Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 14 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14. Selbst-Emancipation. Seite 7. Sir Lrmcence Oliptzanr und die Lolonisstion Dulästinas.*) OI i p h a n t's Leben ist oft beschrieben worden, besonders in letzterer Zeit, so daß uns nur noch erübrigt, mit wenigen Strichen jene Phase seines Lebens zu zeichnen, deren Andenken dem Judenthume unvergänglich sein sollte. Es wäre ein geivaltigcr Jrrthum, zu glauben, daß sein Interesse für die Angelegenheiten der jüdischen Nation etwa dem Wunsche entsprang, religiöse Prophezeiungen zu rcalisiren. Nichts lag ihm ferner als derartige Gedanken. Zn einem seiner Briefe spottet er selbst über die ehrwürdige Sucht „Prophezeiungen zu erfüllen und das 1000jährige Reich herbeizuführen." „Ich weiß nicht," fügt er hinzu, „warum sie so eifrig letzteres herbeiwünschen." Was ihn eigentlich zu diesem Werke bewogen hat, ist nicht bekannt. Ganz plötzlich verkündete er im Jahre 1878 seinen Plan, von der Pforte die Erlaubniß zur Ansiedlung von Juden in den nördlichen Theilen Palästinas zn erlangen. Bald war er auch mitten in der vollsten Arbeit, correspondirte eifrigst mit Capitain Conder lind anderen 'Autoritäten in der Geographie Palästinas und ließ sich in lange Unterhandlungen mit der Pforte ein. „Lord Beaconsficld und Lord Salisbury", schrieb er damals, „sind meinen Plänen sehr geneigt." Im Frühlinge 1879 machte er sich auf, Canaan näher zu besichtigen, welches er besonders ins Auge gefaßt hatte. Die Ergebnisse dieser Reise veröffentlichte er in dem herrlichen Werke »Ille Land of Gilead», welches nebst den Reizen einer anziehenden Reisebeschreibung die eingehende Würdigung der pflanzlichen und mineralischen Hilfsquellen des Landes Mietet. Hierauf kehrte er nach Constantinopel zurück, um seine diplomatischen Beziehungen fortzusetzen, doch schlugen diese fehl, obgleich sich O l i p h a n t die größte Mühe gab. Sein Unternehmen gelang jedoch auf eine andere Weise. Die Kunde von seinem Plane drang bis zu den Ohren der hart bedrängten Juden in Rußland und Rumänien und gab daselbst neuen Anstoß zur Colonisirung des heiligen Landes. Rasch bildeten sich Gesellschaften, hauptsächlich in Rumänien, und in kurzer Zeit hatte Oliphant die Genugthuung, mehrere jüdische Colonien in Palästina entstehen und so seinen Herzenswunsch verwirklicht zu sehen. Drei Jahre darnach trat ein Wendepunkt in seinem Familienleben ein, und drückender Bande ledig, wendete er sich nun ganz seinem Unternehmen zu, jüdische Colonien in Palästina zu gründen. Er beschloß seinen Wohnsitz ganz und . gar nach, dem „Sonnenlande des Ostens" zu verlegen, und zwar, geschah dies gerade um die Zeit, als in Rußland die schrecklichsten Verfolgungen der Juden wütheten und ganz Europa, entrüstet über die Unmenschlichkeiten, sich beeilte, Gelder für die Rettung der Verfolgten zu sammeln. Laurencc Oliphant^ schloß sich sofort dem »Committee of the Mansion House Fund* *) „Life of Laurence Oliphant“ by Miss O. *\V. Oliphant, London, Blackwood & Sons, 1891. an und erbot sich freiwillig an die österreichischruffische Grenze zu gehen, die dort angesammelten Flüchtlinge zu unterstützen und ihnen die Auswanderung nach Canaan zu ermöglichen. Major G o l d s m i d war bereit ihn zu begleiten, aber das Anerbieten O l i p h an t s fand keinen Anklang; Oliphant machte sich dennoch mit Feuereifer an dieses Rettungswerk und wurde darin noch durch die Ausdehnung, welche die Idee der Colonisation Palästinas in Rumänien erlangt halte, bestärkt. Mitten .in diesen Bestrebungen brachen aber Mißhelligkeiten zwischen ihm und dem »Nansion House» aus, „dessen Absichten bester als die Hilfskräfte waren." „Das Comitä entsendete die Herren S. Montagu und Dr. A s h e r, „und ich sollte da", schreibt er, „die Verantwortung über Anordnungen übernehmen, welche nicht die geringste Aussicht auf Erfolg hatten." Nun wandte er sich eifrigst der Frage der Auswanderung der Juden nach Syrien zu. Artikel um Artikel über diesen Gegenstand ver-' öffentlichte er in den verschiedenen Tagesblättern und Zeitschriften. Er nahm sich einen „einfachen polnischen Juden" als Privatsecretär und trat mit Juden der verschiedensten Weltgegenden in Verbindung. Schließlich nahm er seinen Aufenthalt in Haifa und leitete persönlich das Colonisationswerk, welches sich bald als erfolgreich erwies. Seine Handlungen wurden von einem streng praktischen Scharfblick und gesunden Menschenverstand geleitet. Dieses Werk nahm ihn während der letzten Jahre seines Lebens ganz in Anspruch. Die Bilder, welche uns Miss Oliphant in ihrer Biographie von dem edlen Manne in Haifa und von seinen hochherzigen Thaten und seinem glücklichen Leben unter den jüdischen Colonisten entwirft, gehören zu den anziehendsten Partien des ganzen Buches. Das Judenthum sollte ihr für dieses Werk und für die herzinnigste Theilnahme an der jüdischen Nation ewig Dank, wissen. Der Name Laurence Oliphant aber wohnt nun in den Herzen tausender Juden, denen die Theilnahme des Andersgläubigen ihrer Seltenheit wegen um so höher gilt; und kommt einst der Tag, an welchem das Andenken derer verewigt wird, welche zur Umgestaltung des traurigen Loses'der.Juden beigetragen haben, so wird er von Israel gewiß nicht vergessen werden! (Aus „Jewish World.“) „Admath Jesctzurun", Verein zur Förderung der Colonisation Palästinas. Wien, IX., Müllnergasse 13. Auf die vom Vereine an das Berliner CentralcomitS für ruffische Juden behufs Vorlage bei der neuerlichen Delegirtenconferenz gerichtete, mit beinahe 2000 Unterschriften versehene Petition langte folgendes Antwortschreiben ein: Deutsches Central-Comitö für die russischen Juden. Geschäftsführender Ausschuß. Berlin C., am 8. Juli 1891. Heiligcngeiststraße 40. Dem vcrehrlichen Vereine danken wir herzlich für die uns übersendete Adresse, welche das rege Interesse ergibt, mit dem die Mitglieder des Vereines und ihre Freunde unserem Hilfswerke folgen. Wir haben die Gründe, welche in der Adresse für eine Ansiedlung in Palästina angegeben sind, schon früher wiederholt einer Prüfung unterzogen, bedauern aber Ihnen mittheilen zu müssen, daß wir nach reiflichster Erwägung von der Anlegung eiuer Colonie in Palästina unsererseits Abstand haben nehmen müssen. Wir verfehlen übrigens nicht. Sie darauf aufmerksam zu machen, daß nach den uns aus Men zugegangcnen illachrichten von dort aus eine größere Schaar Auswanderer nach Palästina befördert wird. Mit Hochachtung ‘ Der gcschäftsführcnder Ausschuß: E. Landau, Breslauer, stellv. Vorsitzender. Schriftführer. Dieser Brief stellt authentisch klar, daß das „deutsche Central-Comitä für die russischen Juden" nicht gesonnen ist, das Palästina-Coionisationswerk in den Bereich seiner Thätigkeit zu ziehen. Es erscheint daher angezeigt, fortan jeden Zeit- und Kraftverlust durch Anrufung dieser Corporation zu vermeiden, und alle Energie auf selbstständige Arbeit und Organisation zu verwenden. Was die angeblich von Wien (d. h. von den leitenden jüdischen Kreisen dieser Stadt) ausgehende Beförderung von Auswanderern nach Palästina betrifft, so ist dein Ausschuß des Vereines davon nichts bekannt; jedenfalls aber handelt cs sich nicht um ein organisirtes Hilfswerk in größerem Maßstabe. Die „Beförderung" mittelloser Auswanderer nach dem heiligem Lande aber ist nicht das, was die Zionsfreunde hauptsächlich verlangen. Aus den mit behördlicher Genehmigung geänderten Statuten sind folgende Bestimmungen hervorzuheben: 8 1. Der Verein führt den Namen „Admath Jeschurun“ (Verein zur Förderung der Colonisation Palästinas) und hat seinen Sitz in Wien. Außerhalb Wiens in den im Reichsrathc vertretenen Ländern der österreichischen Monarchie gegründete Vereine mit gleichen! Zwecke können diese,» Vereine als Zweigniederlassungen einverleibt werden, wenn ihre Statuten die Bestimmung enthalten, daß die nach Abzug der Administrations- und Propagirungskosten verbleibenden Gelder nach Schluß eines jede» Vcrwaltungsjahres an die Caffa dieses Vereines abzuführen sind. 8 2. Der Verein bezweckt die Förderung der Colonisation Palästinas durch arme beschäftigungslose Inden. Die Erreichung dieses Zweckes wird angestrebt durch Propagirung der Colonisationsidee und durch finanzielle Unterstützung der Colonisten. 8 3. Wer dem Vereine eine einmalige Summe von 200 fl. ö. W. zuwendet, ist Stifter; wer ihm eine einmalige Summe von 50 fl. ö. W. zuwendr», ist Gründer desselben. Stifter haben für ihre Lebensdauer sämmtliche Rechte der ordentlichen Mitglieder. Gründer haben für ihre Lebensdauer in der Generalversammlung des Vereines eine beratende Stimme. Ordentliches Mitglied kann jede Person von mindestens 18 Jahren werden, die einen jährliche» im Vorhinein zu entrichtenden Betrag von wenigstens 4 fl. ö. W. leistet. Die Beiträge können auch in '/«jährigen anticipativcn Skaten ä 1 fl. ö. W. gezahlt werden. Ist ein solches Mitglied in Wien 2 Quartale, außerhalb Wiens 3 Quartale mit dem Betrage im Rückstände geblieben, so ist es als aus dem Vereine ausgetreten zu betrachten, was ihm vom Ausschüße mitzutheilen ist. Förderer des Vereines sind Personen, die eine» jährlichen Beitrag von weniger als 4 fl. ö. W leisten. Dieselben haben weder actives noch passives Wahlrecht. 8 16. Das Vereinsvermögen wird in der Weise verwendetdas von allen einlaufenden Geldern sofort 40°/, als Fond zur Unterstützung der Colonisten oder zur eventuellen Gründung von Colonien anzulegen ist. Der Rest ist zur Bestreitung der Administrationskosten, zur Propagirung der Colonisationsidee durch Aufrufe in Zeitungen, durch Unterstützung von Zeitschriften, die den Zweck des Vereines fördern und auf andere angemessene Weise zu verwenden. Beschlüsse über diese Ver-