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Selbst-Emancipation · 1891-07-16 · Heft 14 (16.7.1891) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 14 (16.7.1891)
Date
1891-07-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Was nun den transjordanischen Theil Pa-; lästinas anbetrifft, so genügt für den Nachweis, daß derselbe für den Getreidebau geeignet sei, die Thatsachc, daß er noch heute Getreide e x p o rt i r 1. Wenn wir also aus obigen Ausführungen den Schluß ziehen, so finden wir, daß der weitaus größte Theil Palästinas, mehr als sieben Achtel, , fich für den Getreidebau, auch in seinem jetzigen Zustande, unbedingt eignen, während bei dem letzten Achtel nach Ansicht unserer besten Kenner Palästinas es nur von der Hand der Menschen abhängt, auch dies letzte Achtel wieder fruchtbar zu machen. Noch in anderer Weise läßt sich aber unsere Behauptung beweisen. Heute, wo kaum der fünfte Theil Palästinas angebaut ist, lebt die ganze Bevölkerung fast ausschließlich von Weizen, Mais und etwas Reis und ist, trotzdem noch in der Lage, etwas, allerdings nur wenig, Getreide zu exportircn; früher aber hat eine Bevölkerung von wenigstens fünffacher Zahl als die heutige in Palästina gewohnt und sich auch hauptsächlich von Getreide genährt; das Land mußte also ge-- nügend produziren, da zu jener Zeit (in den. Zeiten der jüdischen Richter und Könige) an einen Handelsverkehr mit Getreide und Import desselben nicht gedacht werden kann.— Zum Ueberflusse verweisen wir auf die guten Erfolge, welche die jungen jüdischen Kolonien Ekron, Samarin, Jessud Hamaaleh beim Getreidebau erzielen. Somit glauben wir auch für den principiellen Skeptiker genügenden Beweis erbracht zu haben, daß Palästina zum Getreidebau in ausgedehntem Maße geeignet ist. U. Die mögliche Bevölkerungsdichte Palästinas. Ein zweites Vorurtheil bildet die bange Frage: Wird Palästina nicht zu klein sein, die Einwanderer alle, zu fassen? Wir wollen auch diese Frage "einmal an der Hand der Geschichte und statistischer Daten prüfen. Welches Buch wir auch immer aus dem Alterthum in die Hand nehmen, so wird uns sicher immer die Schilderung frappiren, wie dicht bevölkert Palästina zu jeder Zeit war. 600.000 Männer, d. h. beiläufig 2'/, Millionen Seelen zählten die einwandernden Juden und doch wohnten vermischt unter ihnen die kanaanitischen Stämme und neben ihnen die Philister und Jebusiter k. Zur Zeit Davids waren es gar circa 5 Millionen nach der Schilderung der Bibel und wenn wir dem Josephus glauben, wohnten in Galiläa allein schon 3—4 Millionen. Wer aber diese Zahlen anzweifelt, der beliebe nur die heidnischen Schriftsteller zu lesen, und er wird im Tacitus, Eusebius, Dio Cassius rc. noch weit größere Zahlen finden. Nach Millionen zählt der Verlust, den die Juden in dem Aufstande gegen bie Römer, der mit der Zerstörung des Tempel endigte, erlitten hatten und 60 Jahre später waren sie noch im Stande, neun Millionen im Aufstande Bar Cochbas zu verlieren und trotzdem noch eine dichte Bevölkerung in Palästina zu bilden. Der absoluten Einstimmigkeit aller Berichte, der jüdischen wie der christlichen und der heidnischen, ist logischerweise kein Widerspruch entgegenzusetzen; denn erstens läßt sich nicht annehmen, daß alle diese Schriftsteller übertreiben sollten und zweitens finden sich Beispiele genug, daß im Alterthume und in der Neuzeit auch andere kleine Länder dichte Bevölkerungen aufweisen. Palästina ist zwar nur 500 Quadratmeilen groß, aber die außerordentliche Bodenformatiön, hochansteigende Berge mit tiefen Thälern, eine mittlere Höhe von 2—3000 Fuß über dem Meeresspiegel und auf der einen Seite ein Abfall von 3000 Fuß nach dem Meere und auf der anderen ein Abfall von 4000 Fußnach dem Ghor, vergrößert natürlich die Bodenfläche aus das Doppelte und gestattet bei Terrassenanbau natürlich doppelt so viel Getreide rc. zu produciren, als ein ebenes Land desselben Um' fanges. Warum sollte also Palästina zur Zeit seiner Blüthe nicht 3—5 Millionen gehabt haben, da Attica mit 40 Quadratmeilen 540.000 Seelen, der Peloponnes mit 380 Quadratmeilen 250.000 Seelen und heutzutage Königreich Sachsen mit 272 Quadratmeilen 3,182.000 Seelen und Belgien mit 534 Quadratmeilen 6,030.000 Seelen haben. Wenn aber das Land einst' so viele Bewohner ernährte — noch zur Zeit des Einfalls der Araber (um das Jahr 650 der heutigen Zeitrechnung) war es dicht bevölkert, — heute dagegen 5—600.000 Seelen zählt, so ist daraus unbedingt der Schluß zu ziehen, daß es zur Aufnahme einer großen Einwanderermenge wohl noch fähig ist. Freilich müssen die Einwanderer über Capital verfügen und das Augenmerk der leitenden Personen muß außer aus den Ackerbau auch auf die Schaffung einer Industrie gerichtet sein, damit auch diejenigen unserer Brüder, die kein Capital zum Ackerbau haben, Nahrung finden können. Kann diese Bedingung erfüllt werden, so wird unser heiliges Land wieder wie einst Millionen glücklicher Bewohner ernähren können. W. Bambus. OriginallLorrefpondenzen. O esterreich-Nngarn. Wien, den 14. Juli 1891. An die Personale der Wiener jüdischen Handelshäuser werden Aufrufe, welche zu Spenden für die russischen Glaubensbrüder auffordern, versendet; den Aufrufen, welche von 40 angesehenen Privatbeamten des Handelsfaches unterfertigt find, sind Subscriptionslisten beigeschlossen. Die gesammelten Gelder find an H. Salo T e d e s c o, Chef der Firma Leo Tedesko u. Co. abzuliefern. — Es ist schön, daß wir in Wien endlich so weit gelangt find; es wäre aber zu wünschen, daß die Herren beim Geben nicht stehen bleiben, sondern sich auch mit der Frage der Verwendung der Gelder, sowie Mit dem Studium der russischen Judenstage überhaupt eingehender beschäftigen und nicht in Allem auf die oberen Zehntausend sich verlassen würden. Deutsches Reich. Berlin, den 11. Juli 1891. Während des Julimonates, da sich die ermatteten Menschen aus der schwülen Stadtluft auf's Land zur Erholung begeben und die „Spitzender Gesellschaft" in den Genüssen irgend eines fashionablen Badeortes schwelgen, pflegen selten große Pläne vollzogen zu werden. Sonderbar hat es, sich jedoch gefügt, daß gerade in einem so unpassenden Momente eine so .wichtige . Frage wie die Palästinaidee die Gesellschaft bewegt; es ist ein Zeichen der Zeit, daß das Interesse für das zionistische Programm in steter Progression wächst. Man kann daher mit Recht Voraussagen, daß schon in der nächsten Zukunft bemerkenswerthe Ereignisse in dieser Hinsicht stattfinden werden, da hier die Erörterungen und Austufe der Presse regelmäßig nicht erfolglos sind; die jüdischen Blätter aber treten jetzt zum größten Theile mit Wärme und Eifer für die Colonisation des heiligen Landes ein und fordern schon direct auf, praktisch einzügreifen und durch große Spenden bedeutende Ansiedelungen russischer Juden in Palästina zu schaffen. Wurden auch von den Gegnern., .der Idee Einwände gegen' die praktische Durchführbarkeit derselben erhoben, so sind dieselben bis jetzt ohne Gründlichkeit- und > Sachkenntnis, manchmal-in der naiv- ,sten Weise, geschrieben, so daß sie einerseits auf das denkende . und urtheilsfähige Publicum gar teilte Wirkung auszuübcn vermochten, andererseits aber die Anhänger der Zionsidee zu schärferem und, entschiedenerem. Kampfe herausforderten. Der Umschwung, welcher sich hier in der Judenheit zu Gunsten der palästinensischen Angelegenheit vollzieht, ist selbstverständlich ein ganz anderer, als derjenige im'russischen Israel, aber in einigen Beziehungen weist er doch große Aehnlichkeit auf, indem auch hier seitens der Zionisten und Antizionisten dieselbe Sprache wie in Rußland nach den ersten Judcnhetzen geführt wird; glücklicheriveise haben die Zionsfreunde jetzt noch einen Grund mehr für sich, nämlich den Erfolg der bereits geleisteten Arbeit, wodurch am allerbesten jeglicher Widerspruch niedcrgekäinpft wird. Leider ist aber die ganze Strömung in den weiteren Kreisen des deutschen Judenthums bisher so unbekannt geblieben, daß die Meisten in einen Märchengarten versetzt zu sein glauben, wenn man ihnen etwas von den seltsamen Wünschen und Bestrebungen der östlichen Brüder erzählt. Daran sind übrigens letztere selb st schuld, da sic nichts dazu beigctragen haben, um die nationale Idee bei den Juden im westlichen Europa durch Wort und Schrift heimisch zu machen. Den gegenwärtigen passenden Zeitpunkt aber dürfen die russischen Juden keineswegs unbenützt vorübergehen lassen; jetzt ist wahrlich die beste Gelegenheit vorhanden, um für die Colonisation Palästinas Propaganda zu machen, da die Juden aufgeregt sind und bei energischer Initiative Millionen für Palästina verwenden werden. Heißt es doch, daß vielleicht noch in diesen Tagen eine Palästinagcnossenschaft mit großen Capitalien und eine Agrarbank zu Stande kommen werden; zwar ist es zweifelhaft, ob beide Pläne sich verwirklichen werden, aber es wird sehr viel dafür gearbeitet. Sowie aber einmal die deutschen Juden die Sache in ihre Hände nehmen werden, so wird natürlich wegen der ihnen zu Gute kommenden Beivegungsfreiheit eine geregelte Organisation Platz greifen und die bisherige Zersplitterung ein Ende nehmen. Daher mögen die russischen Juden auf jegliche Weise, sei es durch Petitionen mit Massenunterschriften, sei cs durch Delegirte, den westlichen Juden kundgeben, was sie einzig und allein wünschen und erstreben, was ihrer inneren Natur und ihrer Gesimumg entspricht. L M. Magdeburg, 8. Juli 1891. Die antisemitische Presse mehrt sich jetzt aller Orten in Deutschland. Nachdem vor Kurzem die bis dahin national-liberale „Hessische Morgenzeitung" in Cassel, eines der gelesensten Tagesblätter Hessens, in antisemitische Hände übergegangcn, hat in den letzten Tagen auch die Hanptzeitnng des mir " äußerst dünn von Juden bewohnten Großherzogthnins Oldenburg, das früher der freisinnigen Partei angchörige und sich jetzt „parteilos" nennende „Oldenburger Tageblatt" antisemitische Hetzartikel niedrigster Art gebracht und insbesondere auch unsere unglücklichen, ans Rußland flüchtigen Stammesbrüder verhöhnt □ Dresden, den 13. Juli 1891. In der gcsterigcn Versammlung des „jüdisch-wissenschaftlichen Vereines kam cs nach einem Vorträg über das Thema: „Unter national-jüdischer Fahne" zu einer umso intcr cssantercn Debatte, als Herr Schwarz, ber. selbst länger als ein Jahr im Lande Israel als Colonist gewohnt hat, einigen jungen Leuten (Studenten), die binnen wenigen Wochen in unser Heimatland abrcisen werden, nämlich den Herren R o s c n b l u m, S o ßk i n, M c s ch u r o w s k i, Sieklowsky interessante Mitteilungen über Land und Leute machte. Er vertrat sehr eifrig den Standpunkt, daß A l l e hingchen sollten, ohne Rücksicht darauf, ob sie geeignet seien, gerade Ackerbauer zu -werden. Trotzdem - vertraten die 4 erwähnten Studenten den Standpunkt, man solle wenigstens versuchen, Ackerbauer zu werden; das sei das ideale Ziel, welches uns vorschwebe und auf dar wir losstcücrn müßten. — Im übrigen ist meine letzte Berliner. Korrespondenz dahin zu berichtigen, daß die Mitglieder des Vereines nicht einer tech-

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