Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 16 (18.8.1891)
- Date
- 1891-08-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 16. Selb st - E m a n c i p a t i o n. rathcs, der dann die Verhandlung weiter führte, hatte nichts anderes zur Folge, als daß sich die Geklagte in folgenden Krastausdrücken: »Daß Dich und alle Juden der Donner erschlage!" Luft machte, ohne auch hiefür vom Herrn Gcrichtsrath zurechtgewiescn zu werden. Notabene ist Fräulein St. eine höchst ehrenwerte und reelle Handelsfrau. — Für die Wahrheit des hier Erzählten steht der Unterzeichnete mit Namen und Ehre ein. M. F r i e d m a n n, Cantor und Religionslehrer. Tarnow, am 10. August 1891. Nach einer kurzen Unterbrechung bin ich nun wieder in der Lage, Manches über den hiesigen bereits von der Statthalterei' genehmigten P a l ä sti n a- Colonisationsverein „A h a w as Z i o n" zu berichten. Das Gründungscomitä hat viele Hunderte hebräisches) polnische und jüdisch-deutsche Aufrufe anfertigen und unter der hiesigen jüdischen Bevölkerung verteilen lasten Die c o n st ituirende P lenarv.ersam mlung ist auf den 16. I. M., 5 Uhr Nachmittags im Lcmberger Hotel ausgeschrieben. Es haben bereits sehr viele angesehene Männer ihren Beitritt angemeldet und ist berechtigte Aussicht vorhanden, daß die Mitgliederzahl eine große sein wird. Nach der Constituirung wird sich der neugewählte Ausschuß mit der sehr wichtigen Frage der weiteren Organisation befasten, von dem richtigen Standpunkte ausgehend, daß Einzelvereine nur sehr wenig leisten können. Es wurden zwei Pläne venüttrt, nämlich der Anschluß an den Wiener Verein „Admath Jeschurun" als Filiale, oder an einen in Galizien zu gründenden Provinzial- Verband. Das erstere wird in dem Falle vorzuziehen sein, wenn sich nicht in den größeren Städten Galiziens eine stattliche Zahl von Vereinen gebildet haben wird. Würde es aber den galizischen Zionisten gelingen den Jndifferenkismus unserer galizischen Stammesgenosten nur halbwegs zu brechen — was bei einer gut einzuleitcnden Agitaüon endlich doch erreicht werden kann, so ist die Schaffung eines galizischen Verbandes vorzuziehen, der sodann in Gemeinschaft mit anderen Provinzialverbänden Oesterreichs einen Centralverband bilden könnte. Melachi. *)Dcr hebräische Aufruf,« dessen Uebersetzung wir leider aus Raummangel zu publicieren nicht in der Lage sind, ist eine Meisterleistung des rühmlichst bekannten hebräischen Schriftstellers, Herrn M. D. B r a n dst ä t t e r, feinerzeitigen Mitarbeiters des S m ol e n s k y'schen „H a s ch a ch a r" Stauislau, den 11. August 1891. Meiner Zusage treu, bin ich in der angenehmen Lage, Ihnen die frohe Mittheilung zu machen, daß auch in meiner Vaterstadt ein jüdisch-nattonaler Verein, ganz nach dem Vorbilde und mit den Tendenzen des Vereines „Zion" in Lemberg, in' Bildung begriffen ist. An der Spitze des Gründungscomitäs stehen achtbare Männer, u. A. auch Doctoren, Ingenieure ü. s. w. Ueber die Fortschritte des nattonalen Unternehmens werde ich Ihnen von Zeit zu Zeit berichten.*) ■ A. Reischcr. *)Wir würden es den Gründer» uahelegen, bei der Statuteuabkasiung die Förderung der Colo n i s a t i o n Palästinas als Haup tzweck des Vereines zu bezeichnen. Die Redaction. Rußland. Elisabethgrad, den 9. August 1391. Die Emigraüon nach Palästina nimmt jetzt mit jedem Tage ab. Eine ganze Reihe von Umständen haben das bewirkt: Erstens die Nachrichten von der großen Noch unter den in Jaffa und Jerusalem weilenden Einwanderern, für die es an Arbeit oder Hülfe fehlt; zweitens, die jedenfalls übertriebenen Gerüchte von „ungeheurer" Steigerung der Bodenpreise und von den Schwie- . rigkeiten überhaupt, mit welchen der Bodenkaus in Palästina verbunden ist; endlich zahlreiche Warnungen seitens der competenten Persönlichkeiten und Anstalten, daß Leute, die keine bedeutende oder ausreichende Mittel haben, nach den; heiligen Lande nicht gehen sollen. Aber selbst viele Bemittelte, welche bisher entschlosten waren, sich in Palästina anzusiedeln, haben jetzt diese ihre Absicht, in Anbettacht des Organisattonsmangels in der Colonisationspraxis und der Unklarheit der Beziehungen zu der türkischen Negierung, aufgegeben. Schließlich haben die Nachrichten von dem erfolgten Verbote der Einwanderung den Ausschlag gegeben. Immer öfter begegnen wir jetzt in den rustischen Zeitungen Berichte über Auswanderung russischer Juden nach Rumänien, Ungarn, der Bucharei, Persien re. Die Massen-Emigration nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die in diesem Jahre ohnehin sehr stark ist, nahm in den letzten Wochen noch mehr zu; schließlich hat in der Millionen zählenden Masse des jüdischen Proletariats in Rußland das Interesse für das argentinische Hilfswerk des B a r o n Hirsch in der letzten Zeit ungemein zugenommen. Noch zur Zeit der rustischen Reise des Sir Arnold White, meldeten sich in sämmtlich von ihm besuchten Ortschaften zahlreiche Candidaten für die Argenttnien-Colonisatton. Seit seiner Abreise hielten die beständigen und detaillirten Mittheilungen der Presse über die Realisirung der Pläne des neuerschicncnen Serubabel das Juteresse des Volkes wach. Jetzt, nach der Nachricht von der behördlichen Bewilligung der Gründung von Hirsch'schen Emigrationscomitäs in Rußland, ist die. Zahl der Personen, welche die Wohlthaten des Barons sofort zu benützen bereit siud, eine noch größere geworden. Fast aus sämmtlichen Städten des jüdischen Ansicdlungsrayons in Rußland gelangen gegenwärttg an Baron Hirsch tausende von Bittschriften wegen Aufnahme der Bittsteller in die Zahl der zukünfttgen Colonisten. Eröffneten heute die Hirsch'schen Comitäs ihre Wirksamkeit, so würden sie leicht und rasch zehntausende Familien werben, welche bereit sind, sofort in das improvisirte, von Baron Hirsch neu entdeckte jüdische Vaterland zu eilen. Es kann jedoch nicht Wunder nehmen, daß die jüdischen Volksmasten in Rußland bei der moralischen Gedrücktheit und ihrem materiellen Elend selbst nach dem Nordpol zu gehen bereit wären, sobald sie sich hiedurch ihrer entsetzlichen, unerträglichen Lage, wenn auch nur für kurze Zeit, entziehen zu können glauben. Was, nun uns, „Chowewej-Zion" in Rußland betrifft, so kann uns die gegenwärtige Verwickeluug als nützliche Erfahrung dienen; sie ist durchaus nicht im Stande, uns zu entmuthigen. 'Wir wissen sehr gut, daß zufällige Hemmnisse und selbst vorübergehende Stockungen eine geschichtliche, nattonale Bewegung, wie die unsrige, im Ernste nicht zu schädigen vermögen. Und so wird auch in maßgebenden Kreisen gegenwärttg energisch für die Aufhebung der erwähnten Beschränkungen und Verbote, so wie für die bestmögliche Organisation der Colonisationssache gearbeitet, und bin ich in der Lage, auf Grund der c o m p e t e n t e st e n Quellen, den Lesern der „S.-E.", mitzutheilen, daß noch vor dem nächsten Winter das Palästina-Colonisattonswerk in eine neue Phase, die der Sicherheit nach außen und der Organisatton nach innen, eingctretcn sein' wird. Den 3. August ist hier der auf Urlaub befindliche Herr Ingenieur Temkin, der Vorstand des Jaffaer Executtv-Comitäs, eingettoffen. Josef Inder. . England. London, den 8. August 1891. Wie „Iewish World" berichtet, hat der Verein „BneIchud a", Colonie H a s s a n, Safcd (die erste jüdische Colonie auf dem jenseitigen Jordanufer) nachfolgenden Appell an die Juden Englands gerichtci: „Wir sind in Palästtna geboren und leben auch dort, und unser einziger Wunsch geht dahin, unser Brod im Schweiße unseres Angesichtes zu essen; sechs Jahre sind vergangen, seitdem wir beschlossen, den Grund zur ersten Colonie jenseits des Jordans zu legen. Das Land ist hier nicht besonders thcuer und wir haben begründete Hoffnung auf eine gute Ernte. Mit der Negierung des Landes schlossen wir bereits einen Contract. Es ist ein Gebiet, wo niemals, seit unsere Väter aus ihrem Lande vertrieben wurden, ein Jude geweilt. Wir hatten große Entbehrungen zu erleiden, bis wir in der Lage kamen, von dem Lande Besitz zu nehmen. Aber nun, dank dem himmlischen Vater, leben wir sicher in unseren Hüten, welche wir. mit unseren eigenen Händen errichten, wie es unsere Nachbarn, die Araber thaten, und wir hoffen, daß der Herr uns helfen wird in Freuden zu ernten, was wir jetzt in Thränen säen. Wir haben keinen anderen Ausweg, als an das edle Herz unserer Brüder zu appelliren sie mögen uns in diesem gegenwärtigen Zustande helfen, und uns doch mit irgend welchen Mitteln an die Hand gehen, damit wir auch im Stande sind, unseren Boden. zu bearbeiten. Wir versichern unsere Brüder, daß das Andenken eines jeden menschenfreundlichen Helfers unvergänglich bestehen wird in der ersten Colonie jenseits des Jordans. Spenden werden dankbarst cntgegengenommcn von Mr. S ch u h mache r, Consul der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Haifa, Palästtna, unter dessen Aufsicht unsere Colonie stcht. Die Unterzeichneten Herren Chaim Bernstein, Aron B e r Stein hard und Samuel C a h a n e gehören dem Vorstande an, Schatzmeister ist Herr Baruch Barer, welcher Einläufe cntgegennimmt und etwaige Anfragen prompt zu beantworten bereit ist. Wir hoffen, daß unsere Brüder diese unsere dringende Bitte nicht unbcrücksichttgt lassen wcr- . den und versichern sie, daß ihre Barmherzigkeit sicher ' belohnt werden wird von dem Allmächtigen, zu dem wir beständig beten für ihr Glück, Heil und Wohlergehen. Türkei. (Palästina.) Jerusalem, 29. Juli 1891. Anfangs dieses Monates wurde die Colonie R o s ch Pi n a h durch den Besuch seiner Excellenz des Vali von B e y r u t h, A z i z P a s ch a, der in Begleitung des Pascha von A k k o erschien, geehrt. Die illustrcn Gäste stiegen im Administrattonshaufe ab und wurden daselbst von den Colonistcnkindern mit hebräischen und arabischen Liedern begrüßt. Bei dem darauf folgenden Male hielt Herr Scheid, der Vertreter des Barons, eine Ansprache, in welcher er auf die ununterbrochene Toleranz des osmanischen Staates gegenüber den Juden hinwies, und ttank auf das Wohl des Sultans, des Großvezirs. und des Vali. Letzterer brachte in Erwiderung des Toastes die Gesundheit des Barons aus und sprach den Wunsch aus, daß die Juden in diesem Lande glücklich werden mögen. Bei Gelegenheit dieses Besuches petttionirten die Colonisten um Anlegung einer Sttaße nach Akko. — Die kleine Colonie M i s ch m a r h a-J a rd e n hat in der kurzen Zeit von sieben Monaten bedeutende Fortschritte gemacht. An der Stelle der ursprünglichen Ziegelhäuser werden jetzt Steinhäuser gebaut. Die Weinberge gedeihen. Die Colonisten sind voll Hoffnung, würden aber noch Unterstützung brauchen. — In R o s ch P i nah baut man eine schöne Synagoge, eine neue Schule und, ein Spital. — Herr Ingenieur T e m k i n, fcer Leiter des Jaffaer Executtvcomitäs hat sich am-14. d. M. zu seiner Reise nach Europa eingeschifft. Eine große Volksmenge geleitete den verdienten Mann zum Hafen. Herr Temkin reist über Constanttnopel in seine Heimat — Elisabethgrad in Rußland — besucht dann Westeuropa und wird schließlich mit . seiner Familie auf seinen Posten zurückkehren.; Amithi