolle Eigenthömlichkeit des Landes'ist, daß von der Blüthezeit bis zur Weinlese auch nicht ein Tropfen Regen den Boden benetzt, auf welchen Umstand es wahrscheinlich zurückzuführen ist, daß die Frucht daselbst niemals, wie in anderen Ländern, dem Mehlthau unterliegt. Gegen Sonnenuntergang erhebt sich allabendlich vom mittelländischen Meere her ein kühler feuchter Westwind, welcher den trockenen Boden tränkt, ohne jedoch ein Uebermaß von Feuchtigkeit zu produciren. Türkei. (Palästina.) Jerusalem, 13. August 5651. Das Verbot der Landung ruffischer Juden wird sehr strenge ^gehandhabt. Man will jetzt die Landung nicht einmal mehr gegen Bürgschaftsleistung gestatten, und nur mit großer Mühe gelang es in mehreren Fällen, die Erlaubniß hierzu zu erwirken. Natürlich wird hiebei Garantte für baldigste Rückkehr mit einem der nächsten Schiffe übernommen, und werden zur weiteren Sicherung die Effecten der Einwanderer im Zollamte von Jaffa zurückgehalten. In dieser Stadt wurden 6000 Francs zur Vertheilung an die unglücklichen Anköminlingc gesammelt. Daß unter solchen Umständen die russischen Juden sich hüten mögen, ihre Schritte nach dem heiligen Lande zu lenken, braucht nicht erst gesagt zu werden. Den Zionssreunden aber obliegt die Pflicht, zu trachten, daß der jetzige Zustand, der eine Schande für unser Volk ist, bald behoben werde. Amithi. (Lhronik. (Eine geistreiche Dame) nennt die „O e st e rreichifche Wochenschrift" vom 21. August d. I. jenes Frauenzimmer, welches ihr eine in der genannten Nummer veröffentlichte Zuschrift gegen die ColonisationPaläst in a s einschickt. Bei aller Achtung vor der sonstigen Urthcilsfähtgkeit dieses Blattes müssen wir erklären, daß wir in besagter Korrespondenz vergeblich nach Geist Umschau gehalten haben. Wir fanden in derselben nichts als frauenhafte Eitelkeit, die ihre geborgten — Glasbrillanten zur Schau trägt. Der Widerlegung aller, dieser auch sonst, freilich bedeutend besser oder mit uiehr Originalität in der Ausführung, vorgebrachten Einwändc haben wir schon ganze Nummern unseres Blattes gewidmet und bitten wir dort eventuell nachzulesen. Uebrigens hat uns ein „geistteicher" Einwurf thatsächlich imponirt — durch seinen geradezu unerreichbaren. Mangel an UntcrscheidungSfähigkeit. Die Germanen sehnen sich nicht nach Indien, die Ungarn nicht nach den asiatischen Steppen zurück; wir haben uns daher auch nicht nach Palästtna zurückzusehnen. So ungefähr der Sinn eines von der „geistreichen" Dame, gelassen ausgesprochenen großen Wortes. Das ist zu — unklug. Die Germanen oder Magyaren lebten in Asien — nähere Adresse unbekannt — noch im Zustande völliger Wildheit. Erst in Europa begründeten sie sich eine Geschichte und ein Heim,, in welchem sie nun unangefochten wohnen. Kann man diese mit den Juden vergleichen, welche in historischer Zeit ihre höchste Eultur, ihre Nattonalität, ihre welterlöscnden Lehren in Palästina entwickelten, und die jetzt, loSgerissen von ihrem H e i m a t Sbodcn, materiell größtentheils und moralisch überall auf eine tiefere Kulturstufe gesunken, ein Leben der Versolgtheit, der linruhe, der Wanderung, der nationalen Hcimatslofigkeit führen? Nein, Palästina war nie die „Wiege" des jüdischen Volkes — Mesopotamien war es, wie- Indien die der Germanen, — sondern eS war sein Wohnhaus und soll es wieder werden! Ad vocem Wiege aber. Die „geistteiche" Dame thäte besser daran, notabene wenn sie jung ist, ihre Kinder zu wiegen; ist sie aber alt, so stticke sie Strümpfe odrr schreibe Liebesgeschichten, — das politische Discutircn überlasse sie „gcistesärmercn" Damen oder den Männern. (Zur Airstvirnderungsfrage.) Neuerdings ist wieder ein Projekt aufgetaucht, einige tausend ruffisch-jüdische Familien in Mexico anzusiedeln. Sicherer Untergang in Folge des Klimas wäre der Erfolg dieser Colonisatiou. — Aus New-3)ork kommt die Nachricht von der Erleichterung der Einwanderungsvorschriften. Einwanderungscommissär Owen soll entschieden haben, daß russische Juden, die ja ins Land kommen, um sich aufrechtschaffene Weise fortzubringen, foferne für sie von Wohlthätigkeitsvereinen Bürgschaft dafür, daß sie dem Gemeinwesen nicht zur Last fallen werden, geleistet werde, nicht als „Paupers" . im Sinne des Gesetzes betrachtet werden sollen. (Wenn sich diese Nachricht bestätigt, so ist dies ein Grund mehr, daß jüdische Auswanderer, wenn sie schon gcnöügt sind, ihr Golusleben in der neuen Welt fortzusetzen, lieber nach Nordamerika als dem verwilderten Südamerika gehen.) Im klebrigen ist es Thatsachc, daß am 20. August d. I. 50 in B a l t i m o r e angelangte russische Juden nicht landen durften. — Dem Baron H i r s ch hat der „A. Z. d. I." zufolge in Karlsbad ein russisch-jüdischer Kurgast, Rechtsanwalt Beith-Hillel ein Memorandum über die Emigrationsfrage überreicht. Die Grundidee-desselben ist die, daß die Juden ein Land, in welchem sich noch keine Spur von Cultur finde, zur Ansiedlung wählen sollen. Palästina könne aus vielen Ursachen nicht dazu dienen; nur I n n e r a f r i k a sei das geeignete Colonisationsgebiet. Der künftige Judenstaat des Karlsbader Kurgastes würde also ein Nachbar von „Frciland" werden. — (Ueber Argentinien.) Dem i» der Hauptstadt Argentiniens, B u e n o s A y res erscheinenden Blatte „V o r w ä r t s" entnehmen wir aus einem längeren Artikel folgende zwei besonders interessante Stellen: „In Argentinien fehlt die Grundbedingung, sich dauernd eine Heimat zu gründen. Die kolossalen Ländcrstrccken, welche der Cultivicrung durch die Einwanderung harren, um daL Land in einen blühenden Garten zu verwandeln, sind an einige wenige Familien verschenkt oder scheinbar verkauft worden, die damit Wucher treiben und sich dadurch die ins Land kommenden Arbcitskräft zeitlebens tributpflichtig machen, so daß die ganze Bevölkerung nur dafür arbeitet, einige Krösusse noch reicher zu machen. Darum liegen auch hier so große Länderstrecken brach, während wir Mangel an Lebensmitteln haben oder doch unerschwingliche Preise dafür bezahlen müssen." „Die zucrst'hicrcinwandcindenSpanicrbctrachteten die sogenannten Indianer, die eigentlichen Besitzer des Landes, als ihre Sclaven, und nachdem diese thcils durch die Sclavenarbeit aufgerieben, theils gewaltsam vernichtet sind, soll der europäische Arbeiter den indianischen Sclaven ersetzen; derselbe soll arbeiten und sich allen Mllkürlichkciten fügen, damit die Machthaber ihren unsinnigen Lüsten fröhnen können." (Baron Hirsch.) Herr Arnold White, der Bevollmächtigte des Barons ist von seiner 2. Rußlandreise zurückgekehrt. Er spricht sich über den zu erwartenden Erfolg derselben sehr zuversichtlich aus. — Baron Hirsch soll bereits dem Dr. L o e w e n t h a l und drei Bürgern der argentinischen Republik die notariell beglaubigte Vollmacht gegeben haben, für seine Rechnung bis

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.