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Selbst-Emancipation · 1891-06-17 · Heft 12 (17.6.1891) · p. Seite 2

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 12 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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bekämpft, als wir es fast allein auf dem Plane sahen und eine völlige Verdrängung des Zionismus fürchten mußten, sind aber beruhigt, seitdem wir.chas Gegengewicht der cnglifchen^Palästinabewegung kennen. Ja, noch mehr,' wir begrüßen es als Mittel zur Vorbereitung eines Theils.der Juden aus den Zionismus, den diese unvermittelt nicht begreifen würden, auf das freudigste. Nur die Frage „wann wird dem Provisorium der definitive, zielbewußte Zionismus folgen, damit dieser ganz allgemein und die Lösung der Judensrage im. zionistischen Sinne Thatsache werde V vermag uns diese Freude zu einiger Bangigkeit , herabzudrücken. Nicht, daß wir fürchten würden, darauf bis m's Unendliche oder überhaupt besonders lange ..warten zu, müssen! Mchts liegt ,uns ferner, als solche Besorgnis. Wer die Angst quält uns, es, könnte der endgilttge Sieg unserer Sache, d. h. die Rettung des Judenchums erst erfolgen, nachdem noch ein weiterer Schicksalsschlag oder gar noch. mehrcre.unser Volk getroffen hätten. Wir fürchten, daß die Ueberzeugungskraft der jetzt so verstärkten zionistischen Partei noch immer nicht langen wird, um noch vor dem nächsten großen Sturme die begriffstützigen Brüder zu überzeugen und unser gepeinigtes und gehetztes Volk unter Dach und Fach zu bringen. Wir fürchten,^ daß es Israel nicht gelingen werde, noch vor diesem Sturme, in der ruhigen Zwischenzeit, die dritte und letzte Rate seines Lehrgeldes zu bezahlen. Auf daß es dennoch gelinge, auf daß keine neue Serie von Golusleiden uns vor der Realisirung der nationalen.Idee heimsuche, fordern wir alle Gesinnungsgenossen zur, regsten, zur ununterbrochenen Arbeit aus. Alle Mann an Bord! B. Die hebräische Sprache. Vortrag, gehalten am jüd.-theol. Seminar, zu -Breslau bei der Eröffnungsfeier des hebräischen Vereines i. I. 1875 von Dr. Adolf Frankl-Grün, derzeit Rabbiner in Kremfler. . (Schluß.) Den Hellenisten gegenüber mußten aber die Schriftgelehrten umsomehr den kostbarsten nationalen Besitz, die Sprache, bewahren, deren Kenntnis sie eben vor jenen voraus hätten. So verfaßte Jo sua, Sohn des Sirach aus dem Priestergeschlechte, hebräische Sprüche (.190) und ein späterer Schriftsteller, unter der Herrschaft der Hasmonäer (185—106) (Sarbat Bne Elf das erste Makkabäerbuch und Zusätze zu . manchen Theilen der heiligen Schrift (Baruch, Tobia, Judit). Diese ursprünglich hebräisch, geschriebenen Werke (Apokryphen) haben sich nicht erhalten, weil , sie wegen ihres minderwertigen, nicht speciell jüdisch-geschichtlichen und religiösen Inhaltes vom Canon ausgeschloffen wurden, welche Sammlung der Heil. Classiker blos die von den Männern der großen Versammlung approbirte hebräische Nationälliteratur umfaßt. Außer ihr sind keine hebräischen Schriftdenkmäler aus jener Zeit vorhanden. Selbstverständlich erschöpft die für manche Begriffe synonyme Ausdrücke, besitzende, für manche aber selbst einfache Bezeichnungen entbehrende Bibel nicht den ganzen hebr. Sprachschatz (Kus. 2, 68), von dem viele in jener nicht vorkomnrende Redensarten und Wörter nach und nach verloren gingen, deren Stämme jedoch in der S elb st-E m ancip a ti o n.' Die Zionsidee in England. I. London, den'12. Juni 1891. Es Anden. Hier, viele, Versammlungen statt, deren durchgängig, glanzender Verlauf den gewalügen Fortschritt des Zionsgehankens in England darthut. So wurde vor zwei Wochen im MileEnd eine von der „Chovevci..Zion Society"' einberufcnc Versammlung abgehalten, welcher mehr als 4000 Personen, darunter die angesehensten Männer, . anwohnten. Der ,Vorsitzende, Parlamentsmitglied Samuel Most ta gu begründete die Bestrebungen der Zionisten und erzählte, daß er selbst früher Amerika den Vorzug gegeben, bald aber seine Ansichten habe ändern müssen. Palästina sei das Land der Sehnsucht der Juden, — ein Moment von größter Wichttgkeit. — Auch sei, die immer zunehmende, Ausbreitung des Antisemitismus unter den Ariern eine nicht hinwegzuleugnende ^Thatsache,; ^vährend bei den Mohamedänern, die selbst" Sdmit'en sind, etwas' Äehnliches nicht möglich erscheint. Hs sei für Israel besser mit Jsmael als mit Esau zu wohnen.*) Der Türkei könnte eine solche Einwanderung nur. *) Es ist klar, Laß man von Samuel Montagu nicht annchmcn könne, er spreche anders in der.Ocffcnt- . lichkeit als unter, vier.Augen..-.Einer .solchen Annahme aber käme es gleich, wollte man einem in den „Ocster.r. * ' Wochenschrift" püblicirten Berichte Glauben schenken, wonach Montagu in einer Unterredung mit dem Londoner Vertreter des Dcpeschcnbureaus ■ „Herold" ausgeführt habe, „er begünstige, die Auswandcru. g der Juden nach Amerika, weil, er glaube, daß diese Auswanderung derjenigen nach Palästina vorzüziehcn sei. Wenn er trotzdem die Einrichtung von jüdischen, Colonicn in Palästina unterstütze, so geschehe es deshalb, weil er einsehe, daß. der Drang der ruffischen Jude» nach Palästina ein starker.sei." ....... Die.Red. Mischna, welche die aus der.Zeit der Lebendigkeit , der hebr, . Spräche Zerrührenden, münd- ' lichen Überlieferungen wortgetreu wicdergibt, zum großen Theile sich auffinden lassen. Nur hat sie öfters aus althebräischcn Wurzeln durch organische Verbindung mit Bedienungsbuchstäben, Flexionen und Partikeln ein neues Wort geschaffen, diesem eine aramäische Gestalt und Biegung gegeben. Es kann daher auch manche Construction die wir als chäldaische Eigenart bezeichnen, schon früher im Alchebräischen gebräuchlich gewesen "sein. Die Anführung derselben bei den sprachgewandten, competenten. Mischnälehrern drückt ihnen das Gepräge der Echtheit, des Althebräischen auf. (Vgl. Maim.Comm. zur Mischna Teruma 1, 1. Jb. Esra, Eft. 8, 17. Weiß „Studien" S. 4. 32.) Wir können daher. sagen, daß die hebr. Sprache, welche im Hause R. Juda I., des Sammlers der Mischna (190—220), - in seinem Lehrhause und bei vielen späteren Schriftgelehrten Umgangssprache geblieben ist, in der Mischna sich fortentwickelt und weitergebildet hat, wenn man sich -auch des Unterschiedes zwischen, der Sprache der Bibel und der Sprache der Weisen bewußt war. (Ab. Sara 58, Kid, 70.) Von ihrem gänzlichen Absterben oder Aufhören ihrer selbstständigen produktiven Kraft kann selbstverständlich auch später nicht die Rede sein, weil sie auch. nach der zweiten Zerstörung Jerusalems (Josephus' hebr. Werk: Der jüd. Krieg. 72), während des ganzen diasporifchen Zeitraumes, wenigstens von einem Theile der jüd. Verbannten gesprochen und gepflegt würde. Selbst im. Talmud (200—500), in. welchem das neühebräische, vulgäre Idiom vor- Herrscheild ist,' finderi sich noch mehrere Sentenzen und Elegien (Meg. 6) in rcnchebräischer Sprache. Und sah.man/ sich auch genöthigt, den des Hebräischen Unkundigen Concessionen zu machen, manche Nr. 12. nutzbringend werden, denn sie ivürde so zu Reichthum und Wohlstand gelangen. Schließlich theilte Herr Montagu der Versammlung mit, daß Nev. S. Singer eine Petition an Lord Rothschild in hebräischer und englischer Sprache verfaßt habe, in' welcher derselbe gebeten werde, durch Marquis of Salisbury die Intervention der Regierung bei der Pforte zu erwirken.. Herr Montagu forderte nun die Anwesenden auf, woferne sie sich den Pflichten eines jeden Juden gegen seine Mitbrüder und das Land seiner Väter nicht entziehen wollten, die . Petition zu unterzeichnen. Rcv. Singer verlas die Petition und gab seiner Freude darüber Ausdruck, auch zahlreiche arische Zionsfreunde in der Versammlung zu sehen. Herr d'A vi g d o r verurtheilte die Bestrebungen, Juden nach Amerika zu schicken, denn das hieße ja, sie noch mehr zerstreuen. Palästina allein sei das ' geeignete Land, ihre Heimat, das Land der Verheißung, erst dort würden sie Frieden finden. Oberst Albert Goldsmid trat der Ansicht entgegen, daß die Juden bloß ein Handelsvolk seien. Erhöbe im nördlichen Aft'ika kriegerische jüdische Stämme getroffen, welche selbst von Arabern gefürchtet werden. Was die Colonisation Palästinas anbetrifft, so könne er aus eigener, Erfahrung sprechen, welche vollkommen mit denen des Colonel Conder und des seligen Sir Laurence Oliphant übereinstimmen. Schließlich dankte der Redner dem Vorsitzenden und allen jüdischen und nichtjüdischen Anwesenden für ihr Mittvirken an der Wiederäufrichtustg der jüdischen Natioir. M o nt a g u erwiderte den Dank und erklärte, daß das Comitä von den besten Hoffnungen beseelt sei. Im Jahre 1882 wären 200000 Pf. Sterling (2,400.000 fl., die Red.) für die russischen Juden gesammelt worden, auch heute würde diese Summe zusammenkommen und wenn nöthig noch mehr. Am Schluffe der Versammlung ivurde die Petition von mehr als 2000 Anwesenden unterfertigt. Gebete und wichtige Abschnitte der Thora in jeder den Betenden verständlichen Sprache. zu lesen und zu übersetzen (Targum), so wurde immerhin bei Gebeten die hebr. Sprache bevorzugt (Sota 32), dem . Vater zur Pflicht gemacht, sein Kind, sobald es zu reden anfing, die heil. Sprache zu lehren, weil diese trotz ihrer Neigung zur Kürze jeden unästhetischen, unsittlichen Begriff weitläufig (euphemistisch) umschreibt, jede die Begierde erweckende Bezeichnung von ihrem Sprachgute bannt und so die Seelenreinheit, die Keuschheit der Jugend fördert. Und indem der Talmudlehrer und Ägadist zum Sprachlichen, zur Erklärung der schwierigen und seltenen Wörter, zu den variirenden Stellen der heil. Schrift in beständiger Beziehung stand, mußte er für das Verständnis des Urtextes Sorge tragen. Auch im nachtalmudischen Zeiträume (500—650) haben die Commentatorcn aus diesem Grunde die heilige Sprache gepflegt und beweisen ihre Responsen und Gutachten eine Gewandtheit und Geläufigkeit in ihrer Handhabung. Wol haben sie die Landessprache gelernt, um hiedurch die Gunst ihrer Beschützer zu erwerben, doch vergaßen sie dabei die eigene, durch heilige Traditionen fortgepflanzte Sprache nicht, die von den Nationalgesinnten, welche in ihr dachten und fühlten, erforscht und ergründet, veredelt und vervollkommnet wurde. Auch die Polemik mit den Kirchenvätern (Hieronymus und Origines), welche sich von jüd. Lehrern in der Bibel unterrichten ließen, machten die Kunde der hebr. Sprache nothwendig. So ist auch im hohen Greisenalter ihr Glanz nicht erloschen, ihre Kraft sticht geschwunden, vielmehr empfing sie frische Säfte, welche aus einer jüngern, sprachverwandten Cultur ihr zuströmten. In der gaonäischen Epoche (650—1040)

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