Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 16 (18.8.1891)
- Date
- 1891-08-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Jahre beweisen schon, welchen Nutzen eine,hem- . sige Bevölkerung nach wenigen Jahren von „der; Tabakproduktion, von/. der Seidenzucht, von. der i Baumwolle, von der Anpflanzung von Oelbäume, von dem Fischfänge, von der Ausnützung des gewaltigen Salzlagers des todten Meeres —- das Wasser enthält 12 Procent Kochsalz — von der Kultur der : Südfrüchte :c. ziehen könnte. Jedesmal, wenn man irgend welche Angaben über Hm,; Boden Palästinas liest, ivenn man sieht, 'mit welcher Begeisterung alle Forscher desselben über seine Fruchtbarkeit sich äußern, ivic sie jede Ge- . legenheit wahrnehmen, um das günstigste Urtheil, über unser altes Heim-zu fällen, muß man sich über den Fanatismus wundern, welcher die Antizionisten erfaßt hat, daß sie ihre Ohren verst. pfen, daß sie sich von der Wahrheit abwenden, um nicht gezwungen zu sein, ihre Vorurtheile aufzugeben. . Was das Clima anbetrifft, so könne man sich kaum ein angenehmeres denken. Bon-Anfang Mai bis Ende Oktober ist der Himmel fast ununterbrochen wolkenlos. Die mittlere Temperatur in der Gegend von Jerusalem betrage etwa 17 Grad Cels. und steige höchstens bis zu 33 Grad Celsius. Wian bedenkenoch/ daß ungefähr Zwei-- drittel des Landes im Besitze der türkischen Regierung und einiger Beduinenstämme und noch nicht angebaut seien/ also, „daß die Vorbedingungen einer jeden Colonisation in Syrien durchaus vorhanden sind. > 1) Culturfähiges, nicht angebautes, Land von genügender Ausdchnung. 2) Eine für die Entwicklung der Industrie und des Handels sehr geeignete Lage am mittelländischen Meere. 3) Gute klimatische Verhältnisse." Für uns kommen, meint Hxrr Dr. Bodenhcimcr, allerdings noch einige Punkte hinzu, welche gerade Syrien als besonders geeignet erscheinen lassen, so die Thatsache, daß daselbst keine Rassenantipathie herrsche, 'weil die jüdische Bevölkerung mit der eingeborenen stammverwandt sei, sodann aber sei der Punkt don Bedeutung, daß die auf historischen Gründen beruhende Vorliebe für das heilige Laud den Einwanderern die nöthigc moralische Stütze gewähren werde, um die ersten Schwiengkeiten einer Neuansicdlung leichter zu überwinden. - Darum solle eine Cöloniälgescllschaft als eine englische Acüengcscllschast mit einem Grund-; capital von lOMill. Pf. St. (jede Actie L 50 Pf.) gegründet werden, von denen 10 Mill. für eine Bank für den' Bau von Eisenbahnen, .2 Mill. für eine Landwirtschaftsbank und 2 Mill. für . eine Jndustrialbank zu verwenden seien. „Die Mittel zur Verwirklichung des Planes", heißt es, „so gewaltig die erforderliche Summen auch scheinen mag, werden gewiß nicht fehlen. Warum sollte die Mtwirkung unserer Finanzgrößen für, den Bau einer syrischen Eisenbahn so schwer zu erwerben sein, da doch für andere, weit utopischere' Projekte, wie z. B. das Panama -Unternehmen, viele Hunderte von Millionen nutzlos geopfert worden sind!" Dazu dürfe doch auch; vor allem nicht vergessen werden, daß die Realisirung dieses Planes nicht nur eine L e b e n s frag e f ü r die Glaubensgenossen i n R u ß l au d, sondern für d i e d e r g a n z e n Welt b i I d e. Sonderbar ist es aber, daß der Verfasser durchweg die Idee entwickelt, daß zunächft Eisenbahnen gebaut werden müssen, wodurch allein 20—30X)00 unbemittelter Einwandererfamilien innerhalb dernächsten zehn Jahre, der projcctirten Linie entlang, in-Arbeitercolonien angesiedelt werden können.? In diesen würden sich bie. übrigen Glieder der- Familie mit' dem Ackerbau beschäftigen, und sich, so allmählich an diesen: gewöhnen, während der Vater seinen Haupterwerb Selbst-E mancip ati o w --:-:- durch Beschäftigung beim Bähnbau sindef könnte. Diese,.originelle Ansicht widerspricht vollkommen den 'bisherigen Anschauungen der Zionisten, da auf diese. Weise ganz. andere Elemente in das? Land'hineingezogen-werden , können. Da! aber die Arbeiter hauptsächlich aus Juden bestehen sollen, o ist die Gefahr nicht so groß, dagegen vermag die Colonisatioi) wegen der Schnelligkeit einen jyie;geah>Hn rAyffchrvurzg^zu nehmen; /die Rey-. tabilitat der Eisenbahnen aber sei durch den regen' Personenverkehr (Pilger) und durch die im Aufblühen begriffenen Städte gesichert. , ..Was aber den Betrieb der Landwirtschaft anbelangt,'' so könne eine erfolgreiche Thätigkcit sofort mit folgenden Unternehmungen beginnen: 1) „Austrocknung der Sümpfe am Meromsee und bei Alexandrette und Anlegung von Ackerbau-Colonien daselbst. ' . 2) Anlegung von Ackerbaucolonien am See Liberias, und-Errichtung von Fischzüchtcrcien daselbst. . 3) Anlegung voil Weiilbergcn am Karmclgcbirge und. am Libanon. 4) Fabrikation tünstlicher Düngemittel unter/ Ausnützung, der Mineralien des - .*:■ todten Ätecrcs.- * 5) Kochsalz - Geivinnung aus dein todten Meere.". Auch die Thätigkcit der Jndustriebank bespricht der -Verfasser mit der ihm eigenen Sachlichkeit, indem er darauf hiniveist, daß in Syrien die großen-uralten Handelsstraßen aus Indien, Persien, Afghanistan, Kleinasien und Arabien einmünden, -daß die-Landesproducte durch den Seeweg auf's rascheste mit den europäischen Erzeugnissen vertauscht-werden können, und daß in Folge dessen kein' anderes ' Land so -'sehr geeignet sei, die Vermittlerrolle zwischen ' Asien, Afrika und Europa zu spielen, wie Syrien, wie cs ja auch Jahrhunderte lang der Fall war. Der Autor vergißt auch - nicht;- die . eventuellen Beziehungen zu der Türkei sestzustellen; man überzeugt sich-leicht,- daßin der Brochüre alles bis - auf's Kleinste ausgearbeitet worden ist, alles mit einem - großartigen Scharfblick vorhergesehcn ist. Finden wir hin und wieder-solche Stellen, welche. mit unseren Anschauungen nicht stimmen/ so werden wirdafür durch die Fülle der Projekte, durch die Reichhaltigkeit praktischer Ratschläge überrascht. Wohl selten' - ist ein Palästinenser mit unserem Vaterlande so vertraut;-der Verfasser ist daselbst wirklich-wie zu'Hause, er-kennt jeden Flecken mit der größten Genauigkeit; er wandert auf seinen projectirten Eisenbahnen, als ob er einen Spaziergang durch-feinen- Geburtsort machen, würde. Es ist nur zu bedauern, -daß der Verfasser seinen Plan, ein-größeres Werk über die Colonisirung Syriens auszuarbeiten/welches - nach allen Seiten hin -die Frage behandeln sollte, aufgegeben hat, dacr sonst von den bereits - vorhandenen Colonien ausführliche Angaben bieten könnte. Ungeachtet aller Vorzüge der besprochenen Brochüre sind wir doch, überzeugt, daß der vortrefflich ausgearbeitete Plan. wahrscheinlich nicht nur nicht so. schnell-in Erfüllung gehen, sondern auch , bei den Zionisten ein skeptisches. Kopfschütteln erregen wird. Der ganze Gedanke wird als allzu ° phantastisch verschriee»! werden; indeß war es doch, wohl noch .vor wenigen Jahren kaum glaubhaft; daß ein Geldfürst sich stnden würde, welcher bereitsein -würde, Hunderte von Millionen hinauszuwerfen, uni Experimente an den unglücklichen russischen Juden ineinem wildfremden, halbbarbarischen. Lande. vorzunehmen. Wenn erst eine, allgemeine Volksbewegung alle Juden erfassen wird; dann wird: sichauch in Israel; ein Genie finden,, welches die gewaltige historische Wendung einsehen. wird, welches dem,jüdischen Volke, bevorsteht,/.dann werden sich auch Cap,stalisten.stnden, welche echte Volksmänner sesn, welche nicht der Nr/> 16. Entwicklung des Jndenthums und seinem Wesen zuwiderlaufende Pläne ersinnen, sondern selbst an der Erlösung - ihres Volkes großen Anthcil nehmen werden. Wer 'weiß,- wie lange wir noch zu warten haben? Damit jedoch die Trümmcr Jsraels schneller gesammelt und zu einer harmonischen Einheit werden, ist cs Pflicht der Zionisten, unverändert' iveiter zu predigen, zu predigen, bis der' Mnnd der Gegner, verstumme und das- Na- 'tionaljudenthuin zum Hauptthema, zum modernen Schlagwort der Gesellschaft werde. Wenn' dann jeder Jude beim Erwachen und vor dein Schlafengehen . nur an den Tag der Befreiung, an den Tag der Wiedergeburt und Wiederverjüngung auf klassischem Boden denken wird/ dann werden wir auch Kraft genug besitzen, um dem Zwiespalt und der Uneinigkeit ein Ende zu machen. Man rede sich aber nicht ein, daß . die Zionsidee bloß als humane. Erfolge haben kann;.die Zionsidee ohne den nationalen Gedanken ist eine Seifenbla.se, welche bei., der ersten besten Gelegenheit, sagen wir durch einen M i ß e r f o l g, platzen kann. - Auch der Verfasser der Boschüre. ist,, ohne daß cr das direkt ausspricht, n a t i o n a l; sein Nätionaljudenthum-schwebt zwischenden Zeilen'; ist an seiner Liebe zum jüdischen Volke erkennbar undgibt sich ganz besonders in den Schlußivortcn seines Schriftchens wieder, mit welchen auch wir schließen wollen.... ... . ’ „Wenn dann ein armes Volk, das um seines Glaubens siyfllen/otziie/Rsihe jund, Rastcvon 'Land zu Land gehetzt wird, in Syrien eine Ruhestätte gefunden, wenn dann, durch die -Thätigkcit desselben Handel und Industrie'der-Städte dieses Landes im Laufe der nächsten Jahrzehnte einen neuen Aufschwung nehmen, wenn Jahrhunderte lang verödete Strecken zu neuer Fruchtbarkeit erstehen, wenn Schulen für die Bildung der Heranwachsenden Jugend sorgen und die hebräische Literatur einer neuen Blüthezcit entgegen geht, dann werde,: vielleicht auch die Worte des Dichters und Propheten zur Wahrheit werden: , /'/ „Wer hat solches gehört, wer solches geseh»? Kann ein Land in einem Tage bevölkert werden?.' Ober kann ein Volk auf einmal geboren werden? - Denn cs. kreiset Zion und gebiert ihre Söhne." . . ■ - L. M. Die jüdischen (Kolonien in Palästina?) Von Josef Inder. i. Sichron Mcov. Die Wenigen, welche - bisher die'jüdischen Colonien Palästinas beschrieben haben,**) begannen . regelmäßig mit R i s ch o n l'Z i o n, als der /Perle der Colonien". Das mag daher kommen, daß sie bloß die judäischcn, in unmittelbarer Nähe - von Jaffa gelegenen Ansiedelungen besuchten, unter welchen Ri s cho n l'Ziön thatsächlich die „Perle" genannt zu werden verdient. Wären die Beschreibenden aber auch nach Galiläa vorgedrungen, und hätten da insbesondere der Colonie S ich r o n I a k o b einige Aufmerksamkeit geschenkt, so würden sie sich überzeugt haben, baß eben dieserletzten, wenig ge- *)Der?! ach d r u ck unserer - Originalartikel, spcciell des obigen Aufsatzes, ist nurm i t g e.n a u e r Quellenangabe gestattet. : , Die Nedaction. **)Eine ausführlichere.Beschreibung der Kolonien gibt es bisher überhaupt nicht, weder in' hebräischer, noch in deutscher oderrussischer Sprache, noch im jüdisch-deutschen Jargon.! Die: kurze Connpilationdes. Herrn M. U s s i s ch k i n ist auch sonst recht mangelhaft Obige. eingehende Beschreibung, welche/in mehreren Theilen in der „Selbst-Emancipation" erscheinen wird, - stützt-, sich - auf die im - Sommer des Vorjahresin . P a l ä stck n a-selbst von. mir:empfangenen Eindrücke und angestelltcn Studien.. Der Vcrfasier.