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Selbst-Emancipation · 1891-08-03 · Heft 15 (3.8.1891) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 15 (3.8.1891)
Date
1891-08-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Zwischenperson zwischen dem spendenden Publikum iurd dem Executivcomitä in Jaffa,-dessen Geldfordcrungen er entweder bewilligt oder zurückweist. 3. ) Die Veranlassung der Regierungen von England, Frankreich und der Vereinigten Staaten zur Intervention bei der Pforte behufs Erwirkung von Garantiecn für das Colonisationswerk. Hiezu ist die Vermittlung angesehener Zionsfreunde in den genannten Ländern unverzüglich anzurufen. 4. Die Absendung einer Exped i t i on z u r w i s s e n s ch a f t l i ch e n Erforschung Palästinas und Syriens in geographischer, statistischer und wirthschastlichcr Beziehung. Die Expedition muß ein sorgfältig ausgcarbeitetes Programm haben und , müssen ihre Erfahrungen zur allgemeinen Kenntniß gebrächt werden. * Unsere Sache ist ebenso gerecht als sympatisch. An uns, an unserer Energie und Leistungsfähigkeit liegt ihr Gelingen. Es ist auch zu hoffen, daß diese Energie und Leistungsfähigkeit alle zeitlichen und räumlichen Hinderniffe bewältigen und Ordnung in .unser Unternehmen bringen werden, — aber nur dann, wenn sie jetzt, im paffenden Augenblicke, zur Wirkung kommen. Jetzt oder nie! Joseph Inder. Eli sab eth gr ad, im Juli 1891. Nachbemerkung der Redaction. Wir können nicht umhin, die maßgebenden Kreise auf den vorstehenden Artikel und namentlich die zum Schluffe desselben empfohlenen Maßregeln ausmerksamzu m ach e n. Namentlich stellt sich das Erfordernis einer Oberleitung mit dem Sitze in einer westeuropäischen Großstadt immer mehr als u.n a bro ci«Sfi ax bar. Die diplomatische Intervention bei der Pforte und die Verstärkung des Jaffaer Exccutivcomitäs sind ebenfalls Fragen, denen die Zionsfreunde unverweilt näher treten sollten. Was die Entsendung einer Expedition, nach Palästina-Syrien betrifft, so könnte dieselbe nur den Sinn haben, sich über die Details zu informiren, denn im Allgemeinen steht die Eignung des Landes zur Ansiedlung außer Fragen — Was die Kritik der bisherigen Wirksamkeit der ruffischen Zionsfreunde betrifft, so können wir-im Grunde dem Autor nur Recht geben, wenn er die Kleinlichkeit , der bisherigen Thätigkcit im Gegensätze zu dem, was hätte geschehen sollen und können, : geißelt. Aber er geräth in Widerspruch mit sich selbst, mit seinem eigenen auf das Ganze und Große gerichteten .Wesen, wenn er-sich gegen die abstracte Propaganda ausspricht. Wohl vermuthen wir, daß er .damit nur den wirklich unnützen Phrasenaufwand, nicht aber die unbedingt nothwendige Durchtränkung des Volkes mit den national-jüdischen Wahrheiten meint. Ohne diese Propaganda . hätten wir heute noch, gar nichts erreicht — anderseits würden wir heute gar weit sein, wenn die ruffischen „Zionsfreunde" bei ihrer Agitation auch ein wenig an die außerruffischen Stammesgenoffen, und nicht bloß an ihre eigenen Kreise gedacht hätten. Das Verbot der Pforte. Von vielen Seiten kommt uns aus P a- I ä ft i n a übereinstimmend die Meldung zu, daß die Einwanderung zum Z w e ck e d e r Ansiedlung in Palästina fremden Unterthanen, und speciell Juden fortab nur n ach erw ir kter Erlaub niß der hohen Pforte gestattet ist. Pilger können g e g e n Bürgschaftsleistung sich zwei Wochen im Lande au f halte n., ' Der betreffende Erlaß ist aus von feindlicher Seite eingefädelte Jntriguen zuruckzüführen und ist offenbar auch eine europäische Hand im Spiele, wenn, wie das geschehen ist, angesehene christliche und mohammedanische Bürger bei der Negierung um ein Verbot gegen die Judeneinwanderung petitionirten. Äuch die Rücksicht auf die wirtschaftlichen Gefahren einer Massencinwanderung von Mittellosen mag die Pforte zu ihrer'Verordnung veranlaßt haben. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinden .in Jerusalem haben sich zusammengethän, um Raths zu pflegen und sind zu dem Schluffe gekommen, vor Allem durch den zeitweilig nach Rußland verreisenden Leiter des Jaffacr Executivcomit.s, T e m k i n, die Intervention des Chacham Baschi (Oberrabincrs der Türkei) in Constantinopcl anzurufen' Wir wiffcn nicht, ob das genügen wird. Wir halten das ganze Ercigniß nur für eine unangenehme Episode, zu bereit Ucbcrwindung aber viel und vielseitig gearbeitet werden muß. Darum ans Werk, Zion s freu nd e! Daß dieser Augenblick kommen werde, war vorauszüsehen. Muth und Ausdauer werden über ihn hinwcghelfen; die' türkische Regierung wird sich schließlich doch überzeugen lassen, daß die Ei n w and er u n g der Iu d c n dem Lande und dem Reiche nur Nutzen bringen kö n n e. Zur That aber möge Euch, Zionsfreundc, das Bewußtsein ermüntcrn, daß für die n ä ch st e Z e i t der viel beklagte Erlaß ein Glück für unsere Sache ist. Denn bem 1 weiteren Andrang der mittel- und planlosen Massen ist Einhalt geboten; inzwischen wird den bereits im heiligen Lande befindlichen Hilfsbedürftigen Rettung gebracht und der Boden für die zu ermöglichende weitere Colonisation vorbereitet werden'können. Der durch abnorinalc Verhältniffe verursachte Rothstand wird aufhörcn und so den Zionssrcundcn der falsche Vorwand benommen werden, den sic jetzt gierig aufgreifcn. Zionsfreunde, auf zur Arbeit, zur gemeinsamen Arbeit! Griginal- (Lorrespondenzen. Oesterreich-Ungarn. Wien, den 31. Juli 1891. Da unsere „Selbst-Emancipation" vorläustg leider nur zweimal im Monate erscheint, so können oft Dinge, welche sich knapp nach Schluß des einen Blattes ereignen, erst in_ der nächstfolgenden Nummer mitgetheilt und besprochen werden. So kommen 'wir erst heute dazu,.die große „Judendebatte" zu erwähnen, welche Mitte d. M. bei Bcrathung des Etats des Justizministeriums im Abgeordnetcnhause sich entwickelte. Der Abgeordnete Schneider meinte nämlich in Beziehung auf j üd i s ch e Richter, „es.mache einen eigenthümlichcn Eindruck, menn der christliche Kaiser in einem christlichen Staate durch einen Angehörigen des Volkes aus dem gelobten Lande vertreten würde." Der Justizminister möge nur christliche Mchter ernennen und nur in Processen, in welchen beide Parteien Juden seien, sollten jüdische Beamten fungircn, die man am besten nach Kolonien oder Sniatyn schicken solle. Es kämen viele Fälle vor, in .welchen sich Leute weigern, den Eid in die Hände eines jüdischen Richters abzulegen, er selbst thätc es auch nicht, Justizminister Graf Schönborn sah sich in seiner Antwort auf die Auslaffungen des Mechanikers Schneider veranlaßt, Folgendes zu sagen: .„Er (Schneider) hat sich, ferner auf ein gewisses Gebiet begeben, auf dem sich zu bewegen eigent- ' lich,. wenigstens in .meiner. Stellung, sehr schwer ist. Das muß ich zugebcn, es kann auf diesem Gebiete durch einen M a n g e l a n Takt viel verdorben werden. Worin dieser besteht, wie die einzelnen Fälle da sein können, darüber kann ich mich heute nicht aussprcchcn; es ist Sache einer guten Amtirung, dafür zu sorgen, daß die religiösen Gefühle d e r B e v ö l k e ru n g auch in dieser Beziehung geschont werden, allerdings nicht auf Kosten der staatsgrundgcsctzlich gewährleisteten Gleichberechtigung." Der jüdische Abgeordnete Dr. B y k kritisirt nun die Antwort des Justizministcrs folgendermaßen: „Ich habe wenigstens vom Standpunkte meiner Rcligionsgenossenschaft wenig Grund mit den diesbezüglichen Erklärungen des Justizministcrs zufrieden, zu sein. Das war nicht eine klare Antwort; wir haben einen salonmäßigen Ausdruck von Takt gehört und ein etwas diplomatisches Hinweggchen über die Frage, aber eine klare Acußcrung darüber, wie sich der Minister zu der Frage stellt, haben wir nicht vernommen." Herr Dr. B y k hat eine vornehme Redeweise. Nichtsdestoweniger aber können wir seine gleichzeitig geäußerten Ansichten über den Antisemitismus nur recht naiv finden. Ihm ist der Antisemitismus nur ein „spccifischcs Wiener G cw ä ch s" und „k ü m m e r t i h n v o m Standpunkte des 8 a n d e s G a l i zi c n n i ch l." (Dr. Byk ist nämlich in Brody gewählt.) Sollte man nicht meinen, daß in Galizien die Polen den Juden lirbcvollst um den Hals fallen und ihnen recht viel Achtung bezeugen? Wir haben aber bisher nichts davon gehört und verargen es übrigens den Polen nicht mehr, als den Deutschen, wenn sic ihrer arischen Neigungen nicht Herr werden können. Dr. Byk weiß auch zu berichten: „diese Krankheit ist über Deutschland gckonnncn und dort verschwunden! (Was Sie nicht sagen, Herr Doctor!) sie ist über Ungarn gekommen und cs ist nichts mehr (!) davon dort - zurückgeblieben, jetzt ist sic in das gcmüthliche, gastfreundliche Wien eingekchrt." Zum Schlüsse erhofft Herr Dr. Byk eine Besserung vom — „Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Allerdings, eine hoffnungsreiche Natur, der Herr Abgeordnete aus Brody! - Auch der Wiener jüdische Abgeordnete, Herr Dr. Jacques, hat geglaubt, seine Ideen über den Antisemitismus kundgeben zu müssen. Er citirte eine Acußcrung des berühmten Psychiaters L o m b r o s o: „der Anüsemitismus sei nichts Anderes als eine durch Atavismus herbeigcführte Entwicklungshemmung der Gehirnfunctioneü". Wir haben nichts dagegen, würden aber Herrn Dr. I a c q n e s bitten, einen Atavismus nicht zu unterschätzen, der so weit verbreitet ist, daß Dr. I a c q u e s selbst ausrufen muß: „Der Abgeordnete Schneider hat dem Justizminister an's Herz gelegt, n i cm a l s jüdische R i ch t e r. a n z u st c ll e n. Dies geschieht ohnehin in den alle rseltensten F ä l l e n. Sie werden sich vergeblich umschaüen nach. einem jüdischen Landesgcrichtsrath, Ober-Landcsgcrichtsrath oder Hofrath beim obersten Gerichtshof und wohl auch vergeblich nach einem jüdischen Mnisterialrath oder Sectionschef." — Viel Staub hat hier auch eine Gerichtsverhandlung aufgewirbclt, der Laudesgerichtsrath von G i o n i m a präsidirtc. Angeklagte waren ein Josef G o l d st e i n und ein Samuel .G o l df ar b. Ersterer ist ein sogenanntes''„Gigerl" gewesen und hat sich das Geld für seine noblen Passionen theils durch Börscnspeculationcn, theils durch betrügerisches Gebahren zu verschaffen gewußt. Letzterer ist eine ganz harmlose Golus-Existenz, ein Pferdeagent. . G o l d f a r b wurde freigesprochen, während G o l d st e i n drei Monate Kerker erhielt. Das Alles ist an sich gewiß nicht sensationell. Was. Bewegung hcrvorricf sind vielmehr folgende Aeußerungen des Vorsitzenden v.

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