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Selbst-Emancipation · 1891-06-17 · Heft 12 (17.6.1891) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 12 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12. S e l b st - E man c i p a t i o n. Seitens. nur einen namhaften Fluß, den Jordan. Er; entspringt am Hermon in der Höhe von z 600 m. und behält stets die südliche Richtung.! Im Oberlanf bildet er den kleinen Schilfsee; M e r o m und den weit größeren Liberias-; s c e. 'Rach zahlreichen Windungen erreicht er das; „Todte Meer". Seine rechtsseitigen Rebenftüssc sind noch kürzer als die Küstenflüsse und nur j die linksseitigen, wie der I a r m u k und der ' Jabbok sind bedeutender. Auch die Flüsse Syriens sind mit Ausnahme des Orontes und Leontes von keiner Bedeutung. Letzterer entspringt auf dem höchsten Punkte Coelesyriens, fließt anfänglich in südlicher Richtung, wendet sich aber, sowie er Coelesyrien verläßt, nach Westen und mündet bei T i) r u s (Sur) ms mittelländische Meer. Im Unterlauf bildet er die Grenze zwischen Palästina und Syrien. Unweit seiner Quelle nimmt der Orontes seinen Anfang. Dieser hat sofort eine Breite von 17 in. und eine Tiefe von l*/s m. Die Wasser des Libanon und 'Antilibanon sammelnd wälzt er seine große Wassermenge nach Norden, um nach einem Laufe von 100 Meilen in dieser Richtung mit einer Westwendung das Meer zu erreichen. Der Orontes war einst bis zu seinem Oberlauf schiffbar, jetzt aber verschließt eine schwer paffirbare Barre den Weg. Von Flüssen verdient noch der B a r a d a genannt zu iverden, der nach einem östlich gerichteten Lauf von 15 Meilen die Ebene von Damaskus erreicht, und theils von Natur theils durch Kunst in zahlreiche Arme und Canäle gespalten, dieselbe in eine blühende Oase verwandelt. Schließlich verliert er sich im See von Merdj. Da die Gebirgszüge mithin auch die größeren Flüsse parallel zum Meeresufer laufen, so kann nur ein schmäler (bis 200 Km. breiter) am Meeresufer gelegener Gürtel des' zwischen dem Meere und dem Eufrat sich weit ausbreitenden Landes von einer ansäßigen Bevölkerung bewohnt sein. Dieser Gürtel hat in Palästina einen Flächenraum von beinahe 35.000 □ Km., in Syrien von fast 110.000 □ Km. Die mannigfache Gestaltung des Bodens auf einer vcrhältnißmäßig so kleinen Fläche ruft auch eine große Mannigfaltigkeit im Klima hervor. Der Küstenstrich in Palästina zeichnet sich durch einen zwar heißen und regenlosen, aber sehr angenehmen Sommer aus. Der Westwind bringt am Abend Kühle und am Morgen Thau. Die Nähe des Meeres macht das Klima in diesem Theile des Landes sehr gesund und annehmlich. Schroffer ist es in den Hochebenen, wo die Tcmperaturdifferenz, welche in der Küstenebene nur einige Grade beträgt, auch 20'' ^reicht. Dem kalten Winter, in welchem das Thermometer oft unter Null sinkt, — Schnee und Eis sind zwar nicht selten, bleiben aber nur im Gebirge länger als 24 Stunden liegen, — folgt ein heißer Sommer. Die Hitze trocknet viele Bäche aus und wird schon im Mai so groß, daß zu Ende dieses Monates die Ernte beginnt, wonach der Boden steinhart wird. Ein subtropisches Klima besitzt wegen seiner starken Depression das Jordanthal. Die enorme Hitze in diesem Landstriche (bis 50") läßt fast alle Pflanzen der tropischen Hitze reifen. (Bananen, Kokospalmen). Syrien hat ähnliche klimatische Verhältnisse als Palästina, nur daß die klimatischen Unterschiede bei benachbarten Orten entspechend den bedeutenderen Höhenunterschieden weit größer sind. Im Libanon z. B. kann man innerhalb einiger Quadratmeilen alle Zonen Europas finden. Im gauzen Lande unterscheiden die Bewohner nur zwei Jahreszeiten, die Regenzeit und die regenlose Zeit (letztere von Anfang Mai bis October). Wegen ihres besonders gesunden Klimas sind berühmt die Städte Beirut, Jaffa und S ä f f e d. Im Allgemeinen ist das Klima sowohl in Palästina als in Syrien gesund und ■ nach Zwi edenek „acclimatisirt sich s e l b st der im Norden groß gewordene Europäer ohne merkliche Schwie- Den Verschiedenheiten des Klimas entspricht naturgemäß die Mannigfaltigkeit in der Pflanzenwelt. Die Küstenebene gehört sowohl in Palästina als in Syrien der Mittelmeerflora an. Das Jordanthal hat, wie bereits erwähnt, fast tropische Flora. Auf den Hochebenen beginnt das orientalische Steppengebiet. Waldreich war Palästina, von den westlichen Gebirgsabhängen abgesehen, wohl nie, jedoch sind auch die einst bestandenen Waldungen fast gänzlich ausgerodet. Nur die Korkeiche und der Kastanienbaum kommen in kleinen Hainen vor. Besser bewaldet und bewässert ist heute das Ostjordanland, welches sich auch mehr zum 'Anbau von Getreide eignet. . In der Nähe der Wüste wachsen wild: Dünkel, Sorghum, Kümmel, Senf, Spargel, Artischoken, Trüffel u. m. a. Die Rose wächst wild im ganzen Lande, ihre Blätter sind ein Exportartikel.*) Auch das Bambusrohr ist jetzt nicht selten. Die Dattelpalme wächst ohne Anbau am Ufer des „todten Meeres". Sehr wichtig ist das am Ufer des Meromsees in großen Mengen vorkommende Espartogras, welches in Spanien zu Seilerarbeiten verwende: und auch in ungeheuren Quantitäten (400.000 Metercentner) nach Frankreich exportirt wird, wo es zur Papierfabrikation dient. Galläpfel werden in großen Mengen exportirt. In der Wüste gedeiht eine Pflanzenart, welche zur Kali-, Theer- und Seifenbereitung verwendet wird. Futterpflanzen wachsen wild in verschiedenen Arten. Fast dieselben Pflanzen außer der Dattelpalme findet man in Syrien, außerdem auch Zedern, die imnicr seltener werden, und nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden sind, Pinien und wildes europäisches Obst. Wir haben hier nur eine Uebersicht der in Palästina und Syrien wildwachsenden Pflanzen gegeben, während die ungleich bedeutungsvolleren C u lturpflanzcn erst bei Besprechung d e r L a nd wirth sch a ft aufg ezählt w erde n s o l l e n. Die Thierwelt weist einen Mangel von Arten auf. Von den Raubthieren sind nur noch die Hyäne und der Schakal häufig. Löwen, Leoparden und Bären, letztere im Libanon, werden immer seltener. Hund und Katze leben in Palästina seit jeher im halbwilden Zustande. Das Wildschwein findet sich in ganz Palästina. Der milde indische Büffel lebt im Jordanthale zahm. Geschätzt werden die wilden weißen Esel der Wüste. Daselbst kommt auch die Antilope vor. Der Steinbock — im Libanon — zieht sich stets mehr in weniger zugängliche Gegenden zurück. Im Mittelalter gab es viele Strauße und Trappen; heute werden sie noch am Euphrat gejagt. Wildenten leben am Meromsee. Giftschlangen sind nicht mehr vorhanden. Heuschrecken (auf dieselben als Landplage wird weiter unten zurückgekommen werden) werden von den Arabern genossen und in conservirtem Zustande weithin exportirt. (Ueber Nutzthiere unter Viehzucht). Ueber die mineralischen Schätze des Landes wird beim Capitel Bergbau gesprochen werden. Der Haupterwerbszweig der Einwohner sowohl Palästinas als Syriens war zu allen Zeiten die L a n d w i r t h s ch a f t, nämlich Ackerbau, Viehzucht, Bienen- und Seidenraupenzucht. Im Allgemeinen ist der Boden P a l ä st i n a s sehr fruchtbar, und wenn auch die biblische Bczeichnuug Palästinas als eines „Landes, wo Milch und Honig fließt" eine dichterische Hyperbel ist, so urtheilen andererseits auch einige neuere Forscher, welche das Land als völlig erschöpft hinstellen, oberflächlich und unrichtig. Wie Die „Rose, von Jericho" ist keine Rose, und wächst nicht bei Jericho. wenig eine solche Ansicht berechtigt ist, wird dadurch bewiesen, daß an den Flußmündungen, wo eine künstliche Bewässerung begünstigt ist, „die ganze Landschaft einem blühenden Garten gleicht". (Zwiedenek). Die fruchtbarsten Theile Palästinas sind: Die Umgebungen von Jaffa und Hebron, die Ebenen I e s re e l, S eb ul o n und die Umgebung von T i b e r i a s; im Ostjordan lande die Ebenen Hauran und B a s s a n, das Jarmukthal und die Jabbokufer. Hauran und Bassan, welche auch heute große Mengen von Weizen exportiren, sind die Getreidegebiete Palästinas. Sonst ist dasselbe für Getreidecultur wenig geeignet. Dafür waren Weinrebe, Oelbaum und Feigenbaum schon vor der Einwanderung der Hebräer die wichtigsten Culturpflanzen des Landes und sind es noch heute. Was den Wein betrifft, so müssen bessere Weinsorten erst eingeführt werden, was aber seitens der neuen jüdischen Colonien schon mit Erfolg versucht wurde. Der Oelbaum, welcher in Palästina seine Heimat hat, wird immer weiter verbreitet. Man schätzt die Zahl der jährlich im Küstenstrich gepflanzten Oelbäumc auf eine halbe Million. Das „syrische Oel" steht dem besten italienischen und südfranzösischen Oele nicht nach. Der Feigenbaum liefert Feigen und Feigenkaffee zur Ausfuhr. Neben den bereits angeführten sind Kastanien, Hülscnfrüchte und Gemüse wichtige Nahrungspflanzen Palästina's. Die Kastanien sind zwar nicht, wie in Korsica, rin Hauptnahrungsmittel, werden jedoch immer mehr verbreitet. In neurer Zeit hat man in Südpalästina der Dattelpalme größere Aufmerksamkeit gewidmet. Ebenso werden Bananen und Kokospalmen an der Jordanmündung stets verbreiteter, denn es gibt kaum noch Bäume, von welcheii man müheloser einen reichen Nutzen ziehen kann. Sehr wichtig für Palästina ist die Cultur der Orangen und Limonen. Auch andere Südfrüchte bilden einen bedeutenden Ausfuhrartikel, so: Aprikosen und ihre Kerne, Mandeln, Nüsse, (türkische) Haselnüsse, Pistazien, Caroben (Früchte des Johannisbrodbaumes) und Rosinen. Berühmt sind die Obstgärten in der Umgebung von Jaffa. Die Süßholzwurzel wird in großen Quantitäten nach Europa ausgesührt, wo sie zur Consiturenbereitung verwendet wird. Mais ist erst in neuerer Zeit ein Nahrungsmittel geworden. Reis wird nur in einigen Gegenden und in geringer Menge gepflanzt. Kaffee und Cacao könnten sehr gut im Ghor gedeihen und jedenfalls den einheimischen Bedarf decken. Von den wichtigsten Handelspflanzen nimmt der Tabak die erste Stelle ein. Der Tabak aus Syrien (besonders aus Latakia) und Palästina wird im ganzen Oriente sehr geschätzt und fast vom jedeni Fellachen gepflanzt. Vorzüglicher Mohn dient zur Opiumerzeugung, Hopfen fängt man zu cultiviren an. Hanf, Flachs und Leim sind äußerst wichtige Handelspflauzen des Landes. Der Safran war schon von den alten Hebräern als gelbe Farbe gebraucht. Die Baumwollpflanze wurde schon im Alterthume cultivirt und wird seit 1869 in großem Maße angebaut. Zuckerrohr und Balsamstaude waren einst verbreiteter als heute, gewinnen aber wieder eine größere Bedeutung, namentlich in der Gegend von Jaffa. Am geeignetsten für sie ist jedoch der südliche Theil des Ghor. Nicht minder wichtig wäre der ausgedehntere Anbau des kürzlich in Palästina eingesührten Chrysanteum, welches aus Dalmatien z. B. in einer Menge von 10.000 Metercentner exportirt wird und zur Erzeugung von Jnsectenpulver dient. Syrien hat mit Ausnahme der Dattel- und Kokospalmen, Bananen, des Zuckerrohrs, Kaffees, Cacaos alle Pflanzen Palästinas und producirt außerdem große Mengen von Getreide, europäisches Obst, Kartoffeln und manche Gemüsearten. (Schlußfolgt.)

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