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Selbst-Emancipation · 1891-07-02 · Heft 13 (2.7.1891) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 13 (2.7.1891)
Date
1891-07-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. S e l b st - E m an c i p a t t o n. Nr. 13 hier eifrig für die Emigration nach Palästina agitirt, die man jedoch nicht über die Schranken platonischer Wünsche zu bringen vermochte. Ja, der Agitationseifer selbst machte bald einem unbehaglichen Jndifferentismus Platz, weil es den hiesigen Zionisten an der Legalität fehlte, dieselben somit auf ein geordnetes und reges Bereinsleben verzichten mußten. Es gicng dies um so leichter, als die hiesigen Zionisten damals fast ausschließlich ältere Leute orthodoxer Gesinnung, respective viel beschäftigte Bürger waren, während die intelligentere leider aber assimilationssüchtige Jugend für die neue Bewegung weder Sinn, noch irgend ein Interesse hatte. Erst nach 2 bis Zjährigem Stillstände gelang es dem aus hier stammenden, hochverehrter Herrn Ingenieur W. T e m k i n, derzeit Präses des Executiv-Comitck des Odessaer Vereins in Jaffa, neue Lebenskraft unserer hiesigen zionistischen Partei einzuflößen. Vor allem aber hat er sich das hervorragende Verdienst erworben, die hiesige Jugend für die nationale Sache gewonnen zu haben, indem er im Jahre 1885, damals noch Student des Petersburger technologischen Instituts, unermüdlich für die zionistische Idee unter der Jugend Propaganda machte, bis es ihm schließlich gelang, durch seine hinreißende Beredsamkeit und die unwiderlegliche Ueberzeugungskraft seiner Ausführungen den befferen Thcil der hiesigen Intelligenz zu bewegen, sich den Reihen der Zionisten anzuschließen und mit vereinten Kräften für die Sache zu kämpfen, welche einzig und allein geeignet ist, Rettung für Israel zu bieten. Nachdem das Eis des Jndifferentismus einmal soweit gebrochen ist, gewinnt unsere Sache immer weitere Kreise und erfteut sich hier überhaupt einer ftüher ungeahnten Popularität. Auch an äußerlichen Erfolgen fehlt es uns durchaus nicht, denn abgesehen davon, daß wir zur Zeit in Elisabethgrad 300 bis 400 Gesinnungsgenossen auftveisen ,Mnnen, die ihre Geldbeiträge dem Odcffaer Comitö zukommen lassen, werden wir sehr bald, vielleicht schon in diesem Jahre mehr als 100 Familien mit Hab und Gut nach dem heiligen Lande auswandern sehen, um sich dort dem Ackerbau zu widmen. Wieder andere und zwar bester situirte Familien streben ernstlich danach, vorläufig dies- und jenseits des Jordans größere oder kleinere Grundstücke zu erwerben, um sich für jeden Fall eine Zufluchtsstätte für sich oder ihre Nachkommen zu sichern. Zu letzterem Zwecke wurde von hier vor kurzem ein praktischer Landwirth Herr L. nach Palästina abgesandt, mit dem Aufträge, 3000 bis 4000. Dunam Boden in der Gegend von Jaffa, eventuell in der berühmten Jsreel - Ebene unweit von Chaifa zu kaufen; wenn dieser erste Versuch gelingen sollte, so werden demselben sicherlich viele und bedeutendere Aufträge folgen, und ist cs sehr wohl uwglich, daß die hiesigen Zionisten in der nächsten Zukunft über bedeutende Ländereien werden disponiren können. Die Emigration nach dem heiligen Lande würde hier natürlich bis jetzt schon ganz andere Resultate aufweisen können, wenn die intelligenteren Träger des Zionismus sich-hier frei bebewegen und ungehindert für die Sache Propaganda machen dürften; leider fehlt es aber den Zionisten in der Pr o v i n z auch jetzt noch an Legalität, wodurch jede Möglichkeit eines regulären und regeren Vcreinslebens von Vornherein ausgeschlossen ist, was natürlicherweise auch nur beschränkte Geld-Einnahmen zu Colonisationszwccken und eine nur beschränkte Zahl von Gesinnungsgenoffen bedingt. Nichtsdestoweniger sind die hiesigen jüngeren Zionisten, die sich „Bnei Zion" nennen, bestens bestrebt, dem legalen Odessaer Comt^ immer weitere Mitglieder zuzuführen und dieselben zu veranlaffen, die Geldbeiträge dem gedachten officiellen Vereine direct einzusenden, denn wie Sie inzwischen wohl schon werden erfahren haben, ist es den vom Odessaer Eomitö anfänglich bestellten Provinz- Agenten auf Anordnung der Gouverneure polizeilich verboten worden, irgend welche Geldsamlungen zu Gunsten des erivähnten Comitä vorzunehmen. S. E. Daschewsky. Elisabethgrad, den 11. Juni 1891. Ich beeile mich Ihnen, die mir aus bestunterrichteter Quelle soeben aus Palästina zugekommenen Nachrichten über den Stand der Colonisation mitzutheilen. In Verlaufe der letzten zwei Monate sind von russischen Juden, durch die Vermittlung des Executiv-Comitä's in Jaffa, folgende Landstriche in Palästina angekauft worden: 1. E m e k - I s r e e l, und zwar der nördliche Theil der durch ihre Fruchtbarkeit berühmten Ebene. 120.000 Dunam, 20 Francs per Dunam. 2. Djidra, 53.000 Dunam, welche die ganze Küste am Golf zwischen Akka und Kaifa bilden. Der Boden ist hier theilweise sumpfig, die Käufer beabsichtigen daher, ihn sofort zu drainiren. Kaufpreis 15 Francs. 3. E h e d e r a, 27.632 Dunam, 8 Stunden von Jaffa, am' Meere zwischen dem Nähr (Bach) et-Akhdar und Nahr-Zrrka. 18 Francs per Dunam. 4. S e d j r a, im inneren Galiläa, univeit des Berges Tabor, 15.000 Dunam ä 13 Francs. 5. Kephar-Machna im, bei Saffed, ungefähr 10.000 Dunam ä 11 Francs, von Herrn Mas6 für einige Moskauer Familien gekauft. Wegen eines Grundstückes, von ungefähr 30.000 Dunam zwischen Askalon und Gaza im südlichen Palästina steht man gegenwärtig in Unterhandlung. An Käufern von Boden mangelt es überhaupt in Palästina jetzt ganz und gar nicht. So . haben sich auf das oben erwähnte Grundstück in Emek-Jsreel, das, wie gesagt, 120.000 Dunam umfaßt, beim Jaffaer Comitä verschiedene Käufer mit Bestellungen von zusammen 250.000 Dunam schon längst angemeldet. Es gibt in Jaffa Kauflustige von Rußland, welche dort seit 8 und 10 Monaten weilen und noch immer nicht zum Kaufe gekonimen sind. Die Leistungsfähigkeit des Jaffaer Comitä ist gegenüber der gegenwärtigen Mafsenemigration zu schwach. Herr Teinkin, der Vorstand und die Seele des Comites, ist unermüdlich, kann aber als Einzelner nicht'alle Arbeiten bewältigen. Dann ist es ihm, trotz seiner angestrengten Bemühungen noch immer nicht gelungen, die mächtigen Speculantenbandcn, welche große Landstrecken abkaufen, und sie vorläufig gar nicht oder sehr theucr verkaufen, zu unlerdrücken. Auch steigen die Araber täglich mit den Bodenprcisen, je mehr Käufer sie, ankommen sehen. Der E o l o n i s a t i o n s s a ch e wäre d a h e r e i n g r o ße r D i e n st.g e l ei st e t, w e n n alle u n s ere Glaubensg en os s e n, w e l che beabsichtig e n, i n P a l ä st i na E rde zu kaufe n, von n u n a n u i ch t p e r f ö n l i ch hinfa hr e n u n d a u ch N i e m a n d hin s chicken möchte n, s o n dern ihre genauen A u f t r ä g e schriftlich d e m C o m i t s in Jaffa senden w o l l t e n,!we l ch e s dieselben best m ö glich b e s o rgen wird,— jedenfalls unter g ü n st ig e r e n Bedingungen, a l s w e n n die Käufer o d e r i h r e Bevollmächtigten s e l b st n a ch P a l ä st i n a reise n. Joseph J»b.r. Kamenetz Podolsk, 3. Juni 1891. Ich habe Ihnen bereits im vergangenen Winter von dem reichen Juden Herrn S ch o r berichtet, der den. Director des hiesigen städtischen Gymnasiums, Herrn Tirsoff ersuchte, ihm einen christlichen Hauslehrer zu empfehlen. Diese Bitte hatte, wie ich Ihnen ebenfalls mittheilte, zur. Folge, daß der Director den jüdischen Gymnasiasten das Lcctionengeben, ivelches ihnen bisher nach ruffischem Gesetze ohnehin nur in jüdischen Häusern erlaubt war, gänzlich verbot. Man sollte nun meinen, daß die jüdischen Reichep nun wenigstens absolvirte Gymnasiasten, welche von diesem letzt erwähnten Verbote nicht getroffen werden, bei der Wahl ihrer Hauslehrer berücksichtigen würden. Das fällt aber diesen Leuten, in^welchen sich der Geist der Knechtschaft, und der Unterwürfigkeit derart festsetzte, daß sie beim Anblick Alles dessen, was nun vorgeht, gänzlich fühllos bleiben, gar nicht ein. Was kümmert sie das verzweifelte Wehklagen unseres denkenden Proletariats, ivelches der Möglichkeit, seine Bildung zu ergänzen, der Hoffnung auf eine bessere Zukunft beraubt,. nur bitteres Bedauern für die niuthlos vergeudete Vergangenheit hat? daß unsere Reichen dafür sorgen, diese Unglücklichen zur Fortsetzung ihrer Studien nach dem Auslande zu schicken, — wir wollen es gar nicht verlangen. Aber warum den jüdischen Hauslehrern die christlichen vörziehen, welche ohnehin unter den vielen christlichen Familien genug Möglichkeit haben ihr Auskommen zu finden und von den . einheimischen Hochschulen nicht zurückgewiesen werdend Offenbar soll durch solches niedriges Vorgehen die Obrigkeit gewonnen und das Fortkommen der Kinder gesichert werden. Ob das nicht noch mehr Abneigung Hervorrufen kann!? Es ist eine . Schande, daß Juden so handeln, während es andererseits christliche Studenten gibt, die zu Gunsten, ihrer jüdischen Collegcn auf eine Lection verzichten. . K. .X, Türkei. Constarrtinopel, 8. Sivan 5651. Der hier bestehende Verein „Dorsches l'schon Zion" hat eine jüdische Bibliothek gegründet. Er ging hiebei von dem'Gedanken aus, daß eine Einigung der hier so schroff sich gegenüberstehenden jüdischen Parteien mit Rücksicht darauf, als Constantinopel zum Mittelpunkt der auf die Colonisatiön Palästinas gerichteten Thätigkeit werdet! dürfte, unbedingt nothwendig' ist, '.' und - daß eine solche Einigung durch Eeivinnung einer

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