Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 14 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Bearbeitung nicht sehr erfolgrei ch sein sollen. Die Gegend am Libanon hat im Vergleich zum eigentlichen Palästina weniger guten Boden, aber auch hier sind Ansiedelungen, mil Einsicht angelegt und geleitet, nicht ohne Erfolg. In Palästina halte ich das untere Galiläa mit der Ebene Esdrclon (das alte Jsreel, heute Merdsch Jbn Amr) für den besten Streifen Landes und da sich in Haifa am Carmel ein guter Hafen befindet, dürfte dies vielleicht der für die Anlegung von Colonien geeignetste Boden sein. Auch die Ebene von Saron und von Philistäa (die alte Schephela) sind gute Landstriche. Die gegenwärtige Bevölkerung Palästinas ist klein und bedeutend geringer, als das Land zu ernähren im S t a n d e i st. I n d e n g u t e n Zeiten d e s A l t e r t h u m s iv a r d i e B evölkcrung wahrscheinlich zehnm a l so groß; durchschnittlich kommen heute zehn zerstörte Städte auf ein bewohntes Dorf. Der Getteide-, Wein- und Oelbau hat gegen das Alterthum sehr nachgelaffen, und das Entforsten dürfte eine Verminderung des Regens herbeigcführt haben. Jenseits des Jordans sind vorzügliche Kornfelder in Baschan, und ganz besonders gesund ist die Landschaft Gilcad, dessen Bevölkerung sehr dünn gesäet ist. Gegen die etwaigen Einfälle der nomadisirenden Beduinen, welche sich als Herren dieser Landstriche bettachten (Baschan u. Gilcad nemlich) würden Verträge mit den Häuptlingen ausreichenden Schutz gewähren. Baschan, das noch einer wesentlich größeren Bevölkerungszahl Platz bieten kann, ist weniger reich an Wasier, Gilead hingegen ist sehr gut bewässert, ebenso iin Westjordanlande Galiläa, Samaria und Judäa, westlich von Jerusalem und Hebron." — Der „H a m a g i d" hält den Anonymus S. mit dem anonymen „Eroberer" der „A l I g emein cn Zeitung des Judenthums" (siche vor. dkummer uns. Bl.) identtsch. (König und Volk.) Wie wenig, in einem durchaus konstitutionellen Staate zumindest, die Gesinnung der Krone auf die Gefühle und Leidenschaftein des Volkes Einfluß nehmen könne, hat sich eben anläßlich des 25jährigen Negierungsjubiläums König Karo! I. von Rumänien gezeigt. Daß dieser Monarch seinem antisemitischen Volke nicht nachgcräth, bewies er durch seine zuvorkommende und schmeichelhafte Antwort auf die Gratulaüon des Herrn Dr. G a st e r, den das rumänische Volk trotz feiner hervorragenden Verdienste um die rumänische Sprache und trotz seines Jndigcnats vertrieben hat. Ebenso dankte er in einem äußerst verbindlichen Schreiben dem Obcrcantor der Wiener scphardischen Gemeinde. Herrn Jacob Bauer und dem Chordirigcnten, Herrn Isidor Lö w i t, für die Zusendung eines Ehrenexcmplars ihres allerdings gediegenen Synagogen-Gesangswerkes für sephardischc Genieinden „Schir Hakawod." — Die Juden Rumäniens hatten natürlich allen Grund, einen solchen König anläßlich des Jubiläums desselben zu feiern. Unter den diesbezüglich gehaltenen Predigten ragt die des Herrn Dr. Beck in Bukarest durch Jnhali und Form hervor. (Aus Rußland.) Zn S e b a st o p o l ließ, 'wie wir der „Jüd. Pr." entnehmen, der Chef einer - Conipagnie, welche zum Euipsange der Kaiserin zum Hafen maschieren sollte, sämmtliche Zuden aus den Reihen tteten und in die Kaserne zurückkehrcn, „um der Kaiserin die Unannehmlichkeit, Juden ansehcn zu müssen, zu ersparen." — In Smolensk benachrichtigte der Polizeiminister die Juden, sie müßten entweder die Stadt verlaflen oder den christlichen Glauben annehuien. Daraus beschwor der Rabbiner in der Synagoge die versammelte Gemeinde, dem Glauben der Väter treu zu bleiben. Die Anwesenden gelobten dies ausnahmslos, veräußerten binnen zwei Tagen ihre Habe und verließen die Stadt. Kein e i nzi gcr-Jude trat zZur christli chenKirche j über. — Ein armer Jude in Odessa, dessen Kind; von dem Hunde einer reichen 'Russin gebissen worden j war, erhielt über seine Beschwerde eine brüske Zurecht- J Weisung. Als nun derselbe Hund sein zweites Kind biß, und dieses erkrankte, tödtetc er im Zorne das schuldtragende Tier. Dafür sollte er nun binnen 24 Stunden die Stadt verlassen. Mit großer Mühe gelang es, die Frist auf 4 Tage zu verlängern und schließlich auch den Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen. Hiefür aber mutzte der arme Jude die reiche Russin um Verzeihung bitten. — Zwischen der Regierung und der heiligen Synode ist ein Zwiespalt ausgcbrochcn. Letztere hat verfügt, daß kein Jude zur orthodoxen Kirche überttcten dürfe. Der Justizminister hat hierauf die Prokuratoren angewiesen, den orthodox gewordenen Juden alle Rechte und Privilegien orthodoxer Bürger zu erthcilen. — In Warschau und in anderen polnischen Städten wurden den jüdischen Ausländern eine Frist bestimmt, innerhalb welcher sie russischen Boden zu verlassen haben. — Das Unglück der Juden machen neucstens große Feuersbrünste voll. Solche haben die Städte Anuisk, Radoschkowitsch'Jlija zerstört. Mehr als 10000 Inden sind obdachlos. Rabbi Jsak Elchanan Spector, Rabbiner von Kowno, übernimmt Spenden für die doppelt Unglücklichen. — Man befürchtet, daß die »och nicht verlautbarien Beschlüsse der unter deni Vorsitze des Staatssekretärs Plehwe getagt habenden Confercnz, betteffcnd die Judenfrage, welche dem Ministerium des Innern vorgelegt wurden, noch eine Verschlimmerung der Lage der Juden bedeuten. (Liberale Zeitungen.) In der Magdeburger „Israelitischen Wochenschrift" erzählt ein Korrespondent derselben, welche Irrfahrt er mit 'einer Entgegnung auf einen antisemitischen Artikel des „Ev. S o n n t a g s b l a t t e s" hatte machen müssen. Eine ganze Reihe liberaler, theils von Juden rcdigirter, theils von solchen mit Vorliebe gelesener Tagesblätter refusirte ihm den Aufsatz- bis er ihn schließlich in der spccifisch jüdischen „Jsr. W." uuterbringen mußte. Als vermuthliche Ursache gibt der Correspondent Furcht vor Verringerung der Abonncntcnzahl an. Er wird wohl Recht habe». Es wirft dies aber ein eigenthümlichcs Licht auf den Liberalismus und die Judenfrcundlichkcit dcr Abnehmer dieser liberalen Blätter. (Neues Rabbincrscmiuar.) Der „Josefftädter Bürgerclub" in Prag pctitionirte an das Abgeordnetenhaus um Errichtung eines c z c ch i s ch e n R a b b inerseuiinarS in Prag. (Nene Palästina-Colouifatious-Vereine) sind in der letzten Zeit in B i r ui i n g h a m (England) und in Antwerpen (Belgien) gegründet worden. („Jewish Chronicle") in London plaidirt für die unverzügliche Einsetzung einer permanenten Ce n tral-Com Mission in Angelegenheit der Auswanderung und Anfledlung der russischen Juden. Es meint unter Anderem: „Es müßte dem Berliner Coinite nicht überlassen bleiben, alleinstehend mit einer Frage zu kämpfen, welche nur durch üloßcni Zufall für dasselbe eine locale ist. Es ist dieselbe aber eine wesentlich jüdische Frage und die höchsten Intelligenzen der Judenheit sollten sich v e r e i n i g cn, sie zu lösen. (Druckfehler-Berichtigung.) In die vorletzte Nummer unseres Blattes und zwar in den Artikel „Briefe aus Palästina" hat sich ein horrender Druckfehler eingeschlichen. Nicht ca. 5'/, Millionen m m, sonder» ca. 54',, Mill. Quadr.-Meter soll — dem Berichte des Herru Jac. K o n st a n t i n o w s k y zu Folge — Herr Eliah Scheid vom Protektor der palästinensischen Colonien im Ostjordanlandc anzukaufen beaufttagt sein. — Da die diesbezügliche Nachricht sammt Druckfehler in viele jüdische Zeitschriften und in die Tagcsprcsse Lbcrgegangen ist, so bitten wir die betreffenden Redactionen, auch ihrerseits für Berichtigung Sorge zu tragen. . Literarisches. „mvrr> v'nnK ll'illi" von M. E. . Eisenstadt. Separatabdruck aus dein „Hainagid", Berlin 5651. Der Verfasser rügt in lichtvoller Weise zwei Schattenseiten der modernen hebräischen Literatur, den Mangel an Jugendschriften und den Abgang einer geregelten und genügenden Kritik. Anhangsweise macht er auf das hervorragendste Gebrechen der hebräischen Zeitungsliteratur, die Mitarbeit literarischer Stümper aufmerksam und gibt als Grund dafür die Mittellosigkeit der hebräischen Blätter an, welche nicht im Stande sind, tüchtige Mitarbeiter entsprechend zu honoriren. Lebensbilder und Lebensweisheit, den Sabbath-Abschnitten der Thora entnommen von D. Löwy, Prediger, Wien, 1891. Das erste Heft — das 1. Buch Moses — berechtigt zu den schönsten Erwarttmgcn. Der Verfasser weiß seine unglaubliche Gelehrsamkeit durch eine schöne schwungvolle Sprache populär und interessant zu machen. Das Buch empfiehlt sich besonders.für Rcligionslchrer und Prediger: Die sittlich-religiöse nnd sociale Stellung des Weibes im Jndenthnm von Hermatt E. Kaufmann, Wien 1891. Der Verfasser weist in seiner trefflichen Brochüre an der Hand zahlreicher Quellen nach, daß die jüdische Ehe trotz ihrer polygamischen Form dem Weibe eine höhere gesellschaftliche Stellung verleiht, als die monogamische Ehe bei den arischen Völkern des Alterthums. Er beweist, daß auch die Kirche die Gleichstellung des Weibes nicht gebracht habe und tritt mit Recht für die Auflösbarkeit der Ehe ein. Zu wünschen wäre nur gewesen, wenn der Verfasser neben der dogmatischen auch die historische Seite der Frage mehr berücksichtigt hätte. „Haarez", („Das Land") ein neues von W. Jawitz in Jerusalem herausgegebenes hebräisches Monatsheft, dessen ersten 3 Bände uns vorliegeu. Man konnte von deni rühmlichst bekannten Schriftsteller und Patrioten nichts Anderes erwarten. Alles, Ausstattung und Inhalt ist gediegen. Gute Artikel und eine entschieden zionistische Gesinnung sind die Characteristica der Schrift. Sie soll ja nach der Absicht des Herausgebers eine Warte des wiedererwachenden jüdischen Volkslebens in Palästina, ein Ausdruck der neuen Aera sein. Wir werden „Haarez" hoffentlich öfters citiren. Ueber das Verhältniß der Kirchenväter zur talmudisch - midraschischen Literatur insbesondere zur Hagada von Dr. Griinwald, Bezirksrabbiner in Jungbunzlau. 1891. — Mit gewohnter Wissenschaftlichkeit und Gründlichkeit führt der gelehrte Verfasser Principicn, Vergleiche und Sagen aus den Kirchenvätern auf den Talmud und die Agada zurück, namentlich auf letztere, iu deren Genre die Kirchenväter meist geschrieben sind. — Das 1. Heft, welches uns vorliegt, läßt auf die folgenden begierig sein. „Hazofeh l'beth Israel" betitelt sich eine hebräische Monatsschrift, welche in Krakau unter der Rcdaction des bewährten Schriftstellers,-Herrn Gustav B ad e r , erscheint: Es liegen bereits einige Hefte des neuen Blattes vor und sind alle durch einen'schönen hebräischen Styl, durch eine vornehme Diction und eine belehrende Besprechung der jüdischen, namentlich aber der galizisch-jüdischen Verhältnisse gleich ausgezeichnet. Wir können den „Hazofeh" allen Freunden der hebräischen Sprache nur empfehlen. Er kostet ganzjährig 2 st.