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Selbst-Emancipation · 1891-06-01 · Heft 11 (1.6.1891) · p. Seite 4

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 11 (1.6.1891)
Date
1891-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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(Sei bst - Em a n c i pation. Nr. 11 Italien nennen. In erstercs Land kann die Bewegung von Deutschland, in letzteres von Oesteraus getragen werden. Mag man da auch nur die humane Seite der Sache betonen, hervorzuheben gilt es demnach, daß cs stch um ein humanes Beginnen im größten und großartigsten Maßstabe, um die Rettung vieler Mllionen Unglücklicher handelt. Wird die Sache nur mit Eifer und Geschick in die Hand genommen, dann kann der Erfolg nimmer schien. Untrennbar von unserer Agitation ist das Streben, die Einigkeit unter den Juden zu fördern. Beyruth und Jaffa, wo sich sephardische und aschkenasischc Juden zu ein er Gemeinde vereinigt haben, mögen uns allen leuchtende Vorbilder sein. Die sephardischen Juden aus den Balkanländern, die Mitglieder des Vereines „Kadimah" sind oder gewesen sind, haben die Pflicht, der zionistischen Bewegung ein weiteres Feld unter ihren näheren Stammesgenoffen zu erobern und allerorts das Mitgefühl für ihre unglücklichen aschkenasischen Brüder in Rußland zu wecken. Wie überall, so muß auch hier der Blick fest auf unseren Polarstern gcheftet werden, der uns die Richtung zeigt, in der wir steuern, in der wir wirken und schaffen, in der wir kämpfen und arbeiten müffen. Und wie wir nur einen Polarstern haben, so müffen auch alle landmannschaftlichen Vereine dem gleichen Ziele zusteuern und sich einander ohne Mißtrauen die Hände zu reichen bereit sein. Die Ausdehnung der Colonisation muß nach Möglichkeit zusammengefaßt und einheitlich gestaltet werdm, auf daß sie möglichst schnell wachse, blühe und gedeihe! Also frisch denn ans Werk! Unser Polarstern strahlt uns hell durch die Nacht der Verfolgung, fassen wir ihn nur ins Auge, schauen wir nicht links und nicht rechts und steuern wir unbeirrt zu auf unser - herrliches Ziel! Wiffen wir doch, daß wir nur auf diesem Wege den Stürmen und Wogen des uns umtosenden Meeres entrinnen werden. Kämpfen wir also ohne Ermüdung, kämpfen wir mit äußerster Anstrengung all unserer Kräfte und je schwerer der Kampf, desto herrlicher der Lohn. Gilt es doch nichts Geringeres, als ein ganzes Volk zu befteien, und der Cultur ein ihr entrissenes Land von neuem wieder zu gewinnen! Es ist dasselbe Ziel, das nach Göthes großer Darstellung den überall in der Welt herumgeworfenen Faust, der nirgends Glück und Ruhe gefunden, am Ende seines Lebens glücklich macht. Und wem es auch nur vergönnt sein sollte, das Glück und die Freiheit seines Volkes nur von weiten zu schauen, er darf dann dennoch am Ende seines Lebens mit Faust die Worte ausrufen: „Solch' ein Gewimmel macht' ich seh'n. Auf freiem Grund mit freiem Volke steh'n. Zum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch, du bist so schön! ES kann die Spur von meinen Erdentagen Mcht in Äonen untergeh'n..— Zm Vorgefühl von solchem hohen Glück Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick." Magdeburg, 22. Mai 1891. Zur Aufklärung. Der unter obigem Titel in der vorletzten Nummer unseres Blattes erschienene Artikel hat Herrn Dr. Filipp H a j c k veranlaßt, eine „Berichtigung" hiezu abzufaffcn und mit Berufung auf § 19 Pr.-G. die Aufnahme dcrdersclbcn von uns zu verlangen. Diese „Berichtigung" zeichnet sich vor Allem dadurch aus, daß sie, in Gänze abgedruckt, ein Vicrthcil unseres Blattes einnehmen würde. Es fällt uns aber gar nicht bei, sic in Gänze abzudruckeu, da uns das Gesetz nicht zwingen kann, alles d a s zu veröffentlichen, was Herrn Dr. Filipp H a j c k uns einzusenden beliebte. Die „Berichtigung" strotzt nämlich e r st e n s von in der lächerlichsten Breitspurigkeit vorgctragenen, absolut nichts, o d e r wenigst e n s » i ch t s. w a s d e n H e r r n Dr. H a j c k a n g e h t, berichtigenden, übrigens größtcnthcils unwahren Geschichte», zweitens von unverfrorenen lügnerischen Verdächtigungen n n d B e l e i d i g u n g e n g e g c n einzelne Pcrsonen- Als Ablagcrungsstätte für ' solche Gcistesproducte zu dienen, können wir doch füglich nicht verhaltcu werden. Im Folgenden veröffentlichen wir jene Theilc des Dr. Hajek'schcn Schriftstückes, die wenigstens formell Anspruch auf den Namen „Berichtigung" erheben dürfen: „Herr Redacteur. VII. „Richtig, ist, daß ich mit anderen Functionären, die gleich mir zum erstenmale anwesend waren (Unrichtig. Die Red.) und gleich mir pro kuturo den Mitgliedsbeitrag erlegten, als Schriftführer gewählt wurde. Es ist auch richtig, daß ich hiebei betonte, daß ich die Verhältnisse des Vereines nicht kenne, unrichtig aber ist, daß ich selbst gestand, der Idee der Zionsbcwegung ferne zu stehen, (wo haben wir denn behauptet, daß Dr. Hajek letzteres eingestand, obwohl er zu nichts mehr Recht gehabt hätte? Die Red.) Sie selber, Herr Redacteur, haben mich bei dieser Versammlung eingeführt (weil ich Sie noch nicht ergründet hatte, und nur, um Sie, der Sie für Colonisationsprojecte in anderen Ländern inehr eingenommen waren, als für das palästinensische, mit Zionisten bekannt zu machen. Der Redacteur.) haben sich über meine treffenden Ausführungen gefreut (Ei, wie gut Sie das wiffen! Der Redacteur.), haben ' mich als Ihren Freund und Gesinnungsgcnoffen ivarm empfohlen (Unwahr! Der Redacteur) und haben mich zur Annahme der Wahl animirt (Unwahr! Ich selbst habe nicht einmal für Sie gestimmt, da mir schon damals der Umstand nicht behagte, daß Sie gegenüber der Versammlung so schnell an Ihre Antipathien gegen Palästina vergessen hatten, und ich jedenfalls auf Ihre intellectuellen 'Fähigkeiten keine allzu großen Stücke setzte. Der Redacteur.) . VHI. Nach dem Gesagten ist es daher nicht richtig, daß diese Wahl eine unüberlegte war, daß sie sich bitter gerächt hat, dagegen richtig, daß ich als Ausschluß-Mitglied (Sie meinen wohl. Ausschuß-Mitglied. Die Red.) eine „besondere" Rührigkeit entfaltete, unrichtig aber, daß in anderer Hinsicht den Anforderungen an einen Schriftführer nicht entsprach. VHI. a.) Nichtig ist auch, daß der Verein bei mir seinen Sitz hatte, und ineine Wohnung als Vereinsadrcffe angegeben war, unrichtig aber, daß ich nur hiedurch die Caffagebahrung in meine Hände bekam. Dieselbe wurde ganz einfach vom „gewählten Cäfficr" im Stiche gelaffen, ich habe diesen Herrn im Ganzen nur 3mal im Vcreinslocale gesehen. Ich mußte daher, sollte der Verein nicht geschädigt werden, riolens volens die einlangendcn Gelder buchen und das betreffende Cassabuch führen, ich that dies jedoch nicht allein, sondern mit Hilfe des gewählten Vereinsrevisors, (den Sie übrigens schließlich dieselbe Meinung von Ihrer Person beizubriiigen wußte», welche wir haben. Die Red.) X. Nichtig ist, daß ich mir - den Umvillen einiger Mitglieder (Pardon, wir behaupteten, den allgemeinen Unwillen der Mitglieder. Die Red.) zugezvgen habe, allein unrichtig ist der hiefür angegebene Grund. Nicht deswegen, weil ich, was ebenfalls unrichtig ist, angeblich das VcreinS-Decorum nicht gewahrt hätte, X. Nichtig ist, daß ich bei der Versammlung im November 1890 nicht gewählt und daß eine Commission gegen mich eingesetzt wurde,' — XV. Es ist daher völlig unrichtig, daß ich mit bloß 2 Anhängern das Locale verließ, wir waren vielmehr 60 an der Zahl. (Ihre Behauptung ist eine einfache, aber grobe Unwahrheit. Die Red.) XVI. Es ist ganz unrichtig, daß mein Eingreifen in die Zionsbeivegung ein unheilvolles war, unrichtig, daß ich mich im Admath Jeschurlin halb und halb mit der Vorgeschichte desselben vertraut machte und daß dies eine Bereicherung meines Wissens bedeute, oder daß ich. diese angebliche Bereicherung zu irgend etwas ansgenützt XV II. Endlich ist es ganz unrichtig, daß ich meine „Gründungsthat" in'der „jüdischen Presse" ausposaunen ließ. Ich habe diesen Artikel nicht verfaßt, nicht geschrieben, und überhaupt erst von einem Mitgliedc des „Ahaivas Zion" zu sehen bekommen. Es ist daher auch unrichtig, daß ich ein unberufen., r und nicht von der Liebe zur Sache geleiteter Störcfried bin, daß ich mir irgendwo Eingang verschaffen gesucht habe, und daß ich mich mit irgend etwas, und wären es auch nur Privat-Namen, brüstcu ivill. Mit gebührender Achtung Dr. Filipp Hajek." Wien, am 6. Mai 1891. Es ist selbstverständlich, daß wir auch bezüglich jener Stellen der hier veröffentlichten „Berichtigung", welchen wir keine Specialbemcrkung lvidmcten, unsere ursprünglichen Behauptungen ganz und voll aufrecht halten. Auf die flegelhafte Phrase „Mit gebührender Achtung" wollen wir nicht weiter reflcctiren ._ Die Redaktion. Erklärung. Einem Wunsche des hochverehrten Herrn Dr. Nathan Birnbaum,' welcher durch von gewisser Seite in Umlauf gesetzte lügenhafte und gcwiffenlose Ausstreuungen beunruhigt ist, mit Vergnügen nachkomincnd, erklären wir hiemit öffentlich: 1. daß Herr Dr. Nathan Birnbaum in keiner Weise ain Eigcnthum des Blattes „Selbst-Emancipation" pärticipirt, sondern lediglich als honorirter Chefredakteur.fungirt.

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