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Selbst-Emancipation · 1891-09-02 · Heft 17 (2.9.1891) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 17 (2.9.1891)
Date
1891-09-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17. e l b st - E m a n c i f. L t i o n. Seite». (A. L.) Lemberg, am 20. Ab 5651. — Unter dem etwas za langarhmigen Titel: „Wie kann daS Elend eines Theiles der Juden in Galizien und der Bukowina durch die Baron Hirsch'sche Zwölfmillionenstiftung gemildert werden?" ist vor Kurzem eine Studie von Eh. N. N e i ch e n b e r g (Wien) erschienen, welche nachzuweisen bestrebt ist, daß die Errichtung von Schuten keineswegs geeignet-ist, dem Elende unserer gnlizischen Glaubensgenossen Abhilfe zu leisten, sondern, daß ’ einzig und allein das Anlegen von Fabriken und andere» Institutionen den galizischen Inden, die so gerne arbeiten möchten, wenn sie nur Arbeit hätten, helfen und sie zugleich culturell heben könnte. Der Autor kennt die Verhältnisse der galizischen Judenheit sehr gut und versteht es, ihre Lage sehr wahrseitsgetren zn schildern. Dem sogenannten „Parteilebeu" widmet der Autor ein ganzes Capitel. Wenn wir auch in das überschwängliche Lob, welches der Autor den „Chassidiui" zollt, nicht eiustimmen können, sind wir umsomehr mit Allem einverstanden, was er über unsere „Intelligenz" sagt: „Wenn es nach ihnen (den akademisch gebildeten Juden Galiziens) ginge, würde der ganze traditionelle „Plunder" schon über Bord geworfen und das Judenthum bis auf die letzte Spur vergessen, in religiöser, wie nationaler Beziehung aufgcgangen sein unter der übrigen Bevölkerung des Landes .... Wie sie für ihre Person zumeist nicht mehr im Stande sind, hebräisch zu lesen' so möchten sic die ganze hebräische Literatur dem Moder anheimfallen lassen. Wenn diese akademisch Gebildeten sich doch noch' an die Juden halten, so ist es nur, um Juden als Clienten oder als Patienten zu fischen oder gar um Ehrenstellen in den Gemeinden zu erlangen. Ihre Religion ist 'Maske, ihr Eifer für Judenthum Scheinhciligkeit ...."' — Die Brochure ist dem Baron Hirsch gewidmet, jedoch ist bei der bekannten Praxis der Umgebung desselben zu erwarten, daß das Werkchcn, welches viele Wahrheiten und beherzigenswerthe Rathschläge enthält, ihm gar nicht vor die Augen kommen wird. Der hiesige Correspondent des „K r a j" (poln. Blatt in Petersburg) berichtet, daß Baron Hirsch 8 Atill. Francs zum Ankäufe von Boden in Galizien für die russischen Juden bcstimmt hat. Diese 'Rachricht scheint ein Fantasiegebilde des Correspondenten des „Kraj" zu fein und den Zweck zu haben, das alte Märchen von der „Eroberung" Galiziens durch die Juden wieder aufzufrischen. Besagte „Eroberung" soll seinerzeit die „Jsr. Allianz" angeregt haben Czernowitz, den 22. August 1891. Es war vor ungefähr 5 Jahren als Herr Josef Vierer, der Sohn des in jüdisch-nationalen Kreisen rühmlichst bekannten Herrn Dr. Rüben Biere r, damals noch Schüler am Czernowitzcr Gymnasium, unsere Idee unter die hiesigen jüdischen Studenten brachte, und im Vereine mit dem von uns hochverehrten Herrn Professor David M a d e r, einigen gleichgesinnten Freunden und College» unter welchen der um unsere Verbindung hochverdiente Herr Jsak Schmierer, hervorzuheben ist, die Gründung eines jüdisch-nationalen BürgervereineS in Czernowitz anregte. Derselbe sollte den Namen „Jüdische Lesehalle" führen. Die Gründung gelang, aber die jüdischnationalen Tendenzen desselben verblaßten allmälig. Die später folgenden Versuche, hier eine jüdisch-nationale akademische Verbindung zu gründen, scheiterten zweimal an der Fahnenflucht vieler in Aussicht genommener Mitglieder. Herr stud. jur. Jsak Schnierer gab aber seine Bemühungen nicht auf. Er pflegte die jüdischnationale Idee unter den Gymnasiasten der obersten Classen, welche jetzt, nachdem sie die Anstalt verlassen haben, mit allem Eifer unter der Leitung des erwähnten Herrn Josef B i e r e r, stud. mcd., an die Gründung der Verbindung geschritten sind und bereits die Statuten derselben der Landesregierung überreicht haben. Die Verbiudung wird den Namen „H a s m on ä c a" (nach' dem Heldcngeschlcchte der Makkabäer oder Hasmonäer) führen. Sie hat acadcmischen Character und werden die Mitglieder auch studentische Couleur tragen. Die Farbensind: purpurroth, violett, grün. — Kaum war die bevorstehende Gründung der Verbindung in die Öffentlichkeit gedrungen, als sich die gegentheiligsten Stimmen über dieselbe vernehmen ließen. Die hiesige „Bucowinaer Rundschau" und die „Gazeta Polska" fielen über dieselbe her und bezeichneten die Gründung derselben als ein verfehltes Beginnen. — Was das Verhältnis der Juden unserer Stadt zu unseren Tendenzen betrifft, so ist die oft bemerkte Thatsachc auch hier zu verzeichnen, daß die sogenannten, „befferen Kreise" gegen dieselben sind, während die uiittleren Bürgerclassen sie mit Begeisterung aufnehmen. Die neue Verbindung dürfte mit einer Mitgliederzabl von 15—20 Hörern der Rechte Anfangs Oktober ins Leben treten.Es wurde bereits vom Herrn Vierer das Programm unserer Thätigkeit als Verbindung und fürdiejüdisch-nationaleJdceim Allgemeinen.in einer eigenen Schrift behandelt, die demnächst wird in Druck gelegt werden. Mayer Ebner, stud. jur. Deutsches Mich. Magdeburg, 26. August 1891. Gestern Abend hielt Herr cand math.fi. Moz kin aus Berlin im hiesigen „Verein für die Wissenschaft des Judenthums." einen zündenden Bortrag über die n a t i o n a l - z i o n i stis ch e Idee. Ist es schon an sich höchst erfreulich, .daß sich hier ein Verein von jungen Kaufleuten aus eigener Initiative zn dem Zwecke gebildet hat, um sich mit der Wissenschaft des Judenthums zu beschäftigen, so ist es zweifellos mit noch größerer Freude zu begrüßen, daß der Vortrag des Herrn Mozkin Beifall und Widerhall in den Herzen der meisten Mitglieder des Vereines gefunden hat. Hoffen wir, daß es dem Vereine bei seinem regen Streben und redlichen Wollen deun auch gelingen möge, gerade durch Vertiefung in die Wissenschaft des Judenthums, in unsere nationale Wissenschaft, sich in nationalem. Sinne auszubauen und zu kräftigen, um auch mit seinem Theile zur Befreiung unseres unglücklichen Volkes beitragen zu können! —.— Rußland. Kischineff, den 2. August 1891. Fast in jeder Nummer der russischen Zeitungen findet man jetzt etwas über die Emigration der Juden.' Es sind dies meistentheils unverbürgte und die Menge zur Auswanderung verführende Nachrichten, welche besser nicht weiter colportirt werden. Was in Emigrationssachen speciell in Beffarabien vorgeht, will ich nach einer Darstellung des hiesigen Stadtrabbin rs Ihnen mittheilen. Um für die aus den nahe an der Grenze liegenden Dörfern Verwiesenen Rath zu schaffen, wandte sich die hiesige Gemeinde mit dem Stadtrabbiner an der Spitze im Mai d. I. brieflich an Baron Hirsch. Die Antwort langte bald mit einem inliegenden Fragebogen, welchen jede Auswandererfamilie ausfüllen sollte, ein. Der Fragebogen enthielt folgende Rubriken: I. Familienoberhaupt : a) Name und Vorname, b) Alter, c) Geburtsort, d) Beruf, e) hat er in der letzten Zeit von diesem Berufe gelebt oder von welcher anderen Beschäftigung? f) Wo wohnend: im Jahre 1889, 1890, 1891?g) hat er Mittel und welche? EL Frau: Name und Alter. EU. Kinder: a) wieviel Kinder; Knaben, Mädchen, b) Name und Beruf eines jeden Kindes. — IV. Bemerkungen : a) Ueber seine Aussagen, besonders über seinen Beruf, b) über die Arbeitsfähigkeit eines jeden der Mitglieder der Familie, physische Kraft, Gesundheit. Außerdem waren noch folgende zwei Fragen gestellt: Wohin man fahren wolle? Wieviel Geld man bei der Abreise und bei der Ankunft an Art und Stelle haben werde? Die letzte Frage war wohl von den Emigranten, welche nicht wußten, wo sie der Baron ansiedlen wolle, noch wieviel die Reise zu kosten brauche, nicht leicht zu beantworten. Man entschloß sich daher, darüber neuerdings den Baron brieflich zu befragen. In einem Antwortschreiben - erklärte der Secretär des Barons, Herr S o n n e n s e ld, man solle diese Fragen vorläufig unbeantwortet lassen. Der Baron werde ohnehin seinen Controlor schicken, um die gemachten Angaben zu prüfen. Nun riet!) der Rabbiner geduldig den Agenten des Baron Hirsch abzuwarten und bis dahin den Fragebogen ganz unausgesüllt zu lassen. Er selbst aber unterzog sich der Mühe, ür die armen aus den angrenzenden Dörfern Vertriebenen Geld zu sammeln, damit , man. ihnen, wenigstens vorläufig das tägliche Brod gewähren könne. Es wurde viel versprochen. Im klebrigen fand die satte Gemeinde, daß sich die Dorfleute im Sommer noch leicht Brod verdienen könnten— wie leicht gesagt! —und daß man nur fürdereu Zukunft zu sorgen habe. Dabei blieb- .es. Die erregten Gcmüther aber beruhigten, sich dennoch nicht. Es fanden sich solche, welche sich andie Spitze stellten, den Fragebogen-durch-den Druck vervielfältigen und beantwortenließen. Außerdem schrieben sie jeden, der nur 20- Kopeken gab, in die Emigrationsgesellschaftein. Bald waren 2 gewält, die nach Paris zum B a t o n Hirsch gehen sollten. Auch dafür sammelt man Geld,. bei jeder Familie 2 oder 3 abgekargte-Rubel. Der hiesige Rabbiner hielt er für nöthig, am 20. Juni in einer Predigt zu erklären, daß solches Geldsammeln und die Reise der Delegirten unnütz, seien. Frinbrrg., Kertsch, den 21. August 1891. Seit drei Wochen erscheint in O d e s s a, ein Blatt unter den Titel „Emigration der russischen Juden." Herausgeber ist G. I. Rochowitsch. Da auf der bisher erschienenen, einzigen Nummer vom 18. (30.) Juli nicht angegeben ist, die wievielte sie der Reihenfolge nach ist, so kann man daraus auf ein zwangloses Erscheinendes Blattes schließen. In der erwähnten Nummer sind Artikel über die Ansiedlungspläne des Baron Hirsch, sowie auch unter Anderem die Petition der russischjüdischen Studenten, in Berlin an die dorten stattgehabte Delegrrtenconserenz enthalten. — Es wäre sehr erwünscht, wenn diese Zeitschrift bei ihrer Wichtigkeit als einzige, welche die Emigrationsangelegenheiten in russischer Sprache behandelt, öfter und regulär erscheinen würde. 3. 3. England. London, 20. Ab 5651. Dieser Tage hatten die hiesigen Freunde der Zionssache die Freude, die Herren Adam Rosenberg und M. London, von den „Schowe Zion" in New- Aork zum Landankauf in Palästina delegirt, hier in London zu begrüßen. Da die beiden Herren auf ihrer Durchreise nach dem Lande unserer Väter für mehrere Tage Aufenthalt in dieser Stadt zu. nehmen beabsichtigten, so ließen die hiesigen „Bnej Zion" es sich nicht nehmen, denselben den Willkommengruß zu bieten und ihnen noch besonders ihre Wünsche für das Gelingen chrer Sendung öffentlich kundzugeben. Zu diesem Ende veranstaltete die Vereinigung der „Bnej Zion" am Sonntag nach dem Trostes-Sabbath ein Begrüßungsmeeting zu Ehren der willkommenen Gäste, der Abgesandten der amerikanischen Gesinnungsgenossen. Der „Commander" der „Chovevei Zion" in Ost-London, Herr Joseph P r a g, präsidirte; zu seinen beiden Seiten saßen die Delegirten; außer sonstigen hervorragenden Mitgliedern der hiesigen „Chovevei Zion" war auch Herr T n m i m aus Manchester als Vertreter des dortigen Brudervereines zur Begrüßung der New Jorker Freunde erschienen. Der Vorsitzende eröffnete zur festgesetzten Zeit das Meeting, zu dem schon lange vorher ein zahlreiches, den ganzen Raum mitfammt den Gallerien des Saales füllendes Publikum aus der ganzen Umgebung herbeigeströmt war, mit einigen Begrüßungs-

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