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Selbst-Emancipation · 1891-07-02 · Heft 13 (2.7.1891) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 13 (2.7.1891)
Date
1891-07-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13. Selb st-E mancipatio n. Seite 7. geistigen Einheit am besten angebahnt ivird. Der Verein richtet an alle national gesinnten Inden die Bitte, die von ihm gegründete Bibliothek durch Bücherspenden oder aus anderem Wege zu unterstützen. Briefe lind Sendungen sind zu adressiren an: M. Michel Schapiro, pour »vorcke l’chon Zion«, Constantinople. (P a l ä st i n a.) Jaffa, 10. Juni 1891. (Die letzten Nachrichten aus Palästina.) Die diesjährige Anwesenheit des Herrn S ch e i d, des Chefverwalters unseres Gönners, ivird einen entscheidenden Einfluß auf den Gang unseres Werkes üben müssen. Voll Theilnahmc an der sehr kritischen Lage unserer Brüder, welche seit vielen Monaten vergeblich ihrem Zwecke zustreben, versprach er nns, überall, wo nur seine Hilfe nöthig sein wird, nach Möglichkeit einzugreifen. Ans Paris ist der von unserem Protektor geschickte Herr D i s e n g o f f, ein Techniker aus dem Pariser Polytechnicum, der auch in England prakticirt hat. angekommen. Er soll in Rischon l'Zion eine Glasfabrik gründen. Vorläufig sind schon die vorbereitenden Arbeiten in Angriff genonnnen worden. Der Bodenankauf geht langsam vor sich. Es gibt Schwierigkeiten zu überwinden. Bisher haben nur die Gesellschaften aus Moskau und Minsk Erde gekauft. Man spricht auch von der Abschließung eines Kaufes von 120.000 Dunam Erde in Emek Jsreel. Der aus Bialystock hier angelangte Delcgirte, Herr S., hat die Absicht, auf einem geeigneten Orte eine Lederfabrik für Palästina und Syrien zu gründen. Ix. Jaffa, im Juni 1891. (Das Schiff i st d a!) Kommt und sehet Euch wenigstens nur für einen Augenblick die Ankunft eines „Schiffes mit den sich Dtettenbeu" an! Der Riese ist Anker werfend stehen geblieben. Der erste, zweite, zehnte Kahn rudert ans Ufer, Nach wenigen 'Minuten betreten, kaum die Füße schleppend, hunderte von Emigranten, im Glauben, hier endlich Ruhe zu finden, das Ufer. Aber drohend stellen sich ihnen auch hier die Fragen entgegen: Was thun? Wo sucht und findet man Brod? Wo ein Heim? Wo Arbeit? Sie wollen Grund und Boden! Dazu ist ja aber Geld nothwendig — und die Ankömmlinge habenkeines. So lange nicht in Palästina mindestens vierzig bis fünfzig Eolonieu bestehen, — (u n d diese z u s ch a f f e n, wäre die Pflicht der reichen I ud e n, die Red.) — solange sich die Fabriks- und Manufactur-Jndustrie nicht cntioickelt hat, ist hier die Existenz einer mittellosen Arbeitsklaffe unmöglich. Die Colonisation Palästinas mit armen 6n masse einwandernden Menschen durchführen zu wollen, stellt sich in Folge mannigfacher ökonomischer und socialer Bedingungen als eine Unsinnigkeit hin, die im Interesse unserer Sache verhütet werden muß. Jaffa, der einzige Hafen Palästinas, kann nicht einmal dem zehnten Theil derjenigen, die ankominen, Unterkunft gewähren, woraus die traurigsten Folgen erstehen müssen. Die Theuerung der allernöthigsten Gegenstände, der Mangel an Obdach, auch j über Nacht, die mangelnde Möglichkeit, Arbeit! zu finden, droht diese Stadt in ein neues! „Brody"*) mit allen seinen Schrecken zu verwandeln nur mit dem Unterschiede, daß dort der verstorbene Charles Ol etter sich befand, welcher die Flüchtlinge mit allem Nothwendigen versorgte oder weiter beförderte, hier aber niemand ist, der helfen könnte, - (nachdem die europäischen Juden an das Land ihrer Väter sich nicht erinnern wollen, auch jetzt nicht, wo es ihre Brüder aufnehmen sott. Die Red.) M. M—tsch. Mordimieritza. Rew-Aork, den 12. Juni 1891. Am 7. d. M. fand hier in der großen Synagoge der Eldridge-Straße ein vom hiesigen Palästina- Colonisationsverein veranstaltetes Massenmeeting statt, bei welchem die Ethrogim-Angelegenheit besprochen wurde. Die hervorragendsten Zionsfreunde tmserer Stadt, so Rechtsanwalt Adam Rosenberg und Dr. Drachmann sprachen. Schließlich ivurde eine Resolution angenommen, wonach sich alle Anivesenden moralisch verpflichteten, keine Corfu-, sondern Palästina-Ethrogim für das bevorstehende Sukkoih-Fest zu karlfen. Neuerdings wünschten der Genossenschaft „Sch'wi Zion" für Bodenkauf in Palästina weitere Theilnehmer beizutreten. Da aber die intendirte Zahl von 500 Mitgliedern bereits erreicht ist, blieb den sich verspätet Meldenden nichts Anderes übrig, als eine zweite Genossenschaft mir denselben Zwecken zu errichten' und hoffen die Gründer, auch für diese die Theilnehmerzahl 500 zu erreichen. Die Delegirten von „Sch'wi Zion" werden demnächst nach Palästina behufs Bodenankaufes abreisen. Sie iverden auch von dem hiesigen Colonisationsverein ermächtigt sein, für denselben ein Grundstück zu eriverben. lLhronik. (Dr. Adolf Jellinek), Prediger der israelitischer Cultusgemeiude in Wien, feierte am 26. o. M. seinen 70. Geburtstag. Aus Nah und Ferne waren zahlreiche Gratulationen eineingelangt. Dr. Jellinek ist als Gelehrter und als Kanzelredner berühmt und verdient diesen Ruhm. Was seine Parteistellung anbelangt, so ist er eirtschiedener Reformer und Affiinilant und trat seinerzeit für die Streichung der Zionsstellen aus den Gebetbüchern ein.' (Der Rückgang des Antisemitismus.) Bei einer vorige Woche in Wien stattgehabten Betrugsverhandlung fragte ein Geschworner einen Zeugen: „Sie sind aus Papa?" Zeuge: „Ja." Dann weiter: „Wie viel Einwohner hat Papa?" „Ich glaube 40.000" „Sie sind ein Glaubensgenosse des Herrn Selinko (des Angeklagten)?" „Ja." „Wie viele Juden gibt cs in Papa?" „Das weiß ich nicht." (Unglaublich,) wie confuses Zeug noch nach Allem, rvas vorgefallen ist, in Bezug auf jüdische Verhältnisse geschrieben wird. Ein „Eingescndet" an der „Neuzeit" von 19. v. M. hat folgenden Wortlaut: „So viel auch über die traurige Lage der russischen Juden geschrieben wurde, so wurde doch ein Moment nicht hervorgehoben : Die russischen Juden sind zum Theil Märtyrer des Deutschthums! Sie sprechen alle deutsch, wenn auch in einem Dialect und iverden deswegen als ein fremdes Element behandelt. Würden die ruffischen Luden eine slavische *)Nach den russ. Judenhctzen im Jahre 1882. Die Red. Sprache reden, so würde man selbst in Rußland milder gegen sie verfahren. Und ivie lohnen ihnen die Deutschen? Sie haben den Hepp Hcpp-Ruf erfunden, den Antisemitismus in die Welt gesetzt, schüren ihn in Corfu und in Rußland durch ihre geheime Propaganda. Dieser Umstand gibt viel Stoff zum Nachdenken. Ein s l a v i- (Rabbinercomödie.) Dr. Klemperer war bisher Rabbiner der conservativeu Gemeinde in B r o ni b e r g und gab sich als sehr strenggläubig. Jetzt ist er an den Reformtempel nach Berlin berufen worden, feiert den Sonntag als Sabbath, plaidirt für deutsche Gebete und hebt unbedeckten Hauptes die Thora aus. (In Ungarn) fanden in B a t o n y a agrarsocialistischc Unruhen statt, bei welcher die Arbeiter riefen: „Schlagen wir die Herren und die Juden tobt!" (Aus Griechenland.) Aus Corfu ist bereits über ein Viertel der jüdischen Bevölkerung ausgewandert. Der Nest bereitet sich in aller Hast zur Auswanderung vor, da die griechische Bevölkerung in ihrer Feindseligkeit nicht nachgelassen hat und jeden Augenblick die Unruhen wilder beginnen können. — In P atras hatten sich zwei Juden angesiedelt. Sie wurden neulich auf offener Straße mit dem Tode bedroht »nd haben bald darauf aus Furcht vor der feindseligen Bevölkerung die Stadt verlassen. — Auf Anzeige des Rabbiners von Athen hat die Polizei eine dort erscheinende Brochüre „Die Menschenopfer der Juden" beschlagnahmt. (Die Ethrogim-Frage.) Wie Rabbiner Dr. Plato aus Cöln dem „Hamagid" mittheilt, warnt der Oberrabbiner von Corfu, Alexander da Fano, vor dem Verbote der Corfuer Ethrogim aus zwei Gründen. Erstens könnte dieses Verbot die Gehässigkeit der Corfioten noch steigern und zweitens würde den corfischen Juden ein Schade erwachsen, nachdeui einer alten Gepflogenheit gemäß die isr. Gemeinde von Corsu eine Abgabe von den griechischen Ethrogim bezieht, welche sie zu Armenzwecken verwendet. Der „Hamagid" behauptet »nt Recht die Unstichhältigkeit dieser Warnung. WaS die Feindseligkeit der Corsioten betrifft, so könne diese nicht mehr wachsen und sei ohnehin so groß, daß die Juden diese Insel unbedingt werden verlassen müssen. Der Wegfall der erwähnten Abgabe aber könne nicht berücksichtigt werden, da der Bezug der Ethrogim aus Palästina nach dem Urtheile von Fachmännern von unberechenbarer Bedeutung für die ganze Colonisationssache sei, vor dem Interesse der Allgemeinheit aber daS Einzelinteresse zurücktreten müsse. Uebrigens ließen sich ja leicht Mittel finden, um die Armen von Corfu zu entschädigen, einfach schon dadurch, daß die bisherige Abgabe auch von den palästinciisischen Ethrogim den corfischen Juden zugewendet wird. — Betreffs des Bezugs der Ethrogim aus Palästina führt die in Jerusalem erscheinende „Habazeleth" aus. daß die Colonicn vorläufig blos ein Drittel des Bedarfs decke» konnten, freilich aber schon den ganzen Bedarf hätten decken können, wenn ihre Bemühungen, Absatz für Ethrogim zu finden, erfolgreich gewesen und sie mit der Pflanzung derselben sich befaßt hätten. Aber die Juden Europas würden, meint das Jerusalemer Blatt ironisch, erst dann ZionSsreunde, wenn sie die Verhältnisse dazu zwingen, nie ans eigenem 'Antriebe. Wenn die in der „Habazelerh" geäußerte Meinung bezüglich der in Palästina gegenwärtig anfzubringenden Ouantität von Ethrogim richtig ist,*) so müßte für einige Jahre das Manco aus türkische» Gegenden gedeckt werde». (Aus Rußland.) Tie ans Moskau abgeschobcncn Juden müssen aneinandergekettct marschiren. — Die Moskauer Spitäler erhielten den Auftrag, keine kranken Juden aufzunehmen. — Während des Aufenthalts des Kaiserpaares in Moskau durfte sich kein Jude auf den Straßen zeigen. — In *) Wir bitten unsere palästinensischen Berichterstatter um diesbezügliche Aufklärung.

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