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Selbst-Emancipation · 1891-06-01 · Heft 11 (1.6.1891) · p. Seite 5

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 11 (1.6.1891)
Date
1891-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11. Selbst-Emancipation. Seite 5. 2. daß Herr Dr. Nathan Birnbaum allen von den Ei ge nt h ü in e rn des Blattes „Selbst-Emancipation" zur Finanzirung desselben nnternommenen Schritten vollständig ferne stand und steht; 3. daß Herr Dr. Nathan Birnbaum speciell mit den Beziehungen, welche die E i g c nt h ü m e r des Blattes behufs Ermöglichung des Wiedererscheinens desselben im Frühjahre 1890 mit dem Vereine „Admath Jeschurun" in Wien anknüpften, nichts zu schaffen hat, und daß sich daher aus solchen angeblichen Beziehungen keine wie immer gearteten Rechte oder Verbindlichkeiten für ihn ableiten. 4. daß Herr Dr. Nathan Birnbaum bisher immer sich strenge innerhalb seines r edactioncllcn Wirkungskreises hielt, und für seine gewissenhafte und geradezu aufopfernde Pflichterfüllung den Dank der Eigcnthümcr des Blattes, sowie aller Gesinnungsgenossen verdient. Im eigenen Namen und im Namen der übrigen Eigcnthümer des Blattes „Selbst- Emancipation": Dr. Siegmund E l k a n, Arzt und Herausgeber der „Sekbst-Emancipation". Aba F i s ch l e r, Abraham Sauberberg, Ingenieur. Ingenieur. Dr. Moriz S ch n i r e r, Arzt und Redakteur der „Wiener Mcdicinischen Presse". Wien, 16. Mai 1891. Erklärung. Wir bringen hieinit in Bezug auf gewisse, von sattsam bekannter Seite wider unfern hochgeschätzten Gesinnungsgenossen, den Chef-Redacteur der „Selbst-Emancipation", Herrn Dr. Nathan Birnbaum, ausgesprengte lügnerische Verdächtigungen zur allgemeinen Kenntnis, daß derselbe niemals in eine d i e a d m i n ist r a t i v e oder financielleSeite des Z c i t u n g s u n t e r n e h in e n s b et r e f f e n d e B e r b i n d u n g mit uns getreten ist, und daher auch keinerlei daraus angeblich resultirende Pflichten unserem Vereine gegenüber zu erfüllen hatte noch hat. Für den Ausschuß des Vereines „Admath Jeschurun": Dr. O. Koke sch, Dr. Moriz Schnircr, Schriftführer. ' Präsident. Wien, 18. Mai 1891. Lur DiFcuffion über die Franc dc§ Dclegirrencagcs.*) Mit Bezug auf die in der „Selbst-Emancipation" Nr. 8 d. Jhrg. berührte Frage eines zionistischen Delegirtentages erlaube ich mir in die hiedurch angeregte Discussion einzugreifcn, umsomehr, als mir so Gelegenheit geboten ist, das in der erwähnten Nummer initgctheilte Projekt des Vereins „Zion", zum Zwecke der Gründung eines Verbandes der galizischen zionistischen Vereine einen Delegirtentag für Galizien einzuberufen, *) Der Autor des Artikels „Organisation" in Rr. 8 d. Jhrg« wird sowohl dieser gesch. Einsendung als den früher bereits veröncntlichten und noch zu gewärtigeiidc'n Einsendungen gegenüber seinen Standpunkt zu vertreten, resp. aufzuklären nicht ermangeln. Die Redaction. gegenüber dem im Leitartikel verfochtenen Standpunkt in Schutz zu nehmen. Der Antor des Leitartikels gesteht zu, daß „eine Centralisation der Zionsbewcgnng nach Landsmannschaften als Vorbedingung und Grundlage für die zu schaffende allgemeine Centralisirung der Bewegung notwendig" ist, beansprucht für das eine der übrigens treffend von ihm geschiedenen Actionsgebiete, nämlich für die Agitation eine landsinannschaftliche, den verschiedene» localen Bedingungen Rechnung tragende Centralisation, ja, er anerkennt sogar, daß „in großen Staaten mit untereinander heterogenen Provinzen durch die letzteren eine gewisse Decciitralisation wird nöthig werden" und tritt dennoch dem erwähnten Projccte eines DctegirtentageS für Galizien, der gerade eine solche landsmannschaftliche Centralisirung vorzubercitcn hätte, entgegen, weil derselbe, „namentlich jetzt noch eine zu gewagte Dcccntralisirung wäre." Abgesehen nun davon, daß von einer „Decentralisation" dort nicht die Rede sein kann, wo cs, wie bei der. jüdisch-nationalen Bewegung, leider noch an einem Centruul fehlt, und daß vielmehr jedes Zusaiunientrcten, sei es von einzelnen Gesinnungsgenossen zur Gründung eines Vereines, oder von bereits bestehenden Vereinen zur planmäßigen Thätigkeit und einheitlichem Vorgehen — wo immer und in welcher Zahl sic immer sie sich finden — gerade eine Centralisation der Bewcgmig bedeutet, muß in Erwägung gezogen werden, daß Galizien den Grundstock der Judenschaft Oesterreichs, nämlich 70 Percent umfaßt, also schon a priori zum Ccntrum der Propaganda berufen erscheint und daß das galizische Judenthum in eigenthümlichen, von den Stammesgeiiossen im übrigen Oesterreich verschiedenen Verhältnissen lebt, deren Berücksichtigung eine unerläßliche Bedingung für eine ersolgreichc 'Agitation ist. Als Beispiel mag die allerdings blos als Moment der Taktiz in Betracht kommende, aber hier im Interesse der Sache nöthige Anwendung des Jargons und des Polnischen in Form von Zeitungen und Broschüren dienen, zweier Agitationsmittel, denen unsere Gestnnnngsgenoffcn außerhalb Galiziens, aus mangelhafter Kenntniß der localen Verhältniffe gewiß keine Berechtigung, oder doch nicht in gebührendem Maße zusprechen. Ferner muß, wieder nur in rein taktischer Beziehung, den nirgends in solcher Schroffheit wie in Galizien innerhalb des religiösen Judenthums. auftretenden Gegensätzen zwischen Fortschrittlern und Orthodoxen in gewisser Beziehung Rechnung getragen werden, oder die jüdisch-nationale Bewegung bleibt in Galizien nur in potentia berechtigt. Wenn ich nun noch hinzufüge, daß — die zwei oder drei Vereine in Wien abgerechnet — die nationale Bewegung in keiner österreichischen Provinz zur Crhstalisation gelangt ist, außer in Galizien, wo in vielen Städte» jüdisch-nationale Vereine bestehen und jetzt die palästinensische Bewegung immer mehr an Ausdehnung gewinnt, so dürfte die Nothwendigkeit eines Verbandes der galizischen Vereine, respective eines Dclcgirtentages für Galizien einem Jeden einleuchten, der sich bei dieser Frage weder von einem falschverstandeuen allgemein österreichischen noch localen Patriotismus leiten läßt, sondern einzig und allein eine immer weitere Verbreitung der nationalen Idee als die Basis unserer Wiedergeburt betrachtet. Der locale galizische Charakter würde dem Delegirtentage auch dann bleiben, wenn er außerhalb Galiziens einberufen wäre, weil letzteres die meisten Theilnehmer entsenden würde und weil diese, da es eben vorläusig noch nicht anders angeht, alle Fragen durch ein galizischeS Prisma betrachten wurden. Obwohl cs nun keinem Zweifel unterliegt, daß au deni galizischen Tage auch die Vertreter der in Wien bestehenden zionistischen Vereine theilnehmen werden, so werden doch fate Beschlüsse des Tages vor der Hand sich nur auf Galizien beziehen. Dies gilt jedoch nicht nur für die Agitation, sondern auch für das zweite ActionSgcbict, die Programmvcrwirklichung, nur muß man dieselbe nicht so einseitig auffaffen, wie der Autor des mehrmals genannten Leitartikels es thut, indem er darunter nur die Colonisation Palästinas begreift. Das jüdischnationale Programui umfaßt, wie jedes andere nationale Progranim, viele Momente, die alle auf die Beglückung unseres Volkes Hinzielen, also die selbstständige kulturelle, nämlich physische, geistige und ökonomische Entwickelung des kulturellen Lebens kann durch eine territorielle Concentration der Volkselemente aui besten ermöglicht werden, aber nicht diese territorielle Conccntration ist der Endzweck, sondern jene selbstständige kulturelle Entiyjckelung; wenigstens ist für uns Rationaljuden in O e st e r r e i ch die Colonisation Palästinas nicht der einzige Zweck, da wir unter ganz anderen Bedingungen leben, als unsere Stammesgenossen in Rußland, bei welchen jene Ausschließlichkeit des Strebens vollkommen begründet ist, und welchen die Ansiedlnng auf einem eigenen Territorium nächster Zweck ist. Hier aber haben wir außer der Colonisation Palästinas, als deren Material wir doch vorläusig leider (?) nur vervcrfolgte russische Inden verwenden könne», noch andere. wenigstens ebenso wichtige Momente in unserem Programm, wie die Fortbildung unserer nationalen Literatur und ihres Organs, der hebräischen Sprache, und die ökonomische und politische Solidarität der Juden. Faßt nia» nun so unser Programm auf, so müssen bei dessen Verwirklichung, ebenso die localen Bedingungen berücksichtigt werden, wie bei der Agitation; mit Ausnahme freilich des Programmpuuktes der Colonisation Palästinas, welche in der That nur aus praktische», nicht principiellen Gründen local organisirt z» werden braucht. Auch das zweite 'Actionsgebirt muß also landsmannschaftlich organisirt werden, sollen unsere Bestrebungen von Erfolg gekrönt sein, ja sogar die Colonisation Palästinas könnte erst dann zu einer allgemeinen Centralisirung gelangen, wenn sich die einzelne» landsmannschaftlichen Verbuidnngen zu einzelnen Verbänden vereinigten. Ist also die Agitation und die programmmäßige Thätigkeit local ccntralisirt, so ist die Vorbedingung für die allgemeine Centralisation erfüllt und zugleich die Basis für die eigentliche Programmverwirklichung gegeben. Galizien macht den Anfang. A. Korkis. Lemberg, im Mai 1891. Zur Kolonisation Palästinas. (Eine Anregung.) Seit dem Beginne der das ganze Judenthum verklärenden und immer mehr sich emporschwingenden Palästinabewegung ist die praktische Seite der Colonisation noch immer nicht in hinreichendem Maße behandelt worden. Wahr ist es, daß eine ideale Strömung keine Hindernisse kennt und sich dtlrch alle Schwierigkeiten hindurchzuschwingen versteht, da denen, welche dem Ideale huldigen, kein Opfer zu groß ist, wie wir es ja bei der Gründung der ersten Kolonien auf dem Boden der Väter zu sehen oft genug Gelegenheit gehabt haben. Um einzusehen, daß es nicht nur falsch sondern auch unklug wäre, dem Palästinagedanken die ideale Seite rauben zu wollen, brauchen wir bloß auf die Jünglinge emporschauen, welche gleich beim Auftauchen der Nationalidee sich in das verwüstete Palästina begeben haben, um aus den uralten Steinen neue Lebenssäfte einzusaugen und sich bewußt den erdrückendsten Arbeiten unterzogen haben, um das Ideal zu erreichen. Unrichtig jedoch war es, daß man selbst zu der Zeit, da die Bewegung einen, wenn auch nicht so stürmischen, aber um so geregelteren Verlaus genommen hatte, die praktische Behandlung der Frage den einzelnen überließ, ohne irgend welche Organisation in diese Angelegenheit des gesammten Volkes hineinznbringen. Erst das letzte Jahr mit den vielen neuen Gesellschaften und den realen Unternehmungen hat uns in dieser Hinsicht für die früheren Jahre etwas entschädigt, da das Jasiaer Executiocomitä bereits seit einiger Zeit den Bodenankauf in die Hände

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