Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 13 (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3092672-3092739-3092752--0693-3093673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
OCR text
Nr. iß leichtertem- Transporte' auch ihren Wetz ins Ausland finden könnten: Der' Hau b e t Palästinas und Syriens ist jetztfehr unbedeutend/ was aber einzig'und allein' auf Rechnung des Mangels einer thätkräfttgen und ihren Aufgaben gewachsenen Verwaltung'des Landes zu sehen ist. Denn Palästina könnte' gerade vcrmögeseiner Lage zwischen 3 Weltth'eilen und neben einer der wichtigsten Seestraßen einen'großartigen Handel' entwickeln. Der Binnenhandel speciell leidet unterdem Mängel an müdernen Straßen — in der letzten'Zeit wird es freilich' diesbezüglich' etwas besser, und werden sogar bereits Schienenwege' gebahnt. Der Scehandel wiederum, der sich in neuerer Zeit doch einigermaßen hob' kann flch deshalb' nicht völlig entwickeln, weil die Regierung den Häfen' zu wenig- Aufmerksamkeit schenkt und außerdem, namentlich in Syrien, der bereits erwähnte Mangel an guten-Verkehrsstraßen die Communicatton zwischen der Küste und dem Lande immer ererschwert. Das südliche Palästina besitzt keinen einzigen guten Hafen, (weshalb sich die jüdische Flotte im rochen Meere befand), aber vom Cap Karmel an ttefe Buchten. Hafenreich dagegen ist die syrische Küste, doch ist dieselbe im Mittelalter cheilweise versumpft. Die wichtigsten Häfen in Palästina sind Iaffa und Akko, in Syrien Beyruth und A l e x a n d r e t t e. Zn Syrien concenürt sich der durch den vorerwähnten Commuuicattonsmangel erschwerte Handel auf Damaskus und Aleppo. Elfteres vermittelt den Handel mit den Beduinenstämmen der großen syrischer Wüste und mit Mesopotamien, letzteres mit Armenien und Kurdistan. Die J,n d u st r i e ist aus den oft angeführten Gründen und wegen der geringen Bevölkerungsdichte höchst unentwickelt, während sie bei günstigeren öffentlichen Zuständen blühen könnte. In Palästina beschränkt sie sich nur auf Handwerk und Hausindustrie, während sie ganz andere Dimensionen annehmen könnte. Hauptsächlich eignen sich zum Fabriksbetrieb.' Zucker, Spiritus, Bier, Öl, Essig- Wem und Essenzen. Das Mühlwesen entwickelt sich schon jetzt. Außerdem wären ick Palästina Gerbereien und' Seifen Stärke-, Filz-, Firnis- und Sodäfabriken/ Salinen u. s. w. am Plätze. Von Bedeutung wären Seiden- und Leinenspinnereien, Insektenpulver-, Baumwoll-, Garn- und Tuchfabrikatton. Glas- und Steinwaären könnten ebenfalls im Lande erzeugt werden; ebenso könnte die Töpferei und Ziegelbrennerei in ziemlich großem Maßstabe betrieben werden. Bon ganz besonderer Wichtigkeit wäre ober die Papierfabrikatton. In Syrien hat die Jstdüstrie wegen des Metall- und KohlenreichthUms noch eine weit größere Zukunft. Palästina und Syrien könnten im Allgegememen aussühren: Wein, Rosinen, Öl, Oliven, Feigen, Kastanien, Aprikosen und Aprikofenkerne, ändere Südfrüchte, Hulsensrüchte, Mohn, Tabäk, Anis, Leinensamen, Flachs, Safran, Caroben, Süßholz, Pistazien und Hopfen, Häute, Felle, Wolle, Kameelhaar, Milchprodukte und Fleischconserven, Honig, Wachs/ Sträußfedern, Eier, Seide, Seidenraupensamen, Cochenille, Galläpfel/ Kork/ Schwämme, Korallen, Muscheln, S e'lb'st'- Em'a^n'c i p äk i on. Meerschäum;' als Jndüstrieerzeugnisse: Spiritus, Feigenkäffee, Opium, Zucker, Salz, Balsam, Seife, Tuche, Baumwoll- und Leinenwaaren, Seidenstoffe, Kleidungsstücke, Papier, Glas-, Topf¬ und Steinwaaren/ Seilerarbeiten, Kali, Harz, Firniß/ Soda, Theer. Palästina böte außerdem noch folgende' Exportartikel: Datteln, Bananen, Schwefel, Asphalt, Kalk und Kreide; Syrien allein: Getreide, Mehl/ Eisen, Metallwaaren ic Die Importartikel sind nach dem Vorhergehenden leicht zusammenzustellen. Die Gegenstände der höheren Cultur müßten nur anfänglich aus dem Auslande bezogen werden. (Schluß folgt.) Original- (Lorrespsndenzen. Oesterreich-Ungarn. Wie«, den 29. Juni 1891. Die Antisemiten im Parlamente haben den Antrag auf Erlassung eines Gesetzes nach Art der uordämerikanischcn Chinescnbill gegen die Einwanderung der russischen Juden eingebracht. — Auf der hiesigen Börse wurden 20.000 fl. für die russischen Juden gesammelt. Dieser Betrag wurde der „Israel. Allianz" zur Verfügung gestellt. Auch in anderen Städten Oesterreich-Ungarns wurden Sammlungen veranstäÜet. — Eine tiefere Erkenntnis der Sachlage zeigt sich hier allerdings fast gar nicht. Wien, den 29. Juni 1891. Der Palästina- Colonijattons-Verein „Admath Jeschurun" macht Anstrengungen, um die für seine Bestrebungen so günstigen Zeitumstände äuszunützen. Den von ihm versendeten Aufruf haben die „Wiener Allgemeine Zeitung", die „Oesterreichische Wochenschrift" und . der „Wiener Israelit" vollinhaltlich abgtdrückt, während die „Reue Freie Presse" und das „Neue Wiener Tagblatt" desselben Erwähnung thaten. Der Aufruf hat recht respectable Erfolge aufzuweisen, namentlich ist aus mehreren Orten die Gründung von Zweigvereinen angezeigt worden. Auch hat der Verein eine Petttton an die Berliner Delegirten - Confer enz wegen Unterstützung der Palästina-Colonisation verfaßt, sammelt Massenunterschriften für dieselbe und ist im Begriffe, die Petition abzusendcn. Hoffentlich wird es dem „Admath Jeschurun" jetzt endlich gelingen, in die Indolenz der österreichischen Judenheit eine bemerkenswerthe Bresche zu schlagen. — (Im Berichte über den Verein „Admath Jeschurun" in der letzten Nummer des Blattes ist zu berichtigen, daß Herr Ch. D. Lippe nicht zum 2. Präses, sondern zum 2. Vicepräses gewählt wurde.) da. (A. L ) Lemberg, am 18. Sivan 5651. Unsere Polen „mosaischer Confession" blicken mit Stolz auf den jungen und talentirten Schriftsteller W i l h e l m F e l d m a n n, welchen sie als einen der tüchtigsten Wortführer ihrer Partei ansehen/*) Wie ernst es jedoch Herr Feldmann mit der „mosaischen Confession" meint, mögen nachstehende Zeilen beweisen. Herr Feldmann hat sich gegenwärtig vor dem Gerichte in Krakan wegen socialistischer Umtriebe zu verantworten, und hat bei dieser Gelegenheit, ein sehr interessantes und cbarakteristisches Geständniß abgelegt. Vom Richter befragt, zu welchen G l a u b e n er *)Herr Feldmann ist auch provisorischer Sccretar des Baron Hirsch'schen Hilfscomitös in Krakau: Die Redaction. sich bekenne, erklärte der Angeklagte, daß er zwar „offiziell" der mosaischen Religion angehöre, in Wirklichteit aber confess ionslos sei. Sapienti sat! In der hiesigen Cultusgeineinde stellte einer unserer Gesinnungsgenossen den Antrag, daß ein Comitä zur Unterstützung der verfolgten russischen Juden gegründet werde. Dieser Antrag fand jedoch keine Gunst in den Augen einiger Cultusräthe, welche erklärten, daß, falls in Lemberg ein größeres öffentliches Unterstützungscomit6 bestünde, die russischen Juden ihren Weg durch Galizien nehmen würden, wodurch man — der polnischen Presse Stoff zur Beschimpfung der- Juden geben könnte. — Diese ehrenwcrthen Herren sind aber der. Ansicht, daß nur ein gehcimes(?) Unterstützungscomitä bestehen soll, welches die russischen Juden, wenn sich zufälliger Weise einer von ihnen nach Galizien verirren sollte, unterstützen möge. VeutscheF Deich. o Berlin, den 20. Juni 1891. Je mehr die deutschen Juden sich' nicht nur mit den Urteutonen, sondern direkt mit einer Partei, den Deutschfreisimngen indentifizieren möchten, um so mehr muß man darauf Hinweisen, daß diese Partei wohl offiziell judenfreundlich sein mag, daß aber jemand sehr wohl eine leitende Stelle in derselben einnehmen kann, ohne seinen Liberalismus auf die Juden ausdehnen zu müssen. Ein Ereignis aus den jüngsten Tagen ist diesbezüglich bezeichnend genug. Die liberale „Bossische Zeitung" entließ einen Redacteur, Herrn Marx wegen seiner Zugehörigkeit zum I u d e n t h u m. Die von dem Führer der Deutschsrcisinnigen redigirte „Frels. Ztg." behauptete in ihrem „Briefkasten", Herr Marx sei wegen Unfähigkeit entlassen worden, während die mehrfach angegriffene „Boss. Ztg." selbst, sich über die Sache gar nicht äußerte. Die demokrattsche „Berliner Zeitung" erzählt nun den Hergang bei der Entlassung und geht aus dieser Erzählung klar hervor, daß Marx blos wegen seines „Glaubens" seine Stellung verlor! □ Berlin den 22. Juni 1891. Es dürfte die Leser unserer „S.-E." interessieren,-daß in Dresden von jüdischen Studierenden der dorttgen technischen Fachschule ein „ jüdisch-wissenschaftl. Verein" zur Pflege des nationalen Judenthums nach dem Muster des hiesigen großen russisch-jüdisch-wissenschaftlichen Vereins begründet worden ist. Einstweilen zählt derselbe schon, nachdem er kaum entstanden ist, etwa 16 Mitglieder. Dieselben suchen ihre Nationalität äußerlich besonders mich dadurch zu dokumentieren, daß sie an ihren Uhrketten ein „Mögen David" tragen. Privatbriefe aus Warschau fordern hiesige Juden auf, in Deutschland eine jüdische Agrarbank zu gründen, was in Rußland aus naheliegenden Gründen unmöglich sei. Dadurch würden auch weniger bemittelte Personen in der Lage sein, sich als Ackerbauer ansässig zu machen. Die dazu nöthigen Capitalien würden die russischen und polnischen Juden allein beschaffen, nur Namen und Gründung müsse man vom Auslande verlangen. Eine baldige Einrichtung dieser Art wäre auch im Interesse der Colonisation Palästinas zu wünschen. □ Berlin, 24. Juni 1891. Heute Dienstag löste sich das Charlottenburger Hilsscomitä auf, um durch Grenzcomitäs ersetzt zu werden. Charlottenburg bei Berlin, den 15. Juni 1891. In der Zeit bis 10. Juni sind hier ungefähr 55.000 jüdische und 1500