Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 12 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Der Direktor von „Mikweh Israel" der Ackerbauschule der „Alliance Israelite Universelle", Herr Hirsch wird demnächst seinen Posten verlassen. An seine Stelle tritt der gegenwärtige Obcrgärtner Herr Ni ego. Zn der Colonie Ekron hat man 10 neue Häuser für junge Familien zu bauen begonnen. Diese Familien werden von den Eltern getrennt und mit besonderen Grundstücken versehen. Es heißt, daß sich die Colonisten jetzt nur theilweise mit Ackerbau, zumeist aber mit Plantagenpsianzung beschäftigen werden, und zwar werden Marillen-, Mandel- und Maulbeerbäume gepflanzt werden. Die Bäume sind in der Ackerbauschule von Ekron in der Zahl von über 50000 vorräthig. In Mschon le Zion setzt man die Experimente mit der Seidenraupenzucht fori. Dieselbe wurde über Vorschlag des Colonisten Meirowitsch und nach einem Projcct desselben, der die Frage gründlich studirt hat, in Angriff genommen. Mschon hat also jetzt seine erste „Magnancrie", woselbst auch die Colonistenkinder in der Seidenraupenzucht unterwiesen werden. Zur Erlernung derselben wurden auch aus Ekron 3 Knaben nach Mschon geschickt. Auch in Sichron Jacob begann man bereits damit, die Kinder in der Seidenraupenzucht zu unterweisen. Es ist wegen des gegenwärtigen Rcgenmangcls keine Aussicht aus eine reiche Getreideernte in diesem Jahre vorhanden. Besonders ungünstig stehen die Weizen-Spätsaaten. Dagegen gedeihen die Weinreben ausgezeichnet, darunter die 160000 in Mschon gepflanzten französischen Reben der besten Sorten. Ix. Lhronik (Aus Rußland.) Die Ausweisung der Juden wird nun auch auf Ruffisch-Turkestan (Mittelasien) ausgedehnt, und zwar trifft dieses Geschick nur die seit der Eroberung von Samarkand durch die Russen (1865) eingcwanderten ruffisch-polnischen, nicht aber die einheimischen sephardischen Juden. — Ausweisungen von Juden erfolgten auch in Libau, Dobbeln und Jeletz. — In mehreren ruffischen Städten machten edelsinnige und feinfühlige reiche Juden den Vorschlag, in Anbetracht der traurigen Zeitlage allen Luxus zu verbanne». Leider stieß die allgemeine Ausführung dieses Vorschlages aus den Widerstand einer protzigen Mehrheit von Reichen. — Aus Kiew werden nach vorhergehender Prüfung alle „nicht geschickten Handwerker" jüdischen Stammes ausgewiescn. Dasselbe Schicksal trifft jene jüdischen Handwerker, 'welche zu wenig Aufträge erhalten. — Es ist nach dem „Nowoje Wremja" von Seite der Regierung beschlossen, die speciell jüdischen Schulen aufzuheben und eine besondere Schulbehörde zu errichtenwelche die reügiöse Erziehung der Juden leiten soll. — Der Polizeidirector in L i b a u verordnete, daß in Libau nicht wohnbcrechtigte Juden, welche dahin kommen, um Seebäder zu nehmen, daran verhindert und abgcschobcn werden sollen. — Die j ü d i s ch e n M i l i t ä r ä r z te werden, wenn sie nicht zum griechisch-orthodoxen Glauben übertreten, entlassen. — Es ist eine Ordre in Aussicht, Wonach jüdische Advocaten in ihren Rechten derart beschränkt werden sollen, daß sie künftighin nur in Bagatellangelegenheiten werden interveniren können. — Die russischen Behörden haben den Auftrag, die zum orthodoxen Glauben übergetretcnen Juden zu überwachen und im Falle von confessiöiiellen Rückfällen zu bestrafen. (Aus Korfu) dauert die Auswanderung 'der Juden fort, da man die eingctretene Ruhe mit Recht nur als Scheinruhe bezeichnet. Das Volk ist im höchsten Grade den Juden feindlich,'so daß ohnehin die wirtschaftliche Existenz derselben auf der Insel untergraben ist. Es wird nicht lange dauern und cs wird, diesem Umstand Rechnung tragend, der letzte Jude Korfu verlaffen haben. Die Auswanderer wenden sich nach der S el b st - E m a n c i p a t i o n. Türkei, wo sie sogar manchmal von der Regierung Reiseuntcrstützungen erhalten. So handelt die „barbarische" Türkei! Freilich, die echte Barbarei ist die des Herzens und die kennt der Orientale nicht. — Unter andern sind 35 Familien nach B e y r u t h in Syrien abgereist. (Aus Italien.) In Beantwortung einer Anfrage des Deputirten Pais-Serra, ob die italienische Negierung gegenüber den Verfolgungen der Juden in einigen Theilen Enropa's eine Aktion einzuleiten beabsichtige,' erklärte Ministerpräsident Marchese di Rudini, daß sich Italien in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten nicht cinmischen könne. Wenn es aber zu sprechen in die Lage käme, würde es dies zu Gunsten der religiösen Duldung thun. („Die Wiederaufrichtung Palästinas") betitelt sich ein F l u g b l a t t, welches weder Verfaffer, noch Verleger oder Druckort nennt und in der letzten Zeit in Wien cursirtc. Es enthält den ausführlichen Text der bekannten dem Präsidenten der vereinigten Staaten überreichten Petition und des Berichts der amerikanischen Tagespreise über die PetitionSangelegcnhcit. (Ein neues Colouisatiousprojcct) hat Herr Paul Friedman» in Berlin, der Abkömmling einer jüdischen Familie, und ein reicher Mann, ausgcarbeitet. Er schlägt Madjan — das biblische Midian — als Colonisationsgebiet für die ruffischcn Juden vor. Aiadjan hat nun nach der Schilderung zu entschcideu, die er selbst in einer deutschen Brochürc ' „das Land Aiadjan" entwirft, gerade keine besonders anziehenden Eigenschaften, es sei denn die, daß die.Regierung des Khcdivc — Midjau gehört zu Egypten - eine weitgehmdc politische und ökonomische Selbstständigkeit zugestchen will. Außerdem hat Midjan nach dem Zugestäudnis des Projektanten selbst nur für eine halbe Million Einwanderer Platz. Nichtsdestoweniger stehen wir diesem Projecte nicht feindlich gegenüber, nachdem Midjan in der u n m i t t e l b a r st e n R ä h c Palästinas, des historischen Bodens Israels, sich befindet und am Ende einer nicht zu großen Ansiedler- Menge Existenzbedingungen böte. Wir müffen es aber aufs tiefste bedauern, daß obenerwähnte russische Brochürc in ihrem Eifer für ihre aparte Liebhaberei es für gut findet, das Palästina-Projeci, welches von allgemein jüdischer epochaler Bedeutung ist, herabzusetzen. (Persien) bietet den russischen Juden Land zur Anfledlung an. Wir müffen vor der Annahme dieses Anerbietens abrathen, da Persien eine' im höchsten Grade judenfeindliche Bevölkerung besitzt und Judenverfolgungen dort eigentlich gar nicht aufhören. Es wundert uns, daß Sir Oliphant — wohl ein Sohn oder anderer Verwandter des vor Kurzem verstorbenen großen Freundes unseres Volkes, Sir Laurence Oliphant — diesbezüglich Unterhandlungen mit der persischen Regierung angenüpft hat. Ucbrigcns ist derselbe auch nach Constantinopel abgereist, um mit der Pforte über den Ankauf großer Ländereien in Palästina jenseits des Jordans, woselbst ruffische Juden angesiedelt werden solleu, zu verhandeln. (Ein Bulgare) Herr A. F. S i m i r g i e g e w tritt in seiner in Philip popel erscheinenden bulgarischen Zeitung für die Idee der Wiederctablirung der jüdischen Nation in Palästina ein. .(Nach dem Cougo) sind 50 ruffisch-jüdische Familien aus Amsterdam abgercist. (Bortrag.) Im akadem. Verein „Kadimah" hielt Samstag d. 13. d. M. Herr stud. med. Philipp Schwarz einen Vortrag über „die Bedeutung des Judenthums für die Entwicklung der Menschheit", welcher von den zahlreich erschienen Gästen und Vereinsmitgliedern mit großem Jntereffe und lebhaften! Beifall ausgenommen wurde. (Dr. Hermann Adler) ist am 4. Juni d. I. zum Chief - R abbi v on Großbritannien gewählt und proclamirt worden. (Der Papst) wird sich, wie der päpstliche „Moniteur de Rome"" in einem Artikel „Die Judenfrage und das Papstthuin" ankündigt, schließlich gezwungen sehen, da der Judenhaß Nr.. 12. von Tag zu Tag znnimmt, als S ch i e d srichtcr zwischen Christen und Juden aufzutretcn. (Die Botschaft Pellegrinis.) Wir lesen im „Wiener Tagblatt" vom 12 d. M.: „Die Botschaft, mii welcher der Präsident der argentinischen Republik, Herr P e l l e g r i n i den Nationalcongreß eröffnete, hat ein düsteres Bild von der finanziellen und wirthschaftlichen Lage, in rvelcher die Republik sich befindet, entworfen. Di e Einwand erung hat bedeutend ab-, die Auswanderung bedeutend z u g e n o m m e n. D i c m it den Staats lande reien gemachten Colo nis ationsv ers u ch e sind als total niißglückt zu betrachten. ...... Den Gesammtverluft, welchen fremdes Capital in den letzten beiden Jahren in Argentinien erlitten hat, schätzt der Präsident auf rund eine Milliarde Pesas Gold." u. s. w. im selben Tone. (Die Aktien) der von Baron Hirsch zu schaffenden „SociÄL de Colonisation JsraÄite", welche er alle selbst einzahlt, will er dann an einige große Corporationen unter der Bedingung des Nichtweiterbegebcns verschenken. Der in Pacht- Zinsen bestehende „Geivinnst" soll dann immer zu weiteren Colonisationszwecken, sei cs in Argentinien, sei es in anderen Ländern verwendet werden. Es schaut also auch bei dem Argentinien-Projecte etivas für die Palästina- Colonisation heraus. Der Umiveg erscheint uns freilich unnötig. (Cthrogim aus Palästina.) Wie wir bereits in voriger Nummer berichteten, hat sich allerorts ein Protest gegen den weiteren Bezug der, Ethrogini aus Kor f u 'erhoben und ist allgemein, selbst von assiinilirtester Seite, der Bezug aus dem heiligen Lande empfohlen worden. Eine große Menge von Rabbinern in den slavischcn Ländern hat sogar einen förmlichen „Jssur" über die Ethrogini korfuischer Provenienz ausgesprochen. Nichtsdestoiveniger geht von einigen Ehrenmännern der Versuch aus, den allgemeinen Widerwillen gegen die griechischen Ethrogini zu bekämpfen und wird auch über geplante Irreführungen des Publikums berichtet. In Anbetracht dessen einpfiehlt es sich, was wir hiemit Vorschlägen möchten, daß die Engros-Händlcr, falls sie die Ware nicht direct aus Palästina beziehen, ii u r dort kaufen, wo ihnen ein ausdrückliches A t t e st eines palästinenfischen R a b b i n a t e s vorgezeigt wird, Privatleute aber ihren Einkauf nur bei Detail- Händlern besorgen, welche ihnen als gewiffenhaft bekannt sind. . Liste jener Personen, welche in der Zeit vom 15. Mai 1891 bis 10. Juni 1891 durch Wien und unter Benützung der durch den. Verein „Admath Jeschur un" verschaffte,! Fahrpreisermäßigung nach Palästina (Hafen von Jaffa) ausgewandert sind: Herr P a ch o w i tz aus Moskau. Bemittelt. Will Landwirt werden. Frau Z e l n i ck e r sammt Tochter Feigele aus Rußland. Gatte, resp. Vater bereits in Palästina. Herr Moses Blume n t h a l sammt Frau Betty und 4 Kindern. Landwirt aus Ungarn. Bemittelt. Frau Golde Adler, 38 Jahre alt, sammt Tochter Mirjam, 17 Jahre alt, aus Warschau. Gatte resp. Vater bereits in Palästina. Herr Jsak Moses. Deutsch, Drechsler aus Russisch-Polen, 30 Jahre alt. Verheiratet, wandert aber vorerst allein aus. : Frau Beile Ul lmann, Witwe, 40 Jahre alt. Zur Familie nach Chaifa.