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Selbst-Emancipation · 1891-06-17 · Heft 12 (17.6.1891) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 12 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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theilt auf alle briefliche Anfragen, deutliche und wahrheitsgetreue ' Auskünfte, welchen allein man Glauben schenken darf, und besorgt gegen Einsendung des Angeldes den Bodenankauf auf die möglichst billige Weise. Der „Waad" verdient als uninterefsirtes Organ der russischen Zionsfreunde unbedingtes, blindes Vertrauen. Wer sich darnach richtet, erspart sich umsonstige Ausgaben und Strapazen und erreickt seine Ziele durch einen Briesivechsel, der einige Marken kostet. Dabei bleibt er noch von den Schlichen der oben geschilderten speculirenden Ehrenmänner geschützt. - Es ist überhaupt klar, daß die Colonisation von dieser Plage gewissenloser Ausbeuter nur dann wird bewahrt bleiben können, wenn die Geldfürsten unseres Volkes jenen Biedermännern zuvorkommen, indem sie große Landstrecken zu billigsten Preisen ankaufen und sie dann ohne Gewinn abgeben. Ein bedeutungsvoller Schritt wird in tzieser Richtung demnächst, wie ich Ihnen fteudig erregt mittheilen kann, geschehen. Herr Eliah Scheid. der Mandatar des edlen Protectors der palästinensischen Colonien*) hat von diesem den Auftrag erhalten, sich in das Gebiet am östliche« Jordanufer zu begebe«, und 300.000 Dunam <ca. 5's, Millionen o m.) an Bode« zu erwerben. Der Boden ist im Ostjordanland schr billig (4 bis 5 Francs per Dunam einschließlich Spesen), so daß auch Leute mit ganz kleinen Capitalien (1000 bis 2000 Rubel) zu Grundbesitz werden kommen können, umsomehr, als dort Getreidebau und Viehzucht betrieben werden, die ihren Mann sammt Familie bereits im ersten Jahre ernähren, während der Wein- und Plantagenbau des Küstengebietes erst nach vier bis fünf Jahren den Unterhalt abzuwerfen im Stande sind. Für die Colonisation des ganzen transjordanischen Gebietes bedeutet *) Baron Edmund Rothschild in Paris. Die Redaction. S e l,b st *.(§man c i p,a. t i o n. dieser große Bodenankauf einen vielversprechenden Anfang,' für tausende unserer'Brüder Rettung; nur mögen' diese nicht übereilt vörgehen, sondern ruhig zu Hause abw arten, bis die Perfektion des Kaufvertrages feststeht und die Details bekannt werden. Jacob KonstantinowSky. Palästina und Syrien. Eine geographische Skizze von M. Sz. Literatur: Die ersten genaueren Beschreibungen Palästina schaben TitusTobler (Eine Reise im Orient. 1835) und Edward Robinson (Wanderungen durch Palästina. 1841) gelicsert. Später erschiene» eine Anzahl größerer und kleinerer Werke, von denen die wichtigsten sind: F rankt: Nach Jerusalem: Sepp: Jerusalem und das heilige Land, 1876; Strauß: Länder und Stätten der heiligen Schrift, 1877; Fr aas: Aus dem Orient 1862; Ebers und G u t h e: Palästina in Bild und Wort, 1881—1883; B ä d e ck e r (S o c i n), Palästina und Syrien. 1880. Die wichtigsten Angaben enthalten die Veröffentlichungen des „Palästina Explorations-Found" und der deutschen „Gesellschaft zur Erforschung Palästinas" (Von Guthe rcdigirte Vierteljahrsschrift.) — lieber Syrien schrieben: Fraas: Drei Monate in Libanon, 1872: Zwiedenek, Syrien und seine Bedeutung für den Welthandel, 1873; Schau: Reisen in Syrien und Mesopotamien; Petermann; Reise im Orient; und Ändere.*) Man pflegt unter Syrien das Land zwischen dem Euphrat und dem mittelländischen Meere zu verstehen. Es zerfällt seiner geographischen Beschaffenheit nach in drei Theile, in die nicht genau begrenzte „s y r i s ch e W ü st e", das nördliche S y r i e n oder Syrien im engeren *)Andere empfehlenswerthc Werke sind: R. von R e it tu e r: Palästina, 1838. Nachtrag 4843; V o ln e y, Voyage en Syrie et en Egypte pendant les annels 1783—85. Paris 1787; und die im „Sprcchsaale" der letzten Nummern angeführten Werke. die mit überschwänglichen Phrasen zur Mitarbeit ihn einladenden Measfim war, daß sie nicht die heil. Sprache zu Profanem und Irreligiösen mißbrauchen sollen, hat die Folge gelehrt. Auch gegen deren Epigonen verhielten sich später Rappaport und Luzzato schr zurückhaltend und verwahrten sich gegen jede Gemeinschaft mit den verrufenen, „aufgeklärten Hebraisten", welche sich vom praktischen Judenthume lossagten und in der heil. Sprache das Allerheiligste, die nationalen Gefühle des Volkes, verletzten. (S. meine Tiferet Bochurim, Vorträge über hebr. Sprache und Geschichte. Wien 1869.) Mit freudigem, hoffnungsvollen Blicke begrüßen wir daher die in unseren national-gesinnten Jünglingen erwachte Liebe und Neigung zur klastischen hchräischen Sprache und Literatur, die eifrige Pflege derselben auf dem Boden des Judentums und im Zusammenhänge mit seiner geschichtlichen Vergangenheit, gegen welche unsere glaubenstreuen Schriftsteller in ihren stilistisch gediegenen, mustergültigen Werken die höchste Pietät hegen. Von solchen Gefühlen erfüllt, von heiliger und religiöser Scheu durchdrungen, hat unser ehrw, Herr Direktor Zach. Frankel, der Begründer der jüdisch-geschichtlichen Schule, der jene Rabbinerversammlung, welche die Kenntnis der hebr. Sprache aus dem Gedächtniffe des Volkes auslöschen wollte, mit lautem Proteste verlassen hat, mir nahe gelegt, einen hebräischen Verein am Seminar ins Leben zu rufen. Bei dieser Anregung leitet ihn die volle Ueberzeugung, daß es keinen guten, jüdischen Redner ohne Vertiefung in den Geist der Sprache Jesai as geben könne und daß ihr Wiffen für die zur Leitung der Gemeinde und Schule Berufenen und ebenso als Schlüffe! für archäologische Studien und orientalische Sprachenförschung unerläßlich ist. Es genügt keineswegs, wenn wir ihre grammatischen Regeln wiffen, sondern wir müssen uns eine Gewandtheit und Fertigkeit im schriftlichen Gebrauche und in der Anwendung des reinen biblischen Ausdruckes aneignen, so daß wir den jüd. Geist in seiner eigenen Literatur, in seinem Original zu erfassen, die hebr. Werke mit Geläufigkeit und Leichtigkeit zu lesen imstande sind. Diese Fertigkeit läßt sich nur im gegenseitigen Verkehre, durch regen Wetteifer in vereintem Wirken erlangen, dieser berechtigte Anspruch nur durch allwöchentliche Zusammenkünfte, durch Vorlesen und Besprechen der neuesten literarischen Erzeugnisse befriedigen. Collegen! Wir leben in einer Zeit, da jede Nation ihre Sprache und die in dieser niedergelegte Cultur zum Gemeingute aller Stammesgenossen zu machen strebt. Sollten wir nicht mit berechtigterem Stolze und erhöhtem Selbstbewußtsein aus die unvergleichlicher Werke unseres Volkes Hinweisen, die geistigen Produkte unserer Literatur nicht mit Vorliebe pflegen? Legen wir durch regere Theilnahme an unserem Vereine lebhaftes Interesse für das hebräische Sprachstudium an den Tag! Wirken wir gemeinschaftlich für dessen Hebung und Förderung, Fortentwicklung und Vervollkommnung! Schon spricht man uns, den eigentlichen Besitzern der heil. Schrift, ihr Verständnis ab. Möge es uns nicht so auch bei der heiligen Sprache ergehen. Bis nun hat kein Nichtisraelit — dem das hebr. Sprachgefühl fehlt — ein nennenswerthes, hebräisches Werk geschrieben. Lasten wir uns dieses Vorrecht nicht aus den Händen nehmen. Denn noch immer ist sie die Sprache des Gebetes, des öffentlichen Gottesdienstes und der häuslichen Andacht,' der Ausdruck unserer Gefühle bei jedem feierlichen, freudigen sowol als traurigen Anlässe während des ganzen religiösen Lebens, von der Geburt bis Sinne (Soristan) und das südliche Syrien oder Palästina. Letzteres läßt sich nach der Bodenbeschäffenheit in fünf Gebiete theilen. Da ist vor Allein der Küstenstrich, bis 15 Km. breit, mit einem sehr fruchtbaren Alluvialboden. Er hebt sich zu einer terassenförmigen Hochebene (Größte Höhe: 600 m.) welche sich wieder zum Jordan thale (El Ghor) senkt. Diesem, deffen tiefste Stelle das „tobte Meer" — 394 m. unter dem Meeresspiegel — ist, folgt eine zweite Hochebene, welche mit der vorerwähnten in vorhistorischer Zeit ein Ganzes war. Durch ein gewalüges Elementarereigniß wurden sie getrennt und das Ghor gebildet. In einer Höhe von 900 m. geht die zweite Hochebene in die Wüste über, in welche letztere der fruchtbare Boden der ersteren tiefe Einschnitte macht. Aehnlich ist auch Syrien gestaltet. Nur folgt hier auf die Küstcnebene die Gebirgskette des L i b a n o n, (Höhe der Karpathen, 2000 bis 2600 m.), welche zu den Flußthälern des O r o n t e s (El Asm) und Leo n t e s (Litani) abfällt. Auf der zweiten Seite dieser Flußthälcr, die zusammen Cocles y r i e n genannt werden, zieht sich parallel mit dem Libanon, die Gebirgskette des Autilibanon hin. Sie steigt terassenförmig zur Wüste ab. Von der Küste führen nur wenige gangbare Päffe über die Höhen des Libanon und Antilibanon in die Mitte des Landes, und auch diese sind steil und gekrümmt und daher für den Verkehr von geringer Bedeutung. Längs der Wüste kommen in Syrien und Palästina noch einige Gebirgszüge vor; in Palästina speciell werden sie unter dem Namen Gilead zusammengefaßt. Die eben beschriebene Gestalt des Landes läßt keine größeren Ströme und Flußgebiete sich entwickeln. Außer den kurzen tief in die Hochebenen eingcschnittencn Flüßchen, welche nach einem Laus von 30 bis 45 Km. direkt ins mittelländische Meer münden, besitzt Palästina speciell zum Grabe, das einigende Band aller Glaubensbrüder, ist sie das Erkennungszeichen zwischen den auf der ganzen Erde zerstreuten Juden, der einheitliche Faden, welcher die ganze jüdische Geschichte durchzieht, der Mittelpunkt für alle Glieder Israels. Sie ist das Leben unseres Volkes, die Bedingung unseres Seins. Noch hören wir im täglichen Umgänge einige hebräische Kraftausdrücke, deren Wirkung durch keine Uebersetzung zu erreichen ist; noch bedienen sich ihrer Gelehrte im brieflichen Verkehre und schriftlichen Gedankenaustausche.*) Erhalten wir sie mit der uns eigenen hartnäckigen Beharrlichkeit in der Beivahrung der nationalen, idealen Güter, damit .sie uns, wie sie dies schon einst gethan, vor dem Untergehen im Strome der Völker schütze. Lasset uns durch ihre ' Erlernung Zeugnis abgeben für unfern Glauben an die Wiedergeburt Zion's, für unsere. zuversichtliche Erwartung, daß es dereinst, wie von Mich und Honig so auch vom klaren Quell der süßen heiligen Sprache, von den Ergüssen ihrer Dichtungen wieder überströmen werde. - Der vorliegende Feuilleton berücksichtigt noch nicht die großartige Entwicklung der hebräischen Sprache und Literatur in den letzten Jahrzehnten in Rußland. Sie ist dort in ein EntwicklungSstadiüm getreten, welches augenscheinlich als unmittelbarer Vorgänger gänzlicher Wiederbelebung, die sich freilich erst auf dem Boden des heil. Landes vollziehen dürfte, anzusehen ist Täglich erscheinen neue hebräisä)e Werke wissenschaftlichen und belletristischen Inhaltes. Außerdem hat eine hebr. Presse — worunter zwei Tageszeitungen „Hameliz" und „Hazefira" — das Hebräisch allen modernen Bedürfnissen angepaßt. Die Rcdaction. *)Es wäre interessant, bie Ijebr. terminl technici zu sammeln, um sie der Vergessenheit zu entreißen. Die Rabbinen sollten principiell eines hebr. Briefwechsels sich befleißen. . . . , Der Autor.

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