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Selbst-Emancipation · 1891-07-02 · Heft 13 (2.7.1891) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 13 (2.7.1891)
Date
1891-07-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13. Selbst-Emancipat. io n. Seite 3. „in manchen außerrussischen Ländern" an Selbsthilfe denken, um ihre mit Füßen getretene Menschenwürde nach Kräften zu vcrtheidigen. Am Schlüsse des übrigens äußerst geistvollen und interessanten Artikels erklärt sich der anonyme Verfasser bereit, einem ans hervorragenden Männern des Judeuthums gebildeten Comitä bestimmte Vorschläge zu machen, damit das Projekt verwirklicht iverden könne. Die Redactiön, welche mit der Zuschrift sich nicht „i n allen Thailen identisiziren" möchte, fügt hinzu: „Wenn auch der Plan im ersten Augenblick als ein etwas abenteuerlicher erscheint, so würde er dieses Gepräge in dem Augenblick verlieren, wo der Verfasser aus seiner jetzt berechtigten Anonymität hcrausträte." Dieses Project einer offenbar bedeutenden Persönlichkeit, welches sich nur der Grundidee nach mit dem Zionsgedanken deckt, nicht aber, was die Art der Ausführung betrifft, blieb selbstverständlich nicht unbeantwortet. Gleich in der nächsten Nummer beeilte sich jemand dem Vorschläge entgegenzutreten. „Es ist nicht das Abenteuerliche des Gedankens", sagt der Betreffende, was meiner Meinung nach seine Abweisung zur Pflicht macht. In der Geschichte des jüdischen Volkes haben sich schon so viele wunderbare Dinge zugetragen, es ereignet sich noch immer so viel Seltsames, daß auch in diesem Falle das anscheinend Unerreichbare vielleicht Wirklichkeit werden, könnte." „Aber ein Act äußerer Gewalt, ausgeführt von Juden zur Errichtung eines jüdischen Meiches würde einen schlechten Abschluß der tausendjährigen Passionsgeschichte Israels bilden." Jndeß findet auch dieser anonyme Gegner des anonymen Eroberers „die Gründung eines Gemeinwesens auf friedlichem Wege unbedenklich." „Wir sind müde," meint er „und dürfen uns ans das Altentheil zurückziehen, nachdem wir Jahrhunderte lang Märtyrer der Gewissensfreiheit gewesen, nachdem wir so lange der Civilisation den Dienst geleistet haben, eine standhafte Minorität zu sein." In der letzten Nummer der'„Allg. Ztg. d. Jud." wendet sich nun wieder der erste Anonymus gegen den ziveiten in äußerst geschickter und scharfer Weise. Sätze wie „Jene, denen die ägyptischen Fleischtöpfe mit einer eingebildeten Enltnraufgabe lieber sind, als menschenwürdige Freiheit und Unabhängigkeit"; „Die Väter, die ihrer Habe beraubt, sich von ihren armen Kindern trennen müssen, kann man nicht mit der „Mission des Judenthums abspcisen «vollen"; „das hindert nicht, daß die Fleischtopftheoretiker an ihrer edlen Mission, „Unrecht zu leiden und für die Gewissensfreiheit zu dulden", eifrig fcsthalten und ihr treu bleiben können" liest man gerne zur Abwechslung einmal in der „Allg. Ztg. d. Judenth." statt in der „Selbst-Emancipation." Wenn aber der Mann, der diese Sätze schrieb, sich gleichzeitig gegen Palästina ausspricht, dessen Wahl «vegcn der in demselben befindlicher Heiligthümer der Christenheit für die Juden nach seiner Meinung ein Unglück wäre, so ist leicht zn ersehen, daß er der Zionsbeivegnng nur deshalb ferne steht, «veil er die Dimensionen dieser Strömung und ihre «noralische Macht nicht kennt. Er bleibt sich auch als kühner, unerschrockener Politiker, als Verfechter eines kraftstrotzenden, acliven Judenthums nicht consequent, «venu er da, >vo so viel für eine Sache spricht, durch ein Hinderniß mehr sich zurückschrecken läßt. Gleichzeitig mit dein letzt erivähnten Artikel ist eine umfangreiche Broschüre, betitelt „Syrien" (d. h. Syrien und Palästina) von Dr. jur. M. I. Bodenheim er in Hamburgs erschienen, welche von allen Seiten die Colonisation Palästinas beleucher. Schon .diesmal fei -es uns *) Verlag des ifr. Familienblattes „Menorah." vergönnt, heroorzuheben, daß die erivähnte Broschüre mit Sachkenntniß und gründlich geschrieben ivordeu ist. In begeisterter Weise sucht der Verfasser die palästinische Idee zugleich mit einem großen Vorschläge zu entwickeln. Wer «vill angesichts dieser regen Thätigkeit leugnen, daß die nationale Idee, bei cousequenter Propaganda und unermüdlicher Agitation bald gebietend sein «vird. Leider haben die Pioniriere der zionistischen Sache zu viel auf die subjective Arbeit, auf die eigene Aufopferung, zu «venig aber auf die Erweckung der öffentlichen Stimine gegeben. Europa kann die Bestrebungen der. geplagten Juden viel eher als diese selbst zur Wirklichkeit machen, aber Europa muß daran immer gemahnt werden. Nach genauen Informationen können wir berichten, daß das „Centralcomitä für die russischen Juden" in seiner ersten Conferenz noch gar keine Entschlüsse eingreifender Statur gefaßt, sondern sich zunächst mir dein' augenblicklichen Hilfsiverke beschäftigt hat. Die definitive Lösung der Frage des Colonisationsgebietes ist bis zur nächsten Conferenz ausgeschoben, auf ivelcher mehrere Vertreter der russischen Juden amvesend sein iverden.*) Ueberhaupt begeben sich mehrere Zions freunde aus dem Osten nach den europäischen Hauptstädten, um de» Plan einer Agrarbank der von verschiedenen Seiten jetzt angeregt wird, zu verwirklichen. Dieselbe Idee wurde auch in der Petition der Berliner russischjüdischen Studenten an das Centralcomitä vertreten. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß diese Petition von vielen jüdischen Blättern abgedruckt wurde, — in den „Daily News" wurde in einem längeren Telegramm darüber berichtet — und in jüdischen, sowie arischen Kreisen sehr großes Aufsehen erregt und Anklaug gefunden hat. . _ L. M. Palästina und Syrien. Eine geographische Skizze von M. Sz. (Fortsetzung.) Die Viehzucht war in Palästina und Syrien stets einer der wichtigsten Theile der Landwirthschaft. Gezüchtet werden in Palästina besonders Rinder, Schafe und Ziegen, sowie Maulthiere. Kameele werden hauptsächlich von den 'Nomaden und Karawanenführern, wenig von den Bauern gehalten. Die Rinder, sind jetzt klein und knochig. Dagegen liefern die Schafe sehr gute Wolle, welche hauptsächlich nach Amerika ausgesührt wird. Einen noch «vichtigcren Exportartikel bilden die meistens nach Frankreich ausgeführten Häute. Außerdem liefert die Viehzucht Milch, Kameelhaar, Fleisch und Milchprodukte. Letztere aber werden selten geivonnen. (Der Fettkäse ist fast unbekannt.) Im Ganzen «vird die Viehzucht nicht in dem Maße betrieben, als sie nach der Beschaffenheit des Landes betrieben iverden könnte, ivobei zu bemerken ist, daß in Palästina Viehseuchen und Vichkrankheiten selten Vorkommen und das Vieh von Jnsecten nicht zu leiden hat. Syrien weist in Bezug ans Viehzucht ganz ähnliche Verhältnisse auf. Zu erwähnen rväre nur, daß Syrien eine *)Von anderer zuverlässiger Seite geht uns in Ergänzung des obigen die Nachricht zu, daß die erste Conferenz beschlossen habe, zu einer ziveiten Conferenz die Herren L. Pinsker aus Odessa und S. Mohiliwer aus Bialystock einzuladen, um deren Gutachten über Palästina, das in den englischen Theilnehmern der Conferenz eifrige Fürsprecher fand, zu hören. Die Redacrion. besondere Schaf- und Ziegenrace besitzt, «velche geschätzte Lamm- und Zickleinfelle liefert. Die Geflügelzucht erstreckt sich auf Hühner, Enten, Tauben, indische Hühner und Gänse. Sehr geeignet «väre Palästina für die Straußenzucht. (Letztere ist gegemvärtig ein Haupteinkommensziveig der Einwohner Kaplands. obwohl. sie. dort erst im Jahre 1860 begann und erst seit 1870 rationell betrieben wird.) Die Bienenzucht ist bedeutend. 'Noch wichtiger wird in neuerer Zeit die Seidenraupenz u ch t, mithin auch die Maulbeerbaumcultur, welche erst unlängst in Palästina begonnen wurde, im Libanon jedoch schon seit den Kreuzzügen der ivichtigste Erwerbsziveig der Einwohner ist. Die Cochenillezucht könnte in Palästina sehr gut ge- Die Jagd ist in Palästina und Syrien gegemvärtig nicht lohnend. Das hängt mit dem Stande der F o r ft cultur zusammen, . die Alles zu wünschen übrig läßt. Es ist ein rücksichtsloses Waldausbeutungssystcm seit Jahrhunderten und bezüglich der wenigen Waldungsreste noch heute in Geltung. Dagegen steht fest, daß die ivestlichen Abhänge der Hochebenen wieder leicht beivaldet iverden könnten. Es thut hier, wie in tausend anderen Fällen, nichts Anderes noth als eine strammere und von wirthschaftlichen Grundsätzen ausgehende Verwaltung. Ergiebig ist die Fischerei. Die Süßwasserfischerei wurde im Alterrhum, besonders auf dem Genezarethsee, rationell betrieben. Auch heute ist dieser, soivie der Jordan sainmt seinen Nebenflüssen äußerst fischreich, aber der Fischfang wird dort «venig betrieben. Dagegen hat die Seefischerei auch derzeit eine große Bedeutung, für Palästina soivohl als besonders für die syrische Küste. Es werden Seefische für den inländischen Verbrauch gefangen, außerdein Schwämme, Korallen und Meerschaum gefischt. In der neueren Zeit ist man auf die zahlreichen Austernbänke aufmerksam geworden^ Der Bergbau erfreute sich.in Palästina nie großer Bedeutung. Von der Ausbeute ctiva vorhandener Metalle «var nie die Rede. In ungeheuren Mengen finden sich Asphalt imd Salz am todten Meere, Schivefel auf dem vulkanischen Boden Golans, Kalk und Kreide im ganzen Lande. Außerdem kommen noch in geringen Mengen Natrium und Salpeter vor. Weit «vichtiger ist der Bergbau in Syrien, woselbst er aber auch durch . öffentliche Mißstände in Verfall gerieth. Die in Libanon gewonnene Kohle war noch bis 1870 im Lande als Brennmaterial verwendet, und erst der Einsturz der Bergwerke «nachte dem Ausbeuten derselben vorläufig ein Ende. Der aus dem Eisenerze bei Damaskus gewonnene Stahl hat bis in die Neuzeit seinen Ruhm be- «vährt. So finden sich Kohle und Eisen, die Hauptbedingnisse des modernen Lebens, dicht neben einander. Kupfer ist zwar häufig, «vird aber jetzt nicht ausgeheutet. Edle Metalle sind nicht vorhanden. Ein «vichtiger Ausfuhrartikel ist Erdpech, «velches in Europa zur Bereitung von Firnis dient. Großen Reichthum, besitzen Palästina und Syrien an Bau- und Werksteinen, welche bei er«

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