Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 14 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3092672-3092739-3092753--0703-3093684- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 2× ep/1000834
OCR text
Nr! 14. Selbst-Emaneipation. Seite 5. nischen F a chschule, sondern der hiesigen H o chschule angehören. Der Verein, der sich sehr zahlreichen Besuches von Gästen auch seitens anderer Universitäten erfreut, wird zwar in den letzten Tagen 4 Mitglieder dadurch verlieren, daß sie nach Erez Israel gehen, dürfte aber binnen kurzem dennoch so anwachscn, daß es nicht zu lange dauern wird, bis ihm sein jetziges Vereinslocal (Werderstraße 31) zu eng wird. England. London, den 10. Juli 1891. Letzen Sonntag fanden abermals drei zahlreich besuchte Versammlungen der „Chovevei Zion Association" in Manchester, Liverpool und Newcastle statt. Das Meeting zu Manchester, das siebente in rascher Aufeinanderfolge, ließ den allgemeinen Wunsch zur Geltung kommen, das von Tag zu Tag steigende Elend durch rasche Thal zu verringern und die geplante Gründung einer Actiengesellschaft zur Colonisation Palästinas mit einem Capitale von 18.000 Pf. St. vorläufig zu verschieben! Die zur selben Zeit zu Liverpool und Newcastle versammelten Zionsfreunde beschlossen die Gründung von Zweigvereinen der „CH. Z. A." Rumänien. Bukarest, den 10. Juli 1891. Der antisemitische Abgeordnete armenischer Abkunft N. C o a u r A s l a n, hat im Parlament eine wüthende Rede gegen die Juden losgelassen, an deren Schluß er eine Resolution beantragte, in welcher um den Erlaß neuer und Verschärfung älter Restrictivgesetze gegen die Juden, namentlich zur Verhütung jüdischer Einwanderung aus Rußland, gebeten wird. S ä m m t l i ch e p o l i- ' tische Parteien nahmen Rede und Resolutio.n mit tosenden Beifalle auf. — Die Vertreter Rumäniens im Auslande haben in Folge dieser Resolution den Auftrag erhalten, keinem I u d e n den Pass zu v i s i r e n, auch dann nicht, wenn es ein r um ä n i s ch e r Pass ist. Demnach können nicht-natural isirte rumänische Juden, welche vorübergehend in Geschäftsangelegenheiten im Auslände zu weilen bemüssigt sind, nicht in die Heimat zurückkehren. N a t u r a l i s i r t, d. h. mit vollem rumänischen Bürgerrecht ausgestattet, sind aber von beiläufig zweihunderttausend rumänischen Juden nur bei hundert, welche zu diesem Zwecke ein separates Gesetz (im Sinne, welchen dieses Wort in einem Versassungsstaate hat) haben erwirken müssen. Die übrigen 199.900 rumänischen Juden werden officiell als „Fremd e" bezeichnet, obwohl sie militärpflichtig sind. In Paris starb vor wenigen Tagen der judenfreundliche rumänische Parlanientarier Muchail Kopalniceano. Er war es, der seinerzeit die Befreiung der Bauern und die Naturalisirung der Zigeuner, sowie später der Armenier durchsetzte. Rur bezüglich der Juden konnte er trotz aller Bemühungen nichts erreichen. Es ist dies bezeichnend für die Unverwüstlichkeit der Vorurtheile speciell gegen Juden. Hier ist eine neue jüdische Wocheuzeitung unter dem Titel »Emanciparea» (Emancipation) unter der Redaction des Herrn E. San-Cerbo ■ gegründet worden. Tendenz ist die Erstrebung der Naturalisation der Juden. Ob dieses Blatt sein Ziel erreichen wird, ist freilich schon mehr als fraglich. . O. F. Türkei. (Palästina.) Jerusalem, den 2. Juli 1891. Die Arbeiten an der Jaffa-Jerusalem-Eisenbahn schreiten rüstig vonvärts. Die Theilstrecke zwischen Jaffa und Ramleh ist schon fertig und verkehrt zwischen den zwei Städten bereits die Locoinotive. Hier wurde ein serbischer Jude verhaftet, der im Streite mit einem Araber denselben mit der baldigen Eroberung des Landes durch die Russen höhnte. Als ob es nicht genug derlei Narren in Europa gebe, und sie noch zu uns kommen müßten um hier ihren, in türkischem und jüdischem Sinn, unpatriotischen Tratsch abzusetzen. Herr T e m k i n, Leiter des Executivcomitäs, lind Herr C h a n k i n haben sich nach C h a i f a begeben, um dort den Kaufbrief über eine größere Landesstrecke auszufertigen. — Herr Chank i n hat weitere hunderttausend Dunam, ca. 18 Millionen Quadratmeter Boden im Thale Esdraelon gekauft und theilweise schon parcellenweise verkauft. Herr Dr. Jsak d'A r b e l a, Leiter des hiesigen Rothschildspitales und einer der eifrigsten Gesinnungsgenossen, empfielt im „Haor" in Anbetracht der plötzlich über die russischen Juden hereingebrochcnen Katastrophe welche sie zu Tausenden nach dem heiligen Lande treibt, wo dieser unerwartete und unvermittelte Andrang die Bodenpreise ins Unendliche zu steigern und dies Colonisationswerk zu gefährden droht, daß man während dieser stürmischen Zeit die ruffischen Flüchtlinge in einem Palästina benachbart e n Lande, von welchem aus sie regematerielle und moralische Beziehungenzu P a l ä st in a s el b st unterh alte n könnten, ansiedle. Als solches beantragt Dr. d'Arb e la die Palästina ungemein nahe Insel C Ypern. England, dem die Insel gehöre, werde, er habe sich dessen versichert, die Colonisation mit Freuden begrüßen. Dr. d'Arbcla bezeichnet diesen Plan als einen für die Gegenwart und die Zukunft des Zionsgedankens segensreichen. Amithi. Mordamerika. New - Pork, den 27. Juni 1891. Die „Hapisgah" berichtet, daß die Genossenschaft „Sch'wi Zion" bereits die zwei Mitglieder gewählt hat, welche sich zum Bodenankauf nach Palästina begeben sollen. Dieselben sind Herr Rechtsanwalt Adam R o s e n b erg, Obmann der New-'Aorker „Zionsfreunde" und Herr Meyr London. Am 15. Juli werden dieselben New- Iork verlassen. Da „Sch'wi Zion" die beabsichtigte Anzahl von 500 Mitgliedern schon erreicht hat, so werden bereits zwei neue genau auf denselben Grundsätzen beruhende Gesellschaften organisirt. Abraham. (Lhronik. (Aus Korfu) bringen die Tagesblätter wieder ernstere Nachrichten. Man fürchtet besonders vor dem 17. Juli, an welchem Tage Gemeindewahlen stattfinden, die zu Judenexcessen benützt werden dürften. Auch soll der größte Theil der ausgewanderten Juden, nachdem sie bei den Glaubensgenossen in Triest und Odessa kein Entgegenkommen gefunden hätten, zurückgekehrt sein. — Da die Ankunft corfiotischer Inden in verschiedenen Gegenden der europäischen und asiatischen Türkei sowie der nördlichen Küste Afrikas notorisch ist, so scheint es mit dieser „Rückkehr" nicht iveit her zu sein. Möglich ist dagegen, daß sich unsere Stammesbrüder aus Corfu an den Odessaer „Verein zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" — daß sind wohl die „Glaubensgenossen in Odessa" — um Hilfeleistung gewendet haben und kein Resultat erzielten. Wieso auch, wenn man bedenkt, wie gering die Mittel des Vereines bloß angesichts der russisch-jüdischen Hilfsbedürftigen sind? Was aber Triest betrifft, so ist man gegenwärtig im Westen Europas so sehr mit dem quantitativ so ungleich größern Elend der russischen Juden beschäftigt, daß man die Hilferufe der korfiotischen Jsraliten begreiflicherweise überhört. Das darf aber nicht geschehen, und namentlich dürfen Nationaljuden nicht in diesen Fehler verfallen. Zunge und religiöser Ritus darf uns Juden nimmermehr trennen. Es muß daher für russische und griechische Juden zugleich gesorgt werden, und fordern ivir speciell alle Palästina-Colonisationsvereine und die übrigen die Palästina-Colonisation fördernden Factoren auf, die griechischen sowie überhaupt alle anderen von den Streichen des Golus getroffenen Stammesbrüder geradeso ivie die russischen Juden bei der Realisirung ihrer Pläne zu berücksichtigen. (In Palästina) langen wöchentlich 200 bis, 300 arme jüdische Familien aus Rußland an. — Jerusalem ist der Sammelpunkt der Flüchtlinge, unter welchen Arbeitsinangel und in Folge dessen Nahrungsnoth Krankheiten erzeugen. Das Elend der Bedauernswerthen, welche sich trotz aller Warnungen nach Palästina aufmachten, weil sie nicht glauben konnten, daß ihre vermögenden Brüder sie gerade wegen ihrer Liebe zum heiligen L a n d e i m S t i ch e lassen w e r d e n, ist an sich schon beachtenswerth genug. Es darf aber nicht übersehen werden, daß aus diesen planlosen Auswanderungen dem Unt ernehmen d er Co l onis ation Palästinas die größte Gefahr droht. Um diese abzuwenden, sind vor Allem zwei Dinge nothwendig: Erstens die Einleitung einer momentanenHilfsactionzu Gunsten der bereits in Palästina befindlichen armen und beschäftigungslosen rnssischen Juden. Z w e itens eine verstärkte Thätigkeit im Dienste der Colonisationssache selbst, damit es einmal möglich werde, arme Auswanderer in großer Anzahl mit Grund und Boden und Ackergeräthe zu versehen. Bis jetzt geschieht dies nur im beschränktem Maße, weil die vorhandenen Mittel;u gering sind, und die Colonisation selbst ist mehr Privatunternehmen vermögender Zionsfreunde, als V o l k s s a ch e. Wenn aber der Zionsgedanke so viele Tausendearmer Leute beseelt, so ist es unsere Pflicht, solche sicherlich ethisch hochstehende Elemente zu befriedigen und ihnen eine Existenz im heil. Lande zu gründen. („Wider die Palästina-Rekotouisation".) Wir besprechen die sich so betitelnde an das „B c r l i n e r T a g e b l a t t" und die „O este rr e ich i s ch e Wochenschrift" gerichtete Zuschrift eingehend an leitender Stelle. Der Artikel des Herrn S. — soviel verlautbart der anonyme Verfasser von seinem Namen — har in den Kreisen aller Zionsfreunde, selbst der gemäßigtester Richtung, gerechte Entrüstung hervorgerufen. Besonders wacker hält sich die Berliner »Jüdische Presse" , welche namentlich in einer Reihe von Leitartikeln die Einwürfe des anonymen Zionsgegners entkräftet. Sie reproducirt bei dieser Gelegenheit das Urtheil des englisch-christlichen Majors C. R. C o n d r r, eines der hervorragendsten Mitarbeiter an der großen von der Palestine Exploration Society herausgegebenen Karte des westjordanischen Palästina, welches derselbe in einem von „I e w i s h Chronicle" veröffentlichten Schreiben an oie „Chovevey Zion Society" in London ausspricht: „Ich weiß nicht, ob ich unter Colonisten eine Ackerbau- oder eine handeltreibende Classe zu verstehen habe.Gegenwärtig ist Palästina vorwiegend ein zum Ackerbau geeignetes Land. Die Bodenprodukte sind fast dieselben wie in Süd-Italien, auch sein Klima und sein Bodenreichthum kommen dem Italiens gleich und es e x i st i r t somit keine physische Ursache, warum das Land nicht sehr ergiebig und seine