Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 12 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Selb st-Em an c i p ä t i o n. Herr Josef Pines, Buchhalter aus Rzani, Rußland, Grodn. Gouv. Frau Jenny Dycgo t, 50 Jahre alt, sammt E m i l i e und An n a Dy e g o t, 20 resp. 19 Jahre alt, aus Bialystock in Rußland zu der in Palästina befindlichen Familie. Zwei dieser Damen haben in Wien den Hebammencurs mit Erfolg absolvirt und wird eine derselben in der Colonie Rischon le Zion practicircn. Herr David Leib K o h n aus Lodz in Russisch-Polen, 38 Jahre alt, verheiratet. Vermögend. Will Landwirt ,verden. (Auf seinen Bericht hin dürsten circa 100 Personen aus seiner Heimatsstadt auswandern.) Herr Rüben K iv i tz aus Szogarrcn, Rußland, Koivn. Gouv., ledig, 23 Jahre alt und Herr Wolf R i p k i n aus Malat, Rußland, Wiln. Gouv., ledig, 22 Jahre alt, beide. bemittelt, wollen in Palästina Ackerbau treiben. Herr Hermann R o s e n b e r g aus Riga, Ikußlaud, ledig, bemittelt. Herr Uscher Gross, Tischlermeister aus Tiraspol bei Odessa in Rußland. Verheiratet, Vater von drei Kindern, geht aber vorerst allein nach Palästina. Bauer. Gesinnungsgenossen! Die „Selbst-Emaneipation" ist das einzige Organ in deutscher Sprache, welches unsere Ideen entschieden und folgerichtig vertritt. Sie hat sich in erster Linie als ein nicht zu unterschätzendes Binde- und Aneifcrungsmittel für unsere Gesinnungsgenossen in den verschiedenen Ländern erwiesen. In zweiter Linie hat sic sich auch als geeignetes Agitationsmittcl bei dcutschlesendcn Stammesbrüdern erprobt. In beiden Hinsichten aber, namentlich jedoch in letzterer, könnte sie noch weit mehr leisten, wenn sie öfter und umfangreicher, als es bis jetzt der Fall war, erscheinen würde. Eine solche Vergrößerung des Blattes ist auch durch die Fortschritte unserer Bewegung und die daraus resulttrcnde Fülle von Nachrichten und zu besprechenden Gegenständen eine dringende Nothwendigkeit geworden. Um nun einen Versuch zu machen, derselben gerecht-zu werden, beabsichtigen wir einen Fond zur Vergrößerung der „Selbst- Cmancipation" zu bilden und bitten alle Gesinnungsgenossen nach Möglichkeit zu demselben beizutragen. Wer gewillt ist, diesen Fond mit directen Beiträgen zu unterstützen, versäume es keinesfalls; große und die kleinsten Beträge sind gleich willkommen. Wir möchten aber auch die Aufmerksamkeit unserer Parteigenossen darauf lenken, daß es möglich ist, kleine und größere Bettäge der Sache zur Verfügung zu stellen, ohne daß jemand überhaupt oder merklich belastet wird. Zuvörderst richten wir an alle Gesinnungsgenossen die dringende Bitte, alle ihnen zukommcnden, postalisch bereits verwendeten Briefmarken z u sammeln und von Zeit zu Zeit für den Fond zu bestimmen. So gering der Werth einer einzelnen solchen Briefinarkc ist, so beträchtliche Summen können durch den Verkauf derselben hereingebracht werden. Nicht minder laffen sich ansehnliche Beträge bei Hochzeits- und anderen, Festlichkeiten durch Sammlungen kleiner Beiträge und durch Einhebung von scherzweisen Strafgeldern erzielen. Die Ueberweisung aller Wett- und Spielgewinnste, welche von Gesinnungsgenossen gemacht werden, an den Fond ist in Berücksichtigung des Umstandes, daß hiebei die bethciligten Wetter oder Spieler eigentlich nichts verlieren, ebenfalls wünschenslverth und allgemein durchführbar. Und so gibt cs noch tausend andere Gelegenheiten, welche man im Interesse des genannten Fonds wahrnehmen kann, und die wir nicht alle aufzählen wollen. Zeder treue Gesinnungsgenosse wird wohl einschen, wie sehr jeder Partei und auch unserer ein häufig und umfangreich genug erscheinendes Organ notthut, und darnach sein Verhalten gegen den Fond cinrichten. Selbstverständlich ist, daß alle der Administration dieses Blattes für den Fond, zukommenden Sendungen und Bettäge im Blatte selbst ausgewiesen werden. Wien, im Juni 1891. Die Leitung der zionistis chcn Partei Wiens. Spenden für den „Fond zur Vergrößerung der.. „Selvst-Lmancipatton": Jux-Pocnalien bei dem zu Ehren des Herrn Ingenieurs Michael E l l m a n n gelegentlich seiner Absolvirung und Abreise aus Wien veranstaltete» Abschiedsfeste: 4 fl.—; „Kein reicher Mann": —.20 kr.; „Jede Woche": —.20 kr. — Zusammen 4 fl. 40 kr. Lingesendet. Geehrter Herr Ncdacteur! Gestatten Sie mir, der ich seit einer Reihe von Jahren mitten in der Thätigkcit für dieColonisätionsidce stehe, zu der Frage der Delcgirtentage das Wort zu nehmen. Ich prüfe diese Fragen von dem Standpunkte: was soll mit den Delcgirtentagcn erreicht werden? Die Antwort kann dreifach sein. 1) Organisation 2) Agitation und Sammeln von Geldern 3) Verwendung der gesammelten Gelder. Nun wißen wir alle, daß bei der Jugend der Palästinavcreine die gcsammellen Gelder, mit Ausnahme Rußlands, das aber eine vollständige Sonderstellung einnimmt, gering sind und am besten der Agitation zugeführt würden, um fruchtbringend zu wirken. Sollen indessen diese verhältnismäßig geringen Bettäge den: directen Zwecke in Palästina zugeführt werden, so geben die ruflischen Vereine, die eine genügende Vertretung in Palästina besitzen, oder die Rothschild'schcn Beamten gerne die nöthigen Auskünfte über die zweckmäßigste Verwendung der gesammelten Bettäge und ist der kostspielige und schwerfällige Apparat eines allgemeinen Delegirtentages dazu nicht nöthig. In dieser Weise verführt auch der „Esra" in Berlin. Den beiden anderen Zwecken aber dienen wir, wie allseitig zugegeben wird, die localen' Delegirtenversammlungcn weit besser. Auch bei den letztgenannten Versammlungen rathe ich die Decentralisation an, denn nach meiner Auffassung handell cs sich für uns vor allen Dingen um Schaffung einer Organisation. Die. Ereignisse in Rußland sind für uns die beste Agitation ec> ipso, sie - reden eine so deutliche und - eindringliche Sprache, daß sic auch den gleichgiltigsten unserer Brüder bald aufrnttcln müssen, und muß deshalb unser Augenmerk sein, eine feste über möglichst viele Plätze verzweigte Organisation zu schaffen und sobald wir mit einer solchen versehen,' uns an die Masse unserer Brüder wenden werden, wird ein großer Erfolg nicht ausbleiben, ja ich hoffe, daß er dann unsere kühnsten Erwartungen übertreffen wird. Eine solche Organisation muß aber nach den Verhättnissen jedes Landes eingerichtet werden und deshalb meine ich, daß die Idee eines besonderen galizischen Delegirtentages unbedingt richtig ist. Die Verhältnisse in Galizien, selbst die Agitationssprache, sind ganz andere, als in den dcntschcn Provinzen Oesterreichs, zu denen ich Böhmen rechne. Deshalb mögen unsere Freunde in Galizien mit Hilfe der Delegirtcnvcrsammlung ihre Organisation schaffen und wir sollen für die deutschen Kronländcr das gleiche thu». Es heißt eilen, damit der Sommer zur Organisirung ausgcnützt werde und dann bei Beginn'des Winters mit vollem Ernst in den Kauipf eingetrcten werden kann. Dann wird der Erfolg nicht ausbleiben. W. Bambus. Brün n, den 4. Juni 1891. Hochgeehrte Redaction! Die Einberufung eines allgemeinen Delegirten-Congresses der Repräsentanten sämmtlicher zionistischer Vereine, sowie sonstiger hochangcsehcner Persönlichkeiten, die in irgend ivclchcr Weise die Verwirklichung der Colonisätion von Palästina fördern können, ist eine für die Förderung der zionistischen Bewegung ganz besonders geeignete und nächstens zu treffende Maßregel. Trotz der von Hajehudi in der Nr. 9. d. Jhrg. der „ Seibst-Emancipation" gegen einen solchen Delegirtentag erhobenen Einwendungen bin ich fest daran überzeugt, daß ein einheitliches Schaffen und Wissen von größter Wichtigkeit für den Erfolg unseres Strebcns wäre und wird letzterer nur durch Ausstellung eines allgemein gutgehcißenen und gründlich durchdachten Programmcs erst ermöglicht werden. Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung des geplanten Congresses etwa in den Weg setzen sollten, dürfen uns von unserem Vorhaben nicht abhaltcn und am allerwenigsten braucht bei der Lösung der beregten Frage irgend welche Rücksicht auf den russischen Verein, resp. das Odessacr Comitä genommen zu werden, letzteres umso weniger, als cs durchaus - nicht' notig ist, genanntes Comite zur offic i e l l e n Theilnahme am beabsichtigten Congreffe zu veranlassen. Ich kann daher nicht uinhin noch zu bemerken, daß ich, nachdem ich mit den leitenden Mitgliedern des Odessacr Countys einige Auseinandersetzungen gehabt und auch an einigen Sitzungen deffelbcn gelegentlich thcilgcnoutmen habe, zur innigsten Ueberzeugung gelangt bin, daß ein in Rußland sunctionircndes Comitä überhaupt niemals der großartigen Aufgabe gewachsen feilt kann, die Massen-Emigration nach Palästina auch nur in bescheidener. Weise zu leiten. Die strengen Statuten, welche das Wirken eines solchen Comitäs ganz und gar eineiigen, schließen durchaus jede Möglichkeit aus, eine freie und selbstständige Initiative zu ergreifen, respect. größerere Colonisationsgcbiete ins Leben zu rufen. Kurz das Odessacr Coinite ist höchstens als ein Cassier anzuschen, der nur das entgegcnnehmen darf, was man ihm freiwillig zukommen läßt, der aber nicht einmal über die Berechtigung verfügt, nach wirksainen Mitteln zu greifen, um die Zahl seiner Spender zu vergrößern und seine Thättgkeit auszudehnen. Ich werde mir erlauben, Ihnen demnächst noch einige Maßregeln zu nennen, welche ich für dringend nothivendig halte. Vorläufig ersuche ich Sie um Aufnahme Dieses und zeichne achtungsvoll S. E. Daschewsky. Elisabethgrad, 21. Mai 1891. Sehr geehrte Redaction! Die in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 10 vom 18. d. M. erschienenen und von Sofia datirtcn Mittheilungen beruhen auf Unwahrheiten. - Ich will nur erwähnen, daß der pseudonyine Benzion Unwahrheiten spricht, indem er angibt, daß wir, die nach Sofia eingewanderten und hier wohnhaften Juden, nur au den Magen denken und dieses, weil wir ungebildete Juden sind. Ich . kann Sie versichern, sehr geehrte Redaction, daß wir, was Bildung anbelangt, aus